This. Is. Worth. Fighting for.

Seit gestern nehme ich wieder meine „normale“ Dosis Medis. Und bisher ist es in Ordnung. Die Übelkeit ist nicht mehr oder weniger geworden, sie hält sich nun seit 1 ½ Wochen auf einem konstanten Level. Es strengt an, weil Übelkeit immer noch triggert, aber ich habe in den letzten Tagen gelernt halbwegs damit umzugehen, weil ich weiß, dass die Medis grade dieses Chaos veranstalten. Ich schlafe trotz allem gut, in der Nacht bei Muddi und in den Nächten bei A. und auch in den zwei Nächten bisher zuhause. Zwar viel, aber gut, daheim ab und an mal unterbrochen durch ein paar Sekunden aufwachen, weil das Katerkind über mich tapst oder mir laut ins Ohr schnurrt.

Und ich wache auch tatsächlich morgens auf wenn ich muss, zwar knatschig und zerknautscht und muffig, aber ich wache auf. So bin ich am Montag schon vor 8 Uhr unterwegs zur Klinik um mich von I. zu verabschieden, die nicht in Deutschland lebt und nur alle 3 Monate mal hier ist wegen Klinik. Gestern bin ich schon früh unterwegs, weil meine Gefühle mich an den Rand der Explosion bringen und ich gegensteuern muss, also ziehe ich über die Felder und bringe den Schweinchen Maisblätter mit.

Und heute purzel ich auch vor 8 aus dem Bett, weil ich zur arge muss. Ich hoffe, dass ich die unzähligen Unterlagen habe (bis auf die Vermieterbescheinigung, dafür brauche ich ein Formular, dass sie mir natürlich nicht mitgegeben haben…), ich hoffe, dass ich einen netten Menschen erwische, ich hoffe, dass ich nicht weiter geschickt werde, weil ich momentan keine Arbeit suche. Und ich hoffe, dass es nicht ewig dauert, denn ich muss weiter zur Therapie in die Hauptstadt.

Ich weiß gar nicht, auf welchem Stand meine Therapeutin ist. Sie war in Urlaub und wie immer, wenn zwischen den Stunden bei ihr eine längere Pause entsteht, passiert irgendwas. Meine Welt geht unter oder ich lande mal wieder in der Klapse oder oder oder. Irgendwas passiert immer und vielleicht sollte ich ihr einfach verbieten länger als 2 Wochen weg zu sein, weil die Termine mein Rahmen sind und ohne Rahmen alles aus dem Bild kippt.

Seit so vielen Jahren gehe ich nun zu ihr und sie kennt mich manchmal besser als ich mich selber. Ich weiß nicht, ob ich ansprechen soll, dass momentan so vieles in mir danach drängt nicht in der Realität zu sein. Aber nicht, weil ich vor der Realität fliehen möchte (doch, eigentlich schon, aber das ist wieder eine andere Baustelle), sondern dass ich diese Momente genieße in denen ich dann wieder in der Realität ankomme, diese Momente in denen ich sicher weiß, dass ich da bin und existiere und lebe. Das Gegenteil von weg eben, das Gegenteil von betrunken, einfach hier und lebendig. Es ist eine Flucht in Möglichkeiten mich lebendig zu fühlen ohne Selbstverletzung. Aber nicht besser oder schlechter, sondern genau so ein Problemverhalten wie mich zu verletzen.

Ich habe mit Schwester Sabine am Telefon gesprochen, weil ich weiß, dass sie es versteht. Sie oder Nathalie. Sie war da und ich war froh darüber. Skills sagt sie. Wie bei Anspannung, wie bei Selbstverletzung, wenn der Wunsch auftaucht nicht mehr in der Realität zu sein, um sie danach nur intensiver zu spüren.

Noch habe ich es unter Kontrolle. Noch. Ich bemühe mich nicht zu fliehen wenn es grade schwierig ist, sondern nur in den guten Momenten mal ein wenig Kontrollverlust zu genießen. Denn sonst wird es ganz schnell zum Ersatz der Selbstverletzung.

Das ganze zeigt mir, dass etwas fehlt. Dass ich Dinge brauche um mich lebendig zu fühlen, mich zu spüren. In der dbt-Stadt stand ich im Regen. Nass bis auf die Unterwäsche, die dicken Tropfen auf meiner Haut, die Kälte langsam in meinem Körper. Es gibt ein Bild davon und dieses Bild fängt genau das ein, was ich unter lebendig verstehe. Dieser Moment, in dem ich einfach nur da war, atmend, lebendig, da. Einfach da.

Nur kann ich eben nicht ständig im Regen stehen, erstens weil das Wetter mich da im Stich lässt, zweitens würde es irgendwann wohl die Wirkung verlieren, drittens brauche ich einfach etwas zuverlässiges, etwas, dass jederzeit verfügbar ist. Oder hat jemand eine Regenwolke zum mitnehmen im Angebot?

