Neuer Weg

Ich brülle ein „Tschüss!“ in den Pflegestützpunkt und kurz darauf schauen zwei Köpfe um die Ecke. „Wir wollen keine Klagen hören!“ ruft Schwester Tina mir zu. „Kein Schneiden, kein Mist, kein sonstiges! Keine Klagen!“ schließt sich Schwester Yvonne ihr an. „Haben Sie alles?“ – „Ich hatte sie noch nie alle!“ – „Ja, dass Sie sie nicht alle haben, dass wissen wir!“ Wir müssen lachen, ich mag diese nicht böse gemeinten Sticheleien und liebe das Pflegepersonal dort dafür, dass sie meinen Humor verstehen. Sie wünschen mir alles Gute, auch die Sozialarbeiterin huscht noch an mir vorbei und wir scherzen darüber, dass ich immer noch keinen Taxischein bekommen habe, denn zu Anfang der stationären Aufenthalte dort wollte meine damalige behandelnde Ärztin mir immer einen ausstellen für die Heimfahrt, dabei wohne ich ja nur ungefähr 10 Gehminuten entfernt. Auch die Sozialarbeiterin wünscht mir alles Gute, ich drücke noch ein paar Mitpatienten zum Abschied und gehe dann den Flur entlang, öffne die Stationstüre, gehe eine Etage runter und dann noch eine halbe und stehe kurz später auf der anderen Seite der Schiebetüre in der Sonne. Meine Füße tragen mich den Weg entlang, den ich schon mehrere hundert Male gegangen bin. Vorbei an den anderen Gebäuden bis zur Straße, am Supermarkt vorbei und dann den kleinen Weg entlang, der mich bis zu der Straße bringt, in der ich wohne. 

Aber etwas ist anders dieses Mal, ich gehe diesen Weg zum ersten Mal mit anderen Gefühlen als bei den Entlassungen zuvor. Früher war da Angst, ob ich die Wochen zuhause aushalten kann. Da war Schmerz, weil ich die Sicherheit der Klinik verlassen muss. Natürlich auch Freude auf zuhause und Zuversicht, aber eben auch die anderen Gefühle. Heute ist es anders. Ein wenig Wehmut habe ich schon, weil ich nun wieder alleine um mich kämpfen muss und die Verantwortung für mein (Über-) Leben trage und die Sicherheit und der Schutz weg sind. Aber auf der anderen Seite freue ich mich unglaublich auf zuhause, bin froh, dass ich diesen Weg gehe, auch wenn die 7 Tage definitiv notwendig waren, so ist es nun auch definitiv notwendig wieder daheim zu sein. Und es ist anders, dass es da keinen Termin gibt. Keine 4 oder 6 oder 8 Wochen, nach denen ich wieder komme. Diese Sicherheit brauche ich nicht mehr. Dieses Maß an Unterstützung brauche ich nicht mehr. Es reicht mir aus zu wissen, dass ich in einer Krisensituation kommen kann, es reicht aus zu wissen, dass die Station mit ihren Ärzten und dem Pflegepersonal und dem Psychopeuten da ist. Denn ich habe ein Stück Sicherheit in mir selbst gefunden, ein Stück mehr Vertrauen in meine Fähigkeiten, in meinen Mut und meine Kraft. Dank der dbt, aber auch dank der Klinik hier. Es ist so anders als damals. So sehr, dass ich manchmal selbst immer noch nicht begreife, dass es wirklich so ist. Manchmal komme ich nicht ganz mit mit diesen Fortschritten, mit solch seltsamen Gefühlen wie Stolz auf mich, mit den Worten in meinem Kopf oder aus meinem Mund, weil es noch vor einem Jahr so anders aussah. Und dann muss ich lächeln, weil ich stolz bin, dass ich stolz auf mich sein kann. 

Und so bin ich nun also wieder daheim. „Keine akute Suizidalität.“ steht in dem Kurzarztbrief. Ich bin wieder stabiler. Die Tür zum Notausgang steht nicht mehr so sperrangelweit offen wie letzten Freitag. Ich bin auch nicht schon mit einem Fuß durch die Tür. Ich habe sie Zentimeter für Zentimeter wieder zugezogen, zwischendurch vielleicht mal kurz inne gehalten und den Blick durch geworfen, aber nun stehe ich nicht mehr mit der Türklinke in der Hand da und will hindurchstürmen. Vermutlich wird es noch eine Weile dauern, bis der Spalt wieder so schmal wird wie zuvor, aber die Türe wird irgendwann wieder angelehnt sein anstatt so weit offen zu stehen. 

