bin allein ein Stück gegangen

Ich bin wieder zuhause. Einen Tag früher als geplant, da ich in der Visite quasi rausgekehrt wurde, weil es einfach nicht gut lief. Die Flashbacks haben mich zu sehr weggeföhnt, als das eine Absprache hätte anständig stattfinden können, ich war oft einfach viel zu angespannt, als dass da irgendwas hätte klappen können. Konsequenz nun eben, dass ich einen Tag früher wieder Zuhause bin, was ich nach dem ersten Schock auch gar nicht mehr so schlimm finde. Es hat mich aus meiner Anspannung geholt, dass ich heim kann zu Katerkind und in meine 4 Wände. Nun bin ich gespannt, wie es Zuhause läuft.
Was mir allerdings ziemlich gegen den Strich geht ist der Termin für das nächste Intervall in 7 Wochen. Wir haben von Anfang an gesagt, dass es langsam immer mehr gestreckt wird. Nun bin ich knall auf Fall von 5 auf 6 auf 7. Das ist mir zu schnell. Die 7 Wochen sind auch dadurch bedingt, dass eine andere Borderlinerin auf Station ist und sie uns eigentlich nicht unbedingt zusammen da haben wollen. Ich will das auch nicht, denn sie hat mich schwer angestrengt, dadurch, dass sie immer im T-Shirt rumlief… Und zwar mit offenen Wunden. Finde ich ja zum kotzen, denn offene Wunden, egal von was sie stammen, gehören einfach verbunden oder zugeklebt, allein schon wegen möglichen Infektionen. Außerdem hat sie sich an der Oberseite des Arms verletzt und dann im Raucherraum lautstark ihrer Freundin am Telefon erzählt, dass sie sich die Pulsadern aufgeschnitten hätte. Vermutlich durch den Knochen hindurch. Aber egal, nicht mehr aufregen.
Ich habe mit dem Psychopeuten einen Termin in 3,5 Wochen, da werde ich ihm das auch sagen und darum bitten, dass wir da eine anständige Lösung finden, mit der ich auch leben kann. Fürs nächste Mal steht schon auf dem Plan, dass wir an der Kommunikation bezüglich Suizidalität und destruktiven Verhaltensweisen arbeiten werden. Ich mache mir in den kommenden Wochen auf mal Gedanken, was mir in solchen Situationen helfen würde.
Zuhause habe ich erst mal die Heizung ausgemacht und alle Fenster aufgerissen. Unterwegs habe ich noch ein paar Möhrchen für die Meerchen gekauft und etwas zu futtern für mich. Und nun muss ich erst mal ankommen hier. Mit schreiendem Katerkind, das unbedingt Aufmerksamkeit will, Zigarette und einem guten Tee. Morgen geht es erstmal zum Konzert, ich muss einen Termin beim Tierarzt für den Zitronenkater holen, muss mit D. schreiben wie es aussieht mit Hannover, zu meiner Therapeutin will ich ja auch irgendwann mal und das Ganze klären und meine Wohnung hat ein wenig putzen auch nötig. Genügend Dinge stehen auf dem Plan, ich werde mich also nicht langweilen. Nur meine Motivation muss mitspielen, aber das kriege ich auch noch hin.
Heute will ich nur ein wenig rumwuseln und ein wenig sauber machen, besonders in der Küche (aus einem Napf für Trockenfutter für Katerkind wurden während meine Abwesenheit 3 Näpfe + der halbe Fußboden…) und im Bad (da ist von meiner Klodeckelmontage noch Chaos).
Ich habe versucht Schwester Nathalie zu erreichen, damit sie mir das nochmal sagt mit dem Relativieren, dass mein Vater hier auftaucht. Pfleger Thorsten konnte sie aber nicht auftreiben. Doof, denn ich hätte das gerade gut gebrauchen können. Aber nicht zu ändern.
Zuhause ankommen. Weiter machen. Auf in einen neuen Kampf.

Weil wir morgen noch das stehn,
wo das Herz am Haken hängt,
weil die Erde sich beim drehn
nicht drum schert wer an dich denkt.
Weil wir Raum um Raum verziern,
wo mal grau war sind Geschichten
und dann Traum um Traum verliern,
verzichten,
…verzichten

Wir sind Drachen und wir steigen im Gegenwind.

