Kurzurlaub

Draußen lassen der Schnee und die Lichter der Großstadt die Nacht nicht dunkel erscheinen. Ich betrachte die vorbeiziehenden Häuser und Tramhaltestellen und bin froh, dass ich im Warmen bin.

Etwas mehr als 7 Stunden trennen mich von meiner Hauptstadt. 450 km sind es von München bis Zuhause.

Am Freitag bin ich losgefahren, in strahlendem Sonnenschein. Nun liegt Schnee, sowohl hier als auch daheim. Hinter mir liegt ein tolles Wochenende, dass einfach nur gut tat. Liebe Menschen, mich einfach nur willkommen und okay fühlen, so wie ich bin. Lachen, trinken, quatschen. Und schlafen, ich konnte endlich wieder schlafen! Die Tage haben mir viel Kraft zurück gegeben, die mir in den Wochen vorher abhanden gekommen ist. Es war genau der richtige Zeitpunkt zum Wegfahren. Genau der richtige Zeitpunkt für liebe Menschen.

Am Sonntag habe ich mich auch mit meiner Tante getroffen, wir waren frühstücken und haben viel geredet. Über meinen Vater, mich, sie, meine Familie. Auch über meine Oma und ich kann in dem Moment die Tränen nicht mehr zurück halten. Es schmerzt, dass da kein Kontakt mehr ist. Ich verstehe, dass sie nicht vergessen kann, dass ich es über einige Jahre hinweg einfach nicht geschafft habe mich zu melden. Und ich kann auch verstehen, dass es zuviel ist, was ich da mitbringe. Immerhin ist es ihr Sohn, der all diese Dinge getan hat. Ich verstehe es und akzeptiere es, aber es schmerzt dennoch, denn sie bedeutet mir viel.

Umso mehr freue ich mich, dass es zwischen mir und meiner Tante wieder sowas wie Kontakt gibt. Es tut gut sie zu sehen und mit ihr zu reden, denn auch sie bedeutet mir viel und hat gerade in den letzten Horrorjahren bei meinem Vater vieles für mich getan und mich unterstützt.

Es waren gute Tage in München. Eine gute Zeit, die mich ein Stück gestärkter heim fahren lässt. Gestärkter und froh, um die Menschen, die ich in meinem Leben habe.

Danke Nc und Rauschkugel und Zwerg fürs Obdach gewähren und feines Essen und die gemeinsame Zeit. Und an Bimsi für den schönen gemeinsamen Abend. ❤️

Katerkind und Überraschungsbesuch

Ein guter Tag. Ja, gestern war wirklich ein guter Tag. Aus dem Bett zu kommen war zwar schwer, aber danach lief es gut. Ich habe gebloggt (unschwer zu erkennen…), rumgehangen, war mit N. in der Bibliothek und habe mir zwei Bücher über adhs im Erwachsenenalter ausgeliehen, das kleine Winterschlafkaterchen gekrault. Wenn er auf meinem Schoß liegt, zusammengerollt und völlig entspannt, dann könnte ich ihn fressen vor lauter Liebe. Wenn dann Pfötchen, Schnurrhaare und der Schwanz anfangen zu zucken, weil er träumt, dann ist das einfach so süß, dass ich aufpassen muss nicht laut loszuquietschen um ihn zu wecken. 

Ich wollte schon immer ein Haustier haben. Als Baby und Kleinkind, zu der Zeit, als meine Eltern noch zusammen lebten, hatte ich eine Katze. Bzw. meine Mama hatte eine Katze und diese Katze liebte mich von Anfang an. Sie schlief immer in der Nähe meines Bettchens und stand oft auf den Hinterpfoten, die Vorderpfoten auf dem Rand meines Babybettes, und schaute hinein. Davon gibt es sogar Fotos. Erinnern kann ich mich nicht an sie, leider. Mein Vater wollte nie, dass ich Tiere habe. Meine Mutter hatte später nochmal eine Katze, die sich das obere Bett des Hochbettes als Schlafplatz auserkoren hatte. Das Bett schenkte mir der Vater meiner Schwester, meine Schwester war damals noch nicht auf der Welt. Lange Zeit war dies unser gemeinsames Bett und da ich leider nur selten dort war, nutze die Katze mein Bett zum schlafen. Und tat dies auch, wenn ich da war, angekuschelt an mich. Als ich zu meiner Notpflegefamilie kam war ich überglücklich, dass dort 2 Katzen und ein Hund lebten. Der Kater schlief fast jede Nacht bei mir, mit dem Hund ging ich oft spazieren. 

