Just how long does it take to drink oceans dry?

Und mal wieder holen die Dämonen der Vergangenheit mich ein, setzen sich fest und lassen sich nicht abschütteln. Ich bin müde, so müde, aber Schlaf ist nicht in Sicht.
Dafür ist es draußen wirklich schön. Ich war vor der Türe, bin barfuss ein wenig rumgetapst, habe mit der Klinik telefoniert. Reden tat gut, der Druck ist ein bisschen weniger. Ich will mich nicht verletzen, nicht wenn ich nicht alleine bin. Und sowieso eigentlich nicht.
Und so liege ich nun wieder im Bett, versuche durch schreiben die Dämonen ein wenig loszuwerden, einzudämmen, zu bekämpfen.
Die Erinnerungen an meinen Vater sind in letzter Zeit wieder häufig und kommen in jedem Moment, in dem ich nicht zu 150% anderweitig beschäftigt bin. Es kostet unglaublich viel Kraft, sowohl mich ständig beschäftigen als auch die Momente aushalten, in denen ich das eben nicht kann und die Erinnerungen mich überrennen. So viele Bilder, so viel Schmerz. Manchmal habe ich das Gefühl ganz viele einzelne Puzzleteile zu sehen, die sich langsam zu einem großen Bild zusammensetzen. Zu dem, was meine Kindheit und Jugend war. „Bei wem und wie sind Sie aufgewachsen?“ steht im Fragebogen. Zu schnell bin ich groß geworden. Musste ich erwachsen werden. Klar kommen. Versuchen die bizarre Welt meines Vaters zu verstehen um zu überleben und gleichzeitig auch die Realität da draußen zu verstehen und in ihr zu überleben. Aufgewachsen zwischen Regeln und Einschränkungen, zwischen nicht-Kind-sein-dürfen und Gewalt.
Heute versuche ich mir das so gut wie möglich zu geben. Kind sein. Dinge genießen, die ich früher nicht durfte und manchmal einfach Dinge tun, die dem inneren Kind guttun. Schaukeln zum Beispiel, so wie heute. Gestern.
Manchmal fühle ich mich furchtbar zerrissen. Zwischen dem was ich gelernt habe als Kind (unsichtbar sein, kein falsches Wort, nicht schmutzig machen, erwachsen handeln und auftreten, keine Gefühle zeigen) und dem was da aus mir raus will.
Die Dämonen der Nacht, der Vergangenheit, der Erinnerungen. Ich versuche mich damit anzufreunden, dass zu tun wogegen ich mich so lange gewehrt habe: es ist meine Vergangenheit. Meine Geschichte. Es ist wahr. Es bringt nichts mir zu sagen, dass es einfach nicht sein kann. Nicht sein darf. Es bringt nichts davon wegzulaufen. Vielleicht ist das der Weg, den ich gehen muss. Durch den Schmerz und die Erinnerungen und den Horror, akzeptieren und annehmen was war um das alles zu verarbeiten und irgendwann eine Zukunft zu leben, in der die Dämonen nur noch manchmal kommen und dann nicht mehr so beängstigend sind.

Put the knife down
Don’t you cut your own heart out
I need you alive now
Learn to hold your own hand
Come to life now
Let’s leave before sundown
Cause this is our time now
Put an end to an end

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