Also geht es in den nächsten Tagen wohl darum Dinge zu finden, die mich lebendig sein lassen. Raus aus dieser Watte, in der ich gefühlt seit Wochen klebe, die meine Realität unwirklich werden lässt. Spüren, mich und das Leben. Das wird das Ziel.

You’ve had enough… But just don’t give up… Stick to your guns, You. Are. Worth. Fighting for. You know we’ve all got battle scars. Keep marching on.

Anders 

Abend Nummer 5 in der Klinik geht zuende. Noch zwei weitere Abende liegen vor mir, am Freitag werde ich nach Hause gehen. 

Ich habe in den letzten Tagen viel mit dem Pflegepersonal geredet. Mal über Belangloses, mal über die vergangene Zeit hier, mal über den aktuellen Kram. Immer wieder habe ich die Rückmeldung bekommen, dass ich nicht versagt habe. Dass ich richtig gehandelt habe, es die richtige Entscheidung war, es absolut okay ist, keiner vom Team es als Rückschritt sieht… Es tut gut diese Worte zu hören und langsam schaffe ich es auch damit gegen das Gefühl des Versagens anzukommen. Und langsam nehmen die Suizidgedanken auch weniger Raum ein, der Selbstverletzungsdruck wird weniger, es tut sich was. Abgesehen von den Momenten, in denen mich irgendwas umhaut, wie beispielsweise die Oberärztin, die heute mit der Entlassung um die Ecke kam, da es gerade ziemlich voll ist. Schließlich ist am Feiertag ja eh kein Programm und so. Ich sagte ihr, dass ich grade eher den sicheren Rahmen brauche als die Therapien. Sie meinte, dass sie nochmal schaut, ob sie es anderweitig lösen kann, aber gegebenenfalls nochmal am Mittag auf mich zukommt. Mit diesem Gespräch traf sie genau in die Wunde, die das Gefühl versagt zu haben, hinterlassen hat, traf genau in das „stell dich nicht so an“ und „du hast keine Hilfe verdient“. Ich war völlig neben der Spur danach, fragte Schwester Nathalie nach ein paar Minuten Zeit und als sie dann zwischendurch diese paar Minuten hatte, sprach ich ihr gegenüber diese Gefühle aus, sagte, dass ich grade am allerliebsten heim gehen würde und Mist bauen, sagte ihr, wie sehr ich gerade kämpfen muss. Völlig Heimatfilm statt Tagesschau. Es half und tat gut und auch von ihr hörte ich nochmal, dass ich nicht versagt habe, dass es gut und richtig war. Sie ließ sich noch die Hand drauf geben, dass ich nicht einfach nach Hause verschwinde und Mist mache. Danach war es besser. Die Anspannung ließ langsam nach, nachdem ich eine Runde draußen war und anschließend skillte und mir von Pfleger Arschkeks einen „Akut-Smiley“ malen ließ.

Danach war ich erstmal einfach nur unglaublich müde und fiel ins Bett, stand irgendwann wieder auf und ging kurz einkaufen (mein „Ich brauche Schokolade“ – Symptom taucht wirklich fast nur dann auf, wenn ich stationär irgendwo bin…) und fragte dann Pfleger Thorsten, ob er mit auf den Balkon kommt, denn das Wetter war so schön und als Raucher ist es auf dem Balkon auch um einiges angenehmer als im Raucherraum. 

So saß ich dann dort mit meinen dbt-Unterlagen und dem Manual und Block und Stift, um die „Hausaufgaben“ zu erledigen, die Sabine mir gegeben hatte: Eine Art Krisenplan zu schreiben für mögliche Krisenintervention hier, was hilft, was hilft nicht, was ist gut in welchen Situationen. Den habe ich ihr in die Hand gedrückt vorhin und sie will ihn weiter geben ans Team für die Teambesprechung morgen. Neben dem Schreiben quatschte ich mit Thorsten, rauchte, versuchte immer wieder den Faden zu finden und genoss die Sonne. Es tat gut und holte mich fast völlig aus dem morgendlichen Drama raus. 

Nach dem Essen kam dann noch N. vorbei und wir saßen draußen, den Abend habe ich mit meinen Mitpatienten auf dem Balkon verbracht. Und gerade ist es wirklich halbwegs okay hier zu sein, es sind nur noch zwei Tage, die ich allerdings für mich nutzen möchte, aber es ist auch okay dann wieder zu gehen und zuhause weiter zu machen. 

Letztendlich war es die einzig richtige Entscheidung hier her zu kommen. Vielleicht schaffe ich es ja auch bald das komplett so zu sehen, vielleicht kommt es auch im Gefühl noch an. Und vielleicht schreibe ich doch eine funktionale VA dazu. Oder eher eine „Anders-VA“, wie Frau S. sie immer nannte und was ich auch besser und treffender finde. Denn ich habe nicht gehandelt wie früher, habe den neuen Weg gewählt, habe mich entschieden, nicht mehr in den alten Mustern zu bleiben, habe nicht mehr so reagiert. Sondern eben anders. 

Der neue Weg. 