Auch bei meiner Pflegefamilie lebten 2 Katzen und ein Hund. Der Kater wurde mein bester Freund, schlief bei mir, hielt sich viel bei mir auf. Mit dem Hund war ich auch oft unterwegs und auch die Katze kuschelte sich gerne auf meinen Schoß, manchmal schlief sie gemeinsam mit dem Kater in meinem Bett. Und dann zogen zwei Meerchen bei mir ein. Seitdem habe ich immer Meerchen gehabt, bis heute. Ich kann es mir auch gar nicht mehr ohne vorstellen. Es sind zwar keine Tiere zum kuscheln, sie schlafen nicht in meinem Bett und spielen auch nicht mit mir, aber sie sind so süß und drollig und ich musste unglaublich oft schon lachen, weil sie irgendwas gemacht haben. Und es ist einfach schön sie nur zu beobachten oder einfach ihre Geräusche zu hören, zu wissen, dass man nicht alleine ist. Ich habe lange schon den Wunsch gehabt wieder ein Katzentier zu haben, allerdings nie konkrete Pläne gemacht. Und dann kam dieser Tag, an dem ich bei meiner Nachbarin vorbei schaute auf einen Kaffee und plötzlich in große runde Kulleraugen blickte. Das Fellhäufchen hinter diesen Augen war noch ein Baby von nur wenigen Monaten. Und sofort war ich verliebt in diese Augen. Als ich erfuhr, dass die Besitzerin in abgeben möchte, war ich völlig hin und weg und wusste direkt, dass dieser Fellhaufen bei mir einziehen wird. Zu dem Zeitpunkt war ich stationär in der Klinik und machte bei meiner Rückkehr dorthin alle wahnsinnig. Ich konnte meine Entlassung gar nicht schnell genug haben, fand es furchtbar die Tage noch durchzustehen. Dann wurde ich entlassen und hatte nur kurze Zeit später ein ängstliches und neugieriges Zitronenkaterchen bei mir sitzen. Ich rief Mama an und fragte, ob sie einfach so vorbei kommen möchte. Kurze Zeit später stand sie in meiner Küche und ich streckte ihr das Katerkind entgegen. Sie war sofort begeistert von ihm und wie fuhren einkaufen. Leckerlis, Spielzeug. Und seit diesem Tag bin ich stolze Katermama und immer noch unglaublich verliebt. 

Mittlerweile ist er um einiges größer und wird bald zwei Jahre alt. Und ich kann es mir nicht mehr vorstellen ohne ihn zu leben. Das fiel mir vor allem in der Klinikzeit auf. 14 Wochen ohne ihn schlafen, ohne ihn abends fernsehen, kein Miauen. Und auch kein Quietschen und Rascheln und Knabbern der Meeris. Es hat mir gefehlt und ich bin froh meine Tierchen wieder zu haben. 

Und es fiel mir furchtbar schwer sie vorhin zu verlassen, wenn auch nur für zwei Nächte. Denn ich bin nun in Freiburg. Meine Borderline-Mädels wissen allerdings noch nicht, dass ich schon vor habe heute vorbei zu schauen, es wird eine Überraschung. Ich habe es extra so geplant, dass ich auf Station auftauche, wenn sie Gruppe haben. Ich bin gespannt auf die Gesichter, wenn sich die Türe öffnet nach der Gruppe. Das wird ein Spaß! 

Gestern beim Telefonieren mit Puffi fiel es mir unglaublich schwer den Mund zu halten und nicht aus Versehen etwas zu verraten. Und noch schwerer fällt es mir gerade nicht in unserer Gruppe zu schreiben wie sehr ich rumhibbel und 5 Uhr herbeisehne,  weil ich endlich endlich endlich bei ihnen sein will, sie fest drücken und endlich wiedersehen. Nur F. weiß, dass ich heute schon dort sein werde, sie wohnt ja leider zu weit weg um einfach mal dort vorbei zu schauen. Und ich freue mich auf Fylgja. Und sowieso und überhaupt auch auf die Fahrt, auf Freiburg und darauf ein paar Leuten des Teams dort Hallo zu sagen. 

Ich sitze im Foyer. Unglaublich nervös. Über das Klinikgelände bin ich ganz vorsichtig geschlichen, in der Hoffnung niemanden von Station zu treffen. Gerade eben liefen zwei Mitpatientinnen an mir vorbei, doch ich habe mich schnell umgedreht und durch die Pflanzen hier im Foyer war ich gut genug versteckt, dass sie mich (hoffentlich) nicht gesehen haben. 

