hier & jetzt

Studium (lateinisch studere „[nach etwas] streben, sich [um etwas] bemühen“)

Und so fühlt es sich auch an. Ich bemühe mich um einen geregelten Tagesablauf, um Kommunikation mit meinen Mitmenschen, um aktives Zuhören. Ich bemühe mich nicht durchzudrehen angesichts der Masse an Menschen, darum nicht einfach abzuschalten und zu dissoziieren.

Und ich muss oft an die Oberärztin aus der dbt denken, die von einem neuen Programm sprach im Bezug auf Borderlinetherapie. ACES – Accepting the Challenges of Exiting the System. Raus aus dem „System Krankheit“, so tun als ob man einfach gesund wäre. Denn genau das tue ich, ich tue so, als ob ich ein völlig normaler Student sei. Und vielleicht bin ich gar nicht so unnormal, also von der Norm abweichend, denn gerade im sozialen Bereich studieren viele mit der ein oder anderen Macke, bei einigen meiner Kommilitonen fielen mir auch schon eindeutige Narben auf. Vielleicht nicht so offensichtlich wie meine, da dezenter und weniger und nur an einer Stelle, aber dennoch.

Abseits vom ganzen Theoriekram, der einfach noch keinen Bezug zu meiner Lebenswirklichkeit und der sozialen Arbeit hat, ist es auch interessant und spannend. Es gefällt mir zu beobachten, wie wir über Gerechtigkeit diskutieren, wie die vielen verschiedenen Charaktere ihre Meinungen vertreten. Es macht Spaß mit verschiedenen Menschen die Raucherpause zu verbringen oder zu essen, mit Leuten die gerade erst von der Schulbank gefallen sind und mit welchen, die schon seit über 20 Jahren im Berufsleben stehen (oder standen), mit welchen die vorher etwas anderes studiert haben oder welchen, die nebenbei noch ihre Kinder großziehen.

Es fühlt sich gut und richtig an momentan. Vielleicht waren die drei Jahre „Umweg“ genau deswegen sinnvoll, weil hier und jetzt der richtige Zeitpunkt für das ist, was ich tue.

Ich war schon lange nicht mehr so fertig und an meinen Grenzen. Aber ich war auch schon lange nicht mehr so zufrieden und glücklich und habe mich schon lange nicht mehr so am richtigen Platz gefühlt.

irgendwas mit Menschen…

Ich habe in den letzten Tagen so oft gedanklich den Kopf geschüttelt. Fragt man quer durch meine Kommilitonen durch, dann findet man immer wieder die Aussage „Ich will irgendwas mit Menschen machen.“ als Antwort auf die Frage, wie sie nun an dieser Fakultät gelandet sind. Und so kam es heute auch zu der ersten Verwunderung, als nach der Vorlesung die Frage auftauchte, ob das denn „nun immer so sein“. Als der Dozent dann darauf hinwies, dass es sich um ein wissenschaftliches Studium handelt, herrschte plötzliche Stille im Raum.

Viele der Menschen, die mit mir in den Vorlesungen sitzen, kommen grade von der Schule. 18 oder 19 Jahre alt und wollen halt nix mit Büro machen. Ich spreche keinem ab, dass er das Studium rockt und es wirklich auch eine Arzt Berufung ist, dennoch bin ich mir sicher, dass einige davon schon nach diesem Semester nicht mehr da sein werden.

Mein Hirn fühlt sich tot an. Aber trotzdem gut, denn es gab Input, unglaublich viel zwar, aber Input. Es ist anstrengend für mich mit so vielen Menschen so lange Zeit zusammen zu sein, es strengt an zuzuhören und gleichzeitig zu denken und die Geräusche um mich herum auszublenden. Doch da muss ich mich einfach zuerst dran gewöhnen.

Ich bin derzeit froh um meine Vorkenntnisse, auch wenn die schulischen Inhalte schon weit zurück liegen, doch oftmals klingelt da was im Hinterkopf. Ich bin froh um meine Lebenserfahrung und meine Allgemeinbildung und um die praktischen Erfahrungen aus dem Berufsleben. Es macht manche Dinge ein wenig entspannter.

