Achtsamkeit, Katerkind, Schwesterherz und Steine 

Am Donnerstag saß ich wieder in dem Raum auf einer Matte, aus dem ich mich vor ungefähr einem Jahr verabschiedet habe. Damals braungebrannt, voller Panik vor der bevorstehenden dbt, bei über 15 Grad weniger und ein wenig wehmütig, weil es das letzte Mal für längere Zeit sein würde, dass ich die Klinik betrete. 

Vieles ist anders an diesem Tag. Nicht nur die Temperatur, denn am bisher heißesten Tag des Jahres sind schon am Vormittag 33 Grad, ich trage statt rötlichen Narben nun Tinte über verblassenden Narben, ich bin innerlich ruhiger und komme nicht nur in diesen kurzen Momenten in der Achtsamkeit zur Ruhe, ich klebe nicht ständig in Hochanspannung, ich habe schon seit einer Weile keinen ganzen Tag mehr damit verbracht gegen den Druck und die Anspannung zu kämpfen. Ich bin die selbe und doch eine andere. 

Die Achtsamkeit tut mir gut, wie so oft in der Vergangenheit. Ich lasse mich von der Stimme des Therapeuten leiten, atme ein und aus, kann die Qi Gong-Übungen immer noch auswendig. 

Seit Dienstag weiß ich, dass die ganze Sache mit meinem Zeugnis klappt. Ich hoffe nun darauf, dass es auch vor Bewerbungsfrist klappt, der Kram liegt beim Ministerium und muss da bearbeitet werden. Aber ich bin schon einen Schritt weiter und das beruhigt ein wenig. 

Und genauso bin ich seit Dienstag die stolze große Schwester einer frisch gebackenen Erzieherin. Als ich den Zwerg in die Arme schloss mit dem Wissen, dass sie die Jahre der Ausbildung hinter sich hat, wollte ich vor Stolz und Liebe fast platzen. Auf dem Weg zu Mama sah ich die Freude in ihren Augen, den Stolz, die Erleichterung, das Glück. Und ich muss an diesen Moment vor 3 Jahren zurück denken, als ich die Schule verließ, berauscht von Glück und Sekt und Erleichterung. Ich bin unglaublich stolz auf diese erwachsene junge Frau, die nun ihren Weg geht. Und ich bin froh, dass ich da sein kann mittlerweile, dass ich die letzten Jahre an ihrer Seite sein konnte, mit ihr lernen, bangen, feiern. Nun ist es geschafft und es ist ein weiterer Schritt, der aus dem kleinen blonden Teufelchen mit Tobsuchtsanfällen eine junge Erwachsene werden lässt. 

Es ist bald halb 4. Nachts. Mein Zitronenkater schlummert friedlich auf seinem Kissen auf der Fensterbank am offenen Fenster. Ich bin weit entfernt von Schlaf, auch wenn ich körperlich völlig erledigt bin. Am Mittag hat mich eine Welle von Selbstverletzungsdruck überflutet, von Traurigkeit und Hoffnungslosigkeit. Zuerst habe ich mich auf mein Bett geworfen, versucht mich abzulenken, doch dann habe ich begonnen aufzuräumen. Ein wenig wollte ich tun, doch letztendlich habe ich (bis auf den Schreibtisch) mein komplettes Schlafzimmer aufgeräumt und mein Bett frisch bezogen, die Schweinenasen sauber gemacht und das Wohnzimmer gekehrt und ein wenig entchaotisiert und letztendlich angefangen in der Küche für Ordnung zu sorgen. Als ich zwischendurch das Schweinestreu draußen in die Tonne befördert habe, traf ich den Herrn Kater, der sich neuerdings nicht davon abhalten lässt auch die Welt vor dem Haus zu erkunden. Dabei beschränkt er sich aber auf die Vorgärten, zum Glück, denn ich habe immer noch eine Straße vor der Türe. Und so passiert es auch mal, dass er auf der falschen Seite des Mückennetzes am Schlafzimmerfenster sitzt und schreit, weil er dort nicht rein kommt. Und da der Weg ums Haus ihm heute wohl zu weit erschien, rannte er durch die geöffnete Haustüre und wartete vor der Wohnungstür auf mich, mampfte zwei Portionen Futter und schläft seitdem mit kurzen Unterbrechungen irgendwo in der Wohnung. Ich möchte den Fellhaufen am liebsten jedes Mal vor lauter Liebe knuddeln, wenn er wieder in irgend einer seltsamen Verdrehung irgendwo liegt und vor sich hin träumt. 

Und mit Ordnung machen, zwischendurch immer mal wieder eine rauchen, Kater beobachten und Hörbuch habe ich den Tag dann doch tatsächlich irgendwie überstanden. Doch der Schlaf lässt sich nicht blicken, mein Kopf kommt nicht zur Ruhe, auch wenn ich nicht wirklich weiß, was da in meinem Kopf kreist. Dabei bräuchte ich wirklich Schlaf, denn heute muss ich noch zu Mama und in den Garten, das Gras, dass ich am Wochenende gemäht habe, zusammen sammeln und den Schweinchen mitbringen, den Bambus schneiden (und auch den Schweinchen mitbringen) und das ganze Grünzeug dort gießen. 4 der 6 Wochen, die Mama nicht selbst im Garten alles tun kann, sind schon vorbei. Zum Glück. Denn obwohl es mir unglaublich gut tut, so ist die Fahrerei doch einfach stressig und vor allem meine Mutter, die natürlich gerne hätte, dass ich den ganzen Tag bei ihr bin. 