Vorhin war ich bei meiner Nachbarin. Ich wollte mich bedanken, dass sie sich um meine Tierchen gekümmert hat. Wollte ihr ein wenig erzählen, wie die Therapie war und es mir geht und erfahren, was es bei ihr so Neues gibt. Wir haben lange zusammen gesessen, geredet, Kaffee getrunken. 

Dann kam ihr Mann. Eigentlich mag ich ihn ganz gerne, wobei es manchmal schon schwierige Situationen gab mit ihm. Er ist (manchmal trockener) Alkoholiker, saß eine ganze Weile im Knast wegen häuslicher Gewalt und unbezahlten Alimenten, war im Entzug. Er war schon oft hilfsbereit, es gab aber auch ein paar Situationen, in denen es wie gesagt schon schwierig war. 

Er fragte zuerst relativ nett, wie es mir geht, und dann in einem merkwürdigen Ton nach meinen Tieren. Und dann ging es los. Er sei im Tierschutz und bei Greenpeace, es wäre Tierquälerei was ich mit meinen Tieren mache. Ich stand erst mal etwas verwirrt da. Er machte aber postwendend weiter: in die Klinik gehen und nach mir kucken wäre völlig gestört, wenn es meinen Tieren doch so schlecht geht. Mein Kater würde ständig den Kopf gegen die Glasscheibe hauen. Er sei im Knast gewesen, er wisse schließlich wie es ist eingesperrt zu werden. „Ähm. Moment. Mein Kater schlägt nicht den Kopf gegen die Scheibe, er tut, was alle Katzen gerne tun: aus dem Fenster schauen. Und klar kommt er angerannt und kuckt was los ist, wenn er draußen etwas hört.“ Auf diese Erwiderung meinerseits fing er an laut zu werden. Mein Kater würde nicht raus schauen, er würde bei mir gequält und eingesperrt und haut den Kopf gegen die Scheibe! Da wurde es mir zu blöde. Und auch zu gefährlich, denn ich kann nicht einschätzen wie er reagiert, wusste nicht, ob er was getrunken hatte. Und das Lautwerden, die Aggressivität in der Stimme, das ganze erinnerte mich so an meinen Vater, es triggerte ungemein und ich musste aufpassen, dass ich nicht völlig in die Dissoziation rutsche. Also raus. Weg. In meine Wohnung. Meiner Nachbarin kurz tschüss sagen und weg. 

Auf dem Weg nach unten kamen mir schon die Tränen. In meiner Wohnung schließe ich hinter mir ab und will eigentlich nur noch im Bad auf den Boden sinken und mich verletzen. Ich fühle mich schuldig, weil ich meine Tiere alleine gelassen habe, auch wenn mir rational klar ist, dass Welten mich von Tierquälerei trennen. Gefühlsmäßig ist es anders. Neben den Schuldgefühlen steigt die alte Angst und Hilflosigkeit von früher in mir auf. Ich werde angebrüllt, ich hab also etwas falsch gemacht. Ich bin falsch. Ich muss mich bestrafen. 

„Bewegen statt erstarren.“ertönt mit der Stimme unserer Physiotherapeutin in meinem Kopf. Handeln. Ich muss etwas tun. 

Ich greife zum Telefon. Tippe heulend auf den Namen meiner Mutter im Telefonspeicher und warte, dass am anderen Ende jemand abnimmt. Ich heule. Ich rede. Ich erzähle ihr von der Situation, erzähle ihr von der Angst, die das Ganze ausgelöst hat in mir. Gleichzeitig schreibe ich in unserer Whatsapp-Gruppe meinen ehemaligen Mitpatientinnen. Schreibe, dass ich unglaublichen Druck habe. Es tut gut ihre Nachrichten zu lesen. Zu wissen, dass sie da sind. Mit ihnen gemeinsam zu planen, dass sie her kommen und ihm mal eins auf die Nase geben. Irgendwann muss ich lächeln. 

