Feels like I’m caught in the middle

Irgendwann in diesem ganzen Studiumsanfangschaos sitze ich zwischen vielen Menschen in der Aula. Der Dekan steht da und spricht, heißt uns alle willkommen. „Dass Sie hier sitzen haben Sie nicht dem Glück zu verdanken, naja, ein winzig kleines bisschen vielleicht, sondern Ihrer Leistung.“ Es gab so viele Bewerber und so wenig Plätze wie eh und je, ich sitze dort zwischen all diesen Menschen, die es geschafft haben. Und wie in einer Rückblende im Film erscheint Frau K. vor mir, die Therapeutin aus der dbt, und redet von Stolz und ich kann es kaum aushalten. Und dann Herr H. aus der Traumatherapie und wieder dieses Wort und dieses Gefühl, mit dem ich doch immer noch viel zu wenig anfangen kann. Und dann sitze ich dort und muss die Tränen zurück halten, denn ja verdammt, stolz, das bin ich.

Stolz, weil ich hier sitze, zwischen Kommilitonen, die sich teilweise mehrfach hier beworben haben, teilweise mehrfach woanders. Und stolz, weil ich eben hier sitze, immer noch atme und lebe und weil ich wieder atme und lebe nach den fast 3 Jahren, die hinter mir liegen.

Stolz fühlt sich immer noch neu und fremd an. Merkwürdig und trotzdem nicht mehr ganz so furchtbar, manchmal sogar fast gut.

In meiner Nase ist der Geruch von feuchtem Laub und Spätsommer oder auch schon Herbst, als ich im Dunkeln zum Bus laufe. Vor einem Jahr lag dieser Geruch abends um mich, wenn ich auf der Bank vor der Klapse saß und eine Zigarette rauchte. Damals schien ein Jahr so endlos weit weg. So weit voraus denken, planen wie es weitergeht, sogar unterschreiben, dass ich dann (und sogar noch ein paar Monate länger) immer noch lebe… Und nun frage ich mich, wie so oft in der letzten Zeit, wo dieses Jahr hin ist, vorhin die Tage und Wochen und Monate verschwunden sind.

Und dann sitze ich wenige Momente später auf dem Boden in meinem Bad und heule. Weil ich nicht mitkomme, weil ich da stehe in diesem Leben, das nun weder Scherbenhaufen noch okay noch eine Mischung aus beidem ist, weil es doch irgendwie okay ist und ich stehe da und will laut schreien, will schreien, dass ich nicht gesund bin, dass da in mir immer noch ein Scherbenhaufen ist, dass ich das so nicht kann und das doch so auch nicht funktioniert und dass ich so doch nicht studieren kann und leben und alles. Ich will schreien und zusammenbrechen und krank sein, oder eben gesund, und nicht diese wirre Mischung daraus, die weder was Halbes noch was Ganzes ist. Wann will ich einfach wieder zurück in die Sicherheit aus Zusammenbruch und Selbstverletzung und Suizidgedanken, weil das so gewohnt ist, so sicher.

Und so sitze ich da auf dem Boden in meinem Bad und blicke direkt auf den Badschrank, weiß genau, dass sich dort in dieser mittleren Schublade Rasierklingen befinden und weiß auch genau, dass ich sie nicht benutzen werde, so sehr ich es auch will.

Vielleicht muss ich mich mit diesem seltsamen Zwischending abfinden. Vermutlich bleibt mir wenig anderes übrig. Eine Kranke auf dem Weg zum Gesundsein. Eine Gesunde mit Krankheit irgendwo. Ich, zwischen hier und dort. Vielleicht wird es nie nur das eine oder das andere geben. Vielleicht kann ich irgendwann sagen, dass ich gesund bin. Vielleicht bin ich irgendwann mehr gesund als krank. Ich weiß es nicht, ich weiß nicht was die Zukunft bringt. Ich weiß nur, dass sie kommen wird. Und vielleicht werde ich auch weiterhin in der Mitte bleiben, zwischen den Extremen, zwischen Schwarz und Weiß. Wenn, dann aber nicht grau, sondern bunt.

But if you look at me closely
You will see it in my eyes
This girl will always find
Her way

Wer zum Teufel ist eigentlich diese Borderline und was macht sie in meinem Leben? 

