Man braucht mehr als Funken Hoffnung in ’nem endlos langen Regen.

Manchmal bin ich ein Mensch der Extreme. Zum Beispiel, wenn meine Stimmung von einer Sekunde auf die andere von total gut auf völlig beschissen wechselt. Und das kann sie durchaus mehrmals am Tag. Oder wenn ich mich so tief verletzte, dass es genäht werden muss und dabei keinen Schmerz empfinde und mir dann ein paar Stunden später aus Versehen leicht in den Finger schneide und eine halbe Stunde heule vor Schmerz. Oder wenn ich unter extremer Anspannung stehe und da dann nur schwarz und weiß existiert. Oder wenn ich morgens um 4 Uhr aufstehe und hellwach bin, den Tag zuvor aber bis zum Nachmittag geschlafen habe.
Und so bin ich nun wach. Habe meine Medis genommen, habe begonnen aufzuräumen, kraule zwischendurch das Katerkind.
Obwohl ich gestern hundemüde war, konnte ich in der Nacht nur sehr unruhig schlafen. Ich bin mehrmals aufgewacht und habe mich von einer auf die andere Seite gedreht. Dennoch fühle ich mich relativ ausgeruht und fit. Ein Wunder.
Die Zeit werde ich nutzen um weiter Ordnung zu schaffen. Vielleicht lege ich mich gegen Mittag ein wenig hin, ich glaube nicht, dass ich den ganzen Tag durchhalten werde wenn ich schon so früh wach bin. Mal sehen. Der Schmerz und die Trauer fühlen sich heute nicht mehr ganz so furchtbar an wie an den letzten Tagen. Auch wenn es sich teilweise immer noch so furchtbar unwirklich anfühlt.
Ich habe mir eine Liste geschrieben mit den Dingen, die ich heute erledigen will. Die einzelnen Dinge, die ich in der Wohnung machen will und sonstigen Kram, wie beispielsweise einkaufen und kochen und essen. Zwischendurch immer mal wieder eine Pause einlegen und einen Tee trinken, durchatmen.
Vielleicht heute Abend gemütlich auf das Sofa sinken (auf dem ist bis dahin ja hoffentlich wieder Platz) und ein wenig fernsehen und mit dem Zitronenkater kuscheln.
Die Möhrenschweine haben sich noch nicht ganz daran gewöhnt, dass sie nun offener im Raum stehen. Genau wie das Katerkind. Manchmal springt er ins Leere, weil da vorher Möbel standen und nun nicht mehr. Auch den Schweinen schaut er zu, als ob diese erst jetzt hier wären und er sie noch nie gesehen hätte. Das derzeitige Chaos findet er ziemlich toll, weil überall Dinge rumliegen, mit denen mal spielen kann.
Vom Sofa aus kann ich die Meeris gut beobachten. Im Moment hängen sie zu dritt an der Knabberstange und mampfen. Auch mein Uralt-Möhri, das sonst immer Angst vor allem möglichen hat. Manchmal muss man ihn anbrüllen, weil er nicht mehr sonderlich gut hört. Manchmal schläft er auch so tief, dass er nicht merkt wenn man ihn anstubst und ich kriege jedesmal einen Schreck, bis er sich dann doch reckt und streckt und mich anblinzelt. Aber sobald etwas leckeres zu riechen ist kommt er hervorgeschossen und quietscht (naja. Es klingt nicht mehr wirklich wie quietschen, eher wie ein heiseres Pfeifen).
Ohne meine Tierchen wäre vieles so viel schwerer. Und viel langweiliger. Ich kann mir noch gar nicht vorstellen, wie es so lange Zeit ohne sie sein wird. Am liebsten würde ich sie einpacken und mit zur DBT nehmen. Schon die Woche in der Klinik ist immer schwer, ohne das Schnurren und Miauen des Zitronenkaters, ohne das Quietschen und Rascheln der Meeris. Ein es nachts völlig still ist, fällt es mir schwerer einzuschlafen als mit dem Rascheln und Quietschen und Meckern und Trinken der Meeris.

Die Angst schluckt jeden schlechten Traum.
Und kotzt ihn in die Gegenwart.
Ins jetzt und hier, in jeden Raum, ins ich, ins wir
und ich denk mir irgendwie bleibt es ja beim Alten, so an sich

Kommentar verfassen