Einige Stunden später sitze ich nun relativ entspannt auf dem Sofa. Die Angst, die Selbstvorwürfe und der Selbstverletzungsdruck sind verschwunden. Ich habe meine Gefühle zugelassen, habe angemessen gehandelt, habe mir selbst immer wieder gesagt, dass seine Wahrnehmung keine Realität ist. Natürlich waren die letzten 14 Wochen keine optimale Zeit für meine Tierchen. Wobei es die Schweine vermutlich relativ wenig interessiert hat. Sie hatten Futter, Wasser und ein sauberes Zuhause, damit sind sie schon glücklich. Mein Kater war natürlich viel mehr alleine, hatte aber auch genug zu fressen, seinen Trinkbrunnen, saubere Klos, Möglichkeiten sich selbst zu beschäftigen, konnte die Schweine ärgern, und auch immer wieder N. hier zum spielen und kämpfen und schmusen, am Schluss durch krankes Meeri sogar täglich. Es war nicht optimal, aber es ging ihnen gut. Das ist die Realität. Mein Kater hat in der Wohnung alle Möglichkeiten sich auszutoben, die er auch gerne nutzt. Wand hoch und runter, unters Bett, über die Schränke. Klar findet er es noch toller, wenn er auch raus kann und dort rumflitzen. Aber er ist auch so glücklich. Nein Zitrone. Du tust alles für deine Tiere, was dir möglich ist. Deine Tiere sind gesund und glücklich. Und überhaupt, wenn es meinen Tieren nicht gut gehen würde, warum werden meine Schweinchen fast alle um einige Jahre älter als Schweinchen im Durchschnitt werden. Ich bin eine gute Tiermama. Realität. Punkt. 
Und mit Unterstützung meiner tollen Mädels, mit den Worten meiner Mama, mit der kleinen Hexe und ihren Worten und dem Zitronenkater, der mich miauend anschaut, weil ich so verzweifelt schluchze und mir schließlich in meine Nase beißt, weil ich ihn nicht kraule, gelingt es mir aus dem Gefühlschaos raus zu kommen. Ich schaffe es mich nicht zu verletzen. Schaffe es die Gefühle gegen mich umzudrehen in die Richtung, in die sie gehören. Nämlich wütend auf ihn zu sein, weil er ein Arsch und ein richtiger Vollidiot ist. Und dann bin ich stolz. Weil ich es geschafft habe. Weil ich im ersten Moment, in dem der Druck so überwältigend war, niemals gedacht hätte, dass ich einige Stunden später entspannt auf dem Sofa sitzen werde (natürlich mit schnurrendem Zitronenkater auf dem Schoß), ohne Wunden, mit dem Gefühl von Stolz. Bämm! Ich habe es geschafft. Es war unglaublich anstrengend anders zu handeln, es war ein Kampf, aber ich habe den Kampf gewonnen. 

Ich überlege, wie es vor 4 Monaten gewesen wäre. Sicherlich um einiges schwerer. Anders. Vermutlich hätte es mit einer Selbstverletzung geendet. Weil es genau meine Schuldgefühlen getroffen hat, meine Selbstzweifel, meinen Selbsthass. Und weil Wut auf jemand anderen haben nicht erlaubt war. Weil ich selbst nur falsch handeln kann. Weil ich nicht okay sein darf. 

Und während ich schreibe erreicht mich die Nachricht von Berlin. Zuerst bin ich fassungslos. Dann schaue ich, ob meine Freunde und meine Familie dort in Sicherheit sind. Es geht allen zum Glück gut. Und dann werde ich wütend, weil ich Kommentare und Posts lese in den social medias, die das ganze als gefundenes Fressen nutzen. Also klappe ich den Laptop zu, schließe die Apps auf meinem Handy und werde für heute dem Medienkram keinen Platz mehr einräumen. 

Mein Tag lief anders als geplant. Aber auch das ist okay. Denn ich sitze immer noch unverletzt hier, dafür darf dann auch mal die Planung scheitern. Mein Wohnungschaos läuft ja (leider) nicht weg. Also verschiebe ich alles um einen Tag, gebe den Möhrenschweinchen noch eine Portion Heu und Salat, kuschel mich mit meinem Katerkind ins Bett und versuche eine möglichst gute Nacht zu haben. 

Stolz 

„Darf ich eine provokante Frage stellen?“ fragt meine Psychologin heute in unserem letzten Einzel. „Sind Sie stolz?“ 

„Ja.“ Und mir kommen die Tränen. 14 Wochen finden ein Ende. Unaufhaltsam. Und ja, ich bin stolz. 

Unser Einzel ist kurz. Es gibt nicht mehr viel zu besprechen. „So ist mir das am Liebsten.“ meint sie. Alles wichtige ist besprochen. Geklärt. Erledigt. Sie zieht eine Bilanz, eine ziemlich positive. Denkt an unsere ersten Stunden zurück. Vieles ist anders. 

Noch zwei Nächte hier. Die Zeit vergeht unheimlich schnell in den letzten Tagen. Ich freue mich auf zuhause. Ich habe Angst. Und ich bin traurig. Und alles darf da sein und hat seinen Platz. 

Ja. Ich bin stolz. Unglaublich stolz auf mich, auf meine Fortschritte und meine gewonnenen Kämpfe. 

Schöne Scheiße. 

Da ist das Ding. Uff. Ich kann es immer noch kaum glauben, kaum fassen, dass ich es wirklich hier liegen habe, dass ich es wirklich unterschrieben habe. 

Gestern im Einzel ruft meine Psychologin einfach mal kurz bei der Oberärztin an und bestellt sie rüber. Sie liest und unterschreibt den Vertrag. „Respekt.“ sagt sie und ich muss lächeln. Vor ein paar Wochen wäre es noch unvorstellbar gewesen. Sowas zu unterschreiben auf der einen Seite. Und sowas für so lange zu unterschreiben auf der anderen Seite. 