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Der Abend war okay. Ich saß irgendwann mit dem Tatort auf dem Sofa und hatte das schnurrende und später schlafende Katerkind auf dem Bauch. Im Schlaf hat er Mäuse gejagt oder Bäume erklommen, ich muss immer lächeln wenn sich seine Pfoten und der Schwanz bewegen oder dann ein Ruck durch den ganzen Körper geht. Und ich muss lächeln, weil er mir so sehr vertraut, dass er auf mir in Tiefschlaf verfällt und träumt und sich sicher ist, dass ihm nichts passiert. Wenn ich an seine Vorgeschichte denke und die Dinge, die er in seinem jungen Alter schon erleben musste, dann ist es für mich immer noch ein Wunder, dass er sich so sehr auf einen Menschen einlassen kann.
Seit gestern ist eine seiner Pfoten blau, weil er natürlich wie immer viel zu neugierig war. Als ich meine Haarspitzen wieder bunt gemacht habe musste er natürlich ins Waschbecken hüpfen und durch die Farbe laufen. So brachte er mich gestern mehrere Stunden lang immer wieder zum lachen, denn es sieht einfach nur lustig aus.
Vorsorglich habe ich gestern dann ein wenig mehr meiner Abendmedis genommen und bin auf dem Sofa langsam immer müder geworden und schließlich ins Bett geplumst. Dort habe ich es gerade noch so geschafft mir mein Hörbuch anzumachen, bevor ich keine Kraft mehr hatte die Augen aufzuhalten und habe mich in meine Decken gekuschelt, den Zitronenkater auf mir. Und dann bin ich auch relativ schnell eingeschlafen. Die Träume waren ein wenig wirr und gegen 4 Uhr wurde ich wach, weil mein Vater durch meine Träume lief. Auch ohne ihn waren die Träume anstrengend, ich habe von der Klinik geträumt, von einigen Schwestern und dem Versuch, immer wieder an Klingen zu kommen und mich zu verletzen. Und trotz Medikamenten wache ich um kurz nach 8 dann wieder von alleine auf und bewege mich aus dem Bett und unter die Dusche. Ich bin mal wieder klatschnass geschwitzt, was nach Träumen von meinem Vater oft vorkommt. Also wander ich unter die Dusche und mein Bettzeug in die Waschmaschine. Ich überlege ob und was ich frühstücken soll, habe aber weder große Lust noch Appetit dazu und schnappe mir einfach nur eine Banane und falle auf mein Sofa. Von dort will ich eigentlich gar nicht mehr aufstehen und schon gar nicht in die kalte und graue Welt vor meinen Fenstern. Am liebsten würde ich wieder in mein Bett krabbeln und mir die Decke über den Kopf ziehen, was leider ja nicht geht. Ich muss mich anziehen und los in die Hauptstadt, muss zum Psychiater und einkaufen, muss heute noch Kuchen backen und Geschirr spülen und Chrissie kommt mit dem Hundemädchen. Und weil Katerkind beginnt mit viel Enthusiasmus und Milchtritt auf meinem Magen meine Banane wieder aus mir heraus zu befördern, stehe ich also auf bevor sie meinen Körper wieder verlässt und ziehe mich an. Dabei muss ich daran denken, dass ich morgen besser etwas mit langen Ärmeln anziehe, zumindest solange Mama da ist. Auf Diskussion und erschrocken-vorwurfsvolle Blicke habe ich an meinem Geburtstag definitiv noch weniger Lust als an sonstigen Tagen.
Letztes Jahr um diese Zeit lag ich noch auf der Intensivstation und habe gejammert, weil ich unbedingt rauchen wollte aber natürlich nicht durfte und konnte, habe mich auch davon abgesehen richtig furchtbar gefühlt mit Herzrasen und Übelkeit und immer noch bedöppelt von der Überdosis Tabletten. Und sonst waren um diese Zeit im Jahr die Hunde oft bei mir und K., weil Chrissie mit ihrem Freund in den USA war. Facebook zeigt mir in den letzten Tagen bei den Erinnerungen immer wieder Bilder von den zweien und ich schwanke jedes Mal zwischen lächeln und losheulen. Ich bin gespannt wie es heute wird mit Chrissie.
Mein Psychiater war wie immer einfach toll. Wir haben auch über meine momentan eher weniger vorhandene Therapie geredet und er hat mir ein wenig geholfen, bei der Entscheidung, wie es weitergehen soll. Vermutlich werde ich der Therapeutin schreiben und um einen Termin bitten, um mit ihr zu reden. Ich will die Dinge, die in unserer letzten Sitzung geschehen sind, besprechen und schauen, ob wir die paar letzten verbliebenen Stunden nicht noch etwas auf die Reihe kriegen. Und während ich das schreibe habe ich ihr eine SMS gesendet und nach einem Termin gefragt und auch direkt erwähnt, dass ich über die Stunde im September reden möchte. Ich habe Bammel davor, aber ich glaube ich kriege das hin. Vielleicht mal nicht beleidigter Borderliner spielen sondern mich konstruktiv den Dingen stellen.
Und nun werde ich gleich mal schauen was ich essen soll heute und ob ich mich noch an den Kuchen mache oder das auf morgen verschiebe. Auf jeden Fall muss ich meine Wohnung noch hundesicher machen, also alles schokoladige außer Reichweite bringen (zum Glück findet der Zitronenkater Schokolade gar nicht toll, sonst hätte ich ein Problem…) und auch das Katerfutter außer Reichweite bringen.
Und währenddessen schaue ich „und täglich grüßt das Murmeltier“ (denn der 2. Februar ist Murmeltiertag! Also auch der Tag in dem Bill Murray im Film festhängt.) und trinke Tee. Dieser Tag ist definitiv besser als der 2. Februar im letzten Jahr.

