Happy end.

120 Stunden voller Angst und Schmerz und Tränen liegen hinter mir.

Das Küchenfenster ist zu, nachdem es seit Dienstag aufstand. Seit Dienstag, seit Janosch wie so oft aus dem Fenster sprang und in den Garten verschwand… Aber nicht mehr heim kam.

Vorhin hört man 4 Pfoten auf dem Küchenboden landen und wie selbstverständlich steht mein Katerkind da und brüllt nach Futter. Er hat Hunger, er hat Durst, eine dreckige Nase, aber sonst geht es ihm gut. Er hat wie immer nur Blödsinn im Kopf, lässt sich kraulen zwischen den Ausflügen zum Trinkbrunnen, erzählt fleißig und jagt Bällchen hinterher.

Vermutlich war er irgendwo eingesperrt. Er ist nicht dreckig, hat keine Zecken, ist nicht müde. Nicht verletzt, nicht verstört. Nur Futter und Wasser und Kraulen haben ihm gefehlt.

Er ist wieder da. Der schnurrende Haufen Fell, der mir so unendlich viel bedeutet. Die endlosen Stunden sind vergessen mit einem Miauen. Die Tränen der Angst und des Schmerzes sind zu Freudentränen geworden und ich kann nicht mehr aufhören in sein Fell zu weinen.