16 Monate sind lange. Aber durchdacht. Mein Ziel war ein Jahr. Weil in einem Jahr so vieles anders sein wird und ich weiß, dass ich ein Jahr schaffen kann. Doch in einem Jahr steht Weihnachten vor der Türe. Erfahrungsgemäß eine schwere Zeit. Genau wie der Jahreswechsel, der Februar mit meinem Geburtstag und dem „Jahrestag“ meines letzten Suizidversuchs und der März mit Ostern und der letzten Selbstverletzung. Also April. Da ist das größte Chaos rum. Der Frühling ist im Gange, die Welt wird wieder heller und wärmer und besser. Ein guter Zeitpunkt um zu beschließen, dass ich vielleicht doch noch ein Jahr, oder zwei oder drei oder vier, weiterleben will. 

Der Lebensvertrag war eine längere Sache. Ein Aushandeln von Möglichkeiten und auch viel „mir selber Steine in den Weg legen“. Ich habe kein Schlupfloch mehr. Ich muss in jedem Fall handeln, muss etwas tun und wenn alles nichts bringt ist der letzte Schritt dir Klinik. Es steht da, schwarz auf weiß, meine Bezugspflegerin wird ihn noch unterschreiben und meine ambulante Therapeutin. 4 Menschen, die als Zeugen meine Unterschrift bestätigen, die den Vertrag kennen, mich daran erinnern und halten werden. Es gibt keinen Ausweg aus dem Ding. Und ich weiß jetzt schon, dass der Moment kommen wird, an dem ich mich furchtbar aufrege, schimpfe und tobe, mich selbst, meine Psychologin und die Therapie hier verfluche, weil dieses doofe Ding mich am Leben hält. Und ich muss darüber lächeln, denn einfach sagen „ach scheiß auf den Wisch“ kann ich einfach nicht. Und genau das weiß meine Psychologin auch und findet es toll und sie weiß auch, dass ich mich  furchtbar ärgern werde. Und lächelt und findet es gut. Schöne Scheiße. 

Mein letztes Wochenende hier bricht an. Es werden immer mehr letzte Momente. Ich bin traurig und sentimental und mag eigentlich gar nicht gehen. Ich will die lieben Menschen hier nicht verlassen, will keine Distanz zwischen uns haben. 

Auf der anderen Seite freue ich mich aber auch. Ich bin therapiemüde, vermisse meine Wohnung, mein Bett und vor allem meine Schweinchen und meinen Zitronenkater einfach furchtbar, meine Freunde, meine Familie und meine Hauptstadt. Ich will die Dinge, die ich hier gelernt habe, endlich zuhause ausprobieren. Ich will leben, will mit beiden Beinen in meine Zukunft springen, will neu beginnen und weiter machen und beenden. 

Beides darf da sein. Die Traurigkeit und die Freude. Beides hat seinen Platz und seine Berechtigung. Und ich akzeptiere es und nehme es an und finde es sogar gut. 

So viel ist anders geworden in diesen letzten Wochen. Und das wird mir nochmal mit aller Wucht bewusst, als ich mit meiner Psychologin Weihnachten plane. „Wissen Sie, was ich dazu nun beigetragen habe?“  fragt sie nach dem Durchplanen und besprechen. „Ziemlich wenig.“ antworte ich ihr nach einem kurzen Moment. „Ich hätte eigentlich auch aufstehen und gehen können.“ erwidert sie. 

Und dann sage ich etwas, dass ich seit so vielen Jahren nicht mehr gesagt oder gedacht habe. „Dieses Weihnachten nehme ich keine Rasierklingen mit.“ Es wird das erste Weihnachten seit 16 Jahren sein, an dem ich mich ganz bewusst entscheide mich nicht zu verletzen, komme was wolle. Ich werde ohne Klingen hinfahren und es ohne Selbstverletzung durchstehen. Sonst war es zumindest immer eine Option, ein Strohhalm im Hintergrund, an den ich mich klammern konnte, ein Notausgang, ein Fluchtweg. 

14 Wochen finden ein Ende. Gleichzeitig findet ein neuer Abschnitt meines Lebens einen Anfang. Ich glaube nicht, dass ab nun alles gut sein wird. Ich werde beschissene Momente haben, tiefschwarze Stunden und furchtbar anstrengende Minuten. Ich werde weiterhin kämpfen müssen, manchmal um jeden Atemzug, manchmal vielleicht auch nur um jeden Tag oder jede Woche. Aber es gibt neue Wege. Neue Möglichkeiten. Neue Dinge. Es gibt Hoffnung und Lichtblicke und Kraft und Mut und Zuversicht. Ich glaube nicht, dass ab jetzt alles gut sein wird. Aber ich glaube daran, dass ich es schaffen kann. Mehr als sonst, mehr als an einem anderen Punkt jemals in meinem Leben

Schöne Scheiße.  

come out fighting 

Es geht dem Ende zu. Unaufhaltsam. Gestern Abend habe ich mich von Frau S. verabschiedet, weil sie ihren letzten Nachtdienst vor meiner Entlassung hatte. Übermorgen geht eine Mitpatientin. Den Tag drauf auch eine. Am Mittwoch habe ich wohl meine letzte Basisgruppe. Nur noch zwei Einzel mit meiner Psychologin liegen vor mir. Nur noch eine Oberarztvisite. Der Abschied rückt näher und näher. Und was so ganz nebenbei alles in meinem Leben derzeit Chaos verursacht ist eben auch noch da, neben den Gefühlen, die dieser Abschied nun auslöst. 

