Löffel-Liste 

Manchmal werfe ich einen Blick in die Statistik und klicke dann Beiträge an, die von anderen gelesen wurden, lese sie auch nochmal, erinnere mich zurück, was zu diesem oder jenem Zeitpunkt grade aktuell war in meinem Leben. Manchmal sind es schmerzhafte Erinnerungen, manchmal aber auch Dinge, die mich lächeln lassen. 

Und so lese ich einen Beitrag vom letzten Frühling. Lese, dass ich mich seit 3 Wochen nicht mehr verletzt habe, dass sie letzte ’schlimmere‘ Selbstverletzung nun 6 Wochen zurück liegt. Ich lese, dass ich so gerne den Sommer ohne frische Wunden und Verbände und Nähte erleben möchte. Und ich lächle, denn ich habe den Sommer unverletzt verbracht, den Herbst, den Winter und wieder einen Frühling. Und wieder wünsche ich mir einen Sommer ohne frische Wunden, aber im Gegensatz zum letzten Jahr bin ich zuversichtlicher, dass ich es schaffen kann. 

Auch wenn gerade so viel chaotisch ist. Auch wenn ich eigentlich nicht weiß wo mir wirklich der Kopf steht. Aber es wird weiter gehen, das tat es bisher immer. Ich muss nur darauf achten, dass ich selbst nicht unter gehe dabei. 

Mit der Gänseblümchenmama schreibe ich also gestern eine Liste mit nur 5 Punkten. 5 Dinge, die es zu erledigen gilt. Nachdem mein Körper einen Haufen Schlaf einforderte stapfe ich heute also zur Apotheke und einkaufen, hüpfe unter die Dusche, mache mir etwas zu essen, schreibe den Brief an die Rentenversicherung und kraule das Katerkind. Zwischendurch kommt N. noch zu Besuch und bringt mir meinen Zweitschlüssel wieder. Und ich bringe noch meine Küchentheke in Ordnung. Es gibt noch ein wenig telefonieren, ein wenig zocken und dabei ein wenig Dokus schauen und dann ist es auch schon halb 2 und ich trolle mich in mein Bett. Müde bin ich nicht. Aber ich muss schlafen. Für morgen gibt es schon eine neue Liste. Ich werde zu Mama fahren und in den Garten. Und dann den restlichen Kram auf der Liste erledigen. 

Es hilft mich auf 5 Dinge zu beschränken, es hilft mit den Spoons zu haushalten und es hilft einen kleinen Überblick über das Chaos zu haben, eine Anleitung, einen Plan. In den kommenden Tagen werde ich mich also daran entlang hangeln. Meine eigene kleine Löffel-Liste zum Durchhalten. Vielleicht ergänze ich sie noch um ein wenig Ausgleich, um Dinge, die mir gut tun und im Idealfall keinerlei spoons erfordern. 

Die Tage zuhause

Das Aufwachen am Dienstag war zuerst ziemlich merkwürdig. Die Augen öffnen und alleine sein. Daraufhin musste ich mich erstmal in meine Decken wickeln und versuchen der Traurigkeit nicht allzu viel Raum zu geben. Ich habe einfach versucht an die schönen gemeinsamen Momente zu denken und daran, dass die Mädels trotz der Entfernung da sind. Der Rest des Tages lief dann erstaunlich gut. Ich habe ein wenig Ordnung gemacht, meine Tiere bekuschelt, die natürlich vor lauter Sehnsucht (ich war ja auch mindestens 3 Jahre weg!) ganz anhänglich waren (selbst die Möhrennasen), hab Serie geschaut und ein wenig telefoniert. 

Und dann scrolle ich mich durch Facebook und sehe einen Post, der meinen Puls in die Höhe schießen lässt und meinen Blutdruck in den Keller befördert. Ein Bekannter aus der Reha schreibt, dass er sich umbringen will. Ohne zu denken suche ich die Nummer der Polizeidienststelle und tippe sie ins Telefon. Dem Menschen am anderen Ende erkläre ich die Situation, gebe die Infos weiter, die ich habe. Das Posting ist erst wenige Minuten alt und ich hoffe, dass schnell genug gehandelt wird. Schnell ist auch die Polizei des Nachbarlandes informiert, was mir der Polizist einige Stunden später mitteilt. Er wird gesucht. Hier und in seinem Heimatland. 

Mich bringt das ganze aus dem Konzept. Ich verstehe Suizidalität, viel zu gut vermutlich. Etwas, das ich nicht verstehe, ist die Tatsache da einen Haufen Menschen mit rein zu ziehen. So überschlagen sich unter seinem Post die Kommentare, Menschen die suchen und sich Sorgen machen und hoffen und nachfragen. In 4 verschiedenen Sprachen (wobei ich Lëtzebuergesch echt nicht als Sprache ernst nehmen kann…) erscheinen die Kommentare im Minutentakt und ich bin völlig überfordert mit der Welt. Ich kann nicht viel mehr tun, also versuche ich auf mich zu achten und gehe einkaufen. Gefühlt 7 Meter stehe ich neben mir, kann kaum klar denken und schaffe es trotzdem irgendwie zum Supermarkt und zurück, koche mir Spargel (und verteidige ihn vor dem Katerkind) und ertränke ihn dann in viel Hollondaise. Facebook weiß immer noch nichts neues, also kippe ich mit einer doppelten Dosis Medis einfach ins Bett. 