Er ist zuhause. ❤️

Du gehst durch diese Wand als wär sie nichts

Als Tina mit einem lauten und fröhlichen „Guten Morgen!“ um kurz nach 7 im Raum steht mag ich mich einfach nur nochmal umdrehen. Dann denke ich daran, dass ich heute entlassen werde. Also krabbel ich aus dem Bett, schlüpfe in meine Weste und gehe erst mal rauchen.
Nach dem Frühstück packe ich in Ruhe meinen Kram zusammen, ziehe das Bett ab, fülle den Patientenbefragungsbogen noch aus und warte mit gepackten Taschen noch auf den Psychopeut um ihm zu sagen, dass er mich nochmal für die Achtsamkeit anmelden soll. Zum Abschied drückt Tina mich an sich. „Bleib anständig“ sagt sie, während wir die Umarmung lösen. Die andere Tina wünscht mir alles Gute und so ziehe ich los mit meinem Gepäck, die 2 Etagen nach unten, aus der Tür und über das Gelände bis zum Supermarkt und von dort den kleinen Weg entlang, der mich in meine Straße bringt. Die Sonne scheint, die Vögel zwitschern und ich fühle mich gut.
Als ich vor der Tür stehe sitzt das Katerkind auf der Fensterbank. Ich rufe ihn und er rennt begeistert zu meiner Eingangstür. Während ich aufsperre, höre ich schon seit lautes Miauen.
Drinnen schmeißt sich der Zitronenkater vor meine Füße und miaut so kläglich, dass man meinen könnte er stirbt. Bevor ich also irgend etwas anderes mache, lasse ich meine Sachen fallen und nehme ihn auf den Arm, wo er sich laut schnurrend an mir reibt und versucht in mich rein zu kriechen. Er hat mich vermisst und ich ihn auch.
Danach sind die Meeris dran, die beim Klang meiner Stimme mit den Vorderbeinchen auf dem Käfigrand stehen und mich anquietschen.
Ich packe die wichtigsten Sachen in einen Beutel, werfe ihn mir über die Schulter, telefoniere noch kurz mit meiner Mutter und mache mich dann auf in Richtung Hauptstadt. Und da ich ja quasi gerade erst aus der Klinik spaziert bin, bin ich voller guter Vorsätze. In der DBT gibt es eine Übung die sich „leichtes Lächeln“ nennt. Also in beschissenen Situationen einfach leicht lächeln statt sich furchtbar aufzuregen. Hilft wirklich, denn es verändert sich automatisch die ganze Körperhaltung und einfach auch die Stimmung. Anstatt also fast zu explodieren, weil der Bus auch 10 Minuten später noch nicht aufgetaucht ist und ich dabei bin meinen Zug zu verpassen, stehe ich an der Haltestelle und lächle vor mich hin. Dank Vollgas und Zugverspätung kriege ich den Zug noch und anstatt genervt da zu sitzen, weil wieder der Typ im Zug ist, der lautstark durch alle Waggons erklärt, wie verkommen die heutige Jugend ist, lächle ich einfach. Ich lasse mir die Sonne ins Gesicht scheinen, habe Musik auf den Ohren und lächle.
Vom Bahnhof aus tapse ich zu meiner Hausärztin, die leider nicht mehr da ist. Ich muss zu dem zweiten Arzt, der auch hier in der Praxis ist, und den ich in all den Jahren noch kein einziges Mal gesehen habe. Ich blicke nicht durch, was der hier eigentlich macht, denn er scheint nur sehr selten da zu sein. Aber für einen Krankenschein ist es okay, für eine Untersuchung wäre ich dann lieber an einem anderen Tag gekommen. Den Krankenschein trage ich dann direkt zur Krankenkasse. Dann können sie mir weder erzählen, dass der Schein nicht einging, noch, dass er zu spät gekommen wäre. Die Mitarbeiterin versucht ihr Bestes, dass er noch in der Auszahlung für Freitag berücksichtigt wird.
Ich rege mich auch nicht darüber auf, dass ich nach all den Jahren immer noch nicht verstanden habe, wie sie die Haltestellen A bis F um die Kreuzung herum positioniert haben und steige einfach in einen Bus mit einer Nummer, von der ich weiß, dass er mich dort hin bringt wo ich hin möchte. Ich laufe (bzw. humpel eher) ein wenig durch die Stadt und schenke mir selber zur Feier des Tages eine Müslischale von den Peanuts mit Woodstock drauf.
Im Supermarkt plündere ich die Salatbar, schnappe noch ein paar Dinge die ich brauche und mache mich wieder auf zum Bahnhof. Auf dem Weg kriege ich dann doch kurz die Krise, weil im Shoppingcenter, in dem sich der Supermarkt befindet, einfach zu viele Menschen unterwegs sind, die zu allem Überfluss dann auch ständig mitten im Gehen stehen bleiben oder nicht schauen wo sie hin gehen und einen anrempeln. Ich merke, wie mein Körper anfängt zu kribbeln und mir kalt wird, atme ein paar Mal tief ein und sage mir, dass ich jetzt hier nicht ausflippen werde. In der Bahn sind auch viel zu viele Menschen, aber ich schaffe es mich auf die Musik in meinen Ohren zu konzentrieren und denke darüber nach, was ich heute noch tun werde.
Die Wohnung muss dringend gefegt werden, meine Nachbarin hat neben Kater auch den Küchenboden mit Katzenfutter und neben den Meerschweinchen auch den Wohnzimmerboden mit Grünzeug und Meerifutter versorgt. Katerkind hat ein paar Dinge durch die Gegend getragen, umgeworfen oder verschoben, die wieder an ihren Platz müssen. Wie er es immer wieder schafft den ganzen Teppich um mehrere Meter zu verschieben ist und bleibt mir ein Rätsel.
Mein Rad werde ich heute nicht abholen, mein Knie fällt gefühlt jetzt schon auseinander.
Mein Kühlschrank schreit danach mal aufgeräumt und geputzt zu werden.
Bibi will am Nachmittag vorbei schauen, ich muss eigentlich mal dringend einen Termin bei einem Hautarzt vereinbaren, mein Ausweis ist immer noch seit Februar abgelaufen und eigentlich mag ich gerne irgendwo hin fahren. Es sind viele Dinge da, die ich angehen muss und in den 6 Wochen bis zum nächsten Aufnahmetermin hin kriegen will. Vor allem aber eins: leben. Laut und wild und in vollen Zügen. Und vor allem auch stolz auf mich, weil ich immer noch kämpfe und nicht aufgebe.

stellst dich jeden Tag
der Welt entgegen
alles was du tust
wird weltbewegend sein
Und dann wenn die Hände hoch geh’n
geh’n alle Hände hoch
dann fallen Zweifel reihenweise wie beim Domino

