Möp

Es gibt ja so ein paar Dinge, die man ständig benutzt und trotzdem immer irgendwo hin räumt und dann nicht mehr findet. So geht es mir mit meiner externen Festplatte. Ständig brauche ich sie, ständig suche ich sie. Und wenn ich sie gefunden habe mache ich mich immer auf die Suche nach Stromkabel und USB-Kabel. 

Dann sitze ich vor meinem PC und schaue dem Programm zu, während meine Bilder wiederhergestellt werden. Das Programm hat einige gefunden und ich stelle einfach radikal alles wieder her, das potenziell ein Foto sein könnte. Danach schaue ich dann mal, was an interessanten Daten noch sonst so da ist, vielleicht ist da auch noch was rettbares dabei, dass ich brauche. Mit den Bildern habe ich aber zumindest einen großen Teil des wichtigsten Krams wieder. 

Wenn das vorbei ist kann ich endlich mit dem schönen Teil anfangen: PC einrichten. Ich liebe es technische Geräte einzurichten, alle möglichen Sachen wieder einzustellen, runter zu laden… Als erstes muss mal wieder das Betriebssystem drauf, momentan läuft Win 8.1 wieder, das mag ich absolut nicht. Doch damit muss ich warten, bis die Daten gerettet sind, denn beim Installieren und Updaten ist das Risiko groß, die Überbleibsel zu überschreiben und die Daten wären futsch. Also in Geduld üben, dem Fortschrittsbalken zuschauen, wie er sich viel zu langsam füllt, irgendwas anderes tun bis dahin. Der Download des neuen Betriebssystems lässt sich sowieso gewaltig Zeit, seit gestern Mittag mag die Prozentzahl sich nur alle paar Stunden verändern. 

Gestern morgen war ich schon früh wach. Habe meine Tiere versorgt, das Katerkind gekrault, etwas gegessen und mich wieder ins Bett gekuschelt, weil mir noch zwei Stunden Zeit blieben. Um kurz vor halb zehn bin ich wieder aufgewacht und beim Blick aufs Handy aus dem Bett geschossen, denn mein Bus fuhr um viertel vor. Aber ich habe es geschafft und bin in die Hauptstadt gefahren, in Ruhe bis ins Viertel gelaufen und habe mich dort mit J. getroffen. Zur Feier des Tages spendierte sie mir sogar noch ein Frühstück. Unser Tee-Deal läuft nun seit 201 Tagen wieder, solange ich mich nicht verletze muss sie den Tee bezahlen. Ansonsten wieder jeder seinen. Den Deal haben wir schon lange, doch zwischenzeitlich gab es eine große Pause, schließlich hatte ich ja mehr Tage mit Selbstverletzung als ohne. Irgendwann wollte ich ihn erneuern und wir haben uns auf eine Zeit ab 100 Tagen ohne festgelegt und die habe ich ja auch geschafft. Es ist eine kleine Sache mit großer Wirkung. Ich freue mich immer auf unsere Tee-Dates und dann stolz zu sein, dass ich immer noch „clean“ bin, ist eben auch toll. Und selbst wenn es nicht mehr so sein sollte haben wir trotzdem unsere Treffen, ich muss nur selber zahlen. 

Genauso ist es mit der Verabredung zur 1-Jahr-Feier mit A., wir haben in der Klinik festgestellt, dass unsere „letzten Male“ genau eine Woche auseinander liegen und gemeinsam das halbe Jahr gefeiert und gesagt, dass wir auch das ganze Jahr feiern wollen. Auch das unterstützt mich, denn ich freue mich natürlich darauf mit ihr anzustoßen und überlege mir nun noch einmal mehr, ob ich mich verletze. 

Ich bin froh um die Menschen in meinem Leben, die mich auf alle möglichen Arten unterstützen. Sei es nun mit solchen Verabredungen, oder die DBT-Mädels in unserer Gruppe, die einfach da sind mit Rat oder einem offenen Ohr oder einfach nur zum Quatschen, meine Freunde, die ich volljammern kann oder die mit mir was unternehmen und auch nicht böse sind, wenn ich es mal nicht schaffe mich zu melden oder vor die Türe zu gehen. Es tut gut diese Menschen zu haben und ich bin froh und glücklich, dass es sie gibt. 

Am Abend bin ich dann ein wenig abgestürzt. Mit Skills und allen möglichen Dingen, die ich in der DBT gelernt habe, konnte ich mich halbwegs auffangen, habe mit dem Katerkind gekuschelt und bin irgendwann ins Bett gefallen. Die Nacht war unruhig und alles andere als erholsam. Heute morgen kam ich nur unglaublich schwer in die Gänge, bin nur kurz durchs Bad, in die Klamotten und zum Psychiater. Eigentlich wollte ich noch zu Mama, mich mit P. treffen und danach zu J. um ihr beim Einrichten des neuen Laptops zu helfen. (haha, habe ich ja nun gerade echt Übung drin…) 

Mama habe ich abgesagt. Und P. auch. Ich will einfach nur noch heim auf mein Sofa, die Decke um mich wickeln und mich vergraben. Meine Psyche streikt, mein Körper zieht mit. Meine Augen brennen, mein Kopf schmerzt, mein Magen produziert einen Krampf nach dem anderen. Heute Abend will ich aber zu J. fahren, bis dahin bin ich hoffentlich wieder halbwegs in der Spur und es tut mir auch gut dann nochmal raus zu kommen. 

Meine eigenen Bedürfnisse achten. Fühlt sich neu und ungewohnt an. Aber ich will einfach nur noch nach Hause. 

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