Ich bin gespannt auf die nächsten Tage. Heute bin ich einfach nur noch im Eimer, völlig und ganz. Doch die Momente der Anspannung waren erstaunlicherweise nicht so häufig und heftig wie befürchtet, auch wenn manche Dinge mich inhaltlich doch getriggert haben. Aber machbar und mit einer professionellen und theoretischen Haltung den Dingen gegenüber sicherlich auch in Zukunft meisterbar.

Feels like I’m caught in the middle

Irgendwann in diesem ganzen Studiumsanfangschaos sitze ich zwischen vielen Menschen in der Aula. Der Dekan steht da und spricht, heißt uns alle willkommen. „Dass Sie hier sitzen haben Sie nicht dem Glück zu verdanken, naja, ein winzig kleines bisschen vielleicht, sondern Ihrer Leistung.“ Es gab so viele Bewerber und so wenig Plätze wie eh und je, ich sitze dort zwischen all diesen Menschen, die es geschafft haben. Und wie in einer Rückblende im Film erscheint Frau K. vor mir, die Therapeutin aus der dbt, und redet von Stolz und ich kann es kaum aushalten. Und dann Herr H. aus der Traumatherapie und wieder dieses Wort und dieses Gefühl, mit dem ich doch immer noch viel zu wenig anfangen kann. Und dann sitze ich dort und muss die Tränen zurück halten, denn ja verdammt, stolz, das bin ich.

Stolz, weil ich hier sitze, zwischen Kommilitonen, die sich teilweise mehrfach hier beworben haben, teilweise mehrfach woanders. Und stolz, weil ich eben hier sitze, immer noch atme und lebe und weil ich wieder atme und lebe nach den fast 3 Jahren, die hinter mir liegen.

Stolz fühlt sich immer noch neu und fremd an. Merkwürdig und trotzdem nicht mehr ganz so furchtbar, manchmal sogar fast gut.

In meiner Nase ist der Geruch von feuchtem Laub und Spätsommer oder auch schon Herbst, als ich im Dunkeln zum Bus laufe. Vor einem Jahr lag dieser Geruch abends um mich, wenn ich auf der Bank vor der Klapse saß und eine Zigarette rauchte. Damals schien ein Jahr so endlos weit weg. So weit voraus denken, planen wie es weitergeht, sogar unterschreiben, dass ich dann (und sogar noch ein paar Monate länger) immer noch lebe… Und nun frage ich mich, wie so oft in der letzten Zeit, wo dieses Jahr hin ist, vorhin die Tage und Wochen und Monate verschwunden sind.

Und dann sitze ich wenige Momente später auf dem Boden in meinem Bad und heule. Weil ich nicht mitkomme, weil ich da stehe in diesem Leben, das nun weder Scherbenhaufen noch okay noch eine Mischung aus beidem ist, weil es doch irgendwie okay ist und ich stehe da und will laut schreien, will schreien, dass ich nicht gesund bin, dass da in mir immer noch ein Scherbenhaufen ist, dass ich das so nicht kann und das doch so auch nicht funktioniert und dass ich so doch nicht studieren kann und leben und alles. Ich will schreien und zusammenbrechen und krank sein, oder eben gesund, und nicht diese wirre Mischung daraus, die weder was Halbes noch was Ganzes ist. Wann will ich einfach wieder zurück in die Sicherheit aus Zusammenbruch und Selbstverletzung und Suizidgedanken, weil das so gewohnt ist, so sicher.

Und so sitze ich da auf dem Boden in meinem Bad und blicke direkt auf den Badschrank, weiß genau, dass sich dort in dieser mittleren Schublade Rasierklingen befinden und weiß auch genau, dass ich sie nicht benutzen werde, so sehr ich es auch will.

Vielleicht muss ich mich mit diesem seltsamen Zwischending abfinden. Vermutlich bleibt mir wenig anderes übrig. Eine Kranke auf dem Weg zum Gesundsein. Eine Gesunde mit Krankheit irgendwo. Ich, zwischen hier und dort. Vielleicht wird es nie nur das eine oder das andere geben. Vielleicht kann ich irgendwann sagen, dass ich gesund bin. Vielleicht bin ich irgendwann mehr gesund als krank. Ich weiß es nicht, ich weiß nicht was die Zukunft bringt. Ich weiß nur, dass sie kommen wird. Und vielleicht werde ich auch weiterhin in der Mitte bleiben, zwischen den Extremen, zwischen Schwarz und Weiß. Wenn, dann aber nicht grau, sondern bunt.