Wer immer auf dem Boden bleibt, hat nichts was Ihn nach vorne treibt.
Dreh dich um, dreh dich in den Sturm
Stell dich quer, lass sie spür’n dass wir am Leben sind.
Dreh dich um, dreh dich in den Sturm
Wir sind Drachen und wir steigen im Gegenwind.
Lass los, lass los, lass los was dich nicht los lässt

Heimkommen

Zitronenkind ist wieder Zuhause. Die Fahrt kam mir diesmal nicht so lang vor und ich konnte immerhin ein paar Stunden schlafen. Dennoch bin ich kaputt und erledigt und fühle mich nicht wirklich wie ein Mensch. Ich müsste eigentlich meine Wäsche in die Maschine werfen, müsste Zuhause ein wenig Ordnung schaffen und essen.
Also werde ich in mein Bett gehen. Da war ich eben schon, aber der Zitronenkater fand es viel interessanter durch die Gegend zu toben. Sobald ich aufgestanden bin und mich aufs Sofa gesetzt habe, hat der Herr sich auf meinem Schoß ausgestreckt und schläft nun selig. Prima. Vielleicht kriege ich ihn überredet, das auch weiterhin zu tun, entweder im Bett oder sonst wo. Ich jedenfalls brauche Schlaf. Jeder einzelne Muskel in meinem Körper tut mir weh, mein kaputtes Sprunggelenk hat 3 Wochen Urlaub beantragt und auch mein kaputtes Knie, dass mir nun echt lange schon nicht mehr wehgetan hat, möchte seit gestern seinen Dienst quittieren. Also starte ich einen neuen Versuch meinen Körper zu geben, was er benötigt. Hoffentlich ohne Zitronenkatermiauen oder -tobeanfälle. Ich bin einfach nur schrecklich müde. Und auch froh, wieder in meinen 4 Wänden zu sein, meine Tierchen zu haben. Und froh, dass ich diese Reise unternommen habe.

long way home

Ich sitze im Bus und fahre wieder Richtung Süden.
Heute war ich wieder mal viel unterwegs. Irgendwann zwischen Dunkelheit und hell werden fing es an zu schneien und hörte bis in den Nachmittag auch nicht mehr auf. Ich war im Schneetreiben unterwegs, habe mich zwischendurch beim bummeln durch die verschiedenen Shoppingcenter aufgewärmt. Dann bin ich los Richtung Tempelhof. Und es war einfach der Wahnsinn. Mitten im Schneegestöber stehen, um einen herum nichts als Schnee und Weite und Weite und Schnee. Ich hab mich so unglaublich frei gefühlt, so unglaublich gut. Ich hätte ewig auf den Landebahnen und den Wiesen rumlaufen können. Wenn es nicht so verdammt kalt gewesen wäre… Aber es war einfach wirklich unglaublich.
Gegen Abend bin ich dann los meinen Cousin besuchen. Wirklich gesehen haben wir unsere letzte Mal, als ich ein Kind und er ein Teenager war. Wir sind uns danach ein paar Mal in der Hauptstadt über den Weg gelaufen, aber auch nicht mehr. Es war schön ihn mal wieder zu sehen, über die Familie zu quatschen (und festzustellen, dass wir eigentlich noch relativ normal sind, wenn man sich den irren Haufen unserer Verwandtschaft mal so ansieht) und einfach beisammen zu sein.
Dann bin ich Richtung Hostel, habe meinen Kram geschnappt und los zum ZOB. Das war ziemlich abenteuerlich, denn der gefallene Schnee hat nachmittags begonnen zu tauen und ist am Abend dann gefroren. Ich bin froh, dass ich mit ein paar blauen Flecken davon gekommen bin und mir statt meiner Knochen nur die Flasche Pfeffi zerdeppert habe. Nun riecht meine Tasche samt Inhalt wenigstens schön frisch nach Pfefferminz (ja, man kann sich prinzipiell alles schönreden.).
Wir fahren nun auf Leipzig zu, während über der Autobahn gerade ein Flugzeug im Landeanflug ist. Ein toller Anblick bei Nacht.
Und so werde ich nun weiterhin die Aussicht vom Platz in der ersten Reihe im oberen Deck des Busses genießen, bis mir vielleicht endlich mal die Augen zufallen.
Berlin war ein Träumchen und es war mir, wie immer, ein Fest. Auf Bald, du Haupthauptstadt, ich fahre nun wieder in meine Hauptstadt.