Oftmals sind Leute irritiert, wenn ich ihnen von meiner Diagnose erzähle. „Wie, Zitrone? Du bist aber gar nicht so wie die ganzen Borderliner?“ 

Da stellt sich mir erst mal die Frage: was und wie  sind denn „die ganzen Borderliner“? Generell werden wir als manipulative, drogensüchtige, völlig durchgeknallte und therapeutenfressende Monster angesehen. Jedenfalls habe ich dieses Gefühl sehr oft, wenn ich Berichte schaue oder lese, wenn Menschen über Borderline reden oder wenn ich meine Diagnose nenne. Und dann gibt es diese Menschen, bei denen direkt „ach, dass sind doch die die sich ritzen!“ kommt. Und auch da könnte ich platzen. Ich werde manchmal auf meine Narben angesprochenen, meistens fällt dann relativ schnell der Satz „Du hast Borderline.“ Noch besser ist ja: „Du bist Borderline.“ Ich bin auch nicht Erkältung wenn ich krank bin oder Zahnstein wenn ich welchen habe. Möp. *Kopf meets Tischplatte*

Borderline ist ein vielschichtiges Krankheitsbild. Wenn man von insgesamt 9 Kriterien mindestens 5 erfüllt, bekommt man die Diagnose. Offiziell nennt sich das ganze dann „emotional instabile Persönlichkeitsstörung – Typ Borderline“. Der Begriff selbst entstand, als ein netter Mann psychische Störungen in die Bereiche neurotisch und psychotisch teilte und dieses Krankheitsbild einfach weder zum einen, noch zum anderen passte. Also kam die Grenze zwischen beiden als passenden Platz für die Krankheit und bekam dadurch den doch gut passenden Namen. 

Generell ist die Krankheit geprägt von Impulsivität, Instabilität bei zwischenmenschlichen Beziehungen und im Selbstbild.

Das erste Kriterium, Bemühen tatsächliches oder vermuteten Verlassenwerden zu vermeiden, nennt schon einen wichtigen Punkt: alleine sein. Dieses Gefühl ist für viele einfach unerträglich. Ich habe oftmals die Erfahrung gemacht, dass viele Borderliner sich sehr über ihre Partnerschaft definieren und eigentlich als eigenständige Person kaum existent sind. Früher hatte ich auch oft Panik davor, dass ich alleine gelassen werden. Heute ist das manchmal immer noch so. Ich habe Angst, dass meine Therapeutin plötzlich sagt, dass sie nicht mehr mit mir arbeiten will, dass Freunde sich plötzlich abwenden. Aber es ist schon deutlich besser geworden. 

Ein Muster instabiler und intensiver zwischenmenschlicher Beziehungen, das durch einen Wechsel zwischen Extremen der Idealisierung und Entwertung gekennzeichnet ist passt auch gut zum Namen ‚Borderline‘. Es gibt nur schwarz und weiß, entweder oder, und dazwischen nichts als die Grenze, die ‚Borderline‘. Generell habe ich zwar intensive, aber kaum instabile Beziehungen. Wer es mal in mein Leben geschafft hat bleibt meistens auch dort, selbst wenn der Kontakt vielleicht weniger intensiv wird, so vergesse ich diese Menschen doch nicht und habe dennoch ab und an Kontakt zu ihnen. Allerdings kenne ich durchaus diesen Wechsel zwischen schwarz und weiß, auch wenn es nicht mehr allzu oft passiert. Das beste Beispiel aus der nahen Vergangenheit ist meine Therapeutin: sie sagte etwas und ich war furchtbar angepisst, habe sämtliche Stunden abgesagt und mich 9 Monate lang nicht gemeldet. Sie war einfach nur doof, unfähig, wasweißich. Aber eben durchgehend schwarz. 