Mein eigener Garten hinterm Haus ist momentan leider nicht betretbar, denn dort wo einmal die Mauer stand ist nun ein Loch. 

Und dort, wo die Steine liegen, ist irgendwo die Treppe drunter. Also ist der Garten eben nicht verfügbar momentan, die Meeris sind nicht so begeistert, aber ich kann es nicht ändern. Den Herrn Kater stört es wenig, er braucht ja keine Treppe und die paar Steine hindern ihn auch nicht daran in den Garten und den Wald dahinter zu gelangen. Doch ich sehne mich in den letzten Tagen nach ein paar Stunden im Gras neben den Meeris mit einem Buch, einfach in der Sonne liegen und die Wärme genießen. 

Und vielleicht klappt es nach dem Schreiben nun auch endlich mit schlafen. 

Unaussprechliches aussprechen 

Es gibt Dinge, die ich jemandem sagen wollte, über die ich dann oft tage-/wochen-/monatelang nachgedacht habe. Wie erkläre ich meiner Mutter, dass ich mit einer Frau in einer Beziehung bin? Wie beichte ich meiner Hausärztin die neue Selbstverletzung? Wie sage ich dies oder jenes? 

Und dann gibt es Momente, in denen wichtige Dinge plötzlich einfach ihren Raum brauchen, in denen wichtige Worte plötzlich einfach gesprochen werden müssen. 

Am Freitag saß ich in der Therapie. Erzählte von dem Klinikaufenthalt und von meiner Mutter. Erzählte, dass ich keine Kraft mehr habe dieses Geheimnis zu tragen, mich zu verstellen, ganz besonders nicht, wenn ich noch 5 Wochen halbwegs vernünftig und regelmäßig zu meiner Mutter fahren soll, solange sie immer noch mit dem Gips durch die Gegend hüpft. 

Und so sitze ich da heulend und wir reden darüber. Und ich fasse den Entschluss es ihr zu sagen. Gegen alles in meinem Kopf, das dagegen anschreit. Gegen die Zweifel und die Angst. 

Also erzähle ich meiner Mutter davon. Ich fasse in Worte was immer noch so unfassbar ist für mich. Zu dem Gespräch selber kann ich nicht mehr viel sagen. Es ist verschwommen, es hat getriggert und mich immer wieder in die Dissoziation katapultiert. Und ich will auch gar nicht viel dazu sagen. Es war schmerzhaft und anstrengend. Wegen der Thematik und wegen meiner Mutter, die nun mal so ist wie sie ist. Aber sie hat mir zugehört, sie hat mich in den Arm genommen, sie hat gesagt, dass sie mir glaubt. Es ist raus, endlich, es ist ausgesprochen. 

Ich kann noch nicht sagen, wie es mir nun damit geht. Ja, natürlich bin ich auf irgend eine Art erleichtert. Doch sonst? Ich muss wohl einfach abwarten, was die Zeit noch so bringt. 

Mein Leben läuft so dahin momentan. Ich soll die Erwerbsminderungsrente beantragen, habe aber die 5 Jahre Wartezeit nicht erfüllt. Interessiert aber das Arbeitsamt nicht. Und die Rentenversicherung auch nicht. Von meinen Zeugnis habe ich noch nichts gehört. Ich musste Geld ans Arbeitsamt zurück zahlen, dass sie mir über bezahlt haben. Das Geld für diesen Zeitraum sollte ich eigentlich von der Rentenversicherung kriegen. Darauf warte ich seit Januar. Es ist Chaos und es sind viele Baustellen und ich würde zu gerne einfach mal einen Tag nur im Bett verbringen. Doch dann ist da ein Theratermin, dort einer beim Psychiater, dazwischen noch Alltag und Mama mit Gipsbein. Ich würde mir zu gerne ein Loch graben und abwarten bis der Sturm um mich rum sich gelegt hat. Ich tue zu wenig für mich und ich merke es. Ich muss gegensteuern, sonst ist meine (kaum noch vorhandene) Stabilität bald wieder weg. 

Der Wunsch nach Selbstverletzung wird immer größer. Noch ist es erträglich. Der Druck ist selten so groß, dass ich deswegen skillen muss. Auch die Anspannung gipfelt nicht so oft in Selbstverletzungsdruck wie früher. Doch der Hintergrund momentan ist ein anderer. Ich will mich nicht verletzen um die Anspannung los zu werden. Ich will mich nicht verletzen um mich zu spüren. Ich will den Schmerz und das Gefühl. Zum runter kommen. Um Kraft zu sammeln. Um es durchzuhalten. Um mir eine Ladung Endorphine durch den Körper zu jagen. Um es einfach erträglich zu machen. 