Berlin ich trink auf dich

Die Nacht war sehr unruhig. Ständig kam jemand ins Zimmer. An sich nicht schlimm, rumdrehen, weiter schlafen. Allerdings waren nicht alle so leise wie die nette Spanierin. Ein Gast kam gegen 23 Uhr an, schmiss lautstark seinen Kram auf den Boden und bollerte dabei ein paar mal gegen die Metallspints. Dann ging er (Türknallen), kam wieder (Türknallen), ging wieder (Türknallen) und kam mit einer Mitarbeiterin wieder, der er lautstark in gebrochenem Englisch erklärte, dass er ein Schloss für den Spint will. Als sie ihm erklärte, dass man diese selber mitbringen oder an der Rezeption kaufen muss, fiel ihm wohl ein, dass er eins hat. Also begann er den Spint einzuräumen (Geboller), machte dann das Schloss zu und hantierte an eben diesem dann noch zehn Minuten weiter rum (viel Geboller). Dann ging er (Türknallen). Ich war grade wieder eingeschlafen, als er wieder auftauchte (Türknallen) und dann geschlagene 15 Minuten an dem Schloss rumhantierte (viel Geboller). Irgendwann fragte ich ihn genervt auf Englisch, ob er Hilfe bräuchte, ansonsten soll er doch bitte den Schlüssel ins Schloss stecken, aufschließen, seinen Kram erledigen, abschließen und bitte Rücksicht auf seine Mitmenschen nehmen. Plötzlich konnte er das ganze dann relativ leise. Um kurz vor 6 kam dann noch jemand rein, stand kurz unschlüssig im Zimmer, und ging wieder (Türknallen).
Da beschloss ich dann aufzustehen.
Um 7 muss einer meiner Mitbewohner aufstehen, da werde ich dann mal in Klamotten hüpfen (nein, ich sitze nicht nackt in der Lobby, aber ich habe nur eine dünne Jogginghose und einen Pulli an), dann frühstücken gehen. Danach kurz in den Supermarkt fallen und Reiseproviant kaufen. Und dann auschecken. Vielleicht treffe ich mich noch mit Moritz, wenn es ihm nicht zu viel ist nach seiner Schicht, wenn nicht werde ich schon genug zu tun finden. Später will ich auf jeden Fall noch zu wonderwaffel, Checkpoint Charlie ist hier um die Ecke, vielleicht gönne ich mir noch eine gute Berliner Currywurst.
Die letzten Stunden hier brechen also an, während es draußen noch stockdunkel und bitterkalt ist.
Ich freue mich auf Zuhause. Der Tag länger war eine gute Idee und hat mir gut getan, aber nun ist es auch wieder okay nach Hause zu fahren. Ich freue mich darauf mal keine Menschen um mich zu haben, zu schlafen wann ich möchte, ohne dann ständig jemand im Zimmer steht. Ich freue mich auf mein Bett und unglaublich auf meine Tiere.
Die Tage hier waren schön, teilweise manchmal eine Grenzerfahrung, aber Berlin wird definitiv immer eine Reise wert sein. Und es hat mir gezeigt, dass ich eigentlich viel öfter genau das tun sollte, wonach mir gerade ist. Falls mich nicht gerade das Gesetz daran hindert, was ja leider oftmals der Fall ist.
Nun starte ich mit Cappuccino in den Tag, gehe gleich zu Earl Grey über, und genieße die Zeit, die mir bis zur Abfahrt noch bleibt.

