Mein ich ist ein Rucksack aus Gedanken.

Heute war kein guter Tag. Ich habe schon den ganzen Morgen immer mal wieder Flashbacks gehabt und bin mit hoher Anspannung durch die Gegend, gerannt. Schwester Nathalie hat mir beim Leukoplast abziehen dann auch ein wenig Haut mir abgezogen und mir so eine blaulilarote mehrtägige Erinnerung daran verpasst. Danach war es eine Zeit lang okay, ich war nach dem Flashbackkram einfach nur müde und bin nochmal ins Bett. Irgendwann war die Anspannung dann wieder extrem, dazu kamen wieder Suizidgedanken. Mitten im Flashbackkram bin ich dissoziiert. Ich kann mich nicht mehr daran erinnern, dass ich die Klinge gegen mich selbst gerichtet habe, erst wieder an den feinen Schmerz und die Erleichterung, die durch meinen Körper strömte. Und dann war da das ganze Blut und die Wunden. Mit denen hat die Ärztin (die knuffige) mich ins Krankenhaus zum nähen geschickt, inklusive Pfleger, da die Suizidgedanken so extrem waren. Ich hätte keinen halben Meter Verantwortung für mich übernehmen können. Während dem Nähen hat es mich dann nochmal umgehauen, Schmerzen, die von jemand anderem verursacht werden, dazu noch liegen und sowieso die Anspannung waren zuviel. Der Pfleger hat mich dann mit viel Reden wieder da raus geholt und auch den Rest der Näherei über mit mir über alles mögliche gequatscht.
Wieder zurück habe ich mit der knuffigen Ärztin geredet wie es aussieht mit Verantwortung übernehmen oder ob ich ins Überwachungszimmer muss und Sichtkontrolle kriege. Wir haben uns geeinigt, dass ich bis zum Abend im Tagesraum bleibe und danach der Nachtschicht Bescheid gebe, wie es aussieht. Irgendwann nach dem Abendessen war mir einfach alles zu viel und ich bin einfach nur noch raus (obwohl ich das ja eigentlich nicht gedurft hätte) und einige Male um den See. Und dann war es wieder soweit erträglich, dass ich auch sagen konnte, dass ich es schaffe die Verantwortung für mich zu übernehmen für die Nacht.
Den Abend habe ich mit häkeln und Tatort verbracht. Und Schokolade. Vermutlich wiege ich am Dienstag zehn Kilo mehr als vor der Aufnahme hier…
Nun liege ich im Bett, mit einer Wärmekompresse, die Pfleger Arschkeks mir gemacht hat, Musik auf den Ohren und genervt vom rechten Zeigefinger. Den habe ich mir nämlich vorgestern an der Kuppe aufgeschnitten, als ich mich eigentlich verletzen wollte, beim angeln nach der Klinge aber volle Möhre in sie gegriffen habe. Danach wollte ich dann jedenfalls nicht mehr schneiden. Schwester Nathalie musste darüber lachen (zu doof zum Schneiden) und ich finde es einfach auch bekloppt. Dabei müsste man ja mittlerweile mal wissen, dass die Dinger scharf sind…

Starke Ablenkungsmanöver, hilft trotzdem alles nichts.
Ein Ich ist ein Knast, ist ein Nichts.
Es ist so leicht von vorne zu Beginne.
Aber so schwer der Wahrheit wegzurennen.
Wir können das Leben ewig ändern, aber tauschen nicht.
Wir folgen uns, wir nehmen uns mit.

Kommentar verfassen