Ich überlege mich zu verletzen und es für mich zu behalten. Einfach nicht zu sagen, so zu tun, als ob es nicht passiert wäre. Doch ich würde damit nur mich selbst belügen. Und es gibt schon genügend Menschen bei denen ich nicht ich selbst sein kann, genügend Orte, an denen ich nicht sein kann wie ich bin. 

Und so versuche ich mein Bestes. Ich skille, ich versuche mein Leben auf die Reihe zu kriegen, ich versuche den Kram zu erledigen, der erledigt werden muss. Und auch wenn es manchmal eher schlecht als recht klappt, so klappt es eben doch irgendwie. 

Heute steht Wohnung an. Endlich mal. Ich werde mir in den Hintern treten und anfangen damit, denn es muss endlich voran gehen, es muss endlich etwas passieren hier. Ich muss wieder zu mir selbst finden und mich hier wohl fühlen, ich muss produktiv sein, sonst gehe ich unter. 

Löffel-Liste 

Manchmal werfe ich einen Blick in die Statistik und klicke dann Beiträge an, die von anderen gelesen wurden, lese sie auch nochmal, erinnere mich zurück, was zu diesem oder jenem Zeitpunkt grade aktuell war in meinem Leben. Manchmal sind es schmerzhafte Erinnerungen, manchmal aber auch Dinge, die mich lächeln lassen. 

Und so lese ich einen Beitrag vom letzten Frühling. Lese, dass ich mich seit 3 Wochen nicht mehr verletzt habe, dass sie letzte ’schlimmere‘ Selbstverletzung nun 6 Wochen zurück liegt. Ich lese, dass ich so gerne den Sommer ohne frische Wunden und Verbände und Nähte erleben möchte. Und ich lächle, denn ich habe den Sommer unverletzt verbracht, den Herbst, den Winter und wieder einen Frühling. Und wieder wünsche ich mir einen Sommer ohne frische Wunden, aber im Gegensatz zum letzten Jahr bin ich zuversichtlicher, dass ich es schaffen kann. 

Auch wenn gerade so viel chaotisch ist. Auch wenn ich eigentlich nicht weiß wo mir wirklich der Kopf steht. Aber es wird weiter gehen, das tat es bisher immer. Ich muss nur darauf achten, dass ich selbst nicht unter gehe dabei. 

Mit der Gänseblümchenmama schreibe ich also gestern eine Liste mit nur 5 Punkten. 5 Dinge, die es zu erledigen gilt. Nachdem mein Körper einen Haufen Schlaf einforderte stapfe ich heute also zur Apotheke und einkaufen, hüpfe unter die Dusche, mache mir etwas zu essen, schreibe den Brief an die Rentenversicherung und kraule das Katerkind. Zwischendurch kommt N. noch zu Besuch und bringt mir meinen Zweitschlüssel wieder. Und ich bringe noch meine Küchentheke in Ordnung. Es gibt noch ein wenig telefonieren, ein wenig zocken und dabei ein wenig Dokus schauen und dann ist es auch schon halb 2 und ich trolle mich in mein Bett. Müde bin ich nicht. Aber ich muss schlafen. Für morgen gibt es schon eine neue Liste. Ich werde zu Mama fahren und in den Garten. Und dann den restlichen Kram auf der Liste erledigen. 

Es hilft mich auf 5 Dinge zu beschränken, es hilft mit den Spoons zu haushalten und es hilft einen kleinen Überblick über das Chaos zu haben, eine Anleitung, einen Plan. In den kommenden Tagen werde ich mich also daran entlang hangeln. Meine eigene kleine Löffel-Liste zum Durchhalten. Vielleicht ergänze ich sie noch um ein wenig Ausgleich, um Dinge, die mir gut tun und im Idealfall keinerlei spoons erfordern. 

Passierschein A38

Schlaf klappt natürlich überhaupt nicht. Ich tigere durch die Wohnung, gehe ins Bett und stehe wieder auf, unzählige Male. Der Zitronenkater hebt nur kurz den Kopf, dreht sich ein wenig und schläft weiter. Selbst die Möhrchen bewegen sich keinen Zentimeter. Irgendwann bin ich mit der letzten Folge meiner Serie fertig und weiß nicht, was ich nun kucken soll. Und ich bin verzweifelt. Die Antriebslosigkeit kombiniert mit Schlaflosigkeit, die natürlich noch weniger Antrieb und noch mehr Matsch als eh schon bringt, treiben mich in den Wahnsinn. Ich rufe in der Klinik an und quatsche Pfleger Andreas voll mit all dem Chaos derzeit. Es tut gut das ganze ein wenig loszuwerden. Und zu wissen, dass die Menschen dort einfach da sind. 

Draußen wird es hell, die Vögel fangen an zu brüllen. Der Herr Kater wird wach und beschließt, dass 5 Uhr die perfekte Uhrzeit ist um durch die Bude zu rennen bis sämtliche andere Mitbewohner hellwach und aus den Federn sind. Als ich mich dann mit den Augen auf Halbmast an einer Tasse Tee festhalte und die Möhris quietschen durch ihr Zuhause flitzen, rollt sich der Herr auf meinem Schoß zusammen und schläft wieder ein. Super. 