Berlin
Wohowohoo
Berlin ich trink auf dich.

Spontanität 2.0

Spontanität ist momentan scheinbar mein zweiter Vorname. Nein, dritter, einen zweiten habe ich schon.
Ich bleibe eine Nacht länger in Berlin. Ich habe diese Idee gestern im Bett noch ewig gewälzt und konnte nur schwer einschlafen. Als ich heute morgen wach würde bin ich dann aus dem Bett gepurzelt und zur Rezeption getapst, habe gefragt ob eine weitere Nacht möglich ist und dann verlängert. Während dem Frühstück habe ich meine Busfahrt dann umgebucht. So hat Berlin mich noch 24 Stunden länger als geplant und ich sitze dauergrinsend vor meinem Earl Grey.
Meine Nacht war wirr. Ich habe geträumt, dass mein Vater mir einen Abschiedsbrief hinterlässt, in dem einfach nur steht „ich habe mich umgebracht“. Ich Traum beginne ich alle möglichen Dinge zu regeln und Personen zu informieren. Aber eigentlich bin ich Schuld an seinem Tod, ich habe ihn ermordet. Das weiß ich im Traum, trotzdem vermischt es sich immer wieder mit seinem Suizid. Meine Schwester wird verfolgt, von irgendwelchen Leuten bedroht. Im Haus meines Vaters, dass eine Mischung ist aus der Wohnung, in der er nun lebt und der Wohnung, in der wir vorher lebten ist, wird eingebrochen. Meine Mama feiert eine Party, trauert aber gleichzeitig um meinen Vater. Und da ist ein Mann, der mir sehr vertraut ist, den ich aber einfach im wachen Zustand nirgends zuordnen kann. Alles in allem war es also eine unruhige Nacht. Dementsprechend lange brauche ich, um wirklich wach zu werden. Da ich gestern möglichst leise ins Bett geschlichen bin und nicht großartig noch Klamotten gesucht habe, muss ich mich erst mal anziehen um vor die Türe zu können. Nach dem vierten Earl Grey und einem Frühstück fühle ich mich nun wieder wie eine Zitrone, wenn auch eine etwas angematschte. Ich werde mir gleich den Kindle schnappen, mich auf eines der Polster in der Lobby werfen und ein wenig lesen, versuchen ruhig im Tag anzukommen und die Reste der Traumfetzen loszuwerden. Und dann geht es wieder raus, raus ins kalte Berlin. Ich freue mich auf die Zeit mehr, die ich nun habe.

Berlin – Hamburg, Hamburg – Berlin

Heute Mittag (gestern Mittag wohl eher) war ich noch ein wenig mit der kleinen Hexe unterwegs in der Stadt. Dort hat uns ihr Taxifahrer dann aufgesammelt, zum Krankenhaus gefahren, ihr Zeug eingeladen und ich bin spontan mitgefahren, da ihr Taxifahrer danach auch wieder direkt zurück nach Berlin musste. So bin ich also auch in Hamburg gewesen, auf dem Rückweg haben wir eine kleine Tour über die große Brücke am Hafen und durch die Stadt gemacht, Hamburg bei Nacht angeschaut.

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Tja. So sieht man dann eben mal spontan einiges von der Welt. Nun bin ich wieder im Hostel, nachdem ich noch ein wenig durch die nächtlichen Straßen Berlins gestreift bin. Und in 21 Stunden geht es schon wieder zurück nach Hause, in meine Hauptstadt. Ich weiß noch nicht ob ich mich freue oder traurig bin. Aber vermutlich einige ich mich mit meinem Kopf und meinen Gefühlen einfach darauf, dass ich mich freue und die schöne Zeit hier in guter Erinnerung behalte. Und darauf, dass ich sowas öfter mache, einfach raus. Nicht jeden Monat, aber ab und an mal weg tut mir so unglaublich gut.
Nun sitze ich noch ein wenig in der Lobby, trinke eine heiße Schokolade und schleiche gleich leise in mein Zimmer, hoffentlich ohne den schlecht gelaunten Russen zu wecken. Ich werde mir zumindest Mühe geben.
Bevor ich morgen um 10 Uhr auschecke will ich noch kurz zu Kaisers, ein wenig Proviant für die Fahrt kaufen. Dann muss ich das nicht durch die ganze Stadt schleppen, da ich mein Gepäck ja hier lasse. Von hier aus kann ich abends dann direkt zum ZOB fahren.
Ein paar Dinge muss ich mir für Zuhause definitiv vornehmen. Zum Beispiel mehr heiße Schokolade trinken. Und öfter mal raus und spazieren, einfach laufen um den Kopf frei zu kriegen.
Und nun falle ich ins Bett, damit ich vielleicht wenigstens noch 6 Stunden Schlaf abbekomme.
Gute Nacht Berlin.