But if you look at me closely
You will see it in my eyes
This girl will always find
Her way

Und gerad‘ deswegen: auf das Leben!

Die Zeit fliegt. Vor einem Jahr saß ich noch halbwegs verwirrt und orientierungslos angesichts der Zukunft ungefähr um diese Uhrzeit auf einem Klinikflur und wartete auf die Visite. Heute sitze ich ziemlich verwirrt und müde in einem Zug, auf dem Weg in die Hauptstadt und von dort dann zum Campus. Ich studiere. Tatsächlich, wahrhaftig. Ich zeige den Studentenausweis statt der Fahrkarte, die mich in den letzten 3 Jahren begleitet hat. Ich fahre nicht mehr nur in die Hauptstadt, weil ich zur Therapie muss oder zum Psychiater oder jemanden treffe. Mein Psychiater hat mir den letzten Krankenschein ausgestellt. Mit einem erleichterten Seufzer, da die fast dreijährige Routine von monatlichem Termin und Krankenschein nun ein Ende hat. Gefühlt steht mein Leben grade Kopf. Umbruch, Neuanfang, Ende, was auch immer. So viel gleichzeitig und so gesund. Fortschritte noch und nöcher könnte man sagen. „Fortschritt“ sagt auch der Psychiater, als ich anspreche, dass ich die Medis zur Nacht reduzieren möchte. Ich frage mich, wie ich eigentlich mit der viel höheren Dosis und dann auch noch morgens, mittags, abends und nachts, funktionieren konnte. Arbeiten konnte. „Fortschritt“ sagt er und vermutlich ist es das. Schon in der dbt habe ich die Medis reduziert, weil ich gemerkt habe, dass da keine hohe Anspannung mehr ist, die sie runter holen könnten. Nun habe ich also die Hälfte der Minidosis und schlafe trotzdem. Die ersten Nächte waren blöd und zu kurz und unruhig, aber nun schlafe ich eigentlich genauso gut (oder vielleicht auch besser). Vielleicht, wenn das mit dem Studium ein wenig mehr Routine ist, vielleicht lasse ich den Rest dann auch weg. Es fühlt sich gut an. Es fühlt sich richtig an. So im Großen und Ganzen. Vielleicht bin ich angekommen. Vielleicht ist das hier und jetzt genau der richtige Weg. Der neue Weg. Der gesunde Weg. Und weil es grade so gut passt gibt es laut und mit voller Wucht nun auf das Leben umme Ohren.

Davor und danach

Vor einem Jahr verließ ich mit gepackten Koffern mein Zuhause. Vor einem Jahr drückte ich den Zitronenkater fest an mich, weil vor mir 14 Wochen dbt lagen, weil ich 14 Wochen lang nur ab und an über Nacht heimkehren würde.

Morgen wird es ein Jahr her sein, dass ich die Klinik betrat und mich auf die 14 Wochen dort einließ.

Seit einem Jahr gibt es ein Davor und ein Danach.

Ich habe immer noch Borderline. Aber ich habe auch ein Leben damit. Nicht mehr dagegen, sondern trotz und mit.

Manchmal komme ich nicht mit. Manchmal geht mir das alles zu schnell. sagte ich heute in der Therapie. Denn was sich in diesen 14 Wochen und seitdem getan hat ist so viel, manchmal viel zu viel für mich. Es ist so neu, so positiv. Auch wenn es diese beschissenen Momente immer noch gibt. Natürlich. Sie gehen nicht weh, plötzlich. Aber sie sind seltener. Anders. Damals habe ich den neuen Weg vorsichtig betreten. Zaghaft. Schritt für Schritt. In den letzten Monaten fühlt es sich an, als würde ich diesen Weg entlang stürmen, sprinten, keinen Halt mehr einlegen. Es passiert so viel gesundes, dass ich es kaum schaffe hinterher zu kommen.

Es ist ein Balanceakt. Immer und immer wieder und immer noch. Die Balance finden zwischen Kranksein und Gesundsein. Zwischen es ist gut und es darf nicht gut sein. Es gibt etwas dazwischen, zwischen all diesen Extremen. Das habe ich gelernt. Und diesen Mittelweg versuche ich gerade zu finden, versuche den Tanz auf dem Seil, gehe auf dem schmalen Grad zwischen schwarz und weiß.