I’m unbroken 

Als ich aufwache ist es 3 Stunden später als geplant. Meinen Wecker habe ich einfach aus gemacht. Das geht bei dem Handy einfach zu leicht…
Katerkind kuckt mich verschlafen an, als ich aus dem Bett und ins Bad schieße. Ich mache mich im Schnelldurchlauf fertig, füttere den Zitronenkater und die Schweinemeerchen, ziehe dem Katerich noch eine Zecke auf dem Körper und gehe aus dem Haus. Gehe wieder zurück, weil ich meinen Geldbeutel vergessen habe und wieder raus und dann wieder rein, weil meine Fahrkarte auch noch drin liegt.
Im Zug mag ich mich in Luft auflösen. Er ist so voll und ich habe Kopf- und Nackenschmerzen, weil ich irgendwie doof gelegen habe.
In der Hauptstadt kaufe ich erst mal etwas zu trinken und nehme eine Schmerztablette.
Dann tapse ich zu meinem Psychiater. Der Aufzug ist kaputt, also geht es zu Fuß die Etagen nach oben, wo mich ein Schild empfängt, dass er Urlaub hat. Also sage ich der Sprechstundenfrau was ich brauche, was etwas länger dauert, da ich absolut nicht drauf komme welche Medikamente ich wann und wie nehme und wie sie heißen. Mein Kopf ist völlig leer. Als ich wieder unten stehe fällt mir nicht mehr ein, warum ich eigentlich in die Hauptstadt gefahren bin. Also setze ich mich auf eine Bank und rauche eine Zigarette und überlege, bis mir einfällt, dass ich zur Therapie muss.
Ich erzähle ihr von Ostern. Sie meint, dass ich meiner Mutter vielleicht irgendwann sagen muss, dass die Dinge die ich erlebt habe fuchterbar waren, sie aber keine Schuld daran hat. Vielleicht macht es das besser. Ich erzähle von meiner Waschmaschine, vom Katerkind und von Flashbacks. Von der Übelkeit manchmal und der Unfähigkeit dann irgendwas in den Mund so nehmen, von der Migräne und wie sehr die Übelkeit dann triggert, vom Kontrollverlust, der triggert, wenn ich Bedarf nehme. Sie sagt, dass es besser wird. Je mehr ich akzeptiere, dass es wirklich geschehen ist, dass es wahr ist, je mehr es wahr sein darf. Und ich glaube ihr zum ersten Mal, denn ich fühle wie es manchmal schon besser ist, wie es in manchen Momenten nicht mehr so viel Gewalt über mich hat, so viel Macht.
Nach der Therapie fahre ich nach Hause. Völlig erledigt und müde und mit dem Wunsch mich nur noch zu vergraben. Zwischen Bahnhof und daheim gehe ich noch einkaufen, vor allem für die Tiere.
Zuhause tue ich das einzige zu dem ich noch in der Lage bin: mich auf dem Sofa verkriechen, in die Decke wickeln, mit Katerkind bei mir. Ich pflücke noch eine Zecke aus ihm und schaue dann Serie, so lange, bis die Übelkeit in mir verschwindet, die Gedanken an den Missbrauch weniger werden, bis ich wieder etwas essen kann.
Morgen kommt meine Waschmaschinen. Endlich. Damit erledigt sich mein Chaos in der Küche dann auch, weil ich alles wieder an seinen Platz packen kann.

Den Zitronenkater musste ich gestern im Nachbargarten einfangen gehen. Der Weg von meinem Garten nach drüben war scheinbar einfach, zurück kam er wegen der hohen Umzäunung dann nicht mehr. Nochmal mache ich den Spaß aber nicht mit, beim nächsten Mal vertraue ich einfach darauf, dass er es irgendwann von selbst schafft den Weg nach Hause zu finden. Er war danach jedenfalls patschnass durch den Regen und so müde, dass er direkt nach ’ner Menge Wasser trinken und einmal putzen einschlief und sich auch dabei nicht wirklich stören lies, als ich ihn dann 3 Stunden später mit ins Bett genommen habe. Dort hat er sich auf meinen Füßen zusammengerollt und bis zu meinem Aufstehen geschlafen. Sehr anstrengend wohl so ein Ausflug durch die Welt.
Nun liegt er in meinen Kniekehlen und schnurrt glücklich vor sich hin, während meine Möhris an Paprika knabbern und ich immer müder werde.
Morgen muss ich noch in der Klinik anrufen und meinen Termin verschieben, weil ich noch Anfang nächster Woche zum Psychiater muss und zur Hausärztin zum impfen.