Im Einzel heute schaut die Psychologin mich an. „Von Fortschritten darf ich ja eigentlich nicht reden, sowas wollen sie ja nicht hören, oder?“ „Mittlerweile ist es manchmal halbwegs okay.“ antworte ich ihr und sie sagt, wie erstaunlich sie es findet, was wir in den letzten Minuten produziert haben. Es geht um die Protokolle, die ich weiter führen will. Zum Beispiel die diary card. Und was wir da raus schmeißen und vielleicht mit aufnehmen. Und ich sage von mir aus, dass sowas wie Gutes tun da eigentlich rein müsste. Vor 3 Monaten wäre ich schreiend weggelaufen, wenn sie sowas irgendwo in der diary card hätte unterbringen wollen. 

Alles dreht sich nun unweigerlich um den Abschied. Ums weitergehen zuhause. Es macht mir Angst. Und ich freue mich. Und es macht Angst. Und es macht traurig, denn die Zeit hier war schön. Ich habe viele Menschen hier lieb gewonnen, von denen ich mich nun auch unweigerlich verabschieden muss. In letzter Zeit hatte ich immer öfter das Gefühl einer großen WG hier, zusammen sitzen, lachen, Spaß haben. 

Es wird mir fehlen. Einfach in den Aufenthaltsraum gehen, an der Tür nebenan klopfen. Alle hier haben. Zuhause wird es so anders. Dort sind auch Menschen, die ich unglaublich gerne habe, aber eben nicht auf dem selben Flur, ein paar Meter entfernt. 

Es wird schwer werden zuhause. Die erste Zeit. Vielleicht auch zwischendurch immer wieder. Aber ich glaube, dass ich ein wenig stärker geworden bin. Ein wenig mehr Dinge kann. Handlungsfähiger bin. Ich darf zuhause nur nicht aufgeben und in alte Muster verfallen. Weiter machen. Weiter kämpfen. Ich hoffe ich schaffe es. 

Die Angst ist da. Und sie wird wohl noch eine Weile da bleiben. Vielleicht auch immer irgendwie ein wenig. 

Das hier war ein Anfang. Der Beginn eines neuen Weges. Vielleicht werde ich nach einem Jahr wiederkommen oder nach 1 ½ oder 2 und lächeln, weil so vieles anders geworden ist. 

Well I know there are times when you’re feeling close to the ground 

and there’s times when you may feel there’s no place to call home 

and there’s times when the only end in sight is the end 

you got to 

Come out fighting…

Walking over glass

Ich kämpfe. Wieder. Immer noch. Gegen den Drang mich selbst zu verletzen, gegen den Drang alles hinzuwerfen, gegen den Drang auch mein Leben wegzuwerfen. 

Seit gestern ist es extrem. Ich habe Selbstverletzungsdruck, ich habe Suizidgedanken. Ich fühle mich müde, erledigt und Matsch, ich fühle mich kraftlos und angeschlagen. Ich kämpfe mit vielen alten Glaubenssätzen. „Sie hängen wohl im Heimatfilm?“ fragt Herr N. heute. Ich rede lange mit ihm. Heute fühle ich mich ein wenig weniger kraftlos als gestern. Gestern ging nichts mehr, außer irgendwann Bedarf. 

Wir reden und ich beginne drüber nachzudenken ein Gefühlsprotokoll zu schreiben. So ganz kriege ich nämlich nicht klar, was gerade abläuft in mir. Das tue ich dann auch irgendwann und es wird klar, dass sich ganz viel gerade um Selbstverachtung dreht. Ich habe das Gefühl ich bin nichts wert, ich bestehe nur aus negativen Dingen, ich habe keine Lebensberechtigung, ich muss mich verletzen. Was darauf folgt ist klar: entgegengesetzt handeln. Mir Gutes tun, mir sagen, dass es nicht so ist, mich auf andere Dinge konzentrieren. Und tatsächlich wird es besser. Ich bekomme ein wenig Abstand rein, kriege klar, dass gerade Heimatfilm anstatt Tagesschau läuft, kriege es hin anders zu handeln als mein Gefühl es mir vorschlägt. Und dann stehe ich ein paar Stunden später wieder im Pflegestützpunkt und lächle ein wenig und habe einen erstaunen Herrn N. da sitzen, der begeistert ist und meint, dass das ganze doch eine Belohnung wert wäre. Und ich denke es wird auch in Richtung „Gutes tun“ gehen, denn das brauche ich gerade sehr. Auch wenn es sich falsch und merkwürdig anfühlt, weil die Gefühle etwas völlig anderes vorschlagen. Aber genau das ist trotzdem der richtige Weg. 

