Die Welt außerhalb der Klinik

Nun liegt der letzte Aufenthalt zur Krisenintervention auch schon ein Jahr zurück. Vor ein paar Tagen lehne ich am Pflegestützpunkt der Haus- und Hofklinik, plaudere mit Pfleger Arschkeks und er lächelt, als ich ihm sage, dass ich es nun wirklich ein Jahr ohne Klinik geschafft habe. „Zwischenzeitlich dachten wir ja, dass Sie sich bald die Post hier her schicken lassen!“ Ich muss grinsen, denn auch wenn diese Worte wieder einmal zeigen, wie viel Zeit ich dort verbracht habe, so zeigen sie auch, dass es nun ganz anders ist. Die Station ist ein Ort, den ich gerne besuche. Nicht zuletzt wegen der Menschen dort, die mich so lange und intensiv begleitet haben. Aber sie ist eben nur noch das: ein Ort, den ich besuche. Ich schließe nicht völlig aus, dass ich vielleicht irgendwann in einer schweren Phase nochmals dort Hilfe suche, doch ich kann auch ganz gut mit dem Gedanken leben dort keine Nacht mehr zu verbringen. Ein Gedanke, der noch vor zwei Jahren so viel Angst gemacht hat.

Ich bin größtenteils stabil. Auch wenn es immer wieder Momente gibt, die mir ein wenig den Boden unter den Füßen wegziehen.

Als mein Katerkind verschwunden war hätte ich mir unglaublich gerne einfach nur wehgetan um den Schmerz auszuhalten.

Als mir die verdammten 2 Jahre Zwangstherapiepause einen Strich durch meine Traumatherapiepläne gemacht haben hätte ich vor lauter Wut und Enttäuschung und Verzweiflung gerne alles hingeworfen.

Als die Prüfungsphase mich wieder mal aus der Bahn warf hätte ich unglaublich gerne dem ganzen Selbsthass eine destruktive Plattform zum austoben geboten.

Doch ich habe weiter gemacht. Zwei Jahre und fünf Monate bin ich nun ohne Selbstverletzung. Und außer in den seltenen Momenten, in denen meine Welt wegen verschwundenem Katerkind, blöden Krankenkassenregelungen oder Prüfungen grade mal unter geht, habe ich auch kaum das Verlangen danach mich zu verletzen. Ich bin stabiler, nicht zuletzt weil ich einen wundervollen Menschen an meiner Seite habe, der mit mir durch all diese Weltuntergänge geht und die Stürme durchsteht.

Vor einer Weile habe ich es endlich geschafft den letzten Rest Quetiapin abzusetzen. Vor ungefähr 4 Jahren habe ich damit angefangen, weil die Anspannung so unerträglich war, dass ich den ganzen Tag wie ein zum platzen gefüllter Ballon durch die Gegend rannte. Nachdem ich vor 2 Jahren anfing die Dosis während der dbt zu reduzieren bin ich nun endlich völlig auf 0. Ich schlafe seitdem zwar manchmal nicht ein und bin oft noch einige Stunden wach, wache auch ab und an mal auf, aber mittlerweile schlafe ich gut, wenn ich dann mal eingeschlafen bin und ich fühle mich morgens auch nicht mehr wie überfahren, wenn ich die abendliche Dosis sonst eigentlich noch nicht ausgeschlafen hatte. Ich gehe mal davon aus, dass auch das Einschlafen mit der Zeit besser werden wird.

Auch wenn es noch einige Baustellen gibt, die bearbeitet werden müssen, da noch viele Dinge sind, die mich stören und beeinträchtigen, so hab ich im letzten Jahr doch auch unglaublich viel Lebensqualität zurück gewonnen. Auch wenn da immer noch die guten und die schlechten Tage sind, so ist es insgesamt doch um einiges besser geworden.

10 Jahre

Wie viele Jahre brauchen manche Verletzungen eigentlich, bis sie heilen? Heilen sie jemals? Wird es irgendwann okay sein? Fragen, die ich mir stelle, während ich schlaflos im Bett liege.

