Jahresrückblick

​Der Jahresrückblick. Liebgewonnene Tradition und immer ein schönes Resümee. 2016 war wild und turbulent und voller Höhen und Tiefen. Aber es endet mit Hoffnung und Zuversicht und genau das zählt letztendlich. 

Kommt gut hinüber ins neue Jahr meine lieben Leser. Feiert (oder feiert nicht) wie ihr es möchtet, achtet auf euch. Wir lesen uns in 2017.

Was hast du in diesem Jahr gelernt? Woran bist du gewachsen

Ich bin gewachsen an der DBT. Ich habe gelernt, dass Gefühle okay sind und manchmal sogar positiv. Gelernt meine Glaubenssätze zu hinterfragen und entgegengesetzt zu handeln. Gelernt meine Anspannung besser einzuschätzen und sie mit noch mehr Möglichkeiten zu handhaben. Gelernt die Notausgangstüre ein gewaltiges Stück zu schließen und Suizid nicht mehr als ständige Notlösung im Kopf zu haben. Gelernt auch mal nein zu sagen. Gelernt meine eigenen Grenzen und Bedürfnisse wahrzunehmen und vor allem gegenüber mir selbst zu vertreten. Gelernt, dass es Menschen gibt, die mich nehmen wie ich bin und genau so mögen. Gelernt ein Stück weit mehr meine Vergangenheit zu akzeptieren. Gelernt mich öfter einfach mal okay zu finden und nicht ständig selbst zu zerpflücken. Gelernt den neuen Weg zu gehen. Gelernt stolz auf mich sein zu können. 


Womit hast du angefangen? 

Damit meine Zukunft zu planen und damit auch ein Leben, in dem ich mich wohlfühlen und leben kann.  Mit Gefühlen und Stolz sein und all dem Kram. Mit Verreisen. Mit Medis für/gegen/bei ADHS und der Auseinandersetzung mit dem Thema. Mit Selbstvalidierung.  


Worauf bist du stolz?

Auf mich. Darauf, dass ich all meinen Mut zusammen genommen habe, dass ich die 14 Wochen Therapie durchgezogen habe, obwohl ich mehr als einmal nicht mehr konnte und wollte, darauf, dass ich mich mit den schweren Themen auch auseinander gesetzt habe und bereit war daran zu arbeiten. Stolz, dass ich stolz sein kann. 


Womit aufgehört/abgeschlossen? 

Mit der Selbstverletzung. Damit mich zu sehr für andere zu verbiegen und dabei meine eigenen Grenzen zu überschreiten. Abgeschlossen mit dem Anspruch an mich selbst ein Leben zu führen wie alle anderen und mich ständig an „der Norm“ zu messen. Aufgehört zu schweigen. 


Schönster Moment des Jahres? 

Stolz sein können auf mich und die Dinge, die ich erreicht habe nach 14 Wochen DBT. Stolz sein können und es akzeptieren können, mich freuen können, es okay finden. Mit einem Schlag all die Veränderungen sehen, spüren, weinen vor Freude. 


Schlimmster Moment? (Und evtl. Erkenntnisse daraus?)

Die letzte Selbstverletzung. Die drängenden Suizidgedanken, die unglaubliche Anspannung, die selbst dadurch nicht wirklich besser wurde. Erkenntnis daraus, dass es so nicht weiter gehen kann, dass es anders werden muss, dass ich so nicht mehr weiter leben kann und will. 


Wem sagst du danke – und wofür?

Der kleinen Hexe. Für unzählige Stunden am Telefon, fürs Dasein, für alles. 

J., für viel Tee, für die Worte, für die Unterstützung, für ein weiteres Jahr da sein, für deine Mitfreude über meine Entwicklung, für unzählige WhatsApp-Nachrichten und dafür, dass du den Glauben an mich nie verloren hast. 

Chrissie. Fürs weltbeste beste Freundin sein. 

Meiner Therapeutin. Weil. 

Dem Team der Station P2. Fürs Mittragen und Unterstützen und mit mir den Weg gehen. 

Fylgja für viele schöne Momente, backen, kochen, quatschen, Känguru. 

Bibi für die Freundschaft, fürs zuhören, fürs dasein.

Genauso N. für die Freundschaft, für viele schöne Momente, Spaziergänge und für die tolle Kater- und Meeriversorgung in den 14 Wochen Klinik. 

Dem Team der Station 8. Besonders Frau K. Für alles. 

Und last but noch least: Puffpuff, F., L., A., K., C. und M., meinem Club der schwarzen Bänder, für die gemeinsame Zeit, weil ihr die Tollsten, Besten, Mutigsten und Verrücktesten seid. <3 


Was bringt 2017/ Was wünschst du dir für 2017?

Die Reha. Und damit hoffentlich noch ein Stückchen mehr Stabilität. 

Möglichkeiten den neuen Weg zu gehen, zu probieren und zu üben und zu schauen was funktioniert und was nicht. 

Ich wünsche mir, dass alles so klappt wie ich es möchte und ich anfangen kann zu studieren. 