Noch versuche ich daheim anzukommen. Ich versuche das Chaos zu ignorieren, dass ich hier veranstaltet habe, bevor ich in die Klinik ging. Auf der Suche nach etwas, dass mich überleben lässt, auf der Suche nach Finalgon und Skills und zwischen Panik und Flashbacks, zwischen kopflosem Rumrennen und heulend auf der Bettkante sitzen. Und dazu kommt noch das Chaos, dass der Zitronenkater veranstaltet hat, Kleider, die auf wundersame Weise aus dem Kleiderschrank in die Küche gewandert sind, Gurkenstückchen, die er den Meeris geklaut und nur zur Hälfte gefressen hat, Tüten, die er so liebt und so gerne zum schlafen nutzt und sonstigem Zeug, dass er beim spielen in meiner Wohnung verteilt hat. Ich versuche langsam zu machen, mit mir selbst achtsam und behutsam umzugehen, mich nicht direkt völlig zu verausgaben. Ich versuche weiter auf meinem neuen Weg zu gehen, langsam den schmalen Pfad, der zugewachsen, von Dornenranken überwuchert und unbekannt ist, zu gehen und den alten Weg, der asphaltiert und breit daneben verläuft und so viel Sicherheit verspricht, zu ignorieren. 

Es ist anders. Es ist so sehr anders. Und ich bin stolz. 

Die Tage zuhause

Das Aufwachen am Dienstag war zuerst ziemlich merkwürdig. Die Augen öffnen und alleine sein. Daraufhin musste ich mich erstmal in meine Decken wickeln und versuchen der Traurigkeit nicht allzu viel Raum zu geben. Ich habe einfach versucht an die schönen gemeinsamen Momente zu denken und daran, dass die Mädels trotz der Entfernung da sind. Der Rest des Tages lief dann erstaunlich gut. Ich habe ein wenig Ordnung gemacht, meine Tiere bekuschelt, die natürlich vor lauter Sehnsucht (ich war ja auch mindestens 3 Jahre weg!) ganz anhänglich waren (selbst die Möhrennasen), hab Serie geschaut und ein wenig telefoniert. 

Und dann scrolle ich mich durch Facebook und sehe einen Post, der meinen Puls in die Höhe schießen lässt und meinen Blutdruck in den Keller befördert. Ein Bekannter aus der Reha schreibt, dass er sich umbringen will. Ohne zu denken suche ich die Nummer der Polizeidienststelle und tippe sie ins Telefon. Dem Menschen am anderen Ende erkläre ich die Situation, gebe die Infos weiter, die ich habe. Das Posting ist erst wenige Minuten alt und ich hoffe, dass schnell genug gehandelt wird. Schnell ist auch die Polizei des Nachbarlandes informiert, was mir der Polizist einige Stunden später mitteilt. Er wird gesucht. Hier und in seinem Heimatland. 

Mich bringt das ganze aus dem Konzept. Ich verstehe Suizidalität, viel zu gut vermutlich. Etwas, das ich nicht verstehe, ist die Tatsache da einen Haufen Menschen mit rein zu ziehen. So überschlagen sich unter seinem Post die Kommentare, Menschen die suchen und sich Sorgen machen und hoffen und nachfragen. In 4 verschiedenen Sprachen (wobei ich Lëtzebuergesch echt nicht als Sprache ernst nehmen kann…) erscheinen die Kommentare im Minutentakt und ich bin völlig überfordert mit der Welt. Ich kann nicht viel mehr tun, also versuche ich auf mich zu achten und gehe einkaufen. Gefühlt 7 Meter stehe ich neben mir, kann kaum klar denken und schaffe es trotzdem irgendwie zum Supermarkt und zurück, koche mir Spargel (und verteidige ihn vor dem Katerkind) und ertränke ihn dann in viel Hollondaise. Facebook weiß immer noch nichts neues, also kippe ich mit einer doppelten Dosis Medis einfach ins Bett. 

Und dort bleibe ich auch fast den ganzen Mittwoch. Mein Körper ist unendlich müde, mein Magen spielt völlig verrückt und es gibt immer noch keine Neuigkeiten von der Suche. Ich schlafe, schaue Serie, stehe zwischendurch kurz auf und schlafe wieder. Und dann gibt es endlich die erlösende Nachricht: er wurde gefunden, lebend, und ist nun im Krankenhaus auf der Intensivstation. Über 24 Stunden haben sie gesucht und ich atme erstmal auf, drehe mich nochmals um und schlafe dann weiter. 