Welcome to Berlin

Texaner kommt gegen 23.30 Uhr etwas angetrunken ins Zimmer und scheitert gnadenlos bei dem Versuch leise zu sein. Russischer Mann mittleren Alters, der weder Hallo sagte als er kam noch sonst was, fängt an zu schimpfen und behält das auch die folgenden 20 Minuten bei, bis er dem Texaner lautstark erklärt, dass er früh aufstehen und fit sein muss für die Arbeit. Texaner versteht kein deutsch, Russe spricht kein englisch. Texaner dreht sich einfach um und kuschelt sich ins Bett, Russe flucht weiter.
Als gegen 1 dann zwei kichernde Japanerinnen auftauchen wird der Russe zum Glück nicht mehr wach, oder vielleicht sagt er auch einfach nichts, aber dafür beschließt der Texaner noch ein Bier trinken zu gehen, hält kurz bei mir an und fragt flüsternd, ob ich auch noch eins will, und schlurft schließlich alleine raus. Als er wieder kommt schlafe ich schon, wache nur gegen 6 Uhr auf als Russe sich fertig macht zur Arbeit. Den Rest meiner ausstehenden Zimmerkollegen verschlafe ich, nur die zwei Japanerinnen schlafen noch tief und fest als ich letztendlich kurz nach 8 aus dem Bett krabbel.
Ich bin gespannt, ob der Russe heute Abend wieder ähnlich schlecht gelaunt ist. Als arbeitender Mensch würde ich nicht in ein Hostel gehen, dass hauptsächlich von Touristen frequentiert wird. Oder mir dann wenn schon ein Zimmer mit weniger Betten nehmen oder explizit ein Hostel extra für Arbeiter, die gibt es hier auch. Genau wie es hier im Hostel auch Zimmer gibt, die nur mit Menschen belegt sind, die morgens früh raus müssen, weil sie hier für eine kurze Zeit, manchmal auch längere Zeit, arbeiten.
Trotz meinem vorhandenen Schlafmangel, schließlich sind ca. 7 Stunden für mich auch echt wenig, bin ich doch relativ fit. Ich habe in Ruhe gefrühstückt und mir ne Menge schwarzen Tee gegönnt, an meinem letzten Tee schlürfe ich gerade noch, dann werde ich mich unter die Dusche werfen und mich danach fertig machen und wieder Richtung Charité ziehen. Die kleine Hexe wird heute nachmittag nach Hause fahren. Ich werde dann noch ein wenig durch Berlin streifen, ich will noch an ein paar Orte, will einfach laufen (aber definitiv nicht mehr so viel wie gestern!!!), mich von der Stadt treiben lassen.
Morgen werde ich ähnlich früh aufstehen, frühstücken, gegen zehn auschecken, mein Gepäck hier lassen und noch ein wenig Berlin genießen, bevor ich um 23 Uhr wieder im Bus nach Hause sitze. Vielleicht föhne ich mir für die Rückfahrt direkt ein paar Seroquel ein, dann kriege ich wenigstens eine Portion Schlaf.
Ich habe das Gefühl, dass ich durchaus noch ein paar Tage mehr hier verbringen könnte. Aber trotzdem werde ich mich auch freuen wieder Zuhause zu sein, mit dem Zitronenkater zu kuscheln und meine Meeris um mich zu haben. In meinem Bett zu schlafen. Meine gewohnte Umgebung zu haben.
Diese Auszeit war absolut nötig und absolut richtig. Ich finde es unglaublich erholsam einfach raus zu kommen, einfach mal weg zu sein. Ich sitze gerne in der Hostellobby und höre den verschiedenen Sprachen zu, fahre gerne mit der U oder S, laufe gerne durch die Straßen.
Und nun entspanne ich mich noch ein wenig, bevor ich mich wieder in die Großstadt werfe.

