Lost myself and I am nowhere to be found

Vorgestern ist der Druck dann doch zu groß geworden und das ganze endete in einer Selbstverletzung. Schon beim versorgen habe ich mich dann wieder furchtbar gefühlt, weil das Pflegepersonal eigentlich genug anderes zu tun hatte und das klammern so schwierig war.
Und um eine VA bin ich dann auch nicht herum gekommen, was vielleicht aber auch nicht unbedingt schlecht war.
Gestern fing es dann gegen Abend wieder an so furchtbar zu werden, aber mit skillen habe ich mich dann doch ziemlich auf dem gleichen Spannungslevel halten können. Abends saß ich mit den anderen im Tagesraum, einige haben Fußball geschaut, andere gemalt, und ich habe eine pro/contra-Liste geschrieben. Mir sind doch tatsächlich für die pro-Seite nur 4 Dinge eingefallen. Wäre es in beschissenen Momenten doch nur immer so, dass das rationale Denken funktioniert und ich mir diese Dinge dann vor Augen führen könnte.
Jedenfalls bin ich doch ein wenig stolz, dass ich es gestern geschafft habe ohne mich zu verletzen.

Heute bin ich schon seit morgens dabei eine Spannungskurve zu führen, also regelmäßig aufzuschreiben wie hoch die Anspannung ist und auch Auslöser, falls es welche gibt, sowie Skills  wenn ich welche anwende.
Ein Mitpatient hier lässt meine Anspannung regelmäßig hoch schießen. Eben jener, der auch schon den doofen Spruch brachte.
Während dem Frühsport hat er mich ständig angestarrt und doofe Kommentare abgegeben, vorhin bin ich kurz nach Hause und unterwegs am Rewe vorbei, um noch Katzenstreu zu kaufen, da meinte er er kommt mir einfach nach um zu sehen wo ich wohne.
Und grade kam in den Nachrichten dann auch noch, dass hier vor dem Gericht ein Ehepaar heute angeklagt ist wegen mehrfachem sex. MB, und bumm steigt meine Anspannung.
Nun sitze ich mit Eiswürfel, Film und Kuscheldecke auf dem Bett und versuche klar zu kommen, die Anspannung von kurz unter der Explosion auszuhalten und irgendwie runter zu kriegen.
Vielleicht hole ich mir gleich noch Finalgon, ich muss mich gerade spüren, sonst drifte ich weg.
Dann werde ich mir noch irgend einen Film oder eine Serie anmachen, vielleicht ein wenig stricken. Am besten in den Tagesraum setzen, da komme ich nicht so schnell auf doofe Ideen.
Oder ich laufe mal wieder den Flur hoch und runter. Der Boden ist bestimmt schon 5 mm tiefer, so oft habe ich das in den letzten Tagen getan.

(nun habe ich mit Pfleger Benny bestimmt 15 Minuten einen Deko-Ball hin und her geworfen, das hat die Anspannung erstmal ein wenig gesenkt, es tat einfach gut etwas zu tun und dabei zu reden. Hoffentlich bleibt die Anspannung jetzt ein wenig unter 90.)

Help, I have done it again
I have been here many times before
Hurt myself again today
And the worst part is there’s no one else to blame

3 Comments

  • Da kann ich nun nicht sagen, dass es mir gefällt. Aber ich hab dich gelesen.

    Hilft dir schreiben, runter zu kommen? Gerne auch lange Texte über Traumwelten? Sowas lenkt mich immer gut ab. Ich erfinde Personen und schreibe Geschichten für sie, die ich mir gewünscht hätte damals.

    • Schreiben hilft mir das aktuelle Chaos aus dem Kopf zu kriegen. Teilweise auch, weil ich einfach jahrelang nie über etwas gesprochen habe, da tut es nun gut es raus zu lassen.
      Außerhalb des bloggens schreibe ich nicht (mehr). Mir hilft da dann zum Beispiel malen oder stricken oder sowas mehr.

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