Über 10 Jahre sind vergangen, seit ich meinen Vater gesehen habe. Wenn ich mir vor Augen führe, wie lange 10 Jahre sind, dann kommt es mir unglaublich ewig vor. Dann fühlt es sich so weit weg an. Doch eigentlich kommt es mir überhaupt nicht so lange vor. Eigentlich ist es furchtbar schwer zu glauben, dass wirklich so viel Zeit vergangen sein soll.

Ich bin mehr oder weniger die meiste Zeit über „symptomfrei“. Ich verletze mich nicht, ich bin nicht akut suizidal, ich habe selten Flashback und auch momentan selten Panik. Und doch fühle ich mich in manchen Momenten unglaublich kaputt. In den Momenten, in denen ich mich mittlerweile zum Beispiel beherrschen kann. Ich denen ich weiß, dass ich in Sicherheit ist und die Vergangenheit vorbei. In den Augenblicken, in denen ich mir gern eine Klinge in den Arm stecken möchte, aber so viel Raum zwischen dem Wunsch und der Tat liegt. Ich weiß, dass ich weiter bin. Gesünder. Nicht mehr ganz so kaputt. Doch wo fängt das „Gesund-Sein“ denn an? Ist es das? Die Kontrolle nicht mehr ständig verlieren, in der Realität bleiben können, meinen Impulsen nicht nachgeben? Wird es immer so bleiben? Oder wird es besser werden, einfacher, werden die Momente in denen ich mir die Selbstverletzung herbeisehne weniger werden oder fast ganz verschwinden? Wird es besser, wenn nochmal 10 Jahre vergehen? Und bin ich gesund, wenn 20 oder 30 Jahre vergangen sein werden?

Bald hat er wieder Geburtstag. Der Tag wird kommen und gehen und vielleicht merke ich es nicht einmal. Vielleicht fällt es mir ein paar Tage später beim Blick aufs Datum auf. Doch egal wieviel Zeit vergangen ist, in mir taucht wieder der Wunsch auf mich zu melden. Und damit auch die Gedanken, dass ich ihm vielleicht Unrecht tue. Dass mein Kopf doch nur wirres Zeug produziert und meine Gefühle seltsamen Kram machen. Dass alles vielleicht doch nicht so schlimm war. Ich versuche mich in die Gedanken zu flüchten, die mir jahrelang das Überleben ermöglicht haben. Es ist nicht wahr was nicht wahr sein darf. sagte meine Therapeutin immer. Ich versuche die Schuld bei mir zu finden. Versuche sein Verhalten und seine Taten mit meinen Fehlern zu erklären. Vielleicht bin ich doch einfach nur verrückt und schlecht und undankbar.

Doch in mir sitzt der Teil, der dabei den Kopf schüttelt. Ich weiß, dass ich nur versuche zu überleben, indem ich diese Dinge denke. Ich weiß, dass ich nur so überlebt habe. Eigentlich wusste ich es schon immer, doch ich habe es so tief vergraben, dass Jahre vergehen mussten, bis ich es schaffe all die Erinnerungen zuzulassen.

Und ich weiß, dass es okay ist. Dass es okay ist mich nicht zu melden, diese Schutzmauer um mich zu ziehen, ihn nicht in meinem Leben haben zu wollen. Und trotzdem tut es weh, weil ich mir einen Vater wünsche, der da ist. Der stolz auf mich ist, der mir zur Seite steht und mich unterstützt, der die Dinge tut, die ein Vater tun sollte.

Ich weiß nicht, ob es jemals aufhören wird wehzutun. Ob ich mich jemals nicht auch gleichzeitig furchtbar fühlen werde, weil ich meine Grenzen schütze. 10 Jahre sind dafür scheinbar nicht genug Zeit.

this is where the healing begins

Es ist 3.23 Uhr, als ich leise die Wohnungstür aufschließe und die Wohnung betrete. Ich schlüpfe ins Schlafzimmer meiner Mutter, drücke ihr einen Kuss auf die Wange und sage leise „ich bin daheim“.

Wie gerne hätte ich solche Erinnerungen an meine Jugend. Tatsächlich habe ich bis zur Volljährigkeit nur zwei Mal gefeiert. Kein einziges Mal betrat ich danach die Wohnung und sagte diese Worte zu meiner Mutter. Stattdessen bin ich seit 10 Jahren volljährig und sage diese Worte zum ersten Mal, nachdem ich vom Feiern heimkomme.