Mit der Identitätsstörung (ausgeprägte und andauernde Instabilität des Selbstbildes oder der Selbstwahrnehmung) habe ich oft zu kämpfen. Manchmal mag ich mich, manchmal finde ich mich furchtbar, aber generell ist mein Bild von mir selbst eher negativ geprägt. Wenn ich etwas gut mache, so sehe ich dennoch überall Fehler, meiner Wahrnehmung nach mache ich alles falsch, was man falsch machen kann. Unter diesen Punkt fällt auch die leidige Frage „Wer bin ich eigentlich überhaupt? Oder was bin ich?“. Vielleicht gründet darin auch der statistisch häufige Abbruch von Schulen und Ausbildungen oder der Wechsel von Jobs. Wenn man auf der Suche nach sich selbst ist fällt es einem schwer sich für den Rest des Lebens auf eine bestimmte Richtung festzulegen.  Borderlinern wird auch Instabilität im Hinblick auf die sexuelle Orientierung nachgesagt. Oft bekomme ich zu hören, dass meine Orientierung ja auf der Grundlage von Borderline entstanden wäre, ich ja eigentlich gar nicht wüsste was ich will. Stimmt aber nicht. Als ob ich nicht wüsste welches Geschlecht ich mag oder das jeden Tag neu entscheiden würde… 

Bei Impulsivität in mindestens zwei potenziell selbstschädigenden Bereichen (keine Selbstverletzung oder suizidale Handlungen)  kann ich auch laut „Hier!“ rufen. Ob ich nun dazu neige Geld auszugeben, gelegentlich mal irgendwelche Substanzen zu missbrauchen, Essanfälle mit anschließender Kotzeinlage hinlege oder einfach handle ohne nachzudenken: Impulsivität ist bei mir definitiv vorhanden und manchmal auch echt eine verhängnisvolle Angelegenheit. Man sollte doch generell erst nachdenken und nicht direkt aussprechen, was man im Kopf hat… 

Wiederholte suizidale Handlungen, Selbstmordandeutungen/-drohungen oder selbsrverletzendes Verhalten… Ähm. Ja. Wer mich kennt und meinen Blog liest, der weiß, dass ich mich selbst verletze. Oder habe. Oder verletzen werde. So genau kann man das nun nicht sagen. Fakt ist, dass ich mit elf Jahren begonnen habe mir in die eigene Haut zu schneiden, dass ich während dieser Zeit auch immer wieder lange Phasen von sogar mehreren Jahren ohne Schneiden hatte und nach über einem Jahr der extremen Selbstverletzung nun seit über 5 Monaten wieder frei vom Schneiden bin. Zum selbstverletzenden Verhalten zählt aber nicht nur das Schneiden, es kann auch Verbrennen, Schlagen gegen irgendwas, Haare ausreißen, beißen, Kratzen , Einnahme schädlicher Substanzen sein und so weiter und so fort. Ich habe generell eigentlich immer „nur“ geschnitten, wobei gelegentlich auch Verbrennungen und Kratzen dazu kam, ab und an auch mal irgendwo so lange dagegen hauen bis man blaue Flecken hat. Die Selbstverletzung hat den einfachen Grund den Druck in sich selbst abbauen zu wollen und sich selbst wieder zu spüren. Funktioniert, allerdings nur kurzfristig und eben nicht konstruktiv (leider). Unter diesem Kriterium kann man auch anführen, dass man eben mal einen Berg Tabletten futtert, nicht um sich umzubringen, aber mit dem Wissen, dass es eigentlich passieren könnte. Und eben eine klare suizidale Handlung. Mein letzter Suizidversuch war Anfang 2015 und endete in der Psychiatrie, mit einem Zwischenhalt auf der Intensivstation. Keine schöne Erfahrung und etwas, das mich bisher auch davon abhielt es nochmal zu tun, wenn gerade alles dunkel und schwarz ist. Ich mag nicht wieder überall Schläuche haben, keine Kontrolle mehr über mich und 3 Wochen nicht von der Station zu dürfen war auch nicht gerade toll. 

Affektive Instabilität infolge einer ausgeprägten Reaktivität der Stimmung klingt furchtbar kompliziert, bedeutet aber kurz und knapp nichts anderes als Stimmungsschwankungen. Die Stimmung kann durchaus innerhalb von Sekunden kippen, egal in welche Richtung und auch absolut ohne ersichtlichen Grund. Im Gegensatz zu einer Manie oder Depression dauern diese Zustände meistens nur ein paar Stunden, selten länger als ein paar Tage. Ich habe zusätzlich zur BPS-Diagnose auch noch eine diagnostizierte Depression, also dann durchaus auch mal längere depressive Phasen. Ein Leben auf der Achterbahn ist fuchtbar anstrengend, sowohl für das Umfeld als auch für einen Selbst. Es ist zum kotzen, wenn man von der guten Laune plötzlich ins Bodenlose fällt und eigentlich nichts dagegen tun kann. Seit ich Medikamente nehme sind diese Berg- und Talfahrten nicht mehr so extrem ausgeprägt, es wurden ihnen quasi die Spitzen genommen. Dennoch erlebe ich diese Schwankungen immer noch, habe immer noch meine Probleme damit und gehe mir oftmals damit gewaltig selbst auf die Nerven. 