Und dort bleibe ich auch fast den ganzen Mittwoch. Mein Körper ist unendlich müde, mein Magen spielt völlig verrückt und es gibt immer noch keine Neuigkeiten von der Suche. Ich schlafe, schaue Serie, stehe zwischendurch kurz auf und schlafe wieder. Und dann gibt es endlich die erlösende Nachricht: er wurde gefunden, lebend, und ist nun im Krankenhaus auf der Intensivstation. Über 24 Stunden haben sie gesucht und ich atme erstmal auf, drehe mich nochmals um und schlafe dann weiter. 

Gegen 5 Uhr gestern morgen beginnt der Zitronenkater mit dem Galoppieren. Von der Fensterbank über mich drüber, durchs Wohnzimmer, in der Küche über die Schränke und das Ganze wieder zurück. Nach mindestens 13 neuen blauen Flecken und 1,5 Stunden Galoppieren bewege ich mich dann eben aus dem Bett, füttere die ganzen Monster und verfluche die Energie, die das Katerkind hat. Ich nutze den Morgen und tapse zum Supermarkt, angel dort ein Bündel grünen Spargel und einen Energydrink und ziehe zurück in meine Wohnung, wo das Katerkind nun friedlich schlummert. Na danke, ich bin nun wach, da kann der Herr ja weiter pennen. Ich nutze die Uhrzeit und mache ein wenig Ordnung. Im Kampf gegen das Chaos komme ich nur langsam voran, viel zu langsam meiner Meinung nach, aber ich weiß, dass es eben nicht anders geht. Also in kleinen Schritten. Irgendwann koche ich, esse, verbringe den Abend dann mit dem Katerkind auf dem Schoß. 

Auch heute steht noch ein wenig Kampf dem Chaos an. Nur noch mein Schlafzimmer ist ziemlich durcheinander, im Rest der Wohnung sind es kleinere Baustellen. Und selbst im Schlafzimmer ist es eigentlich nicht so schlimm, ich müsste nur meine ganzen Unterlagen mal auf einen Stapel packen und die Bettwäsche, die der Kater aus dem Schrank geräumt hat, wieder dort rein packen. Immerhin habe ich schon einen kleinen Großeinkauf gemeinsam mit M. gemacht. 

Und ganz heimlich, still und leise habe ich die 400 Tage ohne Selbstverletzung erreicht, ohne es wirklich zu merken. 
Und abschließend:

Eine Kerze für E. 

Ich bin mir sicher, dass du mit A. nun Wiedersehen feierst. Danke, dass ich dich kennen lernen durfte und du mich damals so selbstverständlich an der Seite von K. akzeptiert hast. 

Therapie & Chaos

„Sie sehen gut aus“ meint meine Therapeutin zu mir. „Zufriedener.“ Und sie hat Recht. Nach dem anfänglichen Schock über die Zusage für Freiburg ist zwar die Angst noch nicht verflogen, aber es ist eine gewisse Erleichterung zu wissen, dass es nun weiter geht. Unser Termin geht nicht sonderlich in die Tiefe. Es geht mehr um die Ereignisse der letzten Wochen, um die Zukunft und darum, wie es mit der Therapie nun weiter geht. Ich werde vor Freiburg nochmals hin gehen und auch danach, dann laufen die Stunden aus und ich habe erst mal zwei Jahre Sperre. Ich habe überlegt mir eine andere ambulante Therapie zu suchen, mich dann allerdings dagegen entschieden. Die Wartezeiten sind überall lang und bis ich Vertrauen zu jemand neuem gefasst habe, sind vermutlich auch schon zwei Jahre vergangen. Ich werde also erst mal abwarten, wie es dann aussieht. Ob ich eine Therapie noch brauche, ob die Therapieform dann noch die richtige ist. Und dann entscheiden ob ich wieder zu ihr zurückkehre oder mich anderweitig umschaue.

Ich habe es heute genossen durch meine Hauptstadt zu laufen. Ich war zuerst bei der Bank mein Kleingeld mal einzahlen, danach wollte ich zum örtlichen ÖPNV-Unternehmen. Dort angekommen verkündet ein Schild den Umzug, direkt in die Straße neben der Bank. Also den Weg wieder zurück. Das Ergebnis des Besuchs ist positiv, ich kann mit einer Bescheinigung über meinen Aufenthalt meine Fahrkarte für die Dauer meiner Therapie pausieren. Danach habe ich mich auf den Weg gemacht die neue Praxis meiner Therapeutin zu suchen. Ich mag die Straße, in der sie nun ist. Sie ist gewaltig lang, beginnt am Markt und beherbergt viele Szene-Lokale und -Kneipen. Die Praxis ist im ersten Stock eines Hauses und es fällt mir erst mal schwer mich in den neuen Räumen zu orientieren, nachdem ich nun seit so vielen Jahren das Wartezimmer und den Hauptraum gewohnt war. Ihre Einrichtungsart ist jedoch gleich geblieben und ich erkenne viele Dinge aus der alten Praxis wieder.