Doch ich schaffe es endlich jemanden im Ministerium zu erwischen, der auch tatsächlich zuständig ist und erfahre, dass die Schule mir ein Zeugnis ausstellen muss. Also packe ich kurzerhand meine Sachen, schnappe die Zeugnismappe und fahre hin. Dort muss ich der Dame im Sekretariat erst drei Mal erklären, dass ich an DIESER Schule den Abschluss gemacht habe (klar, wer kennt das nicht: für ein Zeugnis fährt man einfach mal zu irgend einer Schule in der Umgebung…), dann noch drei Mal, dass ich kein Duplikate meines Abschlusszeugnisses will sondern ein Zeugnis über die Fachhochschulreife, dann wieder, dass ich an DIESER FUCKING SCHULE den Abschluss gemacht habe, um dann zu erfahren, dass ich zur Abteilungsleiterin soll, die aber erst am Donnerstag wieder Sprechstunde hat. Asterix und der Passierschein A38… 

Da ich aber eh schon an der Schule bin besuche ich noch den Koffeindealer schräg gegenüber, der mir während der Schulzeit regelmäßig das Leben mit Koffein, Futter, Süßigkeiten und lieben Worten gerettet hat. 

Die liebe fylgja ruft zufällig gerade an, als ich mich auf den Weg zurück zum Bahnhof mache und versüßt mir ein wenig die Wartezeit mit quatschen und gemeinsamem Rauchen. 

Auf dem Weg zurück nach Hause, mit völlig fertigem Kreislauf und zitternd und hundemüde, bin ich dann so vertieft darin zu lesen, dass ich völlig an meiner Haltestelle vorbei fahre und fast im Nachbarbundesland lande. Also aussteigen und auf den Zug zurück warten. Dabei will ich einfach nur noch ins Bett, mir ist unglaublich kalt und ich bin unglaublich fertig. Eigentlich sollte ich versuchen wach zu bleiben, aber das schaffe ich beim besten Willen nicht. Also müssen wenigstens ein paar Stunden Schlaf sein, dann stehe ich auf und koche mir was zu mampfen, suche noch die Unterlagen, die ich für den Termin beim Psychiater morgen brauche, versorge die Tierchen und bespaße den Kater und kippe wieder ins Bett und kann hoffentlich dann die Nacht durchschlafen. Langsam aber sicher hab ich völlig die Nase voll. 

Zu viel

Seit der verwirrenden Nacht auf Montag bin ich ziemlich neben der Spur. Ich schlafe eine Nacht halbwegs gut, dann eine Nacht gar nicht, eine Nacht halbwegs gut, dann nur wenige Stunden… So zieht es sich seitdem und langsam ziehen mir diese seltsamen Nächte den Boden unter den Füßen weg. Ich bin müde und in einem seltsamen Zustand von Dauerdissoziation in den meisten Stunden des Tages. 

Bei meiner Therapeutin erzähle ich von der Nacht. Erzähle von Erinnerungen, die nicht mit Gewalt zu tun haben, sondern mit dem Verhalten meines Vaters, mit Invalidierung und so wenig Verständnis für ein kleines Mädchen, eine beginnende Jugendlichen, für eine Tochter, die einfach Anerkennung und Zuneigung sucht. Diese Momente schmerzen mich immer noch mehr als alles andere. All diese Momente, in denen ich nicht ich sein durfte, in denen ich nicht zählte, in denen ich kein eigenes atmendes Wesen sein durfte. 

Morgen, eigentlich heute, will ich zur Schule. Denn nach vielem hin und her und Chaos weiß ich nun, dass die Auskunft, die ich immer bekommen habe, völliger Käse ist. Für den Abschluss der Ausbildung steht mir ein Zeugnis über die Fachhochschulreife zu, in BaWü habe ich nie etwas anerkennen lassen, die Auskunft der Schule damals war totaler Käse. Dafür haben sie mich dann morgen an der Backe. Und hoffentlich bin ich danach dann schlauer, habe bestenfalls ein Zeugnis bzw. ein Zeugnis in Arbeit. Das ganze geht mir nämlich auch gewaltig an die Substanz. 

Am Freitag steht dann der Rentenversicherungstermin auf dem Plan. Ich bin unglaublich nervös deswegen, unsicher, ängstlich. Ich weiß nicht, ob dort ein netter Mensch sein wird oder ein Bürokratenidiot, der keinerlei Verständnis für mich hat. 

So viel Chaos derzeit und so wenig Kraft aktuell. Und es ist schon wieder mitten in der Nacht und ich mag einfach nur schlafen. Es ist mir einfach zuviel. Leben, atmen, Behördenkram, Haushalt, soziale Kontakte… Zu wenig Löffel für zu viel Kram. 

