Mach‘ den Beat nie wieder leiser.

Heute ist wieder so ein kopfschüttel-Tag. Mehr als den Kopf schütteln kann ich nicht, weil es einfach Dinge gibt, für die mir die Worte fehlen. Heute eben der Skandal in einem Mainzer Kindergarten. Sexuelle Übergriffe unter den Kindern. Dinge die man nur in Pornos zu sehen bekommt. Die Erzieher haben nichts gemerkt. Und dann könnte ich kotzen. Ich habe selber schon so einige Zeit in Kindergärten verbracht, auf der Seite der Erzieher. Und das niemand etwas gemerkt hat… Nee. Sowas gibt’s einfach nicht. Außer die Erzieher haben den ganzen Tag abseits der Kinder verbracht. Kinder äußern fast alles. Über ihr tägliches Spiel, sie erzählen, sie malen, ihr Verhalten ändert sich. Wir wussten von jedem Kind was es gerade treibt, wo es ist. Und das auf die Briefe und Gespräche der Eltern nicht eingegangen wurde ist für mich auch unverständlich.
Am schlimmsten ist nun einfach, dass diese Geschichte einen Haufen traumatisierter Zwerge zurück lässt, was einfach definitiv hätte verhindert werden können. Aus einem Großteil der Zwerge wird wohl ein Haufen kaputter Jugendlicher, ein Haufen kaputter Erwachsener. Und ich kann nur dasitzen, den Kopf schütteln, und froh sein, dass ich während der Ausbildung Einblick in eine ganz andere Art von Arbeit in Kindergärten gewinnen konnte.

Ansonsten atme ich so vor mich hin. Die Panik ist nicht mehr ganz so furchtbar.
Vorhin war ich kurz in der Klinik, habe zwischen Tür und Angel erzählt und auch meine Angst formuliert, und nur positive Rückmeldungen gekriegt. Sabine meinte, dass ich seit Januar so viel geschafft und geleistet habe, dann werde ich das sicherlich auch meistern. Das gibt ein wenig Halt, Sicherheit, Mut und Kraft. Vielleicht sollte ich einfach versuchen mich darauf einzulassen. Fakt ist, dass es weitergehen wird. Daran besteht kein Zweifel. Wenn ich eins gelernt habe bisher in diesem Leben, dann ist es das. Es geht immer weiter.

Nun schnappe ich mir ein Oreo-Eis (die sind sooooo toll die Dinger!) zur Abkühlung, wusel dann ein wenig in der Wohnung rum, später werde ich mich wohl einfach faul mit den Schweinen in den Garten legen. Das Wetter tut mir gut und gibt mir momentan viel Kraft. Auch wenn die krassen Wechsel von lauwarm auf heiß meinen Kreislauf ziemlich stressen. Aber nichts ist im Moment toller als das Gras unter den nackten Füßen zu spüren, die Steine, den Asphalt.

Schuhe aus, 
Bikini an.
Wir gehen raus, 
Es fängt zu regnen an.
Und wir tanzen und können schon die Sonne wieder seh’n
Und jetzt ’nen Regenbogen –
Wow, ist das schön, ohh.

Die Sonne scheint  nach tausend Nächten 

Ich will, dass sowas der Vergangenheit angehört.

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Dass schneiden nicht mehr ständig und immer in meinem Kopf ist. Dass es keine Lösung mehr für meine Probleme ist. Dass ich es schaffe, die Narben als das zu akzeptieren was sie sind und auch wirklich hinter den Worten „das ist lange her“ stehen kann. Dass die Schnitte heilen, die Narben verblassen.

Ich will raus aus der Dunkelheit. Ich will wieder einen Sinn im Leben finden, ohne Angst vor der Zukunft weitergehen. Will mein Leben leben, will nicht mehr nur kämpfen. Ich will ohne die Angst aufstehen und ins Bett gehen.

Ich will ich sein. Ohne diese Krankheit im Vordergrund, ohne mich von ihr so beherrschen zu lassen. Ich weiß, dass ich niemals wirklich „gesund“ sein werde, aber ich will damit leben. Gut leben. Ich will wieder tun und lassen können was ich will, ohne mich durch Wunden, Angst, Panik, Flashbacks oder sonstwas einschränken zu lassen.

Ich will weitergehen. Ich will mich entwickeln, will an dem wachsen was geschehen ist und was noch kommt. Will mich mit Freude und Neugier auf alles einlassen können.

Von jetzt auf gleich wird es nicht gehen. Aber ich hab die Chance dazu, und – verdammt noch mal- ich will!

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Wir laufen durch die Straßen 
in einer bewegten Welt 
und jeden Tag seh’n wir aufs Neue:
Es ist jede Sekunde die zählt.
Atme ganz tief ein.

Wir leben den Moment 
mitten drin im Leben 
und die Endorphine spiel’n verrückt. 
Das mitten im Moment 
dafür alles geben, 
uns hält nichts mehr zurück.