Es macht mich traurig, dass ich solche Erlebnisse in meiner Jugend verpasst habe. Zum einen das Feiern, zum anderen heim zu kommen und zu wissen, dass meine Mutter zwar schläft, aber erst in den beruhigten Tiefschlaf fallen wird, wenn ich wirklich zuhause bin.

Auf der anderen Seite ist es schön. Ich habe es jetzt. Lange war es schwierig für mich hier zu sein, hier zu schlafen. Doch seit ich meiner Mutter erzählt habe, was damals alles passiert ist, seit sie Details kennt und seit ich bei ihr weinen kann, weil ich nicht den Vater habe, den ich mir so sehr wünsche, seitdem fühlt es sich so viel besser an hier zu sein. Es ist ein Stück Geborgenheit und Heimkommen. Mehr als früher, mehr als jemals seit meiner Kindheit, als meine Mutter nur Zuflucht für den Moment war und ich jeden Moment in mich aufgesaugt habe um die nächsten Monate zu überstehen.

Auch wenn es so viele Jahre zu spät kommt, nun ist es da. Und es heilt ein klein wenig die tiefen Wunden der ganzen Jahre.

So vieles ist immer noch in Bewegung, auch wenn mein altes Leben nun schon so viele Jahre und Kilometer weit weg liegt. Doch in manchen Momenten spüre ich die Heilung, die nun passiert. Ein Stück ganz werden, ein Stück Klebestreifen, dass die kaputten Teile wieder zusammenhält.

So you thought you had to keep this up
All the work that you do
So we think that you’re good
And you can’t believe it’s not enough
All the walls you built up
Are just glass on the outside

So let ‚em fall down
There’s freedom waiting in the sound
When you let your walls fall to the ground
We’re here now

This is where the healing begins, oh
This is where the healing starts
When you come to where you’re broken within
The light meets the dark

Feels like I’m caught in the middle

Irgendwann in diesem ganzen Studiumsanfangschaos sitze ich zwischen vielen Menschen in der Aula. Der Dekan steht da und spricht, heißt uns alle willkommen. „Dass Sie hier sitzen haben Sie nicht dem Glück zu verdanken, naja, ein winzig kleines bisschen vielleicht, sondern Ihrer Leistung.“ Es gab so viele Bewerber und so wenig Plätze wie eh und je, ich sitze dort zwischen all diesen Menschen, die es geschafft haben. Und wie in einer Rückblende im Film erscheint Frau K. vor mir, die Therapeutin aus der dbt, und redet von Stolz und ich kann es kaum aushalten. Und dann Herr H. aus der Traumatherapie und wieder dieses Wort und dieses Gefühl, mit dem ich doch immer noch viel zu wenig anfangen kann. Und dann sitze ich dort und muss die Tränen zurück halten, denn ja verdammt, stolz, das bin ich.

Stolz, weil ich hier sitze, zwischen Kommilitonen, die sich teilweise mehrfach hier beworben haben, teilweise mehrfach woanders. Und stolz, weil ich eben hier sitze, immer noch atme und lebe und weil ich wieder atme und lebe nach den fast 3 Jahren, die hinter mir liegen.

Stolz fühlt sich immer noch neu und fremd an. Merkwürdig und trotzdem nicht mehr ganz so furchtbar, manchmal sogar fast gut.

In meiner Nase ist der Geruch von feuchtem Laub und Spätsommer oder auch schon Herbst, als ich im Dunkeln zum Bus laufe. Vor einem Jahr lag dieser Geruch abends um mich, wenn ich auf der Bank vor der Klapse saß und eine Zigarette rauchte. Damals schien ein Jahr so endlos weit weg. So weit voraus denken, planen wie es weitergeht, sogar unterschreiben, dass ich dann (und sogar noch ein paar Monate länger) immer noch lebe… Und nun frage ich mich, wie so oft in der letzten Zeit, wo dieses Jahr hin ist, vorhin die Tage und Wochen und Monate verschwunden sind.