Es hat sich merkwürdig angefühlt hier anzukommen und durch die Stadt zu laufen. Fremd und gleichzeitig unglaublich vertraut. Ein seltsames Gefühl. Je näher ich der Klinik kam, desto chaotischer wurde es in mir. Ich habe hier einfach viele schöne Momente erlebt, viele Fortschritte gemacht. Und in den vier Wochen zuhause hat sich hier natürlich nichts geändert. Ich bin gespannt wer arbeitet. Gespannt auf die Gesichter meiner Mädels. Und ich freue mich so unglaublich sie zu drücken. 

Neues Intervall 

Ich liege im Bett und bin einfach nur müde. Schwester Kirsten kommt mit den Medikamenten,  wünscht eine gute Nacht und fragt, ob wie uns am Donnerstag nochmal sehen. Ich sage ihr, dass ich morgens nach Hause gehe. „Dann bis zum nächsten Mal.“ antwortet sie. „Naja. Falls es ein nächstes Mal gibt.“ – „Ich wünsche es Ihnen! Und falls nicht, dann kommen Sie vorbei oder rufen Sie an!“ Ich nicke und wieder mal macht sich die Angst vor dem „danach“ breit. Ich habe schon mit der Ärztin darüber geredet. Sie meint, dass das teamintern besprochen werden muss. Team ist am Mittwoch erst. Auch mit Pfleger Jan hab ich heute geredet. Er fragte, was ich mir wünschen würde. Wenn es nach mir ginge, dann würde ich die Intervalltherapie gerne weiter machen. Denn das ganze hat mir so viel Halt gegeben, dass ich es selbst kaum glauben kann. Ich würde erstmal gerne weiter machen, mit einem größeren Intervall, und schauen wie es ist, wie es klappt nach der DBT und einfach läuft zuhause. Und dann weiter sehen, vielleicht kann man das Intervall ja noch mehr strecken weil es so gut ist, vielleicht kann ich sogar noch weiter planen. Ich versuche mir nicht allzu große Hoffnungen zu machen, dass die DBT nun alles ändert und plötzlich alles super ist, aber ich erwarte schon einiges davon. Mal sehen. Jedenfalls würde ich gerne weiterhin den Halt der Intervalltherapie haben, würde gerne schauen wie es ist und dementsprechend dann weiter machen. Ich werde es Montag in der Chefarztvisite ansprechen, auch wenn ich furchtbar Angst davor habe, dass er direkt sagt, dass es nicht möglich ist. Aber das werde ich dann ja sehen. 

Ich könnte den ganzen Tag nur schlafen und habe das auch die meiste Zeit getan. Ich war seit Dienstagmorgen wach, wir sind erst am Donnerstagmorgen wieder zuhause gewesen, da wir einige Zeit noch auf Kreta fest saßen, aber dazu schreibe ich die Tage mehr. Ich bin dann quasi fast direkt weiter in die Klinik. Bisher ist es gut, ich habe wenig Anspannung. Außer eben wegen dem danach. Das macht Angst. Und Anspannung. 

Gestern beschloss mein Magen, dass er grade einfach keine Lust mehr hat richtig zu funktionieren. Und so habe ich viele Stunden zwischen Bett und Bad verbracht, zwischendurch auch auf dem Boden, weil mein Kreislauf nicht mehr wollte. Am Abend aber ich mir die doppelte Dosis meiner Medis eingeworfen, weil ich so müde war von dem Kampf in meinem Körper, dass ich nur noch schlafen wollte. Heute morgen bin ich dann halbtot aus dem Bett gekrabbelt, wieder zwischen dort und Bad gependelt. Mittags habe ich versucht mich in den Supermarkt zu schleppen, habe mir Cola und Salzstangen besorgt, damit wenigstens irgendwas in mir ist und mein Kreislauf nicht wieder kollabiert. Und tatsächlich hat es funktioniert, nach ein paar Salzstangen und einem Haufen Cola ging es mir irgendwann besser. Ich habe mich unter die Dusche gestellt, lange. Noch ein wenig geschlafen. Noch ein paar Medikamente für meinen rebellierenden Magen genommen. Und mich dann doch noch für 2 Stunden an den Strand bewegt, bin ein bisschen im Meer geschwommen, habe mit Schwester und Schwager in Spe eine Sandburg gebaut und mich ein wenig gesonnt. Zum Abendessen bin ich trotzdem nicht gegangen. Genauso wenig wie zu Frühstück und Mittagessen. Und gestern zum Abendessen auch nicht. Stattdessen habe ich mir nochmal ein paar Salzstangen besorgt, mit meiner Familie Kniffel gespielt und liege nun auf dem Bett meiner Schwester und schaue TV.

