Just how long does it take to drink oceans dry?

Kein guter Tag heute. Ich bin relativ durchgehend mit hoher Anspannung durch die Gegend gelaufen, nichts half wirklich. Das Gespräch mit dem Psychologen (das letzte mit ihm 🙁 ) war teilweise sehr aufwühlend, tat aber auch gut, weil Platz war für die Dinge, die momentan in mir wüten. Wir haben auch darüber gesprochen, was es momentan so schwer macht. Und auch über die Theorie im Kommentar zu meinem letzten Beitrag. Ich muss sagen, dass es teilweise stimmt. Ich bin wenig bei mir, spüre mich nicht gut. Und teilweise stimmt es nicht, denn es gibt mittlerweile ein „ich“, ein Zuhause außerhalb meiner Krankheit, dem skillen und dem Kram. Auch wenn es manchmal schwer fällt. Aber natürlich taucht die Frage wer ich bin und was mich ausmacht immer wieder auf, vor allem weil ich mich derzeit einfach furchtbar fühle.
Beim Thema „bei mir sein“ kamen wir auch auf die Skills zu sprechen, die von mir momentan genutzten sind ja vor allem welche „bei mir“. Dinge, die ich direkt an mir spüre, die mich im Körper halten und mit den Gefühlen und Gedanken bei mir. Dinge, die an einem ähnlichen Punkt anknüpfen wie die Selbstverletzung, am spüren. Und ich glaube diese Skills brauche ich derzeit und muss sie dann einfach auch so lange anwenden, bis der Druck auf einem erträglichen Level ist. Und dann nicht aufhören (was ich ja leider gerne dann tue), sondern weiter machen, bis der Druck zumindest im Bereich der niedrigen Anspannung ist. Herr Psychologe hat mir heute auch noch eine andere Art der Diary Card gegeben, die eine Patientin geschrieben hat. Ich glaube für meine Bedürfnisse muss ich sie ein wenig umändern, aber die Skills werden ausführlicher betrachtet und vielleicht hilft mir dass ja auch zu sehen, was ich anwende, was hilft und was ich noch ändern könnte. (Bäh. Das ist so eine Sache, auf die ich ja totale Lust habe).

Jedenfalls brachte nichts heute eine Besserung. Als ich am Schwesternsitz stand und mit Thorsten verschiedene Möglichkeiten durchsprach kam ein Mitpatient um die Ecke und begrüßte mich (scherzhaft) mit einer Beleidigung. Ich weiß, dass er es eigentlich nicht böse meinte, aber er kann auch die Grenzen anderer wunderbar ignorieren. Das traf in eine der seit Ewigkeiten existenten Kerben meiner Psyche und gab mir den Rest.
Ende vom Lied sind nun viele frische Wunden, einige davon mussten geklammert werden. Die Ärztin vom Dienst wollte mir daraufhin 2,5 mg Tavor verpassen, wogegen ich mich erfolgreich gewehrt habe. Statt dessen habe ich doppelten Bedarf intus und merke das ganz schön, aufstehen funktioniert überhaupt nicht mehr.

Vorhin habe ich mit Schwester Sabine lange geredet. Über meinen Zwiespalt zwischen dem Hass und der Wut auf meinen Vater und dem „aber er ist eben mein Vater“, über Verzeihen und Dinge, die man einfach nicht verzeihen kann, über Dinge, die die Gesellschaft diktiert und die eigenen Grenzen und Bedürfnisse. Für mich ist klar, dass ich keinen Kontakt zu ihm will und da auch kein Verzeihen im Raum steht.
Sie hat mich darin bestätigt meinen Weg und Umgang damit zu finden und vor allem mich zu schützen und nicht das zu tun was andere, im speziellen meine Mutter, gerne hätten.

Immerhin kam noch niemand mit Verhaltensanalyse um die Ecke. Vermutlich würde ich demjenigen vor die Füße kotzen.

Morgen und am Sonntag werde ich heim gehen, allerdings nicht über Nacht. Das traue ich mir gerade nämlich gar nicht zu. Sabine sagte, dass ich mich auch melden soll, wenn es zwischendurch nicht geht. Ich sagte ja, meinte es ausnahmsweise auch mal so, und bin gerade sehr froh mit Bedarf zugedröhnt hier im Bett zu liegen und nicht Zuhause zu sein.

Put the knife down
Don’t you cut your own heart out
I need you alive now
Learn to hold your own hand

2 Comments

  • Ich hoffe, es ist okay, wenn ich meine Gedanken hierlasse.
    Mir kam gerade noch einer, weil du schreibst, dass du oft mit den Skills aufhörst, wenn die ganz hohe Anspannung weggeht. Wie ist es denn mit der Selbstfürsorge, wenn du okay bist? Also… kümmerst du dich erst um dich, wenn es unbedingt notwendig ist, weil sonst was passiert oder machst du das auch, wenn es dir ganz okay geht? Nur ne Frage für dich.

    Wenn ich nicht weiß was mich eigentlich ausmacht, guck ich auf meine Landkarte. Hab mir mal eine gemalt, da gibt es z.B. „Land ders Reisens, „Land der Literatur“, „Land der Depression“, „Land der neuen Gedanken“ usw.usf., und dann seh ich auf einen Blick, dass ich das alles bin und auch einfach von einem zum anderen Land wandern kann. Dauert manchmal etwas, aber irgendwann kommt man an.

    Naja… keine Ahnung, ob das für dich passt. Aber bevor ich nix schreib, vielleicht passt ja was davon.

    • Ja, genau das ist eben das Problem. Ich höre auf mit skillen und Selbstfürsorge und Gutes tun und dem allen sobald es okay wird. Gutes tun ist eh immer wieder ein schweres Thema, aber ich denke wenn ich das hinkriege, diese ganzen Sachen auch zu machen wenn es okay ist, dann wird es auch besser werden. Danke für deine Gedanken. 🙂

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