Das chronische Gefühl von Leere empfinde ich persönlich oftmals als das schlimmste Kriterium. Besonders wenn man gerade dabei ist mit der Selbstverletzung aufzuhören. Plätzchen (was machen Plätzchen nun hier? Die sind zwar lecker, aber hier gehört ein plötzlich hin. Also nochmal.) Plötzlich ist da nichts mehr, kein Gefühl, nur Leere und Leere und Leere. Man fühlt sich wie taub, innerlich erfroren, nicht mehr lebendig. Ich weiß mittlerweile, dass es eigentlich ein Schutzmechanismus ist. Wenn man den Schmerz nicht mehr aushält scheint es wohl einfacher zu sein nichts mehr zu spüren. Oft habe ich das auch in Situation, in denen einfach ein großer Gefühlshaufen auf mich zudonnert mit dem ich nicht klar komme, also habe ich statt 237 Gefühlen gleichzeitig einfach gar keins mehr. Diese chronische Leere versuchen viele mit der Selbstverletzung zu füllen. Wieder etwas spüren, sich selbst spüren, spüren, dass man noch lebt. Denn lebendig fühlen ist gar nicht so einfach, wenn in einem gar nichts ist. 

Unangemessene, heftige Wut oder Schwierigkeiten, die Wut zu kontrollieren habe ich nur selten. Ich bin kein Mensch, der zu Prügelei und körperlicher Gewalt neigt. Manchmal bringt mich aber etwas so sehr auf die Palme, dass ich mich fühle als würde ich platzen. Dann werfe ich auch mal was durch die Gegend, haue auf Gegenstände ein. Oder verletze mich selbst um den Druck zu regulieren. 

Das letzte Kriterium, vorübergehende, durch Belastung ausgelöste paranoide Vorstellungen oder schwere dissoziative Symptome, erlebe ich zum Glück nur noch selten. Paranoide Vorstellungen hatte ich generell noch nie, außer man zählt die unglaubliche Angst, dass mein Vater plötzlich vor der Tür steht, dazu. Dissoziation kenne ich allerdings gut. Dissoziation ist generell eine Abspaltung oder das Trennen von Gedächtnisinhalten. Jeder Mensch kennt solche Momente, auch wenn sie da natürlich noch nicht in dem sinne ‚krankhaft‘ sind. Man ist beispielsweise in etwas so vertieft, dass man alles um einen rum ausblendet und die Zeit vergisst. Sportler können zum Beispiel während einem Marathon die Schmerzen komplett ausblenden, wie in einer Art von Trance. Man sitzt in der Schule und starrt aus dem Fenster und kann sich nachher nicht mehr an den Unterricht erinnern. All das sind Alltagsphänomene der Dissoziation. Krankhaft wird es, wenn ein Traumaopfer sich beispielsweise nicht mehr an das Erlebte erinnern kann, wenn man das Gefühl hat über sich zu schweben oder neben sich zu stehen, wenn etwas passiert,  wenn man plötzlich einen seiner Sinne verliert, sich nicht mehr bewegen kann… Dissoziation ist vielfältig und tritt häufig in traumatisierenden Situationen auf. Mir fehlen beispielsweise sehr viele Erinnerungen an meine Kindheit. Meine Psyche hat sie einfach abgespalten und irgendwo vergraben, da sie nicht damit umgehen konnte. In triggernden Situationen kommen sie manchmal plötzlich hervor, genau wie solche Situationen  auch Dissoziation auslösen können. Oftmals passiert mir das in der Therapie: wir reden über ein belastendes Thema und ich bin plötzlich weg, nicht mehr in meinem Körper, kann nicht mehr agieren und meiner Therapeutin nicht mehr folgen. Manchmal passiert es mir auch während Flashbacks, dann habe ich dann auch oft das Gefühl nicht mehr zu meinem Körper zu gehören. In solchen Situationen entstanden oftmals tiefe Verletzungen, da ich keinerlei Kontrolle über mich hatte. Ich stand wie ein Zuschauer neben mir, betrachtete mich dabei wie ich mir die Klinge in den Arm rammte und konnte nicht handeln. Erst das Blut und der Schmerz haben mich ruckartig wieder in meinen Körper katapultiert.