Und dann sitze ich wenige Momente später auf dem Boden in meinem Bad und heule. Weil ich nicht mitkomme, weil ich da stehe in diesem Leben, das nun weder Scherbenhaufen noch okay noch eine Mischung aus beidem ist, weil es doch irgendwie okay ist und ich stehe da und will laut schreien, will schreien, dass ich nicht gesund bin, dass da in mir immer noch ein Scherbenhaufen ist, dass ich das so nicht kann und das doch so auch nicht funktioniert und dass ich so doch nicht studieren kann und leben und alles. Ich will schreien und zusammenbrechen und krank sein, oder eben gesund, und nicht diese wirre Mischung daraus, die weder was Halbes noch was Ganzes ist. Wann will ich einfach wieder zurück in die Sicherheit aus Zusammenbruch und Selbstverletzung und Suizidgedanken, weil das so gewohnt ist, so sicher.

Und so sitze ich da auf dem Boden in meinem Bad und blicke direkt auf den Badschrank, weiß genau, dass sich dort in dieser mittleren Schublade Rasierklingen befinden und weiß auch genau, dass ich sie nicht benutzen werde, so sehr ich es auch will.

Vielleicht muss ich mich mit diesem seltsamen Zwischending abfinden. Vermutlich bleibt mir wenig anderes übrig. Eine Kranke auf dem Weg zum Gesundsein. Eine Gesunde mit Krankheit irgendwo. Ich, zwischen hier und dort. Vielleicht wird es nie nur das eine oder das andere geben. Vielleicht kann ich irgendwann sagen, dass ich gesund bin. Vielleicht bin ich irgendwann mehr gesund als krank. Ich weiß es nicht, ich weiß nicht was die Zukunft bringt. Ich weiß nur, dass sie kommen wird. Und vielleicht werde ich auch weiterhin in der Mitte bleiben, zwischen den Extremen, zwischen Schwarz und Weiß. Wenn, dann aber nicht grau, sondern bunt.

But if you look at me closely
You will see it in my eyes
This girl will always find
Her way

Verstand & Gefühl 

Kaum schreibe ich hier, dass ich in den letzten Nächten immerhin schlafen konnte, da bin ich wieder eine ganze Nacht wach. Also habe ich mir vorgestern morgen gegen halb 6 nochmal eine Portion Medis eingeworfen und konnte dann auch endlich schlafen, fast 8 Stunden wurden es. Der verbleibende Rest des Tages war dann aber dementsprechend ein wenig Banane. Ich habe mit N. zusammen gekocht und gegessen und bin zuhause aufs Sofa und später dann ins Bett geplumst. Einschlafen dauerte, klappte dann aber, dafür war ich um halb 5 wieder wach. Herrlich. 

Als ich vorgestern vor der Tür saß und auf N. wartete, fiel mein Blick auf meine Arme. Generell fallen mir die Narben nicht mehr so sehr auf. Sie sind eben da und gehören dazu. Doch in diesem Moment sah ich sie bewusst und fühlte mich gewaltig hin und her gerissen zwischen „sieht ja irgendwie schon schlimm aus“ und „ich will mehr“. 

Es ist manchmal so verwirrend, was in meinen Kopf vorgeht. Rational weiß ich, dass es Irrsinn ist. Dass mehr Narben nichts bringen werden, denn für diesen Teil in mir wird es nie genug sein. Ich werde immer mehr wollen, egal wie viele es sind. Und trotzdem ist da dieser Wunsch. Mein Inneres nach außen kehren. Diese innerliche Zerstörung sichtbar machen. Den Schmerz in mir. Die seelischen Wunden. 

Und neben diesen Gedanken ist da einfach die Sehnsucht danach, die mich immer und immer wieder packt. Es ist leichter damit umzugehen mittlerweile. Ich kenne Skills, ich habe genug Wege um damit umzugehen. Meistens zumindest. Die Momente der extremen Anspannung, die Momente, in denen ich mir nicht vorstellen konnte noch eine einzige Minute ohne Selbstverletzung zu überleben, sind seltener geworden. Ich schaffe es diese Gedanken, wenn das Drumrum relativ stabil ist, zu bemerken und einfach da sein zu lassen, aber es treibt mich nicht enorm um. Aber trotzdem kommt die Sehnsucht danach hoch. So ein Mal, das wäre doch okay. Einfach nur, um es wieder mal zu spüren. Doch mein Verstand weiß, dass das nicht klappt. Ein Mal…. Dabei wird es nicht bleiben. Und der Verstand hat aktuell noch mehr Macht als der dysfunktionale Teil. 