Bevor ich mich von der Hauptstadt wieder auf den Weg nach Hause mache, treffe ich mich noch kurz mit Mama. Sie hat so viel Salat im Garten, dass sie nicht weiß wohin damit. Also profitieren meine Meeris nun davon. Schon ein paar Stunden zuvor habe ich am Telefon erwähnt, dass ich einen Termin für Freiburg habe. Sie hat erstaunlich gelassen darauf reagiert. Nur beim Treffen meint sie besorgt, dass ich hoffentlich nicht als anderer Mensch zurück kommen werde. Als ob ich in der Therapie komplett auf den Kopf gestellt, auseinander genommen und neu zusammen gesetzt werden würde. Klar, in einer gewissen Art wohl schon, nur wird es ja nichts an meiner grundsätzlichen Art und meinem Sein ändern.

Zuhause würde ich am allerliebsten explodieren. Denn meine Wohnung artet langsam wirklich in etwas messi-mäßiges aus. Und ich bin wütend auf mich, weil ich es einfach nicht hin kriege Ordnung zu machen. Ich beginne und räume eine Ecke auf. Das nutzt allerdings verhältnismäßig wenig und ich muss wohl einfach einen kompletten Tag einlegen, an dem ich von vorne bis hinten alles aufräume. Und schon mag ich mich wieder unter der Decke verstecken, weil es mich überfordert. Maaaaaaaah!

 

und in dir ist ständig Regen

Mein Morgen beginnt mit dem Warten auf die Postboten. DHL soll Schwesterchens Geschenk heute bringen, dpd meine neue Fitbit, die mir netterweise ersetzt wurde. Dpd kann man ja online tracken und ich schaue erst mal eine Stunde dem Paketmenschen zu, wie er sich nicht vom Fleck bewegt. Währenddessen wusel ich in der Wohnung rum, rufe beim Amt an und bei der Bank, nehme schließlich das Päckchen von DHL in Empfang und kraule das Katerkind. Der hört übrigens gar nicht mehr auf zu wachsen und ist von dem kleinen runden Fellhaufen zu einem großen, langen und muskulösen Kater mitten in der Pubertät geworden. Er ist immer noch so süß wie damals, wenn er mich aus seinen wunderschönen Augen anblickt, mag ich ihn am liebsten fressen vor Liebe. Er wird immer hübscher und auch wenn er mittlerweile dreimal so groß ist wie damals, so wird er doch immer mein kleines Katerkind sein. Hach. <3
Nachdem dann dpd endlich aufgetaucht ist hüpfe ich in eine lange Hose (mit Hotpants einkaufen ist wirklich nicht mein Fall) und tapse zum Supermarkt. Natürlich habe ich gestern beim einkaufen wieder die Hälfte vergessen, eine Torte ohne Milch und Butter könnte etwas schwer zuzubereiten sein. Ich nehme mir vor heute zu kochen, dann fällt mir ein, dass ich mich dazu in meiner Küche aufhalten müsste. Hmpf. Ich habe beschlossen erst mal im Schlafzimmer anzufangen, damit ich mich dort wieder besser fühle und zumindest nachts wieder Ruhe und Sicherheit finde. Ich werde ein wenig umstellen und aufräumen, will Bilder an die Wand hängen, mein Bettchen frisch beziehen.
Vielleicht kann ich dann schon heute abend mit einem besseren Gefühl unter die Decken krabbeln. Ich wünsche es mir jedenfalls sehr.
Nun hänge ich noch ein bisschen auf dem Sofa, kraule den Zitronenkater und versuche meine Motivation zu finden. Manchmal habe ich das Gefühl ich habe nur begrenzt Kraft an einem Tag, wie in einem Spiel, bei dem man nur 5 Aktionen ausführen kann und dann warten muss, bis die Energie sich wieder aufgefüllt hat. Und gefühlsmäßig ist meine Energie mit Anrufe erledigen und einkaufen gehen schon aufgebraucht und ich muss nun warten, bis sich meine Energieleiste wieder füllt.
Am Donnerstag muss ich schon um halb 8 aufs Amt, dafür brauche ich nicht nur eine Energieeinheit, sondern sicherlich mindestens 4.
Ich bin froh, wenn ich diesen Termin hinter mir habe und dann den Termin beim Arzt. Vielleicht bin ich danach ja schlauer und weiß, was ich eigentlich bei einem Internisten soll.

I’m on my rooftop screaming
und das hält mich zusammen
and my heart’s still beating
und irgendwer singt leise
Daylight licked me into shape
I must have been asleep for days
und davon bin ich aufgewacht
aus meinem Traum von Stillstand letzte Nacht