Und ich habe das tiefe Bedürfnis mir eine Höhle in einen Berg zu graben und dort zu bleiben für den Rest meines Lebens. Ohne Nachrichten, ohne Internet und TV und Zeitungen. Ich finde es erschreckend, wie sehr Menschen andere Menschen hassen können um solche Taten auszuüben. Und das denke ich mir so oft. Bei 9/11. Wenn ich mit einem Flüchtling spreche. Utøya. Nizza. Würzburg. München. Es gibt so unzählig viele schlimme Dinge jeden Tag auf dieser Welt. Mein Kopf mag einfach nicht mehr.

Urlaub 

Ich bin nun seit fast 6 Stunden auf und damit offiziell komplett im Urlaub angekommen. Und es ist einfach herrlich. Das Hotel ist super schön, wir haben ein Appartement direkt über der Lobby, die Etage erreicht man über eine Außentreppe, die komplett von einem riesigen gummibaumartigem Etwas beschattet wird.

Unser Appartement hat zwei getrennte Schlafzimmer, verfügt über TV, Klimaanlage  und Kühlschrank, unser Bad ist klein aber schick, vom großen Balkon aus sieht man das Meer. 


Die Anlage besteht aus dem Haupthaus mit Lobby, Rezeption und einigen Zimmern und mehreren Bungalows, in denen sich weitere Zimmer befinden. Wenn man den Weg entlang läuft kommt man zum Pool mit der zugehörigen Bar und dann kommt direkt das Meer. 


Es ist einfach herrlich. Wir haben heute schon am Strand gelegen, sind im Meer durch die Wellen gehüpft, haben das Frühstücksbuffet und das Mittagsbuffet geplündert. Nun versuchen wir uns vor Mittagshitze ein wenig zu verstecken. 

Man hört die Grillen und das Rauschen des Meeres, es riecht nach Salz und Meer und Sonnencreme. Und ich fühle mich einfach nur gut und okay hier in der Welt. Es tut so gut sich endlich mal wieder frei zu fühlen, Sand unter den nackten Füßen zu spüren, das Salz auf den Lippen zu schmecken, den Wind in den Haaren zu haben. Es ist ein grenzenloses Gefühl von Freiheit, mit dem Sand unter den Füßen und dem endlosen blauen Himmel über mir. 

Von der Anreise selbst werde ich demnächst mal schreiben, nun muss ich einfach nur ganz viel genießen. 

Heute habe ich ganz schön viel geleistet. Den Rest meiner Sachen gepackt, ein wenig Ordnung geschaffen, den Müll und den gelben Sack entsorgt, I. in der Klinik besucht, weil wir uns vermutlich ’ne ganze Weile nicht mehr sehen werden, da ihr nächster Aufenthalt in meinen dbt-Zeitraum fällt, Katerfutter und Meerizeug gerichtet, Katerklos und Katernäpfe geputzt, meinen Kindle mit Büchern bestückt, Hörbucher runter geladen… Wäre ich doch nur jeden Tag so produktiv. Um 4 kam Mama mich dann aufsammeln. 

Tja. Und kurz nachdem ich hier ankam begannen Kopfschmerzen unnd Druck. Ich habe meinen Arm betrachtet und habe plötzlich so enorm den Wunsch dort eine tiefe Wunde zu haben, am besten noch mehrere, tief und schlimm und genäht. Ich versuche die Gedanken zu vertreiben. Versuche mich zu beherrschen um nicht einfach irgendwas zu schnappen um mich zu verletzen. Immerhin fliege ich morgen in den Urlaub. Daran halte ich mich fest. Atme ein und aus, skille, versuche einfach durchzuhalten. Um 4 Uhr morgen früh klingelt der Wecker. Ich bin in Mamas Bett geknabbert, habe mir eine Serie angemacht, meine Medis genommen. Ich hoffe einfach, dass es morgen besser sein wird, dass der Urlaub viel Entspannung bringt. 