Unvergessenswertes?

Die 14 Wochen Klinik. 

Hannover und Hamburg und H. endlich mal live treffen. 

Den Lieblingsösi wiedersehen. 

Die kleine Fee wiedersehen. 

Fylgja kennen lernen und viele tolle Momente gemeinsam. 

Berlin. Mitten im Schnee auf dem Flughafen Tempelhof stehen und sich so frei fühlen. 

Die kleine Hexe mal wieder treffen. 

Kreta. 

Der Umzug von WordPress auf meine eigene Seite. 

N. kennen lernen. 

Meine Kinder- und Jugendtherapeutin wieder treffen. 


Abwärts? 

Heute ist es komisch. Ich weiß nicht, wie ich mich fühle. Es ist weder gut, noch schlecht. Irgendwas dazwischen, dass sich aber weder eindeutig in Richtung gut, noch in Richtung schlecht einordnen lässt. Es ist einfach komisch. 

Vielleicht liegt es auch daran, dass ich mich selbst heute extrem nutzlos finde. Ich hänge durch, habe keinerlei Motivation und so den ganzen Tag über nicht wirklich viel sinnvolles gemacht. Erst am Nachmittag habe ich mich mal in Richtung Stadt bewegt, war im großen Supermarkt um zu kucken, ob sie eine spezielle Bohnensorte aus dem Nachbarland dort haben, die Mama an Weihnachten machen wollte (natürlich nicht, also musste Mama auf die Suche gehen) und war dann mit Bibi und N. auf dem Weihnachtsmarkt. Für mich gab’s dann den ersten Alkohol seit langem (Kakao mit Baileys und Sahne). Und nun hänge ich wieder durch. 

Ich stöbere durch alte Blogbeiträge. Lese von Suizidgedanken, Selbstverletzungsdruck, Selbstverletzungen, stationären Aufenthalten. Es ist seltsam. Es scheint so weit weg. Und gleichzeitig so nah. Manchmal fühlt es sich an, als wäre diese Zeit in einem anderen Leben gewesen. Ich verstehe wie es damals war und warum. Doch es liest sich wie ein Blog eines anderen Menschen. Und doch weiß ich genau, dass ich es bin, spüre die Dunkelheit von damals immer noch in mir, sehe die Suizidgedanken immer und immer wieder durch meinen Kopf ziehen, spüre den Schmerz der Selbstverletzung, fühle den unaushaltbaren Druck. Es sind Welten und doch nur Momente zwischen heute und damals. 

Und ich kriege Angst. Angst davor, dass es wieder so wird. Waren die letzten zwei Tage, an denen ich erst wenig und heute dann kaum etwas hinbekommen habe, schon der Beginn? Oder ist es eben grade einfach so? Ist da unterschwellig etwas am brodeln? Sind da alte Glaubenssätze, die mich gerade hindern, ohne dass ich es merke? Sehnt ein Teil von mir sich unbewusst nach diesen Zeiten zurück, in denen mir die Verletzungen und die Konsequenzen egal waren? Und in denen es auch egal war, ob eine meiner Handlungen tödlich endet? 

Und dann frage ich mich, ob ich mir nicht zuviel Gedanken darüber mache. Ob ich damit nicht schon fast herbeiführe, dass es wieder schlechter wird. Ob ich gerade nur nach einem Grund suche mich wieder „selbst zu zerpflücken“, wie meine Psychologin in der Klinik es immer so schön nannte. 

Fragen über Fragen. Und vermutlich gibt es keine wirkliche Antwort auf eine von ihnen. Am sinnvollsten wird es wohl sein, wenn ich das alles im Blick behalte. Schaue, wie es in den nächsten Tagen so ist. Aktiv versuche zu schauen, ob da gerade was los ist, oder ob es eben einfach nur eine etwas motivationslose Phase ist. 

Abwarten. Tee trinken. Nicht direkt den Teufel an die Wand malen. Und mich selbst akzeptieren, so wie ich gerade bin. Und akzeptieren wie es gerade nun mal ist. 

Helligkeit & Dunkelheit 

Heute war Weihnachten. Zumindest für meine 4 Fellmonster. 

Der Herr Zitronenkater wusste natürlich direkt, dass in dem Paket was für ihn sein muss. Klar, er wohnt ja auch schließlich hier, ich bin nur zum Bespaßen und Füttern angestellt. Dass die Meeris auch noch was kriegen konnte er dann grade noch so dulden. 

Meine Mampfmaschinen sind also vorerst mal versorgt. 5 Kilo Heu, 6 Kilo Meerifutter, 6 Kilo Katertrockenfutter, 8,8 Kilo Katernassfutter, 10 Packungen Leckerlis und weil das ganze ja irgendwo wieder raus muss auch noch 6 Packungen Katerstreu. Die Supermärkte können nun also getrost mal vier Wochen schließen, meine Tiere sind versorgt. 

