Schwarz und Weiß, so ist unsere Welt.

Wer mich kennt der weiß, dass ich manchmal solche Phasen habe, in denen etwas anders sein muss. Meistens, wenn ich lange Zeit angespannt bin, wenn ich das Gefühl habe ich stecke fest und komme nicht weiter, wenn ich einfach etwas anderes brauche. In solchen Phasen muss dann ein Piercing her, eine neue Haarfarbe oder die Wohnung wird umgeräumt. Mittlerweile habe ich diese 3 Sachen gemacht, innerhalb eines Monats. Und ich habe immer noch das Gefühl, dass ich etwas tun muss. Ich will raus. Will weg. Will meine Sachen packen und einfach nur weg. „Sie können nicht vor sich selbst davonlaufen“ sagte meine Therapeutin immer. Und doch würde ich genau das so gerne jetzt tun. Ich weiß nicht wieso, was mich momentan dazu treibt, aber ich fühle mich wie ein Pulverfass. Es ist nichts geschehen, dass das rechtfertigen würde. Ich habe noch nicht mal sonderlich extreme Anspannung. Es ist eher so ein Grundgefühl. Letztes Jahr hat dieses Gefühl weg zu müssen, raus zu müssen, mich selbst loswerden zu müssen dann letztendlich ja unschön geendet. Es strengt an. In mir ist einfach eine Menge Unruhe, die sich mit den üblichen Mitteln nicht beseitigen lässt.
Dennoch werde ich nachher genau diese üblichen Mittel anwenden: Skills. Ein neuer Skill ist auspowern mit der Wii.
Heute nach der Achtsamkeit war es für ein paar Stunden okay. Dann kam die Unruhe wieder, dieses bohrende Gefühl in mir, dass ich gar nicht fassen kann.
Während der Achtsamkeit hatte ich bei einer Übung die völlige Gefühlsüberflutung und brauchte eine Weile um da raus zu kommen, um wieder in der Realität anzukommen und mich nicht völlig von dieser Flut wegtragen zu lassen. Der Therapeut hat mich gelobt, dass ich so gut mit mir selbst umgehen und auf mich achtgeben kann. „Ich kann ja schlecht mitten hier im Raum durchdrehen…“ Er lächelt. Mittlerweile weiß er, dass ich alles positive gerne klein rede.
Mein Bett sah heute morgen wieder aus wie ein Schlachtfeld. Mit welchen Dämonen auch immer ich in letzter Zeit ständig kämpfe, sie sind ziemlich hartnäckig. Ich weiß nicht was mit mir und in mir los ist. Es ist einfach ein riesen Knäuel Chaos. Ich bin mir ziemlich sicher, dass schneiden helfen würde, nur will ich eben genau das nicht tun. Es fühlt sich irgendwie an wie im letzten Jahr, als meine ganze Welt plötzlich zusammen brach. Und doch ist es anders, denn ich weiß nicht, was es aktuell so macht, was mich dazu bringt so am Rande meiner Möglichkeiten zu balancieren. Und auch wenn ich nicht schneide, so schade ich meinem Körper doch auf andere Weise. Ich esse kaum, gestern das erste Mal nach 2 Tagen komplett ohne dann doch mal wieder eine Kleinigkeit. Ich trinke zu wenig. Ich tue mir zu wenig Gutes. Das sind alles kleine Dinge, die mir zeigen, dass es im Moment nicht okay ist. Nur kann ich eben auch nicht sagen, was nicht okay ist.
Ich fühle zu viel. Oder nichts.
Ich will mich verletzen. Aber auch nicht.
Ich will in Worte fassen, was los ist. Aber die Worte fehlen mir.
Es ist anstrengend. Sehr.

