She’s sewing seeds, she’s burning trees

Gestern war dann alles irgendwann zuviel. Der Jahreswechsel und die damit verbundenen alten Erinnerungen, ständige Flashbacks und die Anspannung haben dann dazu geführt, dass ich mich wieder verletzt habe. Zwei Wunden wurden geklammert, der Rest war nur oberflächlich. Seitdem ist viel Anspannung weg. Einerseits finde ich das gut, denn irgendwie war das ja der Sinn des Ganzen, auf der anderen Seite bestätigt es eben mal wieder, dass es funktioniert und verstärkt eben den Gedanken in meinem Kopf, dass es eine funktionierende Art ist mit der Anspannung umzugehen.
Nun ist es eben passiert und ich muss damit und mit den Konsequenzen leben. Dooferweise hat Schwester Tina direkt dran gedacht mir eine VA in die Hand zu drücken, ich habe gehofft ich käme vielleicht drum herum. Aber auch das gehört eben zu den Konsequenzen. Das Personal hat gestern toll reagiert. Ohne ein „Ach Frau Zitrone, warum haben Sie das gemacht/haben sich nicht gemeldet?“ sondern einfach nur gefragt, ob dieser oder jener Skill nicht noch eine Option gewesen wäre, wie die Anspannung vorher war und wie sie jetzt ist und haben die Wunden versorgt. Die Fragen machen in der Situation kurz danach meistens wieder direkt Anspannung, weil sie so nach Vorwurf klingen, obwohl ich weiß, dass sie nicht so gemeint sind.

Nun sitze ich mit meinem Katerkind auf dem Sofa und hole mit ihm wenigstens ein wenig das Kuscheln und Kraulen für die letzten Tage nach. Ich war kurz einkaufen, damit meine Möhris nicht verhungern, genieße nun noch ein wenig mein Zuhause und den Zitronenkater und tapse dann wieder in Richtung Klinik und dort zu meinem Puzzle.
Am Montag habe ich einen Arzttermin, also bin ich leeeiiider nicht da, wenn die Chefarztvisite ist. Vor lauter Bedauern werde ich bestimmt ziemlich traurig sein. Dienstag geht es wohl wieder nach Hause und ich werde erst mal die Schweinenasen sauber machen, mein Wohnzimmer wieder entheuen und dann einen gemütlichen Tag Zuhause verbringen. Ein paar Dinge muss ich regeln, zum Beispiel diese neue Art der Krankmeldung erledigen und gespannt sein, wie und wann ich dann Krankengeld bekomme, meinen Vermieter mal fragen wann die Nebenkostenabrechnung kommt, mein Gefrierfach müsste ich mal abtauen und der Herr Kater muss entmannt werden, bevor er anfängt in der Wohnung zu markieren.
Bisher komme ich erstaunlich gut damit klar, dass nun ein neues Jahr ist. Abgesehen von den Erinnerungen die triggern ist da wenig, dass mich aus der Bahn wirft. Zum Glück, ich hoffe es bleibt auch so.
Und nun mache ich mich auf den Weg zurück in die Klinik, puzzle ein bisschen, bis mein Besuch kommt und versuche einfach den Tag zu genießen. Auf in ein neues Jahr. Schritt für Schritt und Tag für Tag.

And then she’d say, „It’s okay
I got lost on the way
But I’m a supergirl
And supergirls don’t cry“
And then she’d say, „It’s alright
I got home late last night
But I’m a supergirl
And supergirls just fly“

Kommentar verfassen