Während diesen Gedanken spüre ich die Hitze der Sonne auf meiner Haut und denke daran, dass bald Juni ist. Es wird Sommer. Dann sind es nur noch zwei Monate bis der Tag kommt, an dem ich im letzten Jahr zum letzten Mal „meine“ Station verließ als Patientin. Voller Angst vor der vor mir liegenden dbt und erleichtern, dass ich danach weiterhin in Intervallen auf „meine“ Station kommen kann. Das es ganz anders kommen wird als geplant, daran habe ich damals keinen einzigen Gedanken verschwendet, denn es war für mich absolut unvorstellbar. In den Tagen zuvor trieb mich die Angst um, dass der Chefarzt mir die „Erlaubnis“ nicht geben wird weiterhin zu kommen. Die Angst, dass ich ohne diese Sicherheit auskommen muss, die Panik vor einem Leben ohne diesen Rückhalt… Ich war ein Haufen gespannter Nerven und Panik. 

Nun sind es fast 10 Monate ohne einen Aufenthalt dort… Und immer noch ein solches kleines Wunder, dass ich es immer noch kaum fassen kann. Ich habe so viel erreicht in der dbt, so vieles gelernt, dann so vieles erreicht in der Traumatherapie… 

Wenn es August wird und der Tag kommt, dann werde ich einen Brief an die Hexe mit zwei Besen schreiben, an sie und das Team der Station. Und ich werde stolz auf mich sein, weil das so unvorstellbare eingetreten ist. 
Meinen Therapietermin heute habe ich verschlafen. Als ich die Augen öffne ist es 3 Minuten vor 11. Um 11 wäre der Termin gewesen. Zumindest bin ich dann innerhalb von Sekunden hellwach. Meinen Wecker habe ich einfach ausgeschaltet im Halbschlaf. Yeah. Ich fange an mich zu ärgern über mich selbst, doch lasse es dann schnell wieder. Radikale Akzeptanz. Verschlafen ist verschlafen, egal wie sehr ich mich ärgere. 

Für morgen habe ich einen Ersatztermin bekommen. Ich stelle mir definitiv noch 3 Wecker mehr. Aber es trifft sich ganz gut, denn als ich heute in der Apotheke Medis abholen war, hatte ich plötzlich eine 100er Packung unretardiertes MPH in der Hand, statt die 30er Packung mit retardiertem. Damit hätte ich entweder ’ne Menge Geld oder schön eine Runde btm-Missbrauch veranstalten können, aber nein, ich bin ja vernünftig. So ’ne Scheiße. Also trage ich das falsche Rezept morgen zurück zum Psychiater und lasse mir ein neues (und diesmal richtiges) ausstellen. 

Leben

In manchen Momenten kann ich spüren, dass innerlich etwas heilt. Es sind Momente so voller Leben, voller Farben und Wärme, dass sie die kaputten Teile meiner Seele mit einer solchen Intensität zusammen pressen, dass eine Lücke weniger dort ist, ein bisschen weniger Dunkelheit, ein bisschen weniger Schmerz. 

In solchen Momenten sauge ich das Leben auf wie ein Schwamm. Atme mit jedem Atemzug Leben ein, fülle meinen vernarbten Körper und mein zerfetzt Inneres mit Farben und Lebendigkeit und Lebensfreude.

Es sind diese Momente, die es mir ermöglichen mich lebendig zu fühlen. Ohne mir dafür in die eigene Haut schneiden zu müssen, ohne mein Blut fließen zu sehen. Ich atme Lebendigkeit ein und Schmerz aus, lasse das Leben durch meinen Körper fließen und fühle, dass es möglich ist gesund zu werden, dass es möglich ist nicht am Leben zu scheitern, dass es möglich ist mein Leben mit Leben zu füllen. 

Leben – mehr als nur zu Überleben 
Leben – das ist Ursprung und Ziel
Leben – als kleiner Teil  des großen Ganzen 
Lebenswert zu sein