Die Tage zuhause

Das Aufwachen am Dienstag war zuerst ziemlich merkwürdig. Die Augen öffnen und alleine sein. Daraufhin musste ich mich erstmal in meine Decken wickeln und versuchen der Traurigkeit nicht allzu viel Raum zu geben. Ich habe einfach versucht an die schönen gemeinsamen Momente zu denken und daran, dass die Mädels trotz der Entfernung da sind. Der Rest des Tages lief dann erstaunlich gut. Ich habe ein wenig Ordnung gemacht, meine Tiere bekuschelt, die natürlich vor lauter Sehnsucht (ich war ja auch mindestens 3 Jahre weg!) ganz anhänglich waren (selbst die Möhrennasen), hab Serie geschaut und ein wenig telefoniert. 

Und dann scrolle ich mich durch Facebook und sehe einen Post, der meinen Puls in die Höhe schießen lässt und meinen Blutdruck in den Keller befördert. Ein Bekannter aus der Reha schreibt, dass er sich umbringen will. Ohne zu denken suche ich die Nummer der Polizeidienststelle und tippe sie ins Telefon. Dem Menschen am anderen Ende erkläre ich die Situation, gebe die Infos weiter, die ich habe. Das Posting ist erst wenige Minuten alt und ich hoffe, dass schnell genug gehandelt wird. Schnell ist auch die Polizei des Nachbarlandes informiert, was mir der Polizist einige Stunden später mitteilt. Er wird gesucht. Hier und in seinem Heimatland. 

Mich bringt das ganze aus dem Konzept. Ich verstehe Suizidalität, viel zu gut vermutlich. Etwas, das ich nicht verstehe, ist die Tatsache da einen Haufen Menschen mit rein zu ziehen. So überschlagen sich unter seinem Post die Kommentare, Menschen die suchen und sich Sorgen machen und hoffen und nachfragen. In 4 verschiedenen Sprachen (wobei ich Lëtzebuergesch echt nicht als Sprache ernst nehmen kann…) erscheinen die Kommentare im Minutentakt und ich bin völlig überfordert mit der Welt. Ich kann nicht viel mehr tun, also versuche ich auf mich zu achten und gehe einkaufen. Gefühlt 7 Meter stehe ich neben mir, kann kaum klar denken und schaffe es trotzdem irgendwie zum Supermarkt und zurück, koche mir Spargel (und verteidige ihn vor dem Katerkind) und ertränke ihn dann in viel Hollondaise. Facebook weiß immer noch nichts neues, also kippe ich mit einer doppelten Dosis Medis einfach ins Bett. 

Und dort bleibe ich auch fast den ganzen Mittwoch. Mein Körper ist unendlich müde, mein Magen spielt völlig verrückt und es gibt immer noch keine Neuigkeiten von der Suche. Ich schlafe, schaue Serie, stehe zwischendurch kurz auf und schlafe wieder. Und dann gibt es endlich die erlösende Nachricht: er wurde gefunden, lebend, und ist nun im Krankenhaus auf der Intensivstation. Über 24 Stunden haben sie gesucht und ich atme erstmal auf, drehe mich nochmals um und schlafe dann weiter. 

Gegen 5 Uhr gestern morgen beginnt der Zitronenkater mit dem Galoppieren. Von der Fensterbank über mich drüber, durchs Wohnzimmer, in der Küche über die Schränke und das Ganze wieder zurück. Nach mindestens 13 neuen blauen Flecken und 1,5 Stunden Galoppieren bewege ich mich dann eben aus dem Bett, füttere die ganzen Monster und verfluche die Energie, die das Katerkind hat. Ich nutze den Morgen und tapse zum Supermarkt, angel dort ein Bündel grünen Spargel und einen Energydrink und ziehe zurück in meine Wohnung, wo das Katerkind nun friedlich schlummert. Na danke, ich bin nun wach, da kann der Herr ja weiter pennen. Ich nutze die Uhrzeit und mache ein wenig Ordnung. Im Kampf gegen das Chaos komme ich nur langsam voran, viel zu langsam meiner Meinung nach, aber ich weiß, dass es eben nicht anders geht. Also in kleinen Schritten. Irgendwann koche ich, esse, verbringe den Abend dann mit dem Katerkind auf dem Schoß. 

Auch heute steht noch ein wenig Kampf dem Chaos an. Nur noch mein Schlafzimmer ist ziemlich durcheinander, im Rest der Wohnung sind es kleinere Baustellen. Und selbst im Schlafzimmer ist es eigentlich nicht so schlimm, ich müsste nur meine ganzen Unterlagen mal auf einen Stapel packen und die Bettwäsche, die der Kater aus dem Schrank geräumt hat, wieder dort rein packen. Immerhin habe ich schon einen kleinen Großeinkauf gemeinsam mit M. gemacht. 

Und ganz heimlich, still und leise habe ich die 400 Tage ohne Selbstverletzung erreicht, ohne es wirklich zu merken. 
Und abschließend:

Eine Kerze für E. 

Ich bin mir sicher, dass du mit A. nun Wiedersehen feierst. Danke, dass ich dich kennen lernen durfte und du mich damals so selbstverständlich an der Seite von K. akzeptiert hast. 