Ohm, sweet Ohm

Während ich auf dem Sofa sitze, langsam wach werde und versuche trotz nur 5 Stunden Schlaf die Augen offen zu halten, piepst es in der Küche. Erst bin ich verwundert, dann beginnt es schrill und laut zu piepsen und ich erkenne, dass erst die Mikrowelle sich über Strom freute und dann der Kühlschrank anfing zu protestieren, da seine Temperatur nicht mit der gewünschten übereinstimmt. Ich bin kurz verwundert, stecke dann den Kopf aus der Haustüre und erkenne einen Haufen Handwerker hinter den Kisten, die sie vor sich her schleppen.
Mal wieder war niemand so nett Bescheid zu sagen, dass sie kommen und wir wohl „erstmal“ keinen Strom haben. Gemerkt habe ich das auch nur, weil sie kurz den Strom ab- und wieder anstellen und es eben protestierend piepste. Die Leitungen werden neu gemacht, inklusive Zähler und Treppenhausbeleuchtung. Auf die Frage, wie lange es wohl dauert, erhalte ich nur die Antwort, dass es eben „erstmal“ so sei, auf eine weitere Nachfrage folgt dann „also wir denken, dass das heute noch was wird“. Schön, dann hoffe ich, dass sie besser handwerken als kommunizieren können.
Vor der Achtsamkeit will ich noch schnell was kopieren für die Sozialarbeiterin der Station. Pustekuchen, ich habe ja keinen Strom.
Dem Katerkind fülle ich ein Schüsselchen mit Wasser, welches er aber ignoriert und weiterhin versucht aus dem Brunnen zu trinken, der aber ohne Strom kein Wasser preisgeben mag.
Nach der Achtsamkeit mache ich eine Runde durch den Supermarkt, habe schon Kochpläne im Kopf… Aber Moment, ohne Strom auch kein Herd. Vielleicht etwas in die Mikrowelle werfen? Ach, die hängt doch auch am Strom.
Heute Abend habe ich vermutlich eine besorgte Mutter am Telefon, die schon vor Panik stirbt weil sie mich nicht erreicht. Geht ja ohne Strom nicht und sie denkt auch nie dran, dass ich ja ein Handy besitze.
Ich will die Mail von fitbit beantworten, ohne Strom aber auch kein Internet am Laptop. Das Wetter wäre perfekt um die Dinge zu waschen und draußen aufzuhängen, die viel Platz brauchen… Doch ohne Strom keine Waschmaschine. Und so könnte ich endlos weiter machen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie abhängig wir alle doch von Strom sind. Der Handyakku geht zur neige, Küchengeräte funktionieren nicht, Fernsehen fällt flach, kein Internet… So viele Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind.
Also sitze ich nun mit meinem Mate auf dem Sofa, schaue den Schweinen und dem Kater beim Melone-Mampfen zu (wobei die Meeris mampfen, das Katerkind leckt sie eher auf) und überlege, was ich tue. Aufräumen wäre sinnvoll, denn das gestrige Beseitigen des Chaosberges im Wohnzimmer war letztendlich unnötig, denn ich bekam gestern dann den „und ich will das JETZT machen“ – Anfall und habe zusammen mit N. mein Wohnzimmer auf den Kopf gestellt. Die Meerivilla ist nun eher ein Hochhaus, ich habe endlich wieder Stauraum darunter, habe ’ne Menge Platz im Wohnzimmer dadurch und eben auch ne Menge Chaos. Also werde ich das nun wohl angehen, bin schon dabei mir eine Serie anzustellen, damit es nicht so langweilig ist beim aufräumen… Ach, der Strom, das Internet. Da war ja was. Also werde ich mit Hörbuch auskommen müssen und hoffen, dass der Akku noch ein wenig hält. Denn laden kann ich es ja nicht.
Vielleicht lege ich mich auch erst eine Weile aufs Sofa und döse ein bisschen, denn ich merke die kurze Nacht extrem.
Noch lieber würde ich mich in den Garten legen und ein wenig sonnen, aber bei 30° in die Mittagssonne legen ist wohl nur sinnvoll, wenn man Lust auf einen Sonnenbrand oder – stich hat.

Ohm, sweet Ohm
Ohm, sweet Ohm
Ohm, sweet Ohm

I feel alive

Manchmal mag ich meinen Handyanbieter wirklich. Generell sind sie sehr kulant und tun viel, um ihre Kunden glücklich zu machen. Vorgestern hatte ich ein Aufladeproblem. Normalerweise nutze ich die App, drücke auf den Betrag, den ich aufladen mag, gebe mein Passwort ein und habe kurz darauf das gewünschte Guthaben. Vorgestern wollte es nicht so wirklich, erst am nächsten Tag war das Guthaben dann da und zwar doppelt. An sich nicht schlimm, da es sich nur um einen kleinen Betrag und keine 50 Euro handelt, aber seitdem bekomme ich ständig Nachrichten, dass die Aufladung nicht durchgeführt werden konnte. Also habe ich heute mal die Kundenhotline bemüht. Der Mensch meinte, dass es eigentlich automatisch stoppen müsste und konnte mir auch nicht erklären, warum es das nicht tut. Vorgestern gab es scheinbar Probleme mit dem Server und der Internetverbindung, was die Doppelbuchung erklärt. Ich sagte ihm, dass ich eigentlich ja genau deswegen den Betrag auflade den ich haben will, um dann diesen Betrag zu haben und nicht etwas anderes. Zurückbuchen funktioniert nicht, was wie gesagt auch nicht sonderlich schlimm ist. Er schrieb mir dann netterweise 2 Euro gut, 49
Cent für die Anrufkosten und den Rest, falls das Problem weiter besteht und ich nochmal anrufen muss.
Im letzten Sommer gab es Probleme mit der Flatratebuchung, die einfach 5 Tage lang nicht funktionieren wollte, woraufhin die Internetnutzung eben normal abgerechnet wurde. Nachdem ich mich ein wenig aufgeregt habe am Telefon schrieb der Kundenmensch mir tatsächlich über 20 Euro gut. Auch sonst habe ich schon oft Gutschriften bekommen, wenn beispielsweise das Internet nicht funktionierte, meine Flatrate ja aber dennoch bezahlt war.
Mittlerweile habe ich selten Probleme. Seitdem der Konzern immer größer wird und nun mittlerweile auch über die zwei großen Mobilfunkanbieternetze funktioniert, haben sich die technischen Probleme sehr gebessert. Ich bin glücklich mit meinem Anbieter und würde definitiv keinen Vertrag abschließen, wenn ich so günstig alles nutzen kann, was ich benötige.
Mein Festnetz- und Internetanbieter versucht regelmäßig mir einen Handyvertrag anzudrehen, ich rechne ihnen dann immer meine aktuellen Handykosten vor und erkläre, dass ich zu diesem Preis gerne wechsel. Dazu können sie dann nichts mehr sagen und ich habe wieder Ruhe.

