Somehow I’ve lost my mind

Immer wieder stolpere ich über Dinge, die zeigen, dass in diesem Haushalt ein Mensch wohnt, der ein wenig anders ist.
In meinem Nachttisch findet sich Verbandskram und Finalgon.
Ich habe eine extra Kiste mit Mullbinden, sterilen Kompressen, Desinfektionsmittel und Steristrips in meinem Schlafzimmer stehen.
Tintenpatronen kaufe ich nur, wenn ich keine diary cards mehr ausdrucken kann.
An meinem Kühlschrank hängen Terminzettel von Psychiater und Arzt. Direkt neben Krankenscheinen und Medikamentenrezepten.
Auf meinem Handy finden sich Verknüpfungen zu PMR und Entspannungsmusik.
Auf meinem Küchenschrank steht eine Kiste voller Medikamente.
In meinem Bett liegen Igelball, Brausetabletten und Gummibänder neben den Kuscheltieren.
Mein Gefrierfach beherbergt einen Vorrat an Eiswürfeln.
In meinem Badezimmerschrank findet sich Rivanol und Contractubex direkt neben Wimperntusche und Eyeliner.
In den meisten meiner Handtaschen findet sich irgendwo eine Rasierklinge.
Und auch in der Besteckschublade. Schließlich gehen manche Verpackungen sehr schwer auf.

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Auf meinem Tafelkalender an der Wand steht irgendwas von „in Psychiatrie einweisen“.
Mein Handy macht jeden Morgen Theater, damit ich meine Tabletten nicht vergesse. Und um 18 Uhr nochmal.
Mein Katerkind schläft mit Vorliebe auf einer diary card.

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Und legt seine Mäuse auch gerne darauf.

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Meine Wasserrechnung sprengt vermutlich mein Budget, da ich ja nicht nur normal dusche, sondern auch noch die Dusche als Skill benutze.
Manchmal habe ich das Bedürfnis Triggersternchen in meiner Wohnung zu verteilen und auf alles zu kleben, was mich aktuell stresst.
Ich habe eigentlich nicht wirklich Hobbys, sondern Lieblingsskills.
Mein Katerkind wird oft verantwortlich gemacht für Wunden, mit denen er nichts zu tun hat. Und ich für Wunden, die er verursacht hat.
Wenn mir ein Glas runterfällt denke ich mir als erstes immer „Juhu, Scherben zum schneiden!“.
Ich habe zwei Stapel Handtücher. Einen normalen, und einen mit Handtüchern, die nicht mehr so dolle sind, für die Sauerei beim Verletzen.

Ach, ich könnte eigentlich endlos weiter machen. Ein wenig Selbstironie schadet definitiv nicht.

Vorhin war ich auf dem Weg in den örtlichen Supermarkt, da höre ich auf einmal jemanden vor mir laut rufen und sich freuen. Und siehe da: meine Zimmernachbarin vom ersten Klinikaufenthalt. Sie ist in der Klinik wegen Medikamenteneinstellung. Ein lustiger Zufall.
Wir sind damals immer den Weg lang spaziert, der nun mein Einkaufsweg ist. Ich hab mich gefreut sie mal wieder zu sehen und ihr versprochen, dass ich morgen nach der Achtsamkeit vorbei schaue auf Station.
Neben dem Einkauf (und dabei mal meine Pfandsammlung wegbringen) hab ich mir heute eine schöne lange heiße Dusche gegönnt, mich danach in aller Seelenruhe eingecremt und geschminkt und gekämmt und mir einfach mal Zeit für mich gelassen. Und endlich meinen Befreiungsantrag für die Zuzahlungen von diesem Jahr gemacht.
Ob Chrissie heute noch kommt weiß ich nicht (und sie auch nicht), weil es ihr nicht so dolle geht. Mal sehen.
Ich liege grade mit Katerkind auf dem Bauch auf meinem Bett, warte darauf, dass meine Waschmaschine fertig wird, werde dann mal Abendessen kochen (ich will Geflügelsalat machen) und mich dann mit Kuscheldecke aufs Sofa schmeißen und dort den restlichen Abend verbringen.

But I’m not crazy, I’m just a little unwell
I know right now you can’t tell
But stay awhile and maybe then you’ll see
A different side of me

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