Gegen 5 Uhr gestern morgen beginnt der Zitronenkater mit dem Galoppieren. Von der Fensterbank über mich drüber, durchs Wohnzimmer, in der Küche über die Schränke und das Ganze wieder zurück. Nach mindestens 13 neuen blauen Flecken und 1,5 Stunden Galoppieren bewege ich mich dann eben aus dem Bett, füttere die ganzen Monster und verfluche die Energie, die das Katerkind hat. Ich nutze den Morgen und tapse zum Supermarkt, angel dort ein Bündel grünen Spargel und einen Energydrink und ziehe zurück in meine Wohnung, wo das Katerkind nun friedlich schlummert. Na danke, ich bin nun wach, da kann der Herr ja weiter pennen. Ich nutze die Uhrzeit und mache ein wenig Ordnung. Im Kampf gegen das Chaos komme ich nur langsam voran, viel zu langsam meiner Meinung nach, aber ich weiß, dass es eben nicht anders geht. Also in kleinen Schritten. Irgendwann koche ich, esse, verbringe den Abend dann mit dem Katerkind auf dem Schoß. 

Auch heute steht noch ein wenig Kampf dem Chaos an. Nur noch mein Schlafzimmer ist ziemlich durcheinander, im Rest der Wohnung sind es kleinere Baustellen. Und selbst im Schlafzimmer ist es eigentlich nicht so schlimm, ich müsste nur meine ganzen Unterlagen mal auf einen Stapel packen und die Bettwäsche, die der Kater aus dem Schrank geräumt hat, wieder dort rein packen. Immerhin habe ich schon einen kleinen Großeinkauf gemeinsam mit M. gemacht. 

Und ganz heimlich, still und leise habe ich die 400 Tage ohne Selbstverletzung erreicht, ohne es wirklich zu merken. 
Und abschließend:

Eine Kerze für E. 

Ich bin mir sicher, dass du mit A. nun Wiedersehen feierst. Danke, dass ich dich kennen lernen durfte und du mich damals so selbstverständlich an der Seite von K. akzeptiert hast. 

Kraftlos 

Vor genau zwei Jahren sah meine Wohnung noch ein wenig anders aus als jetzt. Nämlich so:

Damals waren gerade einige meiner Bücher hier eingezogen. Auch heute stapeln sie sich noch gerne irgendwo auf dem Boden. Ich habe einfach zu wenig Regal und zu wenig Platz für noch mehr Regal. 

Vor zwei Jahren habe ich begonnen umzuziehen. Mittlerweile bin ich definitiv hier angekommen in diesen 4 Wänden und fühle mich wohl. Vor allem auch wegen den 4 flauschigen Mitbewohnern. 

Die Zeit bei meiner Mutter war anstrengend. Nicht zuletzt durch den Besuch meines Großonkels, der sich vier Stunden lang mit unglaublich blödem Gerede in Mamas Wohnung breit machte. Ich habe das Gefühl, dass er mit jedem Lebensjahr mehr noch anstrengender wird. 

Die Zeit bei ihr hat mich eine Menge Kraft gekostet. Vor allem der Herr Großonkel mit seiner Lautstärke, seinen doofen Aussagen und seinem ständig irgendwo berühren und knutschen und Krams. Bäh. Und dementsprechend hänge ich gerade auch rum. Völlig Matsch. Und mit gleichzeitig völligem Unverständnis für mich selbst, weil es mich ankotzt so kraftlos zu sein. Und der Ärger über mich selbst kostet dann die wenige Energie, die ich überhaupt habe. 

Also habe ich mich nun für einen Neustart des Tages entschieden. Einfach nochmal ins Bett und nachher nochmal aufstehen, mit der Hoffnung, dass es dann besser ist. 

Es ist anstrengend, dieses kaputte Leben mit einer kaputten Psyche und viel zu wenig Energie für die alltäglichen Dinge. Ich muss dabei immer an die Löffel-Theorie denken und es bestätigt sich immer wieder, dass ich eben nur eine begrenzte Anzahl Löffel habe. Und wenn ich mehr nutze als eigentlich zur Verfügung stehen, dann fehlen sie in den darauffolgenden Tagen. 

Also einfach reset und reboot. Vielleicht funktioniert es, vielleicht ist der Tag nachher nicht mehr ganz so düster. 

Ziele und Chaos 

Das doofe an erreichten Zielen ist einfach, dass man sie erreicht hat. Und dann? Tja. 