I rise up to the sky
You threw me down but
I’m gonna fly

Wenn ich nicht anfang geh‘ ich verlor’n

Die Therapie war gut. Es ging viel um Selbstwert, um um sich selbst kümmern und für sich selbst sorgen.
Ich erzählte ihr von A. und sie meinte, dass sie sich das ganze oftmals vorstellt wie ein 13. Zimmer im Selbst. Das ist bunt und fröhlich und manche Menschen haben einen passenden Schlüssel, es gibt einen selbst Auftrieb und Kraft und auch Selbstwert, wenn dieses Zimmer belebt wird. Aber es bleibt letztendlich das eigene Zimmer in einem selbst, es bleibt bunt und fröhlich, egal ob mich nun jemand darin besuchen mag oder nicht. Ich finde das ein schönes Bild.
Allgemein hatte sie es heute mit Bildern. Es ging um das Leben an sich und die Umstände. Das Leben ist ein Schiff, die Umstände das Meer. Es ist manchmal ruhige See, manchmal aber auch Sturm. Und man selbst als Kapitän hat die Wahl, ob man sich hinter das Steuer klemmt und durch den Sturm manövriert oder ob man sich in der Kajüte versteckt und riskiert unterzugehen. Manchmal ist es okay, wenn man sich in seiner Kajüte vergräbt und vor dem Sturm versteckt. Manchmal muss man aber auch einfach da raus und nass werden.
Insgesamt tat mir die Stunde gut und es fühlt sich absolut nicht danach an, als ob ich 6 Monate nicht dort gewesen wäre. Sie allerdings merkt die vergangene Zeit. „Sie sind entspannter. Das merkt man überall, aber vor allem im Gesicht. Sie sind nicht mehr ständig angespannt.“ Und sie hat recht, denn ich versuche nicht mehr ständig auf einer Kiste voller Monster und Dämonen zu sitzen und sie daran zu hindern die Kiste zu verlassen.
Und Selbstwert ist ja grundsätzlich ein schweres Thema. Sich selbst etwas wert sein. Sie meinte, dass das eben meine ganze Welt zum Wanken bringt, weil es diese grundsätzlichen Überzeugungen, die ich als Kind entwickelt habe, über den Haufen wirft. Mein Leben hätte nicht funktioniert, wenn ich mir eingestanden hätte, dass mein Vater der Böse ist. Dieses Grundvertrauen, dass Eltern immer Gutes für einen wollen, dass sie immer richtig liegen, dass das was sie tun einfach der richtige Weg ist, das legt jedes Kind an den Tag, weil sonst die Welt nicht funktioniert. Dass es aber eben nicht stimmt, dass kommt viel später, normalerweise ist das aber in Ordnung. Wenn man allerdings solche Dinge erlebt hat, dann ist das ganz und gar nicht in Ordnung. Und in dem Prozess, dass ich okay bin und nichts falsches getan habe und nichts davon verdient habe, in dem stecke ich noch immer drin und wenn meine ganze Welt wieder mal ins Wanken gerät und ich dann auch noch gleichzeitig versuche mir zu sagen, dass ich okay bin und okay sein darf, dann kippt es und funktioniert einfach nicht mehr. Ich bin quasi in der Hinsicht völlig in der Entwicklung stecken geblieben und muss erst langsam und Schritt für Schritt lernen, dass ich okay sein darf und dabei die Welt nicht untergeht. Wie ich so viele Dinge neu lernen oder erst lernen muss.
Sie meint zum Selbstwert gehört auch mir selbst zu verzeihen. Mir sagen zu können, dass ich mal wieder völlig Scheiße gebaut habe, es aber akzeptieren und es mir verzeihen. Ich glaube , dass ich das mit dem Selbstwert auf meiner Prioritätenliste nach ganz weit oben setze. Habe ich mir öfter schon vorgenommen, muss es aber definitiv mal umsetzen. Es mir selbst wert sein am selbst wert sein zu arbeiten.
Bevor ich in die Hauptstadt bin habe ich meine halbe Wohnung auf den Kopf gestellt auf der Suche nach einer meiner Westen, weil in der Tasche meine Kopfhörer waren. Und nach der Therapie habe ich die andere Hälfte auf den Kopf gestellt und immer noch nichts gefunden. Dann kam ich auf die Idee mal zur Nachbarin hoch zu gehen und – tadaaaaa – da war sie. Ich habe sie gestern dort liegen lassen, war schon wirklich davor an meinem Verstand zu zweifeln. Da ich schonmal oben war haben wir ein wenig geredet über alles mögliche, ich habe abwechselnd Hund und Leguan gekrault, zwischendurch immer mal wieder ihren Sohn gedrückt (der manchmal einfach Zucker sein kann) und bin letztendlich wieder runter zu meinem Sofa.
Morgen muss ich meine Hausärztin anrufen für einen neuen Termin am Montag, außerdem will ich versuchen den ehemaligen Psychopeuten der Station zu erreichen, weil am Mittwoch wieder das Thema ambulante DBT aufkam. K. und S. schauen kurz vorbei um was abzuholen, ich will weiter Ordnung schaffen und den Versuch starten wertschätzend und achtsam mit mir umzugehen. Mal sehen was das so wird.