Und es ist okay. Es ist okay, dass ich manchmal das Gefühl habe, dass es zu schnell passiert. Es ist okay, dass ich mich manchmal in die Sicherheit flüchten will, die mir die Selbstverletzung, die Suizidgedanken und all das gegeben haben. Es ist okay, dass ich mich nach dem sehne, dass so lange mein Leben bestimmt hat. Aber es ist auch okay, dass ich einen anderen Weg gehe. Und es ist okay Angst zu haben. Und es ist okay mich auch gleichzeitig darauf zu freuen.

Ein bisschen mehr als 5 Wochen. Dann geht es los. Dann startet, was vor einem Jahr nicht mehr als ein Gedanke in meinen Kopf war, ein Gedanke, der so unrealistisch schien.

1 Jahr ist vergangen. Seitdem habe ich eine zweite Heimat gefunden. Menschen, die für mich Halt und Familie sind. Und ich gehe meinen Weg. Den neuen Weg. Mit Angst. Aber auch mit Stolz.

Wer hätte das gedacht…

„Wer hätte das vor 492 Tagen gedacht?“ meint Pfleger Kai heute lächelnd, als ich am Pflegestützpunkt lehne und ihm von den 491 Tagen ohne Selbstverletzung berichte. „Und wer hätte das vor 2 ½ Jahren gedacht, dass ich nun studieren gehe…“ antworte ich, ebenfalls lächelnd.

Er meint, dass ich mir was drauf einbilden kann, dass ich einen der Studienplätze habe, auf den sich über 10 Menschen beworben haben. Über 1000 Bewerber auf ungefähr 100 Plätze, ich fasse es immer noch nicht wirklich.

Und so stehe ich auf der Station, die so lange quasi Mittelpunkt meines Lebens war, werde ein kleines bisschen sentimental und bin stolz auf mich.

„Vielleicht haben wir dann ja doch irgendwas richtig gemacht“ meint Pfleger Kai. Und das haben sie. Auch wenn es manchmal heute noch beschissen ist und ich alles hinwerfen mag, so ist es doch so sehr anders als damals. Ich bin dem Team unglaublich dankbar. Für all die Momente, in denen ich sie gehasst habe. Und natürlich für all die Momente, in denen sie einfach da waren. Vielleicht schreibe ich ihnen das. Wenn das Studium beginnt, wenn ich tatsächlich in der Uni sitze, wenn mein Leben tatsächlich weiter geht.

Es wird immer wieder Abstürze geben. Tiefpunkte. Doch da ist nun ein neuer Halt. Ein neues Ziel. Etwas, für das es sich zu kämpfen lohnt. Kämpfen für meinen Traum, für mein Ziel. Es geht weiter und ich bin froh darüber.

Ich habe diese Zeit gebraucht. Ich habe Zeit gebraucht um wieder auf die Beine zu kommen, um klar zu kommen, um mich selbst zu finden und einen Weg mit dem Trauma umzugehen, es zu akzeptieren, anfangen es zu verarbeiten. So scheiße es war so komplett abzustürzen, so hatte es nicht nur negative Seiten. Ich habe unglaublich viel gekämpft in diesen ganzen Monaten, unglaublich viel gelernt und wundervolle Menschen kennen gelernt. Ich bin stärker geworden und ich weiß, welchen Weg ich gehen möchte.

Manchmal habe ich das Gefühl, dass alles nur ein Traum ist. Dass ich aufwache und feststelle, dass ich doch nicht studieren gehe, dass ich doch immer noch in so einem Loch hänge. Es wird noch dauern, bis ich das wirklich realisiert habe. Vermutlich werde ich es erst richtig fassen können, wenn ich dann tatsächlich auf dem Campus stehe, wenn ich in meiner ersten Vorlesung sitze.

Zwischendurch blitzt immer wieder der Gedanke auf, dass es nicht sein kann. Dass es nicht sein darf. Dass es mir nicht gut gehen darf, dass ich das nicht aushalte. Ich kämpfe dagegen, versuche diese Gedanken auszuhalten und mir zu sagen, dass die Gefühle da nicht hin gehören. Früher wäre das nicht möglich gewesen. Früher hätte ich mich verletzen müssen, weil ich das nicht aushalte. Weil es nicht sein kann, dass es gut läuft. Dass es funktioniert.