Den ganzen Kram habe ich erst mal verstaut, da der Zitronenkater sich natürlich direkt mal eine der Leckerlipackungen geklaut hat. Nun ist es zumindest alles sicher vor ihm, Selbstbedienung hat ja mehr oder minder 14 Wochen lang hier geherrscht (wozu habe ich eigentlich eine Kiste, wenn Frau Nachbarin sie offen lässt?). 

Auch sonst war ich relativ fleißig. Ich habe begonnen mein Schlafzimmer aufzuräumen und erstmal alles aus dem Bett geworfen was da nicht hin gehört. Kazerspielzeug, meinen Hammer habe ich endlich wieder entdeckt, einzelne Socken, Klamotten. Der Nachteil an einem großen Bett, man neigt dazu einiges auf der leeren Seite zu stapeln. Nun ist sie nur noch von meinem Berg aus Kuscheltieren blockiert, von einem Haufen Kissen und gelegentlich vom Katerkind. 

Außerdem habe ich viele Unterlagen weggeworfen. Von der Ausbildung und alle möglichen Dinge, die im Regal rumtrollten. 

N. kam zu Besuch, wir waren gemeinsam bei der Bank und einkaufen und bei der Post und bei mir daheim. 

Als es beginnt Dunkel zu werden steigt auch die Dunkelheit in mir. Ich fühle mich matschig, ausgelaugt, erledigt und unwohl. Physisch und psychisch. Vielleicht hängt das mit gestern mir doch noch ein wenig nach. Vielleicht bin ich aber auch einfach nur erledigt. Ich versuche es zu akzeptieren und nicht mich selbst zu zerpflücken. Auf meine Bedürfnisse zu achten. „Manchmal ist es auch okay ein wenig dysfunktional zu sein. Etwas zu tun mit dem Wissen, dass es einem danach nicht unbedingt besser geht. Solange es nicht schlimmer wird.“ sagte meine Psychologin in der Klinik vor einiger Zeit. Sie bezog sich dabei auf mein Bedürfnis mich einfach nur im Bett zu vergraben. Und genau das werde ich nun tun. Mit Wärmflasche und Wärmetierchen, mit Serie und Kuscheldecke und dem Zitronenkater. 

Morgen sieht die Welt schon ganz anders aus. 

Der neue Weg. 

Vorhin war ich bei meiner Nachbarin. Ich wollte mich bedanken, dass sie sich um meine Tierchen gekümmert hat. Wollte ihr ein wenig erzählen, wie die Therapie war und es mir geht und erfahren, was es bei ihr so Neues gibt. Wir haben lange zusammen gesessen, geredet, Kaffee getrunken. 

Dann kam ihr Mann. Eigentlich mag ich ihn ganz gerne, wobei es manchmal schon schwierige Situationen gab mit ihm. Er ist (manchmal trockener) Alkoholiker, saß eine ganze Weile im Knast wegen häuslicher Gewalt und unbezahlten Alimenten, war im Entzug. Er war schon oft hilfsbereit, es gab aber auch ein paar Situationen, in denen es wie gesagt schon schwierig war. 

Er fragte zuerst relativ nett, wie es mir geht, und dann in einem merkwürdigen Ton nach meinen Tieren. Und dann ging es los. Er sei im Tierschutz und bei Greenpeace, es wäre Tierquälerei was ich mit meinen Tieren mache. Ich stand erst mal etwas verwirrt da. Er machte aber postwendend weiter: in die Klinik gehen und nach mir kucken wäre völlig gestört, wenn es meinen Tieren doch so schlecht geht. Mein Kater würde ständig den Kopf gegen die Glasscheibe hauen. Er sei im Knast gewesen, er wisse schließlich wie es ist eingesperrt zu werden. „Ähm. Moment. Mein Kater schlägt nicht den Kopf gegen die Scheibe, er tut, was alle Katzen gerne tun: aus dem Fenster schauen. Und klar kommt er angerannt und kuckt was los ist, wenn er draußen etwas hört.“ Auf diese Erwiderung meinerseits fing er an laut zu werden. Mein Kater würde nicht raus schauen, er würde bei mir gequält und eingesperrt und haut den Kopf gegen die Scheibe! Da wurde es mir zu blöde. Und auch zu gefährlich, denn ich kann nicht einschätzen wie er reagiert, wusste nicht, ob er was getrunken hatte. Und das Lautwerden, die Aggressivität in der Stimme, das ganze erinnerte mich so an meinen Vater, es triggerte ungemein und ich musste aufpassen, dass ich nicht völlig in die Dissoziation rutsche. Also raus. Weg. In meine Wohnung. Meiner Nachbarin kurz tschüss sagen und weg. 

Auf dem Weg nach unten kamen mir schon die Tränen. In meiner Wohnung schließe ich hinter mir ab und will eigentlich nur noch im Bad auf den Boden sinken und mich verletzen. Ich fühle mich schuldig, weil ich meine Tiere alleine gelassen habe, auch wenn mir rational klar ist, dass Welten mich von Tierquälerei trennen. Gefühlsmäßig ist es anders. Neben den Schuldgefühlen steigt die alte Angst und Hilflosigkeit von früher in mir auf. Ich werde angebrüllt, ich hab also etwas falsch gemacht. Ich bin falsch. Ich muss mich bestrafen. 