 

Guten Tag, der Herr, die Dame,
Gestatten, Borderline, so ist mein Name.
Sie kennen mich nicht?
Das ist nicht schlimm.
Ich werd‘ Ihnen erzählen, wer ich bin.
Eine Krankheit, doch man sieht sie nicht,
aber trotzdem immer öfter man
über sie spricht.
Wir Bordis sind wirklich ganz Liebe,
auch wenn wir oft verteilen Hiebe,
und die nicht immer auf den Feind,
sondern sehr oft gegen den Freund.
Dieser es gar nicht begreifen kann,
wenn er doch lieb ist,
was bleibt ihm dann?
Kommt er uns nah, ganz in Vertrauen,
stoßen wir ihn weg, er soll abhauen.
Geht er fort, sind wir zerrissen,
weil wir im Herzen ihn so vermissen.
Der Tod uns oft als Ausweg erscheint,
doch das bin nicht Ich, die das meint.
Die Seele weint, das Herz trauert,
das heißt aber nicht,
dass es lang andauert.
Im nächsten Moment empfinden wir Glück,
und das an Borderline ist die Tück
In einem fort hin und her gerissen,
kämpfen wir Bordis stets verbissen
um ein Quäntchen Glück
und ein bisschen Frieden,
sind wir doch Menschen,
die auch wollen lieben.
Der größte Hass, uns selber gilt,
wir können nicht umgehen mit uns mild.
Stets wir uns messen an Extremen,
dieser Weg nicht zählt zu den Bequemen.
Oft erscheint uns das Leben so schwer,
dass wir sagen: ich will nicht mehr!
Die Zweifel, die so stark an uns nagen,
sind beileibe fast nicht zu ertragen.
Die innere Qual und ohnmächtige Wut,
nehmen uns gänzlich jeglichen Mut.
Aggression, das erlebt manch einer,
mit Absicht wehtun,
das will von uns keiner.
Doch die Verzweiflung,
die sich macht breit,
bringt uns immer wieder so weit.

So können wir uns oft nicht spüren,
und das kann leider dazu führen,
dass wir uns verletzen
und uns schneiden,
um so die Leere
aus dem Geist zu vertreiben.
Der Schnitt, der macht keine Schmerzen,
aber doch gibt´s dann im Herzen,
ein wenig Luft, und das alleine
bringt uns ein bisschen auf die Beine.
Schwarz und Weiß, so ist unsere Welt.
Grau, sich nicht dazugesellt.
Für andere ist das schwer zu verstehen,
das ist uns klar,
doch muss man auch sehen,
dass wir wahrhaftig die Täter nicht sind,
sondern Opfer,
und dies meist schon als Kind.
Als Kind bereits übel missbraucht,
ist unser Glück als Erwachsener verraucht.
So sensibel wir auch sind,
so eins ist klar,
wir sind immer für die anderen da,
gerade weil wir wissen, was es heißt,
wenn die Seele leidet, uns zerreißt,
können wir mitfühlen
und in Nöten die verzweifelten Gedanken
des anderen töten.
Arrogant und borstig, so heißt es immer,
doch das stimmt nicht, nie und nimmer.
Um vor innerer Qual uns zu retten,
müssen wir uns hinter
‘ner Fassade verstecken.
Wir tragen ‘ne Maske, die uns schützt,
doch ist die Frage, ob sie was nützt?
Schauen wir uns an, ins ehrliche Ich,
kommt von allein ganz unweigerlich,
der innere Schrei, nein,
so will ich nicht sein,
und wieder wir wechseln
zum trughaften Schein.
Dann reden die anderen mit uns
wie mit jedem,
das aber geht leider oft stark daneben.
Denn allzu oft
führt ein Wort mitunter dazu,
dass für uns die Welt geht unter.
Das verstehen dann die anderen nicht
und bringt sie aus dem Gleichgewicht.

Doch, was sollen wir machen,
um zu leben und dennoch
nicht zu viel von uns preiszugeben?
Es ist ein wahrhafter Drahtseilakt,
den wir vollführen, und bitte gebt Acht,
vielleicht gibt’s ‘nen Freund,
der euch nahesteht,
dem es ganz genauso geht.
So denkt dann an die Zeilen von heut‘
und so könnt ihr dann vielleicht
so manchem Freund helfen soweit,
dass er sich traut
und von der Maske befreit.

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