Ich habe so viel gelernt in dieser ganzen Zeit.

„Wer hätte das vor 492 Tagen gedacht?“

Es endet. Es beginnt neu.

Seit Januar 2015 bin ich krank geschrieben.

Im Februar 2015 versuchte ich mir das Leben zu nehmen.

Im März 2015 bekam ich die Kündigung.

Ich war unzählige Male zur stationären Krisenintervention.

Ich war unzählige Male in der Notfallchirurgie zum Nähen und habe mich noch öfter selbst verletzt.

Ich habe keine Zukunft gesehen, keine Hoffnung gehabt.

Ich habe 14 Wochen DBT gemacht.

Ich habe 7 Wochen Reha mit Traumatherapieschwerpunkt gemacht.

Über 2 Jahre sind vergangen. Über 2 Jahre, in denen ich „hauptberuflich krank“ war. Über 2 Jahre, in denen meine Krankheit mein Leben bestimmte.

Es endet. Es beginnt neu.

Ich werde studieren gehen. Ich habe tatsächlich eine Zusage bekommen. Ich habe einen Studienplatz und kann mich immatrikulieren.

Neuanfang. Fortschritt. Weiter gehen.

Es endet.

Es beginnt neu.

Lebenszeichen

Ja, ich weiß. Es ist ein wenig still geworden um mich, aber in den letzten Tagen weiß ich nicht, wohin die Stunden eigentlich verschwinden. 

Gestern fiel mein Blick auf das Datum und ein kurzer Schmerz durchfuhr mich. Ich frage mich, seit wieviel Jahren ich ihm nun nicht mehr gratuliert habe. 5? Oder doch schon mehr? Ich stelle mir vor wie das ist. Wenn das eigene Kind einem nicht gratuliert. Und dann denke ich daran, wie sehr er mich verletzt hat. Es ist okay, dass ich keinen Kontakt mehr zu ihm habe. Es ist okay und es war und ist die richtige Entscheidung. Für mich, denn allein um mich geht es dabei, nicht darum, dass ich dafür sorge, dass es ihm besser geht. Und auch wenn meine Gefühle dagegen anbrüllen, immer wieder und speziell an solchen Tagen, so weiß ich, dass es richtig ist. 
Ich habe übrigens, Wunder über Wunder, nun tatsächlich meine Fachhochschule in Händen. Dienstags rief ich die Schulleiter an und fragte nach, sie erklärte mir, dass sie eine Bescheid der alten Schule brauchen, dass ich da keine Fachhochschulreife gemacht hab. Prima. Also rief ich direkt dort an, aber die Schulleitung war nicht da. Nachdem ich schonmal auf der Homepage der Schule war wegen der Nummer, habe ich mich ein wenig durch meine alten Lehrer geklickt. Viele sind nicht mehr da. Aber Frau B. noch, deren erste Klasse als Referendarin wir waren in Geschichte. Und meine ehemihe Tutorin aus der Oberstufe ist auch noch da. Froh bin ich darüber, dass die Schulleitung gewechselt hat. Aber die Dame im Sekretariat ist immer noch die selbe. Und während ich die Namen so lese und die Fotos sehe bin ich plötzlich wieder 17 und am Ende, spüre Wunden auf meinen Armen brennen und in mir zieht sich alles zusammen. Ich brauche einige Momente um dagegen anzukommen, um wieder in die Realität zu finden. 

Am Mittwoch erreiche ich endlich die Schulleitung der alten Schule, am Donnerstag gehe ich mit der Bescheinigung von dort hier zur Schule und hole dann am Freitag endlich mein Zeugnis ab. Es fühlt sich gut an es in den Händen zu halten. Der Abschluss der Ausbildung ist zwar schon 3 Jahre her, aber das Zeugnis mit dem Vermerk nach dem ganzen Drama endlich in den Händen zu halten, fühlt sich mindestens nochmal genauso gut an. 

Den Kram für die Uni habe ich noch am selben Tag fertig gemacht. Nun heißt es warten, ob ich einen Platz kriege und Daumen drücken.