Wenn man sich nun diese ganzen Kriterien anschaut und bedenkt, dass nur 5 davon nötig sind um eine Borderline-Diagnose zu erfüllen, dann kann man sich schon denken, dass die Störung sehr vielfältig ist. Nicht jeder Borderliner verletzt sich. Genauso wenig wie jeder, der sich selbst verletzt, Borderline hat, denn dazu gehören dann noch mindestens 4 andere Kriterien. Es gibt also wohl keinen ‚typischen Borderliner‘. Die Krankheit ist vielschichtig und unterschiedlich und leider wird oftmals von den negativen Eigenschaften auf die Allgemeinheit geschlossen. Das führt dazu, dass sie Krankheit generell ein sehr negatives Bild hat und auch viele Professionelle es ablehnen mit Borderlinern zu arbeiten, denn bringt ja eh nichts, die wollen gar nicht gesund werden, die sind manipulativ und unzuverlässig, blablablubb.

In einem Interview sagte ein Betroffener einmal etwas, dass ich wirklich sehr treffend finde und mit dem man Borderline auch ganz gut erklären kann: man erlebt Gefühle einfach nicht wie jeder Mensch, sondern tausendfach stärker. Das ist wie der Unterschied zwischen dem Strom aus der Steckdose und einer Hochspannungsleitung. Und ich fühle mich oft wie eine Hochspannungsleitung. 

Wie Borderline nun entsteht ist wie bei so vielem ein Fischen im Trüben. Mittlerweile ist die Wissenschaft sich einig, dass mehrere Faktoren gegeben sein müssen. Laut Studien kann davon ausgegangen werden, dass ca. 40% erblich bedingt ist. Allerdings fanden sich bisher weder Gene noch Genorte. Auch ist die Krankheit durch Umwelteinflüsse bedingt (Nein, keine verschmutzen Flüsse und verpestete Luft). Beispielsweise Elternverhalten, Vernachlässigung oder eben ein traumatisches Erlebnis. 

Generell gilt Borderline als ‚unheilbare Krankheit‘. Das liegt vor allem daran, dass eine Persönlichkeitsstörung eben da ist und bleibt. Man kann allerdings lernen mit der Krankheit zu leben und man kann auch durchaus irgendwann beispielsweise nur noch 3 oder 4 Kriterien erfüllen, sodass man die Diagnose nicht mehr erhalten würde. 

Da die BPS zu den Persönlichkeitsstörungen zählt wird sie generell erst ab 18 diagnostiziert, da vorher die Persönlichkeit noch nicht ausgereift ist (ist sie meiner Meinung zwar auch nicht plötzlich, weil man nun eben 18 wird, aber egal). Mittlerweile gibt es aber auch schon vorher die Verdachtsdiagnose bzw. die Diagnose als „Borderline im Adoleszenzalter“. 

Gesicherte Zahlen, wie viele Menschen nun an Borderline erkrankt sind, gibt es nicht. Je nach Statistik schwanken die Wette zwischen werten von 0,2 bis sogar 15%, wobei die meisten Werte bei ca. 1% der Weltbevölkerung liegen. Die Suizidrate liegt mit 10% ziemlich hoch, jeder zehnte Borderliner beendet also sein Leben. Es wird davon ausgegangen, dass 75% der BPS-Betroffenen einen Suizidversuch unternehmen. 

Viel Theoretisches. Um auf die Eingangsfrage zurück zu kommen: ja, ich habe Borderline. Ich bin deswegen aber kein therapeutenfressendes, egoistisches und unberechenbares Ungetüm, sondern ein Mensch. Und ganz klar bin ich nicht Borderline, sonder ein Mensch mit einer Diagnose. Punkt.