Und alles Schlechte lässt man zieh’n

Sobald ich mich irgendwo hinsetze krabbelt der Zitronenkater auf meinen Schoß. Ich schaue ihn an und muss daran denken, dass dieser schnurrende Haufen Fell mal so klein war, dass ich ihn beim spielen mit einer Hand hochheben konnte. Jetzt ist der Herr schon 8 Monate alt, passt nicht mehr in jede kleine Ecke und verursacht blaue Flecken, wenn er von der Fensterbank auf mich springt, während ich im Bett liege. Ich hab mich damals sofort in seine großen Kulleraugen verliebt. Seine Ängstlichkeit ist mittlerweile fast ganz verflogen. Während er früher unter das Bett sprintete, wenn im Flur etwas zu hören war, läuft er mittlerweile zur Tür und freut sich, wenn jemand hier klingelt und er etwas zum beschnuppern hat. Den Hund meiner Nachbarin faucht er mutig an und stellt sich ihm in den Weg, früher hat er sich möglichst weit vor ihm versteckt. Die Meeris findet er immer noch toll, er schläft gerne bei ihnen, klaut ihnen immer noch gerne den Salat und die Gurken und stubst sie manchmal mit der Pfote an und freut sich, wenn sie protestierend quietschen. Er kämpft immer noch liebend gerne mit meinem Drachenbaum und trägt die Blätter wie eine Kriegsbeute durch die Gegend, springt immer noch frech in den Kühlschrank und würde beim kochen am liebsten in den Topf oder die Pfanne springen, er räumt immer noch gerne den gelben Sack aus und verteilt den Inhalt in der ganzen Wohnung. Er ist ein freches, verfressenes und neugieriges Katzenkind. Ich liebe ihn unglaublich. So unerwartet wie er Teil meines Lebens wurde, so wunderbar ist es nun ihn in ebendiesem zu haben. Er bringt mich zum lachen, zum lächeln, zum wütend werden und zur Verzweiflung, wenn er den ganzen Tag in seiner Katzensprache vor sich hin plaudert. Er macht mein Leben bunter, chaotischer und wärmer. Und jedes Mal, wenn er auf meinem Schoß, meinem Bauch oder meinen Beinen einschläft, voller Vertrauen, dass ihm bei mir nichts passiert, weiß ich, dass es die absolut richtige Entscheidung war ihn bei mir aufzunehmen.

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Ich habe mal wieder eine unruhige Nacht hinter mir. Mein Bett sieht aus, als ob darin ein Kampf stattgefunden hätte. Das Bettlaken ist halb von der Matratze unten, die Kissen sind verstreut, genauso wie die Kuscheltiere, die Schlafbanane hat beschlossen außerhalb des Bettes zu wohnen und ich wache müde, mit Rückenschmerzen und völlig verstrubbelt auf. Mein Schlafphasenwecker erzählt mir, dass ich fast gar nicht im Tiefschlaf war, fitbit sieht es nicht anders und Katerkind sitzt auch mit vorwurfsvollem Blick neben meinem Kopfkissen. Ich weiß nicht was das ist, das mich derzeit zu solch unruhigen Nächten bringt. Ich weiß auch nicht, ob ich es wissen will. Seit ich die Quetiapin nehme, vorallem seit die Dosis erhöht wurde, habe ich eigentlich meistens tief geschlafen und bin kaum aufgewacht. Davor war ich nachts mindestens einmal wach. Problematisch war meist eher das einschlafen, aber wenn ich mal geschlafen habe dann schlief ich auch. Nun könnte ich vermutlich genauso gut einfach wach bleiben und wäre dann genauso erholt. Nämlich gar nicht. Dafür bin ich dann gegen 18 Uhr so müde, dass ich die Augen kaum noch aufhalten kann. Morgen muss ich in die Hauptstadt, ich brauche eine Überweisung vom Psychiater. Vielleicht versuche ich heute Abend länger durchzuhalten, morgen muss ich dann früh aufstehen und wenn ich dann wach bleibe bis mindestens 22 Uhr, vielleicht schlafe ich dann mal tiefer und ruhiger.
Wenn ich träume, dann verfolgt mich in den letzten Nächten immer der selbe Traum. Ich fahre an meinem Geburtstag zu Mama und da steht mein Vater im Wohnzimmer. Immer und immer wieder träume ich das und überlege mittlerweile, ob ich wirklich zu Mama fahre oder ihr nicht einfach erkläre, dass sie hier her kommen soll. Er hat weder meine neue Adresse, noch meine neue Telefonnummer, auf dem Handy ist er blockiert. Wenn meine Mutter nicht so wäre wie sie ist, dann würde ich mir keine Sorgen machen. „Ach C., ich will ihr doch nur was kleines schicken.“ Ich kenne meinen Vater und ich kenne meine Mutter. Bisher hat die Drohung, dass ich dann nicht mehr mit ihr rede, sie davon abgehalten etwas Preis zu geben. Ich glaube ich würde vor Wut alles erreichbare durch die Gegend pfeffern, wenn sie ihm wirklich meine Adresse geben sollte. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto größer wird meine Angst, und das will ich nicht.
Stattdessen verkrümel ich mich noch ein wenig auf mein Sofa, räume dann ein wenig auf und kehre (die Meerchen könnten ihren Dreck echt mal selbst weg machen), spüle mein Geschirr und beschenke mich gegen Abend dann mit einer Wii, die ich super günstig bei den eBay Kleinanzeigen entdeckt habe. Juhu.