„Bewegen statt erstarren.“ertönt mit der Stimme unserer Physiotherapeutin in meinem Kopf. Handeln. Ich muss etwas tun. 

Ich greife zum Telefon. Tippe heulend auf den Namen meiner Mutter im Telefonspeicher und warte, dass am anderen Ende jemand abnimmt. Ich heule. Ich rede. Ich erzähle ihr von der Situation, erzähle ihr von der Angst, die das Ganze ausgelöst hat in mir. Gleichzeitig schreibe ich in unserer Whatsapp-Gruppe meinen ehemaligen Mitpatientinnen. Schreibe, dass ich unglaublichen Druck habe. Es tut gut ihre Nachrichten zu lesen. Zu wissen, dass sie da sind. Mit ihnen gemeinsam zu planen, dass sie her kommen und ihm mal eins auf die Nase geben. Irgendwann muss ich lächeln. 

Einige Stunden später sitze ich nun relativ entspannt auf dem Sofa. Die Angst, die Selbstvorwürfe und der Selbstverletzungsdruck sind verschwunden. Ich habe meine Gefühle zugelassen, habe angemessen gehandelt, habe mir selbst immer wieder gesagt, dass seine Wahrnehmung keine Realität ist. Natürlich waren die letzten 14 Wochen keine optimale Zeit für meine Tierchen. Wobei es die Schweine vermutlich relativ wenig interessiert hat. Sie hatten Futter, Wasser und ein sauberes Zuhause, damit sind sie schon glücklich. Mein Kater war natürlich viel mehr alleine, hatte aber auch genug zu fressen, seinen Trinkbrunnen, saubere Klos, Möglichkeiten sich selbst zu beschäftigen, konnte die Schweine ärgern, und auch immer wieder N. hier zum spielen und kämpfen und schmusen, am Schluss durch krankes Meeri sogar täglich. Es war nicht optimal, aber es ging ihnen gut. Das ist die Realität. Mein Kater hat in der Wohnung alle Möglichkeiten sich auszutoben, die er auch gerne nutzt. Wand hoch und runter, unters Bett, über die Schränke. Klar findet er es noch toller, wenn er auch raus kann und dort rumflitzen. Aber er ist auch so glücklich. Nein Zitrone. Du tust alles für deine Tiere, was dir möglich ist. Deine Tiere sind gesund und glücklich. Und überhaupt, wenn es meinen Tieren nicht gut gehen würde, warum werden meine Schweinchen fast alle um einige Jahre älter als Schweinchen im Durchschnitt werden. Ich bin eine gute Tiermama. Realität. Punkt. 
Und mit Unterstützung meiner tollen Mädels, mit den Worten meiner Mama, mit der kleinen Hexe und ihren Worten und dem Zitronenkater, der mich miauend anschaut, weil ich so verzweifelt schluchze und mir schließlich in meine Nase beißt, weil ich ihn nicht kraule, gelingt es mir aus dem Gefühlschaos raus zu kommen. Ich schaffe es mich nicht zu verletzen. Schaffe es die Gefühle gegen mich umzudrehen in die Richtung, in die sie gehören. Nämlich wütend auf ihn zu sein, weil er ein Arsch und ein richtiger Vollidiot ist. Und dann bin ich stolz. Weil ich es geschafft habe. Weil ich im ersten Moment, in dem der Druck so überwältigend war, niemals gedacht hätte, dass ich einige Stunden später entspannt auf dem Sofa sitzen werde (natürlich mit schnurrendem Zitronenkater auf dem Schoß), ohne Wunden, mit dem Gefühl von Stolz. Bämm! Ich habe es geschafft. Es war unglaublich anstrengend anders zu handeln, es war ein Kampf, aber ich habe den Kampf gewonnen. 

Ich überlege, wie es vor 4 Monaten gewesen wäre. Sicherlich um einiges schwerer. Anders. Vermutlich hätte es mit einer Selbstverletzung geendet. Weil es genau meine Schuldgefühlen getroffen hat, meine Selbstzweifel, meinen Selbsthass. Und weil Wut auf jemand anderen haben nicht erlaubt war. Weil ich selbst nur falsch handeln kann. Weil ich nicht okay sein darf. 

Und während ich schreibe erreicht mich die Nachricht von Berlin. Zuerst bin ich fassungslos. Dann schaue ich, ob meine Freunde und meine Familie dort in Sicherheit sind. Es geht allen zum Glück gut. Und dann werde ich wütend, weil ich Kommentare und Posts lese in den social medias, die das ganze als gefundenes Fressen nutzen. Also klappe ich den Laptop zu, schließe die Apps auf meinem Handy und werde für heute dem Medienkram keinen Platz mehr einräumen. 