Geweckt wurde ich heute morgen von 5,3 Kilo Katerkind, die auf meinem Brustkorb standen und mir liebevoll in die Backe bissen. Eine eindeutige Aufforderung. Dosenöffner! Der Napf ist leer! Aufstehen! Füttern! Ich sterbe!
Also gab es erstmal Raubtierfütterung, welche kurz darauf mit lautem Schnurren, kuscheln und Dosenöffner putzen erwidert wurde.
Die Meeris sind da nicht so dankbar, sie quieken mich nur kurz an und lassen sich dann ins Heu fallen, um an Möhrchen und Gurken zu knabbern.
Kurz darauf hängt das Katerkind schlafend auf meinem Schoß. Mit dem Kopf und den Vorderpfoten nach unten hängend. Er kann wirklich in den unmöglichsten Positionen schlafen, wenn ich manchmal am PC spiele, quetscht er sich zwischen mich und das Laptopkissen auf meinen Beinen und liegt dann dort wie eine lange schlafende Wurst. Bald wird er 1 Jahr alt und ich kann mir ein Leben ohne ihn gar nicht mehr vorstellen.
Weil ich heute irgendwie trotz schmerzendem Knie das Bedürfnis habe raus zu gehen und ein wenig zu laufen bin ich kurzerhand in die Hauptstadt gefahren und dort zum großen Shoppingcenter. Endlich habe ich nun ein ausziehbares Backblech gefunden, dass auch in meinen Backofen passt, habe ein paar leckere Futtersachen gekauft, die ich sonst nirgends kriege und für meinen Drachenbaum endlich mal Pflanzstäbe, bevor Katerkind ihn ganz umgebracht hat, indem er die Äste um 180° biegt.
Zuhause werde ich mir dann erst mal was kochen und in Ruhe essen, vielleicht zieht es mich danach ja noch ein wenig an die Luft. Je nachdem wann ich daheim bin. Und falls mein Tiefpunkt überwunden ist, denn gerade könnte ich einfach nur schlafen und hab das im Zug auch für ein paar Minuten getan, bis der Schaffner mich anstupste zur Fahrkartenkontrolle.
Vielleicht bin ich auch einfach faul und verziehe mich mit einem Buch in meinen Sitzsack. Wenn ich mich hinlegen würde, kann ich sicherlich in der Nacht nicht sonderlich gut schlafen oder bin noch ewig lange wach. Wobei letzteres mich nicht stört, nur, dass ich dann ewig brauche um die Medikamentenreste los zu werden am nächsten Tag und einfach noch lange völlig müde bin. Vielleicht versuche ich es bald mal die zu reduzieren, mein Psychiater hat mir da ja relativ freie Hand gelassen, dass ich es eben so dosiere wie ich es brauche, ihm dann aber Bescheid gebe. Mal sehen.

