Plötzlich wird die Welt zum Paradies

Es gibt so Tage, an denen wacht man auf und bevor die Augen auf sind merkt man schon, dass es einfach richtig scheiße ist. So ein Tag war gestern. Die Nacht war merkwürdig und klebrig und ließ sich auch nur schwer wieder abschütteln. Augen auf, Handy in die Hand, und eine Nachricht, die das ganze absolut nicht besser macht.
Vorgestern entdeckte ich beim Zeitungslesen die Todesanzeige einer ehemaligen Mitpatientin. Fragte darauf bei einem damaligen gemeinsamen Mitpatient, ob er in der letzten Zeit etwas von ihr gehört habe. Ja, sie hat ihm gegenüber angekündigt, dass sie sich umbringen will.
Besagter Mitpatient schrieb mir dann mitten in der Nacht, dass er der nächste sein würde, der in der Zeitung steht. Danke. (mittlerweile hat er sich gemeldet, es geht ihm gut. Ich werde ihm den Hals umdrehen!)

Dementsprechend ging es mir dann gestern den ganzen Tag über. Letztendlich hatte ich 2,5 mg Tavor und 60mg Dipi in mir, hatte immernoch eine Anspannung von 100 und bin hier fast Amok gelaufen. Am Ende habe ich kontrolliert geschnitten. Nach vielem probieren und Skills und fluchen. Mit Einverständnis von Ärztin und Pflegern, mit einigen Auflagen und Versprechen. Und auch nur wenigsten Minuten Zeit, damit mir die Möglichkeit tiefer zu schneiden im Prinzip direkt fehlt.
Der Chefarzt meinte heute, dass es eben manchmal Situationen gibt, die sich mit Skills nicht aushalten lassen. Sowas war gestern.
Irgendwann werde ich das auch schaffen. Nur gestern war einfach zu Horror, zu beschissen.
Pascal meinte, dass es okay so war. Und dass ich das doch relativ gut hinbekommen habe, mich nur leicht und oberflächlich zu verletzen.

Dafür war der Samstag schön, mit Besuch von M., Shisha rauchen, Kinderserienintros schauen (ich hab immer noch mehrere Ohrwürmer), lachen und reden. Der erste Tag seit langem mit kaum Druck.

Heute ist es bisher auch ganz okay, wobei ich hauptsächlich müde bin. Kein Wunder nach den ganzen Medis. Vielleicht verkrümel ich mich gleich ne Weile auf den Balkon, lese etwas, genieße den Tag bis es später noch zur Akupunktur geht.

So ist es heute, so war es damals 
Schön war die Zeit, aber nicht immer leicht
Wenn man ein Kind ist, möchte man wachsen
Bis man die Sterne am Himmel erreicht

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