Mein Tag lief anders als geplant. Aber auch das ist okay. Denn ich sitze immer noch unverletzt hier, dafür darf dann auch mal die Planung scheitern. Mein Wohnungschaos läuft ja (leider) nicht weg. Also verschiebe ich alles um einen Tag, gebe den Möhrenschweinchen noch eine Portion Heu und Salat, kuschel mich mit meinem Katerkind ins Bett und versuche eine möglichst gute Nacht zu haben. 

Auf Anfang. 

Gestern schaffe es tatsächlich gegen halb 7 aus dem Bett am Morgen, hüpfe in meine Klamotten, purzel einmal durchs Bad und mache mich auf den Weg in die Hauptstadt. 

Die Nacht davor war unruhig. Der Zitronenkater konnte sich vor lauter Begeisterung über meine Anwesenheit in (seinem) Bett gar nicht entscheiden, auf welcher Körperstelle von mir er nun schlafen soll und wanderte dann je nach meiner Schlaflage von den Kniekehlen auf die Hüfte, in meinen Arm, auf meinen Bauch, mal neben mich aufs Kopfkissen und auch mal mitten aufs Gesicht. Das Ganze natürlich begleitet von lautem Schnurren und Milchtritt. Aber böse kann ich ihm nicht sein, ich habe es so genossen wieder bei ihm zu sein, dass mir auch das ständige Aufwachen egal war. 

Der Busfahrer, bei dem ich mir eine Fahrkarte in die Hauptstadt kaufen wollte, war unglaublich schlecht gelaunt und völlig empört, dass ich mit einem Fünfziger bezahlen wollte. Nach viel Geschimpfe hat er dann widerwillig rausgegeben und fiel fast vom Sitz, als ich mit „Dankeschön. Schönen Tag wünsche ich Ihnen.“ und einem Lächeln weiter nach hinten ging. Der arme Kerl konnte sich nun gar nicht über unfreundliche Fahrgäste beschweren und weiter Rummeckern. 

Durch das ziemlich lange Geschimpfe habe ich dann auch meinen Zug verpasst. Hat mich allerdings nicht wirklich aufgeregt, ich hab es als Möglichkeit zum Rauchen genutzt. Von schlechter Laune und Aufregen wäre der Zug schließlich auch nicht zurück gekommen. 

In der Hauptstadt bin ich erst mal zum Psychiater, habe den kurzen Arztbrief abgegeben und wollte ein Rezept für meine alten und neuen Medis. Der Herr Psychiater schnappte mich allerdings und verschwand mit mir kurz im Nebenraum, er wollte wenigstens ein kurzes Update wie es nun ist und erfahren wie es in der Klinik war. 

Danach habe ich mich auf den Weg gemacht meine Fahrkarte wieder abzuholen und dann zu meiner Hausärztin bzw. deren Vertreter. Die Arzthelferinnen haben mich freudig begrüßt, wollten alle wissen wie es mir geht und wie es war. Und mit einem Krankenschein im Gepäck ging es dann noch kurz einkaufen, damit ich erstmal ein paar Sachen daheim habe für die nächsten paar Tage. 

Es ist merkwürdig die alten Wege zu gehen, die alten Strecken zu fahren. Gewohnt und doch ungewohnt. Manches hat sich verändert in den letzten Monaten. Manches ist gleich geblieben. 

Die Baustelle vor der Tür meiner Hausärztin ist verschwunden. Dafür steht im Hauptbahnhof nun eine Bankfiliale. Mein Psychiater hat neue Bilder an den Wänden hängen. Bei meiner Hausärztin riecht es immer noch gleich. Der kleine Kiosk am Bahnhof sieht immer noch so aus wie vor 3 Monaten und sie haben endlich wieder meine Lieblingssorte Energy. 

Alles ist fremd und doch vertraut. Es ist ein merkwürdiges Gefühl. Ich frage mich, wie lange es wohl dauern wird wieder voll und ganz hier anzukommen. 

Weihnachten steht vor der Türe und bis auf einige Momente zwischendrin, bin ich noch gar nicht in Weihnachtsstimmung. Es ist unglaublich mild heute in der Hauptstadt gewesen, bei mir zuhause weht ein etwas kühlerer Wind, aber es ist gefühlt immer noch kein Wetter für bald Weihnachten. 

Ich will meine Wohnung ja eh aufräumen und putzen, vielleicht dekoriere ich wenigstens ein klein wenig weihnachtlich. Und vielleicht funktioniert aufräumen und bei einer Sache bleiben mit dem Methylphenidat nun auch besser. 

Heute habe ich erst mal ausgeschlafen. Danach angefangen Ordnung zu schaffen, meine Taschen auszupacken, im Wohnzimmer sauber zu machen. N. war da, ich habe viel mit der kleinen Hexe telefoniert, zwischendurch mal mit Puffpuff und Mama. Und eine Weile einfach nur rumgegammelt, das Katerkind gekrault, im Internet gesurft. 

Vielleicht sollte ich mir einen Plan machen für die nächsten Tage. Chaos durch Planung vorbeugen. Mit genügend Leerraum für mich, mit Zeit um mir Gutes zu tun, einfach ein wenig rumzuhängen und es zu genießen mal rumzuhängen. 