Auch heute ist es mit dem Selbstverletzungsdruck wieder in Ordnung. Bis auf zeitweise zwischendurch, weil einfach so viele Menschen überall waren, war es den ganzen Tag kaum in meinem Kopf. Es fühlt sich ungewohnt an, nicht ständig mit Anspannung durch die Gegend zu laufen. Auch wenn es mir sonst relativ gut ging war doch ständig eine gewisse Grundanspannung da, unter 30 fiel die Anspannung nur selten und wenn dann nur kurz. Ich muss mich erst noch daran gewöhnen, dass es auch so sein kann, denn das hatte ich schon lange nicht mehr. Und wie bei allen ungewohnten Dingen macht es mir auch ein wenig Angst, weil es altbekannte Fragen aufwirft. Was bleibt von mir, wenn diese Anspannung weg ist? Was bleibt von mir, wenn die Selbstverletzung wegfällt? Was bleibt von mir, wenn die Krankheit immer weniger Raum einnimmt? Und ich weiß die Antworten, ich weiß, dass mich viel mehr Dinge ausmachen als das Schneiden und die Anspannung. Aber dennoch fühlt es sich neu und ungewohnt an und ist damit einfach erst mal seltsam. Es ist vermutlich utopisch zu sagen, dass das nun so weitergehen wird. Aber es ist ein Anfang von etwas, dass längst überfällig war, es zeigt mir, dass es auch anders gehen kann und da so viel mehr ist im Leben. Es geht weiter, Schritt für Schritt. Auch wenn es sich manchmal so anfühlt, da ist kein Stillstand. Und das gibt mir Mut und Hoffnung. Und vielleicht schaffe ich es den Mut und die Hoffnung auch durch weitere Tiefs hindurch nicht zu verlieren und mich an solche Momente zu erinnern, die mir zeigen, dass es besser sein kann.
Für Morgen bin ich mit N. zum spazieren verabredet. Ich freue mich drauf, auf hoffentlich viel Sonne und laufen (trotz Arschlochknie) und über alles mögliche reden.
Am Montag muss ich zum Psychiater und dann auch langsam aber sicher anfangen meine Sachen für die Klinik zusammen zu kramen. Mal sehen wie es bis dahin ist, ob ich immernoch im Mix aus Frühling und Sonne und niedriger Anspannung und kaum Gedanken an Selbstverletzung schwebe. Es wäre schön, wenn das ganze noch eine Weile anhält, mir eine Pause zum durchatmen gibt. Sonst sind meine Hochs nach spätestens einem Tag wieder verschwunden, nun ist es quasi schon der zweite Tag. Vielleicht male ich mir im Kalender die Tage rot an, damit ich sie nicht vergesse, auch wenn sie vorbei sein sollten.

I’m walking on sunshine oh oh 
I’m walking on sunshine oh oh 
I’m walking on sunshine oh oh oh 
and don’t it feel good hey alright now 
and don’t it feel good yea oh yea yea 
and don’t it feel good

Remember every new beginning, is some beginning’s end

Gestern war der „örtlicher Elektronikmarkt macht Zitrone glücklich“ – Tag.
Der Liefertermin für die Waschmaschine war auf irgendwas zwischen 11 und 15 Uhr festgelegt.
Als ich meine Post auf dem Briefkasten fischen ging, hatte ich einen Brief in der Hand, der mir verkündete, dass ich mein Handy abholen kann. Also tigerte ich unruhig durch die Wohnung und wartete auf die Maschinenmenschen. Die kamen dann gegen halb 1 und um kurz nach 1 machte ich mich auf den Weg mein Handy abzuholen.
Die Frontseite wurde komplett getauscht und der Akku hält nun auch wieder länger. Den Rest des Tages habe ich dann quasi mit Handy synchronisieren und wieder einrichten verbracht und mit Wäsche waschen. Abends habe ich spontan N. gefragt, ob wir bei mir einen Kaffee trinken wollen und hatte so einen schönen Abend.

Heute morgen wollte ich dann gar nicht wach werden. Als ich es dann irgendwann geschafft habe die Augen offen zu halten war es zu spät für die Achtsamkeit. Also werde ich nun erstmal frühstücken und unter die Dusche hüpfen und dann weiter Wäsche waschen, Wäsche aufhängen, die Meeris umtopfen und solchen Kram eben erledigen.

Als ich gestern in der Klinik anrief um meinen Termin zu verschieben, hatte ich den alten Psychopeuten am Telefon.
Wie geht es sonst so? – Ganz okay. Nur meine Waschmaschinen hat sich suizidiert. – Bei mir war es der Kühlschrank. – Der spuckt aber kein Wasser in die Wohnung… – Stimmt. Also auch noch eine fremdaggressive Waschmaschine. – Genau. Ich werde ihr sagen sie muss eine Verhaltensanalyse schreiben. – Sehr gute Idee!
Und wir müssen beide lachen.
Der neue Psychopeuten ist zwar auch wirklich nett, aber trotzdem vermisse ich den alten. Dass die Ärztin nun auch noch weg ist finde ich doof, ich bin gespannt was da nun neues kommt.

Gestern schrieb A. auf der blauen social media – Seite, ob es denn noch Frauen gibt die es ernst meinen. Ich konnte es mir ja nicht verkneifen ihr zu schreiben, dass sie mich ja nicht wollte. Und prompt bin ich wieder blockiert. Sie sagt sie grenzt sich ab. Ich sage, dass sie sich dahinter versteckt. Ich finde sie definiert sich viel zu sehr über ihre Krankheit und rechtfertigt alle Entscheidungen mit DBT-Inhalten. Und ich rege mich erst furchtbar darüber auf, weil es in der DBT definitiv nicht darum geht vor allem wegzulaufen, sondern die eigenen Grenzen eher zu verbalisieren und zu kommunizieren, später ist es mir dann egal. Es ist ihr Leben und wenn es sie glücklich macht den ganzen Alltag nach Borderline auszurichten, dann ist es ihr Problem und nicht meins. Ein gutes hat es, denn es hat mir deutlich gezeigt, dass ich mit so einem Menschen nicht kann. Dazu bin ich vielleicht zu gesund oder schon weiter, aber ich komme damit einfach nicht klar Kindergarten zu spielen und sich dann hinter Abgrenzung zu verstecken.
Und nun starte ich mit einer Dusche in den Tag, frühstücke mal was, freue mich auf den Besuch von Bibi nachher und einfach auf den Tag und was er so bringt.