Urlaubsgedanken 

Ich werde wach, kurz nach 7, und hin tatsächlich auch wach. Nichts hat mich geweckt, kein Katerkind und kein Lärm, ich bin einfach wach weil ich wach bin. Ein seltenes Phänomen. Vielleicht liegt es an der neuen Dosis der Medis. Und während ich noch im Bett liege muss ich dran denken, dass ich in 3 Tagen um diese Uhrzeit auf dem Weg in den Urlaub bin. In einem ICE irgendwo in Deutschland, bepackt mit T-Shirts, kurzen Hosen und Bikini, auf dem Weg in die Sonne. Der Wetterbericht verkündet über 30° und ich sehne mich so sehr nach der Sonne, nach dem Meer, nach Sand unter meinen Füßen und Salz auf meiner Haut. Ich freue mich heute zum ersten Mal so richtig, dass es bald los geht. Die Vorfreude ist endlich da. Ich versuche mir keine Gedanken über die Dinge zu machen, die mich angesichts des Urlaubs belasten. Mein Geld wird zum Beispiel erst heute überwiesen. Kommt es noch rechtzeitig, damit ich es in Deutschland abheben kann? Wie wird meine Mutter auf die Narben an den Oberschenkeln reagieren? Wie kriege ich es hin meine Medikamente zu nehmen, ohne dass sie es merkt? Wie wird es, sie zehn Tage um mich zu haben? Es bringt nichts mir derzeit Gedanken darum zu machen, ich kann diese Dinge hier und jetzt nicht lösen. 

Morgen will ich mich mit M. treffen. Und wie immer, wenn wir verabredet sind, muss ich im Vorfeld über unsere Freundschaft nachdenken. Wir haben uns in „meinem“ Forum kennen gelernt und waren lange befreundet. Dann kam die Liebe und am Ende unserer Beziehung war genau das hinüber, was ich eigentlich nicht verlieren wollte: unsere Freundschaft. Lange herrschte komplette Funkstille, seit ein paar Jahren ist der Kontakt sporadisch. Manchmal fehlt mir die Zeit, in der wir stundenlang telefoniert oder geschrieben haben, sie als Mensch fehlt mir. Aber so ist es nun mal und ich bin froh, dass es mit K. anders ist. 

Da der ganze Tag noch vor mir liegt beschließe ich produktiv zu sein. Ich ziehe los zum Supermarkt um mir etwas zu trinken zu holen und dann weiter in die Stadt meine Kontaktlinsen abholen. Von dort aus in den Stadtgarten, wo ich mich mit einem Buch in die Sonne setze, ab und an ein Pokemon fange, Menschen beobachte und den Morgen genieße. An mir ziehen Schüler vorbei, das Handy in der Hand. Eine Gruppe Männer im Anzug, die ihre Pause scheinbar nutzen um Pokemon zu jagen. Mein Highlight ist ein Herr um die 60, der mit seinem Hund durch den Stadtgarten spaziert. Er kommt auf mich zu und fragt, ob ich ihm helfen könne. Bei der Jagd nach Pokemon hatte er aus Versehen den Flugmodus seines Handys angeschaltet und weiß nicht, wie er den wieder ausstellen kann. Ich helfe ihm und er freut sich, dass er nun weiter auf die Suche gehen kann. Wir reden noch kurz und er erzählt, dass sein Hund sicherlich bald verzweifelt, weil er ständig spazieren geht. Ich finde es extrem toll, dass auch die ältere Generation Spaß daran findet. Man mag ja sagen was man will und von dem Spiel halten was man will, aber es bringt einen Haufen Leute dazu sich vor die Türe zu bewegen. Das ist doch schonmal etwas. Mir macht es Spaß, denn ich komme raus, schwelge in Erinnerungen an meine Kindheit, in der ich mit dem Gameboy durch die Gegend zog, Arenen eroberte und Pokemon fing.

Zuhause esse ich und bin dann wieder antriebslos. Trotzdem kriege ich es irgendwie hin zumindest meine Meeris umzutopfen und ein wenig weiter aufzuräumen und fange an zu packen. So wichtige Dinge wie Schmerztabletten und Migränemedis, Mückenspray und Fenistil. Ich überlege, was ich an Skills mitnehmen soll. Auf jeden Fall werde ich mir ein paar Gummis einpacken. Morgen muss ich mir mal noch ein paar Bücher auf den Kindle packen, ich will nicht den ganzen Koffer mit Büchern vollstopfen. Ansonsten habe ich ja Sonne und Strand und Meer um mich abzulenken. Und Schwesterherz und Lieblingsschwager. Es wird schon werden. Ich sollte mich freuen und mir keinen Kopf um „was wäre wenn“ machen, auch wenn es sicher sinnvoll ist mir über Skills Gedanken zu machen.