Ich bin gespannt auf die nächsten Tage. Darauf wie es wird und es mir gehen wird. Heute bin ich erstaunlich entspannt und ruhig und es geht mir relativ gut. Ich bin gespannt wie sich die Traurigkeit über den Abschied entwickelt, ob das Vermissen der tollen Menschen sich so hält oder besser oder schlimmer wird, ob der Schmerz über den Abschied sich verändern wird. Ob ich zuhause ankommen und bestehen kann. Ob ich Weihnachten so schaffe wie geplant. Es wird viel Ausprobieren sein in der nächsten Zeit. Viel Auseinandersetzung mit den ganzen unterschiedlichen Gefühlen, die gerade in mir toben. 

Ein Neustart. 

Neuanfang. 

Heimkommen. 

Heimkommen. 

Ich liege im Bett. Auf dem Tablet läuft elementary, der Zitronenkater hat sich in meinen Kniekehlen zusammen gerollt. Ich bin zuhause. 

Der Abschied war schwer. Tränenreich. Meine liebsten Mitpatienten habe ich immer wieder und wieder gedrückt. Mich schließlich von den Pflegern verabschiedet. Meine Bezugspflegerin breitete die Arme aus und drückte mich an sich. 

Mit Mama sitze ich noch unten und rauche. Dann treten wir zusammen den Weg in Richtung Heimat an. Ich lotse sie durch die Stadt, über die Autobahn bis zur Grenze, an Straßburg vorbei Richtung Paris um dann irgendwann weiter zu fahren in Richtung meiner Hauptstadt. Ab da kann ich aufhören Navi zu spielen, kann meine Hauptstadt sehen und meinem Zuhause entgegen fahren. 

Der Zitronenkater weiß nicht wohin mit seiner Begeisterung. Er durchstöbert meine Taschen, steckt die Nase von einem Gepäckstück ins nächste, angelt hier und dort etwas raus. Später kuschelt er sich auf meinen Schoß, während ich ein wenig vorm TV hänge und im Internet surfe. 

Es fühlt sich komisch an nach all diesen Wochen wieder hier zu sein, nicht nur für eine Nacht. Nicht unbedingt negativ, aber etwas fremd und merkwürdig und ungewohnt. Ich werde wohl ein paar Tage brauchen um anzukommen, mich wieder hier einzuleben und zurecht zu finden. Vielleicht trifft es sich ganz gut, dass ich die ganze Wohnung aufräumen und umgestalten und dekorieren will. 

In einiges möchte ich mehr Ordnung bringen. Zum Beispiel in meine Medis. Und die DBT-Unterlagen will ich auch irgendwo geordnet hinpacken. Und mir überlegen, wie ich das mit der diary card mache, ob ich sie einfach auf dem Nachttisch deponiere oder doch im Wohnzimmer, wie es für mich am Besten ist nicht zu vergessen, dass ich sie ausfüllen will. 

Morgen steht erstmal Arzt, Psychiater und Fahrkarte wieder abholen auf dem Plan. Auf dem Rückweg dann noch einkaufen, zumindest ein paar Kleinigkeiten, hier dann noch zur Apotheke, beim Bäcker gelbe Säcke holen. Und dann zuhause anfangen rumzuwuseln. 

Heimkommen. Ankommen. Ausprobieren. Ich bin gespannt wie die nächsten Tage so werden. 

Wandel 

Der letzte Abend. Ich sitze zum letzten Mal abends unten und rauche. Gleich werde ich zum letzten Mal ins Bett gehen hier. Werde zum letzten Mal die Augen schließen und zum letzten Mal hier aufwachen. 

Es ist unwirklich. Und auf der anderen Seite doch so real. 14 Wochen lang habe ich hier geschlafen, gekämpft, geweint, gelacht, geatmet und manchmal versucht nicht mehr zu atmen. Ich gehe als anderer Mensch und bin doch dieselbe geblieben. 

Noch immer kann ich nicht fassen, dass sich in dieser Zeit so vieles verändert hat. Ich gehe hier raus, stärker, mutiger, ein bisschen kämpferischer, hoffnungsvoller. 

Und es ist gut zu gehen. So schwer es mir fällt Abschied zu nehmen, die Klinik, die Stadt und vor allem die Menschen zu verlassen, trotz allem ist es gut genau nun zu gehen. Ich habe getan was ich konnte, mitgenommen was ging, mein Bestes gegeben und nun wird es Zeit sich dem Leben und dem Alltag zu stellen, zu schauen was funktioniert und was nicht, auszuprobieren, die Welt und mich zu entdecken. 

Und es tut gut mit dem Wissen zu gehen, dass ich wiederkommen kann. Nach einem Jahr oder zwei, dass ich an den Dingen arbeiten kann, die noch nicht so klappen, wenn ich es will und es nötig ist. 

