She keeps on running from this crazy life

„Das einzige was Sie dort finden können ist sich selbst.“ erwidert die Therapeutin auf meine Ängste bezüglich der DBT. „Genau das ist ja das Schlimme!“ antworte ich ihr. 

Die Stunde ist gut. Und tut gut. Auch wenn sie hart ist und schmerzt und ich da sitze und mir die Tränen über das Gesicht laufen. „So wie heute habe ich Sie noch nie erlebt. Sie haben hier noch nie so betroffen darüber geredet, Sie waren noch nie so sehr bei sich und Ihren Gefühlen.“ meint sie gegen Ende. Ich muss lächeln, denn es fühlte sich zum ersten Mal auch okay an Worte für die Dinge in mir zu finden. Es war okay über damals zu reden, über das absurde gespaltene Verhalten meines Vaters, über meine Schuldgefühle, über die Angst, die immer noch da ist. 

„Dr. Jekyll und Mr. Hyde“ benennt meine Therapeutin die verschiedenen Seiten meines Vaters. Und genau so ist es auch. Er konnte sich so plötzlich verwandeln, von einem Moment auf den anderen. Ich erzähle ihr von den Schuldgefühlen die ich habe, wenn ich von den schlimmen Dingen schreibe und nicht auch die guten erwähne. Von den Schuldgefühlen, weil ich ausspreche und aufschreibe was geschehen ist. „Es ist nicht wahr was nicht wahr sein darf… Schreiben Sie! Reden Sie! Hören Sie damit nicht auf.“ Ich erzähle ihr von der Wut auf die ganzen Menschen. Auf die Nachbarn, auf Lehrer, auf Erzieherinnen aus dem Kindergarten und vor allem auf das Jugendamt. Weil alle weg geschaut haben. Niemand kann mir erzählen, dass da nichts aufgefallen ist. Blaue Flecken, blaue Augen, Prellungen… Das Jugendamt wusste Bescheid und tat nichts. Sowohl ich als auch meine damalige Tagesmutter haben von Schlägen berichtet – gehandelt wurde nicht. Es ist nicht wahr was nicht wahr sein darf. 

Es tut gut zu reden, zu erzählen, zu weinen. „Ja, es war schlimm was Sie erlebt haben.“ sagt sie. Und es tut so unglaublich gut gehört zu werden, jemanden da sitzen zu haben der mir glaubt und mich ernst nimmt und mein Leid ein klein wenig mitträgt. Und mir erlaubt nicht okay zu sein, mir erlaubt dass ich mich furchtbar fühlen darf, dass ich weinen und schreien darf wegen den Dingen, die geschehen sind. Und dass ich das alles auch darf ohne sichtbare Zeichen des Schmerzes auf meiner Haut. 

„Ich war ja immer skeptisch wegen der Klinik. Ob Ihnen das wirklich gut tut. Das wissen Sie ja. Aber die haben sicherlich dazu beigetragen, dass Sie nun so hier sitzen und reden können.“ meinte die Therapeutin noch. „Ja. Die haben viel dazu beigetragen. Normalerweise wäre ich nun hier raus, in den nächsten Drogeriemarkt und mit den Klingen dann heim weil ich nur noch schneiden will. Ich will zwar auch grade am liebsten schneiden, aber ich weiß, dass ich da nun raus gehen kann ohne Klingen zu kaufen.“ Sie lächelt. Und ich lächle. 

Silent cries
Every night
This Pain don’t ever leave her life
Daddy’s home
So she tries to hide
She calls for Mom
But never a reply

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