Es sind die guten Zeiten
Die uns am Ende noch erhalten bleiben
Und zusammen schweißen für ein Leben lang
Es sind die guten Tage
Und nur die Besten der Momente bleiben dir und mir am Ende

Mach‘ den Beat nie wieder leiser.

Heute ist wieder so ein kopfschüttel-Tag. Mehr als den Kopf schütteln kann ich nicht, weil es einfach Dinge gibt, für die mir die Worte fehlen. Heute eben der Skandal in einem Mainzer Kindergarten. Sexuelle Übergriffe unter den Kindern. Dinge die man nur in Pornos zu sehen bekommt. Die Erzieher haben nichts gemerkt. Und dann könnte ich kotzen. Ich habe selber schon so einige Zeit in Kindergärten verbracht, auf der Seite der Erzieher. Und das niemand etwas gemerkt hat… Nee. Sowas gibt’s einfach nicht. Außer die Erzieher haben den ganzen Tag abseits der Kinder verbracht. Kinder äußern fast alles. Über ihr tägliches Spiel, sie erzählen, sie malen, ihr Verhalten ändert sich. Wir wussten von jedem Kind was es gerade treibt, wo es ist. Und das auf die Briefe und Gespräche der Eltern nicht eingegangen wurde ist für mich auch unverständlich.
Am schlimmsten ist nun einfach, dass diese Geschichte einen Haufen traumatisierter Zwerge zurück lässt, was einfach definitiv hätte verhindert werden können. Aus einem Großteil der Zwerge wird wohl ein Haufen kaputter Jugendlicher, ein Haufen kaputter Erwachsener. Und ich kann nur dasitzen, den Kopf schütteln, und froh sein, dass ich während der Ausbildung Einblick in eine ganz andere Art von Arbeit in Kindergärten gewinnen konnte.

Ansonsten atme ich so vor mich hin. Die Panik ist nicht mehr ganz so furchtbar.
Vorhin war ich kurz in der Klinik, habe zwischen Tür und Angel erzählt und auch meine Angst formuliert, und nur positive Rückmeldungen gekriegt. Sabine meinte, dass ich seit Januar so viel geschafft und geleistet habe, dann werde ich das sicherlich auch meistern. Das gibt ein wenig Halt, Sicherheit, Mut und Kraft. Vielleicht sollte ich einfach versuchen mich darauf einzulassen. Fakt ist, dass es weitergehen wird. Daran besteht kein Zweifel. Wenn ich eins gelernt habe bisher in diesem Leben, dann ist es das. Es geht immer weiter.

Nun schnappe ich mir ein Oreo-Eis (die sind sooooo toll die Dinger!) zur Abkühlung, wusel dann ein wenig in der Wohnung rum, später werde ich mich wohl einfach faul mit den Schweinen in den Garten legen. Das Wetter tut mir gut und gibt mir momentan viel Kraft. Auch wenn die krassen Wechsel von lauwarm auf heiß meinen Kreislauf ziemlich stressen. Aber nichts ist im Moment toller als das Gras unter den nackten Füßen zu spüren, die Steine, den Asphalt.

Schuhe aus, 
Bikini an.
Wir gehen raus, 
Es fängt zu regnen an.
Und wir tanzen und können schon die Sonne wieder seh’n
Und jetzt ’nen Regenbogen –
Wow, ist das schön, ohh.