muss ein Teil von sich töten um lebendig zu sein

bei einem der letzten Gespräche mit meinem Psychiater kam das Thema „mir selbst Gutes tun“ auf den Tisch, bzw dem inneren Kind in mir Gutes tun und nicht weiter so mit ihm umgehen, wie „früher“ mit ihm umgegangen wurde. Also quasi genau so weiter machen, wie es damals von außen passiert ist.
Ich habe damit ungemein Probleme. Manchmal funktioniert es gut, dann kann ich mir abends Tee kochen und mich mit Kerzen ins Wohnzimmer setzen, dann kann ich mich selbst beschenken oder mir einfach Raum und Zeit nehmen für Dinge, die mir gut tun.
Im Großen und Ganzen funktioniert es aber mehr schlecht als recht. Und da kommt auch das „okay sein dürfen“ ins Spiel.
Habe ich einen guten Tag, dann stürze ich abends ab, weil es nicht gut sein darf. Habe ich einen schlechten Tag, dann habe ich die Gedanken, dass ich mich verletzen muss, denn sonst ist es ja nicht schlecht. Das habe ich leider oft genug gesagt bekommen („solange du nicht schneidest geht es dir doch gut, solange es noch nicht sooo schlimm ist, dass du dich verletzt hast…“) und habe es selbst auch im Kopf, weil ich diese „Rechtfertigung“ brauche, dass es mir schlecht gehen darf. Das funktioniert irgendwie besser, wenn da sichtbare Zeichen davon sind, dass es schlecht ist.
Wenn ein Tag okay war, dann ist es auch furchtbar. Denn dann habe ich nicht genug getan, damit er gut ist, also war er schlecht, also geht es mir schlecht, also muss ich schneiden.
Mein Tag kann nicht okay sein, ich kann nicht okay sein. Und ich kann mir nichts Gutes tun, denn war es gut brauche ich es nicht, bei okay habe ich es nicht verdient und wenn es scheiße ist, dann kann ich mir doch nicht noch was Gutes tun, wenn ich eigentlich schneiden „müsste“. :S

Es ist furchtbar anstrengend, vor allem weil ich eigentlich vom Kopf her weiß, dass es in Ordnung ist, wenn es gut ist, auch wenn es okay ist und dass es mir auch schlecht gehen darf ohne zu schneiden. Aber im Gefühl kommt das gar nicht an, sowas von absolut gar nicht.

Ich habe schon versucht mir dann einfach trotzdem was Gutes zu tun. Aber dann fühle ich mich noch furchtbarer, weil ich das ja gar nicht verdient habe. X/

Das schrieb ich im Forum. Das werde ich auch morgen nochmal dem Psychopeuten in der Klinik versuchen zu erklären, der übrigens nicht sonderlich begeistert war, dass ich anrufe, „so außerhalb der stationären Aufenthalte“. Mir egal, denn mich macht es wahnsinnig, und wenn ich darüber nachdenke deswegen dieses ganze Leben zu beenden ist es doch sinnvoller, wenn ich vorher wenigstens mal was sage. Punkt.

Jetzt räume ich meine Bude auf, falle nachher nochmal vor die Haustüre um in der Apotheke meine Medis abzuholen (wieder 15 Euro los, juhu), hüpfe dann grade weiter zum Supermarkt und bringe von dort dem armen kotzenden ehemaligen Mitpatienten ein paar Salzstangen. Es ist schön, wenn jemand einem etwas bringt oder einfach nur vorbei schaut, das habe ich ja selbst auch schon zu genüge erlebt. Und ich komme vor die Türe und tue immerhin jemand anderem was Gutes. Welche Ironie. Meinte auch der Herr Psychiater, der ja auch der Psychiater meiner besten Freundin ist. Sie meckert immer mit ihm, wenn sein geflügeltes Pferd nicht auf dem Schreibtisch steht, weil sie es so mag. Ich sagte  ihm heute morgen, dass er es auf den Schreibtisch stellen soll, weil sie heute nachmittag einen Termin hat. „Würden Sie  mal so an sich denken wie an andere…“. Er hat ganz schön Recht.

Und ich bin grade sauer auf mich selbst, weil das alles einfach nicht funktioniert, sauer wegen der Aussage des Psychopeuten, sauer weil alles. Bäh. Ich finde es immer wieder phänomenal, wie schnell meine Stimmung sich in irgendwelche Extreme steigern kann. Der absolute Wahnsinn.

 

Doch wir lieben die Klingen, liegen in Klingen
keiner würde sie je verstehen, unsere Liebe zu Klingen
wir geh’n ein Schritt weiter
ein Schnitt weiter
der beste Freund liegt ein Griff weiter

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