Let ‚em say we’re crazy, what do they know?

2 Wochen. 14 Tage. So viel Zeit bleibt mir noch hier. Nur noch. 

Und ich wundere mich ständig aufs neue. Ich erinnere mich noch, als mein Aufnahmetermin kam. Noch 5 Wochen bis zur Klinik. Das war so unglaublich viel Zeit. Und plötzlich waren es nur noch 14 Tage, 7 Tage, 2 Tage… Und 3 ½ Monate schienen so unendlich lang, so unvorstellbar, der Dezember so weit weg. Und nun sitze ich hier mit Schal und Jacke bei Minusgraden draußen, denke an den September, meine ersten Tage hier, die Sonne und die Hitze, und frage mich, wo die Zeit hin ist.

Gestern sitze ich mit meinem Puffreiskügelchen draußen und fange an zu heulen. Wir reden über Gefühle und den Lebensvertrag und es kommen Worte aus meinem Mund, die vor 3 Monaten noch so unvorstellbar gewesen sind. Und ich kann da sitzen und sagen warum ich heule, kann die Gefühle dahinter benennen und etwas anderes als Gefühlschaos fühlen oder Leere. Da sind Gefühle, mehrere, gleichzeitig, und sie sind alle da und dürfen da sein und ich darf weinen, weil es okay ist und angemessen. 

Später, nach der Skillsgruppe, sitze ich mit F. auf der Bank und heule schon wieder. Und wir reden und schauen uns an und müssen lachen, weil es so absurd ist auf der Bank zu sitzen und sich zu freuen weil man heult. Aber wir können sagen was wir fühlen: Stolz, Freude und auch Traurigkeit, weil unsere Zeit hier zuende geht. 

Und nun sitze ich schon wieder draußen und heule. Weil ich kaum fassen kann, was die Zeit hier verändert hat. Weil ich traurig bin, dass die Zeit zuende geht, glücklich so tolle Menschen kennen gelernt zu haben, stolz auf uns alle und auch weil ich Angst habe vor der Zeit zuhause. Und ich bin unglaublich froh, dass F. genau einen Tag nach mir kam, dass wir diese ganzen 14 Wochen gemeinsam erleben und am gleichen Tag gehen, denn ich könnte sie nicht hier lassen, zurück lassen oder gar erst nach ihr gehen. 

Es war der richtige Zeitpunkt. Einfach genau der richtige Zeitpunkt um hier her zu kommen. Einerseits für mich, weil einfach alles gepasst hat, weil ich einigermaßen stabil war und an einem Punkt, an dem ich bereit war meine Kraft zu opfern für den Kampf um mein Leben. Und weil die äußeren Umstände einfach so gut waren, weil ich in eine tolle Gruppe kam mit genau den richtigen Menschen, mit genau den richtigen Mitpatienten, die mittlerweile ein Stück kleine Familie sind. 

Es war genau so gut und richtig und wichtig. Und ich wünsche mir so sehr, dass ich all diese Erfahrungen und Fähigkeiten mitnehmen kann in mein Leben, dass ich genau so weiter machen und weiter kämpfen kann. Um mich und für mich. Mit ein paar mehr Menschen im Hintergrund, die mir so wichtig und so nah sind. 

2 Wochen. Zeit, die ich nutzen will und werde um noch zu tun was ich kann. Mir Weichen zu stellen für die Zukunft, Momente sammeln, die mir Kraft geben, genießen, mir Gutes tun, die positiven Dinge aufsaugen. 

Und es einfach auch okay finden, dass ich wohl in den nächsten Wochen einfach immer mal wieder anfangen werde zu heulen. Denn ich darf das und es ist völlig okay. Und Gefühle sind vielleicht doch nicht ganz so furchtbar und beängstigend und ungreifbar. 

Und hätte mir jemand das am Anfang der Therapie hier gesagt, dann hätte ich ihm das Skillsmanual an den Kopf geschmissen. Und in Zukunft werde ich das jedesmal tun, wenn eine von uns zweifelt. An sich oder am Leben oder an Gefühlen. 

Denn wir können alles erreichen. 

And we can build this dream together
standing strong forever
nothing’s gonna stop us now
and if this world runs out of lovers

we’ll still have each other
nothing’s gonna stop us, nothing’s gonna stop us,

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