It’s so different in my head

Als ich die Augen öffne ist es halb 9. Und ich erlebe wieder dieses seltsame Phänomen, dass ich einfach wach bin und nicht noch völlig in Watte und Müdigkeit gefangen. Tabletten reduzieren kann durchaus positiv sein. 

Das Katerkind liegt ausgestreckt auf dem Rücken und schläft selig neben meiner Schlafbanane. Als ich ihn kraule gähnt er müde, tapst auf meinen Bauch und rollt sich dort nochmal zusammen um weiter zu schlafen und gekrault zu werden. Ich gönne ihm noch ein paar Minuten Glückseligkeit, bevor ich aufstehe. 

Und dann hänge ich wieder durch. Ich schaffe es nicht mich zu motivieren, habe keine Kraft etwas zu tun und die Stunden verfliegen, während ich dasitze und den Zahlen auf meiner Uhr zusehe. Eigentlich will ich wieder ins Bett, denn ich bin wieder müde und mag mich vor der Welt vergraben… Doch ich hüpfe in meine Klamotten, schnappe Leergut, Geldbeutel und Schlüssel und tapse zum Supermarkt. Und bevor ich zuhause wieder in meine Starre verfalle werfe ich alles aus dem Kühlschrank, was nicht mehr gut ist, bevor ich ihn einräume und laufe mit dem Wäschekorb durch die Wohnung, um die Klamotten einzusammeln, die auf dem Boden rumfliegen. Es landet einfach alles in der Waschmaschine, ohne Rücksicht auf Farbe und Sauberkeit. 

Zwischendurch versinke ich immer wieder in Dunkelheit und auf meinem Sofa. Aber ich schaffe es die Minuten nicht zu Stunden werden zu lassen. Stattdessen schaffe ich, was ich seit langem nicht geschafft habe. Einen Anfang zu finden in dem Chaos meiner Wohnung. Ich schaffe es mein Sofa wieder zum Sofa umzufunktionieren, nicht mehr als Ablageplatz zu nutzen. Ich räume die Ecke unter den Meeris auf, kehre Heu zusammen, schnappe mir die Möhrenbande und betreibe bei ihnen Pedi- und Maniküre. Ich bringe den Müll raus, putze eines der Katerklos und werde dann vom Besuch einer Freundin vom Aufräumen abgelenkt, gönne mir eine Pause mit Kaffee und Kuchen und quatschen und rauchen. Danach schläft das Katerkind so süß auf dem Sofa, dass ich ihn einfach nur betrachte und kraule. 

Während mein Essen auf dem Herd steht, räume ich in der Küche vor mich hin. Das saubere Geschirr in den Schrank, eine Ladung frisches Rindfleisch in den Kater, das Besteck in die Schublade und das Gemüse in den Kühlschrank. Und ein wenig rumliegendes Zeug in den Mülleimer. 

Ich muss an die Therapie gestern denken. „Probieren Sie mal Meditation!“ meint die Therapeutin, als ich ihr von meiner letzten Drogenaktion erzähle. „Das bringt Sie auch in andere Bewusstseinszustände.“ Ich schaue sie skeptisch an und muss dann lachen, weil sie mir sonst immer erzählt, dass ich viel zu viel sonst wo bin als in mir selbst. Ich glaube, dass es mir weniger darum geht irgendwo anders rumzuschweben als um die Tatsache mir selbst irgendwie zu schaden. Eine Alternative zu finden für die Selbstverletzung. Wenn auch nicht bewusst. Aber das Problem der Symptomverschiebung ist bekannt und ich bin nicht die einzige, die mit sowas zu kämpfen hat. Manchmal bin ich froh, dass die Erfahrungen mit meinem Vater Alkohol zu einem schweren Thema gemacht haben, denn das verhindert zum Glück die Ambitionen mich öfter furchtbar zu betrinken, um das Chaos in mir zu betäuben. Den Rest werde ich auch noch hinkriegen. Vielleicht schaffe ich es irgendwann ja tatsächlich ohne sonderlich große dysfunktionale Verhaltensweisen mein Leben auf die Reihe zu kriegen. Manchmal fühle ich mich aber einfach so verloren in meinem Leben, so verloren in der Welt, dass nur Selbstschädigung mich irgendwie wieder zurück holt, mir einen Halt gibt in diesem Treiben durch die Leere. Einfach nur mich selbst wieder spüren, wieder in mir sein, wieder bei mir sein. Wieder leben. Und leider habe ich noch immer nichts gefunden, dass da so gut und so schnell und so sicherlich hilft wie schneiden… 

Am Abend hat N. noch vorbeigeschaut, wir haben den Kater bespaßt und nun sind sowohl Kater als auch ich müde vom Tag. So produktiv war ich schon lange nicht mehr und es fühlt sich gut an mit diesem Gefühl ins Bett zu gehen. Vielleicht gibt es mir auch die Motivation und Energie morgen weiter zu machen. 