Die Frage nach dem nächsten Ziel stellte gestern die Traumagruppentherapeutin in einer Mail, als Antwort auf meine Mail, dass ich das Jahr geschafft habe. Und wieder einmal sitze ich da und überlege. Ja, was ist es denn, das nächste Ziel? Klar, natürlich, das oberste Ziel ist mich nie wieder zu verletzen. Doch nie wieder ist nicht greifbar, ist Milliarden Lichtjahre entfernt. Und es ist ein Ziel, das nicht in die SMART-Methode passt. Denn die habe ich in der Ausbildung gelernt und auch im dbt war sie Thema. Spezifisch, messbar, attraktiv, realistisch und terminiert. Also wird das nächste Etappenziel Ostern sein. Denn an Ostern wollen A. und ich unser Einjähriges feiern. Und wir versuchen alle zusammen zu kommen zu dem Termin in der dbt-Stadt. Meine ganzen Mädels wieder sehen, das ist absolut ein lohnenswertes Ziel um durchzuhalten. Und danach werde ich die 500 Tage in Angriff nehmen. Und dann irgendwann die 2 Jahre. Damit kann ich aktuell ganz gut leben, auch wenn natürlich gerade im Moment der Gedanke an „ach, einmal könnte ich doch…“ sehr intensiv im Kopf rumspukt. 

Gestern war ich einen Freund in der Vor-Ort-Klinik besuchen. Ich habe lange mit Schwester Sabine am Tisch gesessen und geredet, erzählt von der dbt, von der Reha, von mir und von den Plänen. Und auch sie sagt, wie schon andere vom Personal zuvor, dass da so ein großer Unterschied ist zwischen damals und jetzt. Dass sie das Gefühl hat, dass ein anderer Mensch vor ihr steht. Und es tut diese Worte zu hören, aber es schmerzt gleichzeitig auch. Denn es zeigt mir, an welchen Punkten ich noch vor 2 Jahren stand, es erinnert mich an die dunklen Stunden, in denen keinerlei Lebenswille und Hoffnung in mir war. Und ich bin ein weiteres Mal unendlich dankbar für die Unterstützung, die ich dort erfahren habe, dafür, dass ich nicht aufgegeben wurde, dass ich vor Aufgaben gestellt wurde, die für mich so unmöglich schienen und die ich dann doch erreicht habe. Wenn alles klappen sollte mit dem Studium und den Plänen, die ich habe, dann werde ich ihnen einen Brief schreiben, werde ihnen danken für all diese Tage dort. 

Und Schwester Sabine sagt mir auch nochmals, dass sie ja nur einen Anruf weit entfernt sind, dass ich anrufen kann und vorbei kommen und dass ich zur Not auch auf der Station aufgefangen werde. Diese Sicherheit im Hintergrund tut gut. Und es tut auch gut zu merken, dass ich diesen Halt nicht mehr in diesem Maße brauche wie noch vor einigen Monaten. Damals unvorstellbar, heute umso schöner zu spüren. 

Die Hälfte der Station ist von Patienten belegt, die ich kenne. Manche nur von einem meiner unzähligen Aufenthalte dort, mit einigen habe ich auch schon mehrere Aufenthalt dort verbracht. Und es stimmt mich teilweise traurig, dass so viele immer und immer wieder dort landen, weil sie immer und immer wieder die gleichen Fehler machen, immer und immer wieder ihren alten Weg gehen und auf alte Verhaltensweisen zurückgreifen. Und gleichzeitig merke ich, wieviel Glück ich hatte, wieviel Kraft und wieviele Menschen und Möglichkeiten zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Denn es gab auch Fachmenschen, die mich vor zwei Jahren oder auch noch vor einem Jahr an diesem Ort gesehen haben, als Drehtürpatient in der Akutpsychiatrie, als immer und immer wiederkehrend, als ‚hoffnungslosen Fall‘. 

Bevor ich gehe, hinterlasse ich noch einen kurzen Brief für Pfleger Arschkeks. Das Bild mit dem Smiley vom Frühling letzten Jahres mit ein paar Worten, mit meinem erreichten Ziel, mit einem Dankeschön für die Idee damals und der Ankündigung, dass ich irgendwann meine 365 Smileys einfordern werde. 

