Neuer Weg 

Wieder hier anzukommen fiel mir ein wenig schwer. Da sind die Haare meines Katers auf meinem Pulli und ein paar Meerihaare, ich sitze über 200 Kilometer entfernt von ihnen und habe furchtbar Sehnsucht. Aber es war dann irgendwann okay. Gestern mit D. ein wenig unterwegs zu sein war schön und hat mich abgelenkt, auch wenn ich mich seit gestern sehr zombiemäßig fühle. Ich werde (wieder krank). Vermutlich durch die Klimaanlage im Bus. Auch heute war es wieder heftig. Mittags bin ich total abgestürzt, inklusive unglaublichem Selbstverletzungsdruck, weil mein Körper nicht tut was er soll, weil alles schmerzt, weil ich genervt bin von mir und allem, weil einfach bäh. Ich habe dann zwischen Einzelgespräch und Achtsamkeit einfach geschlafen, war noch kurz einkaufen als ich wach wurde (Erkältungsbad, Schokolade, Schokolade, Schokolade und Schokolade, und ein wenig Zeug für aufs Brot, so zur Abwechslung). Nach dem Schlafen war es auf jeden Fall besser. Sowohl körperlich, als auch psychisch. 

Am Donnerstag steht meine Teamvorstellung an. Ich muss meine Kurz-VA vorstellen (Panik!) und meine Therapieziele (Panik!). Wobei ich die Kurz-VA als schlimmer empfinde. Ich kann erzählen was passiert ist, gar kein so sonderlich großes Thema. Aber meine innersten Gefühle, Gedanken und die Glaubenssätze, die mich mein Leben lang schon begleiten, vor anderen preisgeben… Vor vielen Menschen preisgeben… Vor vielen Menschen preisgeben, von denen nur ein oder zwei so weit mein Vertrauen genießen, dass ich es ihnen mehr oder weniger ohne Probleme erzählen könnte… Ich habe Panik. Ich fühle mich furchtbar bei dem Gedanken. 

Dann komme ich aber endlich in Stufe 2. Zusammen mit F., die einen Tag nach mir kam, nächste Woche folgt dann noch eine Mitpatientin, sodass wir in den meisten Gruppen dann zu fünft, in einer immerhin zu dritt sein werden. 

Ich bin froh, wenn der Donnerstagmorgen vorbei ist. Wenn ich das hinter mir habe und den Raum verlassen kann. Wenn ich nicht mehr so vielen Menschen so furchtbar intime Dinge erzählen muss. 

Heute schon meinte die Psychologin, dass ich überlegen soll was ich mir dann gönne. Und genau das ist ja ein schweres Thema. Manchmal funktioniert es. Und manchmal überhaupt nicht. Dann schaffe ich es noch nicht mal genügend zu essen und zu trinken um für mich zu sorgen. Und nun soll ich auf mich achten wegen der Erkältung, soll mir überlegen, mit was ich mich dann belohne. 

Auch gestern mit D. habe ich darüber geredet. Dass es sich merkwürdig anfühlt sich für etwas zu belohnen, dass eigentlich für den Rest der Menschheit selbstverständlich ist. Selbstfürsorge. Sich nicht verletzen. Einen Tag überleben. Es ist einfach merkwürdig und zeigt auch wieder, wie schwer es einfach ist so ein psychisches Päckchen mit sich rum zu tragen. 

Und so kämpfe ich mich nun eben grade ziemlich durch. Manchmal mag ich am liebsten in alte Verhaltensweisen und Muster zurückfallen, aber ich habe mich ja entschieden einen anderen Weg zu gehen. Einen neuen Weg. 

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