mit dem Wind wie Blätter weh’n

Liebe Tante Maria,

Seit ich denken kann warst du eine Konstante in meinem Leben. Weihnachten bei dir war ein festes Ritual.
Nun bist du heute morgen weiter gezogen. Bist bei deinem geliebten Mann.
Und ich sitze hier auf meinem Klinikbett und weine und kann es noch gar nicht fassen. Du nicht mehr da, das kann nicht sein. Du warst doch schon immer da.
An Weihnachten will ich noch gar nicht denken. Ohne dich wird es nicht sein wie es mal war.
Auch sonst wird nichts mehr sein wie es war.
Ich möchte dich nochmal sehen. Das war mein erster Gedanke, als ich davon hörte, und es ist auch jetzt immer noch ein Wunsch von mir. Ich will dich sehen, will realisieren, dass es Wirklichkeit ist. Aber vor allem will ich mich von dir verabschieden und dabei nah bei dir sein. Ich hoffe, dass ist okay für dich.

Ich habe mir einen großen Becher Oreo-Eis gekauft vorhin. Und mich dann mit einem großen Löffel auf den Balkon gesetzt und den Becher gelöffelt. Gegen den Schmerz und gegen den Druck und gegen das Chaos in mir.
Nathalie hat mich gelobt. Vor ein paar Wochen wäre das noch undenkbar gewesen. Sowas aushalten ohne schneiden… Sie sagt es ist toll wie ich damit gerade umgehe und versuche es zu meistern. Und ich soll stolz sein. Und das bin ich auch ein wenig.
Verrückt, wer hätte vor ein paar Wochen gedacht, dass dein Tod ein Anlass sein würde zu sehen wie weit ich gekommen bin. Allein schon wie weit ich seit Sonntag gekommen bin, denn da hat eine ähnliche Nachricht mich genauso umgehauen, ich habe nur anders reagiert.
Ich wünsche mir so sehr, dass du von dort wo du bist siehst, dass wir dich unendlich vermissen. Jetzt schon. Und ich hoffe du bist glücklich, zusammen mit deinem Mann. Und ich stelle mir euch beide vor, so wie früher, so voller Liebe zueinander.
Ich werde die Tage Avocado-Thunfisch-Salat machen. So wie du ihn immer gemacht hast. Und dann werde ich weinen und dabei an dich denken.
Ich werde dich immer lieben. ♡

Niemals geht man so ganz
irgendwas von mir bleibt hier
es hat seinen Platz immer bei dir.

Ich verspreche hier
bin zurück bei dir
wenn der Wind von Süden weht.

Ich saach nit „Lebwohl“
dat Woot dat klingt wie Hohn
völlig hohl. Maach et joot.

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