Every heartbeat, every breath 
Will show my will to fight 
Every scar upon my skin 
A path into the light 
When the past won’t fade away 
Nothing left to win 
I have all my soul to give 
I will not give in

Te quiero recordar que somos muchos más 

Ich wache auf, weil etwas auf meinem Gesicht liegt. Ich ziehe es weg und bin kurz verwirrt. Dann springt der Zitronenkater darauf und mir wird klar, dass er mal wieder einen Kampf mit dem Drachenbaum ausgefochten und dabei ein Blatt erlegt hat. Dass das Bäumchen noch lebt ist ein kleines Wunder, so oft wie der Zitronenkater schon mit ihm gekämpft und ihm Blätter geklaut hat. Dabei biegt er das arme Bäumchen auch mal gerne um 180°. Zwei seiner Seitentriebe sind abgestorben, aber heute morgen habe ich dann zwei winzige neue Triebe entdeckt, die sich ihren Weg durch die Rinde bahnen.
Nun bin ich also wach, zwanzig Minuten vor dem Wecker. Und fühle mich trotz wirrer Träume erholt. In meinem Traum waren Menschen aus verschiedenen Zeiten meines Lebens beieinander, die sich in Wirklichkeit noch nie gesehen haben. Mein damaliger bester Freund vom Gymnasium und meine Englischlehrerin aus der Ausbildung, eine Ärztin aus der Klinik und meine Chefin aus dem Anerkennungsjahr. Einen wirklichen Sinn machte der Traum nicht. Außer, dass ich dort meinen Schlüssel suchte, was ich auch im realen Leben ständig mache. Muss ich gleich auch wieder tun, sogar zwei. Meinen und Mamas. In einer Stunde fährt mein Bus. Draußen ist es nass und ich frage mich, wo die versprochenen 21° wohl sind.
Und während der Zitronenkater auf meinem Schoß schnurrt und ich überall Zitronenkaterfell habe versuche ich also vollends wach zu werden.
Am Montag steht die nächste Katerimpfung an und der Herr ist dann bereit für die große weite Welt. Je nach Wetter werde ich ihn dann wohl am Dienstag rauslassen, wenn ich von der Therapie komme. Ich muss mir eine Rollladensicherung besorgen und eine fürs Fenster, damit ich das offen lassen kann ohne befürchten zu müssen, dass plötzlich irgendwelche Menschen in meiner Küche stehen. Am liebsten würde ich ja eine Katzenklappe ins Fenster einbauen lassen, aber so ein Fenster ist ein teurer Spaß und ich müsste es bei meinem Auszug ja wieder in den Normalzustand zurücksetzen. Also wird es eben irgendwie auch so funktionieren müssen. Ich will das Katerkind ja nicht immer suchen gehen, wenn ich dann mal irgendwo hin muss.
Als ich in Hamburg war habe ich mit ja eine Blutblase eingefangen, direkt unter dem großen Zeh. Die ist nun gestern endlich mal aufgegangen. Ewig später. Und ich muss lächeln, weil ich an Hamburg und Hannover denken muss. Und ich überlege, wo ich wohl als nächstes hinfahre. Vielleicht wirklich mal nach Dresden, um J. zu besuchen, nach 9 Jahren, in denen wir uns nicht gesehen haben. Oder zu K. in den Ruhrpott, die ihren Geburtstag im Mai feiern will. Und natürlich nach Freiburg in die Klinik. Manchmal würde ich auch gerne in die KiJu fahren um zu schauen, ob dort noch alles so aussieht wie vor zehn Jahren. Von den Mitarbeitern wird wohl niemand mehr dort sein. Und meine Pflegefamilie möchte ich auch mal wieder besuchen. So viele Menschen überall verstreut, die mir wichtig sind und die ich so gerne viel öfter sehen würde. Auch meine ehemalige Therapeutin würde ich gerne mal wieder sehen. Manchmal schreibe ich ihr und sie schreibt mir und ich muss lächeln, wenn sie mir erzählt, dass sie ab und an noch an mich denkt und mein Harry Potter noch in ihrem Regal steht.
Gestern habe ich tatsächlich noch ein wenig Ordnung geschaffen, habe meine Bücherregale und den Fernseher abgestaubt, meinen Sitzsack ins Schlafzimmer verfrachtet, den Boden im Schlafzimmer gekehrt (was Dank Zitronenkater aber nicht mehr auffällt), habe seinen Kratzbaum und seine Hängematte vom Schweinestreu befreit, dass er überall hinschleppt und meine Pfandflaschen eingesammelt.
Wenn ich heute heim komme will ich noch ein wenig weiter machen. Nächste Woche steht montags der Katertermin an und Dienstag Therapie, hoffentlich die Waschmaschinenlieferung und Handyabholdate. Wenn die Waschmaschine kommt muss ich samstags einen Tiereinkauf starten, damit genug Futter da ist für die Zeit der Klinik. Wenn sie erst in der Woche drauf geliefert werden kann muss ich wohl oder übel den Kliniktermin verschieben, denn ohne saubere Sachen kann ich nicht hin und auch nicht einfach mal dann von morgens 8 bis abends 8 zuhause sitzen und auf die Maschine warten. Am Samstag drauf werde ich mit D. auf ein Konzert in der Hauptstadt gehen, für das er Gästelistenplätze hat.
Lebenswerte Dinge, die anstehen, die Alltag sind und das Leben normal machen, zumindest ein wenig.
Bevor ich aus dem Haus gehe, überlege ich kurz ob ich mich Finalgon auf den Arm schmieren soll, entscheide mich dann aber dagegen. Ich vertraue einfach darauf, dass es gut werden wird und ich es nicht brauchen werde.