‚Cause tonight I’m feeling like an astronaut
Sending S.O.S from this tiny box
And I lost all signal when I lifted up
Now I’m stuck out here and the world forgot

Ohm, sweet Ohm

Während ich auf dem Sofa sitze, langsam wach werde und versuche trotz nur 5 Stunden Schlaf die Augen offen zu halten, piepst es in der Küche. Erst bin ich verwundert, dann beginnt es schrill und laut zu piepsen und ich erkenne, dass erst die Mikrowelle sich über Strom freute und dann der Kühlschrank anfing zu protestieren, da seine Temperatur nicht mit der gewünschten übereinstimmt. Ich bin kurz verwundert, stecke dann den Kopf aus der Haustüre und erkenne einen Haufen Handwerker hinter den Kisten, die sie vor sich her schleppen.
Mal wieder war niemand so nett Bescheid zu sagen, dass sie kommen und wir wohl „erstmal“ keinen Strom haben. Gemerkt habe ich das auch nur, weil sie kurz den Strom ab- und wieder anstellen und es eben protestierend piepste. Die Leitungen werden neu gemacht, inklusive Zähler und Treppenhausbeleuchtung. Auf die Frage, wie lange es wohl dauert, erhalte ich nur die Antwort, dass es eben „erstmal“ so sei, auf eine weitere Nachfrage folgt dann „also wir denken, dass das heute noch was wird“. Schön, dann hoffe ich, dass sie besser handwerken als kommunizieren können.
Vor der Achtsamkeit will ich noch schnell was kopieren für die Sozialarbeiterin der Station. Pustekuchen, ich habe ja keinen Strom.
Dem Katerkind fülle ich ein Schüsselchen mit Wasser, welches er aber ignoriert und weiterhin versucht aus dem Brunnen zu trinken, der aber ohne Strom kein Wasser preisgeben mag.
Nach der Achtsamkeit mache ich eine Runde durch den Supermarkt, habe schon Kochpläne im Kopf… Aber Moment, ohne Strom auch kein Herd. Vielleicht etwas in die Mikrowelle werfen? Ach, die hängt doch auch am Strom.
Heute Abend habe ich vermutlich eine besorgte Mutter am Telefon, die schon vor Panik stirbt weil sie mich nicht erreicht. Geht ja ohne Strom nicht und sie denkt auch nie dran, dass ich ja ein Handy besitze.
Ich will die Mail von fitbit beantworten, ohne Strom aber auch kein Internet am Laptop. Das Wetter wäre perfekt um die Dinge zu waschen und draußen aufzuhängen, die viel Platz brauchen… Doch ohne Strom keine Waschmaschine. Und so könnte ich endlos weiter machen. Ich finde es immer wieder erstaunlich, wie abhängig wir alle doch von Strom sind. Der Handyakku geht zur neige, Küchengeräte funktionieren nicht, Fernsehen fällt flach, kein Internet… So viele Dinge, die eigentlich selbstverständlich sind.
Also sitze ich nun mit meinem Mate auf dem Sofa, schaue den Schweinen und dem Kater beim Melone-Mampfen zu (wobei die Meeris mampfen, das Katerkind leckt sie eher auf) und überlege, was ich tue. Aufräumen wäre sinnvoll, denn das gestrige Beseitigen des Chaosberges im Wohnzimmer war letztendlich unnötig, denn ich bekam gestern dann den „und ich will das JETZT machen“ – Anfall und habe zusammen mit N. mein Wohnzimmer auf den Kopf gestellt. Die Meerivilla ist nun eher ein Hochhaus, ich habe endlich wieder Stauraum darunter, habe ’ne Menge Platz im Wohnzimmer dadurch und eben auch ne Menge Chaos. Also werde ich das nun wohl angehen, bin schon dabei mir eine Serie anzustellen, damit es nicht so langweilig ist beim aufräumen… Ach, der Strom, das Internet. Da war ja was. Also werde ich mit Hörbuch auskommen müssen und hoffen, dass der Akku noch ein wenig hält. Denn laden kann ich es ja nicht.
Vielleicht lege ich mich auch erst eine Weile aufs Sofa und döse ein bisschen, denn ich merke die kurze Nacht extrem.
Noch lieber würde ich mich in den Garten legen und ein wenig sonnen, aber bei 30° in die Mittagssonne legen ist wohl nur sinnvoll, wenn man Lust auf einen Sonnenbrand oder – stich hat.