Morgen habe ich einen Termin bei meiner Therapeutin. Es gibt viel zu erzählen, von der Reha, von den Fortschritten und den noch vorhandenen Schwierigkeiten, von mir und den Plänen. Ich sehe sie erst zum zweiten Mal seit der Entlassung aus der dbt. Und es wird auch eine unserer letzten Stunden sein. Es ist ein merkwürdiges Gefühl, seit so vielen Jahren ist sie nun da, hat mit mir gearbeitet und mich unterstützt. 

Und gleich werde ich mir gewaltig in meinen Po treten, denn das Projekt ‚Wohnung wieder zu Wohnung machen‘ schiebe ich nun seit so langer Zeit vor mir her, immer mit dem Vorhaben es anzugehen, teilweise auch mit der beginnenden Umsetzung, aber wirklich Hinbekommen habe ich es in den letzten Wochen nicht. Und nun ist es wirklich an der Zeit und absolut nötig, denn sonst kann ich bald rtl2 und das Messie-Team zu mir bestellen. Wie sehr mir die Antriebslosigkeit und die depressiven Momente einfach auf die Nerven gehen. Immer noch und immer wieder. 

Weiter machen

Meine Wohnung sieht aus wie ein Schlachtfeld par excellence. Meine Kraft in den letzten Tagen ging völlig drauf für atmen und durchhalten. Doch das will ich heute ändern, denn ich fühle mich nicht mehr wohl. Und ich brauche vielleicht ein wenig äußere Ordnung gegen das innere Chaos. Und außerdem will ich meinen Kopf beschäftigen, damit ich nicht an Selbstverletzung denken muss. 

Also werde ich gleich erstmal meine Tasche schnappen und zum Supermarkt ziehen. Seit nun 6 Wochen habe ich kein Geld mehr bekommen, die Rentenversicherung lässt sich Zeit. Also kratze ich die letzten Reste zusammen, denn ich sollte was essen und die Meeris und der Herr Kater sowieso. Bevor meine Tierchen hungern ernähre ich mich lieber nur von Nudeln ohne Soße. 

Und dann ist die Frage aller Fragen: wo fange ich an? Vermutlich ist das Wohnzimmer am sinnvollsten, der Mittelpunkt meines Lebens hier. Und von dort ausgehend dann in beide Richtungen. Mit Hörbuch oder Serie. Ich muss es endlich in Angriff nehmen. 

Draußen beginnt der Frühling. Wie sehr habe ich die Sonne vermisst, wie sehr hat mir die Wärme gefehlt. Von mir aus kann es direkt so in den Sommer übergehen. 

Und nun lege ich los, starte in den Tag, beschäftige mich, atme weiter, halte weiter aus. Bis ich wieder lebe und nicht mehr nur überlebe, bis es endlich wieder einfacher wird. Bis ich nicht mehr nur das Gefühl habe aus Traumafolgen zu bestehen, sondern wieder ein freier und atmender Mensch bin. Der andere Weg wäre wieder zu schweigen, wieder zu verdrängen. Doch das möchte ich nicht. Ich will nicht mehr schweigen. Ich will leben, damit leben. Laut und nicht lautlos. 

erschöpft. 

Mein Sprunggelenk bringt mich um. Bei -5 Grad (gefühlt sollen es angeblich -12 sein, ich empfinde es eher als -20) hat es, verständlicherweise, wohl einfach keinen Bock. Es tut weh, es knackst, es schwillt an. Mittlerweile ist der Bruch so viele Jahre her, dass ich nur noch selten daran denke. Aber ab und an meldet sich jede Bruchstelle (waren ja nur 8) und ich könnte schwören, dass auf die Nahten der Bänder und Sehnen schmerzen. Und natürlich die Narben. Auch die an meinen Armen schmerzen und ziehen derzeit, ich muss immer wieder cremen, weil sie so trocken sind und jucken. Da ist mir der Sommer deutlich lieber, da kriege ich höchstens mal einen Sonnenbrand auf den Narben. 

Ich mag den Winter nicht. Es ist grau und dunkel und kalt. Ich habe nichts gegen einen kalten Sonnentag mit Schnee, über die Felder stapfen, mit Sunny und Joline habe ich das schon oft gemacht und genossen. Aber ich mag die Dunkelheit nicht, Matschschnee und Nässe und Glätte und in so viele Schichten einpacken, dass man kugelrund ist und trotzdem friert. Obwohl ich im Winter geboren bin, möchte ich ihn immer wieder ganz schnell los werden. Und wenn ich überlege, dass der Frühlingsbeginn noch über 2 Monate entfernt ist… Bäh. Der Frühling ist so wundertollig. Die Natur erwacht, die ersten warmen Tage, zum ersten Mal wieder nur im T-Shirt raus… Dann wird es auch in mir drin heller. Im Winter habe ich immer das Gefühl, dass ich in eine Winterstarre verfalle, nicht mehr richtig funktioniere, halb erfroren bin innerlich. 