Oh!!, seguiré en mi condición de radical 
gritaré, ¡¡nazis nunca más!!

A la mierda

Und alles Schlechte lässt man zieh’n

Sobald ich mich irgendwo hinsetze krabbelt der Zitronenkater auf meinen Schoß. Ich schaue ihn an und muss daran denken, dass dieser schnurrende Haufen Fell mal so klein war, dass ich ihn beim spielen mit einer Hand hochheben konnte. Jetzt ist der Herr schon 8 Monate alt, passt nicht mehr in jede kleine Ecke und verursacht blaue Flecken, wenn er von der Fensterbank auf mich springt, während ich im Bett liege. Ich hab mich damals sofort in seine großen Kulleraugen verliebt. Seine Ängstlichkeit ist mittlerweile fast ganz verflogen. Während er früher unter das Bett sprintete, wenn im Flur etwas zu hören war, läuft er mittlerweile zur Tür und freut sich, wenn jemand hier klingelt und er etwas zum beschnuppern hat. Den Hund meiner Nachbarin faucht er mutig an und stellt sich ihm in den Weg, früher hat er sich möglichst weit vor ihm versteckt. Die Meeris findet er immer noch toll, er schläft gerne bei ihnen, klaut ihnen immer noch gerne den Salat und die Gurken und stubst sie manchmal mit der Pfote an und freut sich, wenn sie protestierend quietschen. Er kämpft immer noch liebend gerne mit meinem Drachenbaum und trägt die Blätter wie eine Kriegsbeute durch die Gegend, springt immer noch frech in den Kühlschrank und würde beim kochen am liebsten in den Topf oder die Pfanne springen, er räumt immer noch gerne den gelben Sack aus und verteilt den Inhalt in der ganzen Wohnung. Er ist ein freches, verfressenes und neugieriges Katzenkind. Ich liebe ihn unglaublich. So unerwartet wie er Teil meines Lebens wurde, so wunderbar ist es nun ihn in ebendiesem zu haben. Er bringt mich zum lachen, zum lächeln, zum wütend werden und zur Verzweiflung, wenn er den ganzen Tag in seiner Katzensprache vor sich hin plaudert. Er macht mein Leben bunter, chaotischer und wärmer. Und jedes Mal, wenn er auf meinem Schoß, meinem Bauch oder meinen Beinen einschläft, voller Vertrauen, dass ihm bei mir nichts passiert, weiß ich, dass es die absolut richtige Entscheidung war ihn bei mir aufzunehmen.