Welcome to wherever you are
This is your life, you made it this far
Welcome, you gotta believe
That right here right now, you’re exactly where you’re supposed to be
Welcome, to wherever you are

Motivation?!

Ich fühle mich überfordert. Es stehen so viele Dinge an in dieser Woche, die ich regeln muss. Arzt und Psychiater uns Therapie. Mit meiner Schwester Mathe lernen. Aufräumen. Waschmaschine. Und essen. Denn das klappt absolut gar nicht. Ich überlege den Kliniktermin zu verschieben. Auch wenn ich es definitiv brauche, aber ich weiß nicht wie ich das alles hinkriegen soll. Ich warte mal ab, wann der Waschmaschinenmensch sich meldet. Und den Termin dann vielleicht um 2 oder 3 Tage verschieben. Gerade dominiert absolute Überforderung und die lähmt mich irgendwas überhaupt anzufangen. Und das macht es nicht besser, denn so schiebe ich nur auf. Ich möchte kotzen. Stattdessen werden ich mir gleich in den Arsch treten und wenigstens anfangen aufzuräumen. Am Nachmittag kommt Bibi und wir fahren zum Tierarzt. Bis dahin will ich wenigstens in der Wohnung einigermaßen Ordnung haben. Auf Zitrone, auf.
Wach bin ich schon lange, gegen 8 fing der Zitronenkater an meine Zehen zu jagen und ich habe kurz darauf beschlossen, dass es wenig Sinn macht  zu versuchen noch ein wenig zu schlafen. Nicht mit Zähnen in den Zehen. Und so bin ich nun wach und überfordert und esse ein paar Himbeeren. Und muss anfangen etwas zu tun. Und genau das mache ich jetzt.

Te quiero recordar que somos muchos más 

Ich wache auf, weil etwas auf meinem Gesicht liegt. Ich ziehe es weg und bin kurz verwirrt. Dann springt der Zitronenkater darauf und mir wird klar, dass er mal wieder einen Kampf mit dem Drachenbaum ausgefochten und dabei ein Blatt erlegt hat. Dass das Bäumchen noch lebt ist ein kleines Wunder, so oft wie der Zitronenkater schon mit ihm gekämpft und ihm Blätter geklaut hat. Dabei biegt er das arme Bäumchen auch mal gerne um 180°. Zwei seiner Seitentriebe sind abgestorben, aber heute morgen habe ich dann zwei winzige neue Triebe entdeckt, die sich ihren Weg durch die Rinde bahnen.
Nun bin ich also wach, zwanzig Minuten vor dem Wecker. Und fühle mich trotz wirrer Träume erholt. In meinem Traum waren Menschen aus verschiedenen Zeiten meines Lebens beieinander, die sich in Wirklichkeit noch nie gesehen haben. Mein damaliger bester Freund vom Gymnasium und meine Englischlehrerin aus der Ausbildung, eine Ärztin aus der Klinik und meine Chefin aus dem Anerkennungsjahr. Einen wirklichen Sinn machte der Traum nicht. Außer, dass ich dort meinen Schlüssel suchte, was ich auch im realen Leben ständig mache. Muss ich gleich auch wieder tun, sogar zwei. Meinen und Mamas. In einer Stunde fährt mein Bus. Draußen ist es nass und ich frage mich, wo die versprochenen 21° wohl sind.
Und während der Zitronenkater auf meinem Schoß schnurrt und ich überall Zitronenkaterfell habe versuche ich also vollends wach zu werden.
Am Montag steht die nächste Katerimpfung an und der Herr ist dann bereit für die große weite Welt. Je nach Wetter werde ich ihn dann wohl am Dienstag rauslassen, wenn ich von der Therapie komme. Ich muss mir eine Rollladensicherung besorgen und eine fürs Fenster, damit ich das offen lassen kann ohne befürchten zu müssen, dass plötzlich irgendwelche Menschen in meiner Küche stehen. Am liebsten würde ich ja eine Katzenklappe ins Fenster einbauen lassen, aber so ein Fenster ist ein teurer Spaß und ich müsste es bei meinem Auszug ja wieder in den Normalzustand zurücksetzen. Also wird es eben irgendwie auch so funktionieren müssen. Ich will das Katerkind ja nicht immer suchen gehen, wenn ich dann mal irgendwo hin muss.
Als ich in Hamburg war habe ich mit ja eine Blutblase eingefangen, direkt unter dem großen Zeh. Die ist nun gestern endlich mal aufgegangen. Ewig später. Und ich muss lächeln, weil ich an Hamburg und Hannover denken muss. Und ich überlege, wo ich wohl als nächstes hinfahre. Vielleicht wirklich mal nach Dresden, um J. zu besuchen, nach 9 Jahren, in denen wir uns nicht gesehen haben. Oder zu K. in den Ruhrpott, die ihren Geburtstag im Mai feiern will. Und natürlich nach Freiburg in die Klinik. Manchmal würde ich auch gerne in die KiJu fahren um zu schauen, ob dort noch alles so aussieht wie vor zehn Jahren. Von den Mitarbeitern wird wohl niemand mehr dort sein. Und meine Pflegefamilie möchte ich auch mal wieder besuchen. So viele Menschen überall verstreut, die mir wichtig sind und die ich so gerne viel öfter sehen würde. Auch meine ehemalige Therapeutin würde ich gerne mal wieder sehen. Manchmal schreibe ich ihr und sie schreibt mir und ich muss lächeln, wenn sie mir erzählt, dass sie ab und an noch an mich denkt und mein Harry Potter noch in ihrem Regal steht.
Gestern habe ich tatsächlich noch ein wenig Ordnung geschaffen, habe meine Bücherregale und den Fernseher abgestaubt, meinen Sitzsack ins Schlafzimmer verfrachtet, den Boden im Schlafzimmer gekehrt (was Dank Zitronenkater aber nicht mehr auffällt), habe seinen Kratzbaum und seine Hängematte vom Schweinestreu befreit, dass er überall hinschleppt und meine Pfandflaschen eingesammelt.
Wenn ich heute heim komme will ich noch ein wenig weiter machen. Nächste Woche steht montags der Katertermin an und Dienstag Therapie, hoffentlich die Waschmaschinenlieferung und Handyabholdate. Wenn die Waschmaschine kommt muss ich samstags einen Tiereinkauf starten, damit genug Futter da ist für die Zeit der Klinik. Wenn sie erst in der Woche drauf geliefert werden kann muss ich wohl oder übel den Kliniktermin verschieben, denn ohne saubere Sachen kann ich nicht hin und auch nicht einfach mal dann von morgens 8 bis abends 8 zuhause sitzen und auf die Maschine warten. Am Samstag drauf werde ich mit D. auf ein Konzert in der Hauptstadt gehen, für das er Gästelistenplätze hat.
Lebenswerte Dinge, die anstehen, die Alltag sind und das Leben normal machen, zumindest ein wenig.
Bevor ich aus dem Haus gehe, überlege ich kurz ob ich mich Finalgon auf den Arm schmieren soll, entscheide mich dann aber dagegen. Ich vertraue einfach darauf, dass es gut werden wird und ich es nicht brauchen werde.