Ach, bevor ich es vergesse. Gestern hatte ich mal wieder einen dieser Momente, in dem twloha mich in genau der richtigen Situation zum Lächeln brachte und ich habe diesen tollen Menschen dort einfach mal geschrieben, wie großartig ich ihre Arbeit finde und wie wichtig sie ist und sie sind und wie viel mir diese Worte manchmal einfach geben, die sie verbreiten.
Ein Teil der Antwort:

S. , thanks again for your kind words. We agree that you are enough, that you matter, and that hope is real. Please know that supporters like you are crucial to spreading our message of help and hope throughout the world. S. , we are honored to have been able to play a part in your story, and we hope that we can continue to do so. You have been just as much a part of our story as we have been of yours. We are so proud of all the progress you have made, and we hope that we can continue to be a source of support for you as you continue on your journey to recovery.

With Hope,
TWLOHA

Hach. Tollig.

Ich bin mein Haus
in dem ich leb‘ von Anfang an
Ich bin mein Licht
das für mich scheint wenn ich’s nicht kann

Ich bin mein Boot
das kommt wenn ich nicht schwimmen kann
Ich bin mein Buch
in dem ich les‘ ein Leben lang

Manchmal mag ich zu mir selbst einfach sagen: So. Nun reicht es. Liebe kranke Gedanken, fickt euch in eure nicht vorhandenen Knie und verschwindet. Liebe Persönlichkeitsstörung, ich weiß ja, dass du da bist, aber mach doch mal Urlaub.
Gefühle sind etwas unglaublich anstrengendes. Ich drehe durch, wenn ich welche habe, ich drehe durch, wenn keine mehr da sind und nur Leere herrscht. Ich drehe quasi konstant durch. Und auch wenn da gerade im Moment hauptsächlich positive Gefühle in mir rumwüten: ich drehe durch. Jetzt nicht ganz so schlimm, wie ich gelegentlich durchdrehe, aber es strengt an, denn da ist zu viel an Gefühlen und Chaos und alles. Das macht es minimal anstrengend und ich versuche so gut es geht das Chaos zu sortieren und einen Weg zu finden, damit ich das ganze genießen kann. Mal ehrlich, mich jetzt zu verletzen wegen zu viel positiven Gefühlen?! Dann würde ich definitiv nur noch den Kopf schütteln und mich selbst für nun völlig bekloppt erklären. Aber Gefühlschaos ist Gefühlschaos und damit kann ich nur schwer umgehen. Deswegen einfach radikale Akzeptanz, weiter lächeln und durch die Wohnung hüpfen, genießen.
Der Achtsamkeitstherapeut meint, dass er sich freut weil mir die Achtsamkeit so gut gefallen hat, nachdem er mein Dauergrinsen ausgiebig betrachtet hatte. „Nee, das liegt gerade nicht an Ihnen“ gebe ich zurück und muss noch mehr grinsen. Es war schwer mich zu konzentrieren während der Stunde, denn bei allem musste ich an mich halten um nicht anzufangen durch den Raum zu tanzen. Was fühlen Sie? Grinsen. Welche Gedanken haben Sie? Grinsen. Atmen Sie ein und aus mit dem was nun ist, im hier und jetzt, nur dieser eine Atemzug. Grinsen. Ich denke an sie und an uns und unsere gemeinsamen Stunden und grinse einfach die komplette Stunde wie eine Honigkuchenzitrone.
Schwester Nathalie begegnet mir und ich frage Sie ob sie denkt, dass eine Beziehung zwischen Borderlinern funktionieren kann. Ja, wenn xy und yx… setzt sie an und ich muss wieder grinsen, weil es genau die Dinge sind, die A. und ich auch besprochen haben. Wann kommen Sie wieder? 11. April? Ich bin gespannt. Und sie grinst auch rum.
Gleich hüpfe ich aus meinen Klamotten und schmeiße das schnurrende Katerkind vom Schoß, werfe eine Ladung Wäsche an und sortiere den Wäscheberg im Schlafzimmer. Bibi kommt noch vorbei, vielleicht schaffe ich es auch später noch meine Energie in Sport zu stecken.
Morgen geht es dann zur Therapeutin und ich könnte jetzt schon ausflippen deswegen, weil ich so viel sagen will und gleichzeitig eigentlich am liebsten nichts, weil ich ihr ins Gesicht springen mag und auch gleichzeitig das Ganze aus der Welt schaffen. Das übliche Chaos.

Und grade hat mein Körper angefangen zu spinnen. Bauchschmerzen, Übelkeit, erbrechen. Da ist es dann egal, ob die Gefühle positiv oder negativ sind, zu viel Gefühle sind zu viel Gefühle. Zum kotzen. Im wahrsten Sinne.