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Ich habe mal wieder eine unruhige Nacht hinter mir. Mein Bett sieht aus, als ob darin ein Kampf stattgefunden hätte. Das Bettlaken ist halb von der Matratze unten, die Kissen sind verstreut, genauso wie die Kuscheltiere, die Schlafbanane hat beschlossen außerhalb des Bettes zu wohnen und ich wache müde, mit Rückenschmerzen und völlig verstrubbelt auf. Mein Schlafphasenwecker erzählt mir, dass ich fast gar nicht im Tiefschlaf war, fitbit sieht es nicht anders und Katerkind sitzt auch mit vorwurfsvollem Blick neben meinem Kopfkissen. Ich weiß nicht was das ist, das mich derzeit zu solch unruhigen Nächten bringt. Ich weiß auch nicht, ob ich es wissen will. Seit ich die Quetiapin nehme, vorallem seit die Dosis erhöht wurde, habe ich eigentlich meistens tief geschlafen und bin kaum aufgewacht. Davor war ich nachts mindestens einmal wach. Problematisch war meist eher das einschlafen, aber wenn ich mal geschlafen habe dann schlief ich auch. Nun könnte ich vermutlich genauso gut einfach wach bleiben und wäre dann genauso erholt. Nämlich gar nicht. Dafür bin ich dann gegen 18 Uhr so müde, dass ich die Augen kaum noch aufhalten kann. Morgen muss ich in die Hauptstadt, ich brauche eine Überweisung vom Psychiater. Vielleicht versuche ich heute Abend länger durchzuhalten, morgen muss ich dann früh aufstehen und wenn ich dann wach bleibe bis mindestens 22 Uhr, vielleicht schlafe ich dann mal tiefer und ruhiger.
Wenn ich träume, dann verfolgt mich in den letzten Nächten immer der selbe Traum. Ich fahre an meinem Geburtstag zu Mama und da steht mein Vater im Wohnzimmer. Immer und immer wieder träume ich das und überlege mittlerweile, ob ich wirklich zu Mama fahre oder ihr nicht einfach erkläre, dass sie hier her kommen soll. Er hat weder meine neue Adresse, noch meine neue Telefonnummer, auf dem Handy ist er blockiert. Wenn meine Mutter nicht so wäre wie sie ist, dann würde ich mir keine Sorgen machen. „Ach C., ich will ihr doch nur was kleines schicken.“ Ich kenne meinen Vater und ich kenne meine Mutter. Bisher hat die Drohung, dass ich dann nicht mehr mit ihr rede, sie davon abgehalten etwas Preis zu geben. Ich glaube ich würde vor Wut alles erreichbare durch die Gegend pfeffern, wenn sie ihm wirklich meine Adresse geben sollte. Aber je mehr ich darüber nachdenke, desto größer wird meine Angst, und das will ich nicht.
Stattdessen verkrümel ich mich noch ein wenig auf mein Sofa, räume dann ein wenig auf und kehre (die Meerchen könnten ihren Dreck echt mal selbst weg machen), spüle mein Geschirr und beschenke mich gegen Abend dann mit einer Wii, die ich super günstig bei den eBay Kleinanzeigen entdeckt habe. Juhu.

Es sind die guten Zeiten
Die uns am Ende noch erhalten bleiben
Und zusammen schweißen für ein Leben lang
Es sind die guten Tage
Und nur die Besten der Momente bleiben dir und mir am Ende