Oh!!, seguiré en mi condición de radical 
gritaré, ¡¡nazis nunca más!!

A la mierda

we will never be, never be anything but loud 

Ich lebe noch. Oder wieder. Den Sonntag habe ich größtenteils im Bett verbracht. Montag habe ich mich dann mal aus dem Haus bewegt, mein Handy weggebracht und ein paar Dinge eingekauft. Gestern war ich wieder unglaublich Matsch und zu nichts fähig. Heute muss ich unbedingt nochmal los ziehen um Katerkindfutter zu besorgen und Möhrikram, muss ein wenig in meiner Wohnung Ordnung schaffen, denn in den letzten Tagen habe ich einfach alles stehen und liegen gelassen, weil mir die Kraft gefehlt hat.
Und ich werde krank. In der Nacht bin ich von meinem eigenen Husten wach geworden, meine Nase kriege ich nicht mehr frei.
Seit letztem Donnerstag ist mir immer wieder furchtbar schlecht und ich muss mich übergeben. Meistens kurz nachdem ich etwas gegessen habe, ich hoffe es gibt sich langsam, aber nächste Woche muss ich eh zu meiner Ärztin wegen Krankenschein, da kann ich das auch mal ansprechen falls es nicht besser ist.
Nachher habe ich einen Termin beim Psychopeuten in der Klinik (mein Handy schlägt mir jedes mal „Psychopathen“ vor…), statte danach T. noch einen Besuch ab und kann auf dem Rückweg dann einkaufen. Morgen steht Achtsamkeit auf dem Plan, mittags habe ich einen Termin bei meiner Therapeutin. Freitag will ich mit Bibi zum Sushimenschen. Alles Dinge, die mir vielleicht den Boden unter den Füßen wieder geben, mich wieder im Leben ankommen lassen.
Im Schlafzimmer muss ich den Rollo mal aufhängen, den ich Samstag gekauft habe. Der Rollladen selbst ist noch mit Kettenzug und springt immer wieder raus, das macht mich jedes mal wahnsinnig, weil dann der Hausmeister kommen muss, Dreck in meinem ganzen Schlafzimmer hinterlässt und es dann wieder nur ein paar Mal funktioniert. Außerdem müsste ich den komplett runter machen, um das Katerkind daran zu hindern die Lichter an der Wand zu fangen, da die ja durch die Rillen trotzdem durchscheinen. Und dann kann ich nicht mehr schlafen, weil es zu dunkel ist. Deswegen ist ein Rollo eine gute Alternative, den kann ich unten ein Stück offen lassen, dort wo eh keine Lichter durch scheinen von den vorbeifahrenden Autos, Katerkind kann den Kopf dahinter stecken zum rauskucken und wir beide sind hoffentlich froh. Zumindest so lange, bis er das Ding zerlegt hat.
Plan für heute also Ordnung schaffen, Boden finden, atmen, Psychopeut, einkaufen. Machbar. Alltag, weiter machen, atmen.

So raise your glass if you are wrong, 
in all the right ways, 
all my underdogs, 
we will never be never be anything but loud 
and nitty gritty dirty little freaks 
won’t you come on and come on and raise your glass, 
just come on and come on and raise your glass