Und genauso gut tut es zu wissen, dass es Menschen in meinem Leben gibt, die an mich glauben, mit mir meinen Weg gehen und immer da sein werden, auch wenn uns die Distanz trennt. 

Ich bin froh um all diese Stunden und Tage und Wochen hier. Um die schlimmen und die guten Momente. Um all die Erfahrungen. Und die Menschen, die ich kennen lernen durfte. 

Ich bin immer noch ich. Und doch eine andere. 

Stolz 

„Darf ich eine provokante Frage stellen?“ fragt meine Psychologin heute in unserem letzten Einzel. „Sind Sie stolz?“ 

„Ja.“ Und mir kommen die Tränen. 14 Wochen finden ein Ende. Unaufhaltsam. Und ja, ich bin stolz. 

Unser Einzel ist kurz. Es gibt nicht mehr viel zu besprechen. „So ist mir das am Liebsten.“ meint sie. Alles wichtige ist besprochen. Geklärt. Erledigt. Sie zieht eine Bilanz, eine ziemlich positive. Denkt an unsere ersten Stunden zurück. Vieles ist anders. 

Noch zwei Nächte hier. Die Zeit vergeht unheimlich schnell in den letzten Tagen. Ich freue mich auf zuhause. Ich habe Angst. Und ich bin traurig. Und alles darf da sein und hat seinen Platz. 

Ja. Ich bin stolz. Unglaublich stolz auf mich, auf meine Fortschritte und meine gewonnenen Kämpfe. 

Schöne Scheiße. 

Da ist das Ding. Uff. Ich kann es immer noch kaum glauben, kaum fassen, dass ich es wirklich hier liegen habe, dass ich es wirklich unterschrieben habe. 

Gestern im Einzel ruft meine Psychologin einfach mal kurz bei der Oberärztin an und bestellt sie rüber. Sie liest und unterschreibt den Vertrag. „Respekt.“ sagt sie und ich muss lächeln. Vor ein paar Wochen wäre es noch unvorstellbar gewesen. Sowas zu unterschreiben auf der einen Seite. Und sowas für so lange zu unterschreiben auf der anderen Seite. 

16 Monate sind lange. Aber durchdacht. Mein Ziel war ein Jahr. Weil in einem Jahr so vieles anders sein wird und ich weiß, dass ich ein Jahr schaffen kann. Doch in einem Jahr steht Weihnachten vor der Türe. Erfahrungsgemäß eine schwere Zeit. Genau wie der Jahreswechsel, der Februar mit meinem Geburtstag und dem „Jahrestag“ meines letzten Suizidversuchs und der März mit Ostern und der letzten Selbstverletzung. Also April. Da ist das größte Chaos rum. Der Frühling ist im Gange, die Welt wird wieder heller und wärmer und besser. Ein guter Zeitpunkt um zu beschließen, dass ich vielleicht doch noch ein Jahr, oder zwei oder drei oder vier, weiterleben will. 

Der Lebensvertrag war eine längere Sache. Ein Aushandeln von Möglichkeiten und auch viel „mir selber Steine in den Weg legen“. Ich habe kein Schlupfloch mehr. Ich muss in jedem Fall handeln, muss etwas tun und wenn alles nichts bringt ist der letzte Schritt dir Klinik. Es steht da, schwarz auf weiß, meine Bezugspflegerin wird ihn noch unterschreiben und meine ambulante Therapeutin. 4 Menschen, die als Zeugen meine Unterschrift bestätigen, die den Vertrag kennen, mich daran erinnern und halten werden. Es gibt keinen Ausweg aus dem Ding. Und ich weiß jetzt schon, dass der Moment kommen wird, an dem ich mich furchtbar aufrege, schimpfe und tobe, mich selbst, meine Psychologin und die Therapie hier verfluche, weil dieses doofe Ding mich am Leben hält. Und ich muss darüber lächeln, denn einfach sagen „ach scheiß auf den Wisch“ kann ich einfach nicht. Und genau das weiß meine Psychologin auch und findet es toll und sie weiß auch, dass ich mich  furchtbar ärgern werde. Und lächelt und findet es gut. Schöne Scheiße. 

Mein letztes Wochenende hier bricht an. Es werden immer mehr letzte Momente. Ich bin traurig und sentimental und mag eigentlich gar nicht gehen. Ich will die lieben Menschen hier nicht verlassen, will keine Distanz zwischen uns haben. 

Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch. Ich bin therapiemüde, vermisse meine Wohnung, mein Bett und vor allem meine Schweinchen und meinen Zitronenkater einfach furchtbar, meine Freunde, meine Familie und meine Hauptstadt. Ich will die Dinge, die ich hier gelernt habe, endlich zuhause ausprobieren. Ich will leben, will mit beiden Beinen in meine Zukunft springen, will neu beginnen und weiter machen und beenden. 

Beides darf da sein. Die Traurigkeit und die Freude. Beides hat seinen Platz und seine Berechtigung. Und ich akzeptiere es und nehme es an und finde es sogar gut. 