Ohm, sweet Ohm
Ohm, sweet Ohm
Ohm, sweet Ohm

Du bewegst dich aufgelöst im Vakuum

Antriebslosigkeit ist schon seit Jahren ein riesiges Problem für mich. Oft wurde ich dafür belächelt oder sogar als faul bezeichnet. Dass ich dann einfach nicht kann haben nur wenige verstanden.
Dabei ist es dann relativ egal, ob es sich um Dinge handelt, die ich gern oder ungern mache. In solchen Phasen schaffe ich es weder ein tolles Buch zu lesen oder aufzuräumen, wegzugehen oder das Geschirr zu spülen. Manchmal schaffe ich es noch nicht mal zu essen und zu trinken, weil ich mich fühle als würde ich festkleben und mich überhaupt nicht bewegen zu können. Alles erscheint so schwer und absolut und möglich zu schaffen.
Die Mail einer Freundin, die ich beantworten will. Die 2 Teller, die eigentlich einfach nur in die Küche getragen werden müssen. Die Wäsche, die ich in die Maschine werfen müsste. Die Pflanzen, die gegossen werden sollten.
Ich könnte ewig so weiter machen. Es ist egal was, aus welchem Lebensbereich, ich kriege es einfach nicht hin.
Seit ich Medikamente nehme ist es nicht mehr so schlimm wie früher. Manchmal aber habe ich diese Phasen immer noch, gehe mir damit selbst auf die Nerven und verfluche mich, weil ich nichts schaffe und versinke dadurch natürlich noch tiefer. Es ist anstrengend und raubt mir Kräfte, die ich eigentlich für andere Dinge bräuchte.
Nach solchen Tagen bin ich erledigt. Obwohl ich eigentlich nichts getan habe. Aber der ständige innere Kampf, die Wut auf mich selbst, diese Dinge sind so unglaublich kräftezehrend, dass ich abends ins Bett falle wie nach einem vollen und aktiven Tag.
Und so sitze ich seit einer Stunde auf dem Sofa und versuche mich aufzuraffen. Versuche die Dinge zu tun, die ich unbedingt tun sollte. Und mache nichts davon.
Ich will meinen Matcha Latte trinken, noch eine rauchen und dann endlich anfangen. Hörbuch an und los. Ich weiß nur nicht, wo ich beginnen soll. Und da fängt es dann schon wieder an…
Ich will das heute hinkriegen. Will heute Abend stolz auf mich sein, dass ich endlich das Chaos beseitigt habe. Stolz sein und nicht sauer auf mich, weil ich es wieder nicht geschafft habe.

3 Stunden später:
Ich hab mein Bücherregal abgestaubt, den Fernseher und den anderen Kram der dort steht, die Fensterbank geputzt, meinen Drachenbaum von seinen braunen Blättern befreit, die Sofadecken in die Waschmaschine geworfen (und dabei mein Sofa entrümpelt, den Tisch aufgeräumt und geputzt.
Und war dann duschen.
Gleich mache ich mich auf in die Stadt südlich, treffe mich mit N. und wir wollen in der Bücherei stöbern, danach heim und dann kommt Bibi vorbei.
Auf dem Weg zum Bus werde ich noch meinen Müll in die Tonne stopfen. Spätestens morgen will ich eeeeendliiiiiichhhh mal ausmessen, wie lang die Balken für den Umbau meines Wohnzimmers sein müssen, damit die Meeris mit ihrem zuhause umziehen können (und ich weiß immer noch nicht, wo ich den Fernseher dann hin stellen soll…), vielleicht kriege ich das ja sogar noch diese Woche hin.
Kochen muss ich unbedingt, gestern habe ich erst abends gemerkt, dass ich noch gar nichts gegessen hatte. Und weiter Ordnung machen eben. Aber ich habe einen Anfang gefunden, dass tut schon mal gut.

Du hängst völlig abgefuckt und interessenlos bei dir daheim, für dich allein.
Und fühlst dich einsam und verlassen wie ein Eskimo. Und nichts als Schnee und Eis soweit dein Auge reicht.

Doch wo ein König ist wird stets ein Henker sein.

Nach einer sehr kurzen und unruhigen Nacht habe ich es tatsächlich geschafft heute morgen um kurz nach 6 aus dem Bett, um halb 7 aus der Klinik und um 7 aus meiner Haustüre zu purzeln.
Die gestrige Nachricht hielt mich noch lange wach, um kurz vor 23 Uhr schrieb ich noch A. aus dem Zimmer nebenan und wir gönnten uns eine letzte Zigarette, bevor der Raucherraum geschlossen wurde. Auch sie trieb die Nachricht um, montags war J. noch auf der Station. Aus einer anderen Klinik, in der sie danach landete, war sie abhängig und wurde dann dort auf der Besuchertoilette gefunden. Die Reanimierungsmaßnahmen waren erfolglos.
Ich wurde oft wach in der Nacht, drehte mich hin und her und schlief wieder ein.
Nach zwei Zigaretten heute morgen bin ich dann einmal durchs Bad, habe mich angezogen und am Schwesternsitz geklopft. Pfleger Thorsten schaute mich irritiert an, es wusste mal wieder keiner, dass ich so früh weg muss und einen Termin beim Psychiater habe. Kommunikation ist alles…
Für heute steht noch auf dem Plan, dass ich meinen Vermieter anrufe, sobald es möglich ist, die Frau aus der Klinik für die DBT versuche zu erreichen, wieder in die Klinik zurück gehe und dort meine Therapien mache, ich muss mit dem Psychopeut meine Verhaltensanalyse besprechen… Es ist mir jetzt schon wieder alles zuviel. Aber Augen zu und durch, auch so ein voller Tag geht vorbei und heute Abend habe ich hoffentlich einiges erreicht.

Nichts bleibt mehr
Wenn ich jetzt aufgeb‘
Nichts bleibt mehr
Wenn ich diesen Weg nicht geh‘
Und nichts bleibt mehr
Wenn ich weiter vor mir flieh‘
Nichts bleibt mehr
Wenn ich diesen Kampf verlier‘