So viel ist anders geworden in diesen letzten Wochen. Und das wird mir nochmal mit aller Wucht bewusst, als ich mit meiner Psychologin Weihnachten plane. „Wissen Sie, was ich dazu nun beigetragen habe?“  fragt sie nach dem Durchplanen und besprechen. „Ziemlich wenig.“ antworte ich ihr nach einem kurzen Moment. „Ich hätte eigentlich auch aufstehen und gehen können.“ erwidert sie. 

Und dann sage ich etwas, dass ich seit so vielen Jahren nicht mehr gesagt oder gedacht habe. „Dieses Weihnachten nehme ich keine Rasierklingen mit.“ Es wird das erste Weihnachten seit 16 Jahren sein, an dem ich mich ganz bewusst entscheide mich nicht zu verletzen, komme was wolle. Ich werde ohne Klingen hinfahren und es ohne Selbstverletzung durchstehen. Sonst war es zumindest immer eine Option, ein Strohhalm im Hintergrund, an den ich mich klammern konnte, ein Notausgang, ein Fluchtweg. 

14 Wochen finden ein Ende. Gleichzeitig findet ein neuer Abschnitt meines Lebens einen Anfang. Ich glaube nicht, dass ab nun alles gut sein wird. Ich werde beschissene Momente haben, tiefschwarze Stunden und furchtbar anstrengende Minuten. Ich werde weiterhin kämpfen müssen, manchmal um jeden Atemzug, manchmal vielleicht auch nur um jeden Tag oder jede Woche. Aber es gibt neue Wege. Neue Möglichkeiten. Neue Dinge. Es gibt Hoffnung und Lichtblicke und Kraft und Mut und Zuversicht. Ich glaube nicht, dass ab jetzt alles gut sein wird. Aber ich glaube daran, dass ich es schaffen kann. Mehr als sonst, mehr als an einem anderen Punkt jemals in meinem Leben

Schöne Scheiße.  

come out fighting 

Es geht dem Ende zu. Unaufhaltsam. Gestern Abend habe ich mich von Frau S. verabschiedet, weil sie ihren letzten Nachtdienst vor meiner Entlassung hatte. Übermorgen geht eine Mitpatientin. Den Tag drauf auch eine. Am Mittwoch habe ich wohl meine letzte Basisgruppe. Nur noch zwei Einzel mit meiner Psychologin liegen vor mir. Nur noch eine Oberarztvisite. Der Abschied rückt näher und näher. Und was so ganz nebenbei alles in meinem Leben derzeit Chaos verursacht ist eben auch noch da, neben den Gefühlen, die dieser Abschied nun auslöst. 

Im Einzel heute schaut die Psychologin mich an. „Von Fortschritten darf ich ja eigentlich nicht reden, sowas wollen sie ja nicht hören, oder?“ „Mittlerweile ist es manchmal halbwegs okay.“ antworte ich ihr und sie sagt, wie erstaunlich sie es findet, was wir in den letzten Minuten produziert haben. Es geht um die Protokolle, die ich weiter führen will. Zum Beispiel die diary card. Und was wir da raus schmeißen und vielleicht mit aufnehmen. Und ich sage von mir aus, dass sowas wie Gutes tun da eigentlich rein müsste. Vor 3 Monaten wäre ich schreiend weggelaufen, wenn sie sowas irgendwo in der diary card hätte unterbringen wollen. 

Alles dreht sich nun unweigerlich um den Abschied. Ums weitergehen zuhause. Es macht mir Angst. Und ich freue mich. Und es macht Angst. Und es macht traurig, denn die Zeit hier war schön. Ich habe viele Menschen hier lieb gewonnen, von denen ich mich nun auch unweigerlich verabschieden muss. In letzter Zeit hatte ich immer öfter das Gefühl einer großen WG hier, zusammen sitzen, lachen, Spaß haben. 

Es wird mir fehlen. Einfach in den Aufenthaltsraum gehen, an der Tür nebenan klopfen. Alle hier haben. Zuhause wird es so anders. Dort sind auch Menschen, die ich unglaublich gerne habe, aber eben nicht auf dem selben Flur, ein paar Meter entfernt. 

Es wird schwer werden zuhause. Die erste Zeit. Vielleicht auch zwischendurch immer wieder. Aber ich glaube, dass ich ein wenig stärker geworden bin. Ein wenig mehr Dinge kann. Handlungsfähiger bin. Ich darf zuhause nur nicht aufgeben und in alte Muster verfallen. Weiter machen. Weiter kämpfen. Ich hoffe ich schaffe es. 

Die Angst ist da. Und sie wird wohl noch eine Weile da bleiben. Vielleicht auch immer irgendwie ein wenig. 

Das hier war ein Anfang. Der Beginn eines neuen Weges. Vielleicht werde ich nach einem Jahr wiederkommen oder nach 1 ½ oder 2 und lächeln, weil so vieles anders geworden ist. 

Well I know there are times when you’re feeling close to the ground 

and there’s times when you may feel there’s no place to call home 

and there’s times when the only end in sight is the end 

you got to 

Come out fighting…