Mein PC hat es gestern endlich geschafft auf Win 10 zu laufen. 30 Stunden für ein Update, ich bin mir sicher er hat einfach eine Pause eingelegt. Oder einen Winterschlaf. Jedenfalls funktioniert nun alles wieder (abgesehen von meiner Grafikkarte, die jammert ständig über nicht vorhandene Treiber, dabei sind sie da. Da muss ich nochmal schauen.), nun ist er dabei sämtliche Dinge upzudaten. Denn je nachdem ob sie vom PC sind (der ist nun 2 Jahre alt) oder vom Betriebssystem (das ist nun ungefähr 9 Monate alt) hat er einiges zu tun, um die Dinge auf den neusten Stand zu bringen. Ich muss nun nur noch die Dinge wieder installieren, die ich brauche. Das neue Office wieder drauf, ein paar Spiele, Dropbox und Skype und diese Dinge. Und dann ein Backup machen. Am besten an 3 verschiedenen Orten. Meine Daten liegen nun sowieso alle auf der externen Festplatte. Und da muss ich mal ausmisten. 800 GB sind nun belegt, ich bin mir sicher, dass manche Dinge auch mehrfach vorhanden sind. Und manche Dinge brauche ich sicherlich nicht mehr, ich hab noch das halbe System von Vista drauf liegen, weil ich nach meinem letzten PC-Tod einfach die komplette Festplatte rübergezogen habe. Aber sowas mach ich einfach total gerne. 

Auch gestern bei J. den Laptop einrichten hat mir Spaß gemacht. Erstmal das doofe Anti-Viren-Programm runter werfen, ein neues drauf, die Firewall anschalten, Office installieren und registrieren, Edge runter schmeißen und Chrome drauf, Startseite einrichten… Ich liebe es. 

Vielleicht hänge ich meine Festplatte auch einfach wieder ans Netzwerk, das erspart das ständige Suchen nach ihr. Allerdings braucht sie eine externe Stromversorgung, dann müsste ich sie immer an lassen. Oder ich hänge die kleine ins Netzwerk mit den wichtigsten Dingen. Aber dann habe ich am TV keine mehr zum Aufnehmen… Die Probleme mit der lieben Technik. 

Ich überlege schon länger mir einen neuen TV anzuschaffen. Ich habe noch einen alten Röhrenfernseher. Und hätte gerne einen neuen, flachen, der weniger Platz weg nimmt und mehr kann. Beispielsweise die Filme direkt darauf streamen. Oder den PC verbinden und ein Spiel mal auf dem großen Bildschirm zocken. Mal sehen, was meine Nebenkostenabrechnung so dazu sagt, wenn ich sie endlich mal bekomme. Letztes Jahr war es April oder Mai. Für 9 Monate habe ich 300 Euro zurück bekommen. Nun werden es 12 Monate, aber davon war ich auch über 4 Monate in Kliniken. Also besteht Hoffnung, dass diesmal auch wieder etwas dabei raus kommt, dass mich glücklich macht. Und vielleicht ist dann auch ein bisschen was für einen neuen TV drin, denn das meiste Geld mag ich in ein neues Tattoo investieren. 

Heute morgen bin ich früh aus dem Bett, habe meine Tiere gefüttert, die Festplatte formatiert, die ich Mama bringen wollte und bin los gezogen. Nun bin ich auf dem Rückweg. Es ist kalt und ich bin müde. Und erschöpft. Ich hänge immer noch ein wenig durch, gestern und vorgestern haben an meinen Kräften gezehrt. Stark sein ist anstrengend und kräfteraubend, Situationen aushalten, in denen man nichts tun kann auch, gegen Anspannung und Selbstverletzungsdruck kämpfen und Suizidgedanken im Zaum halten nicht weniger. 

Ich empfinde Menschen heute wieder als furchtbar anstrengend. Ständig bleiben sie im Weg stehen, gründen Plaudergrüppchen mitten im Weg, laufen am Ende der Rolltreppe nicht weiter, bleiben direkt hinter der Tür in der Straßenbahn stehen, sie sind ja schließlich drin und die Menschen vor der Tür können kucken, wie sie noch rein kommen… Es kostet unglaublich viel Kraft unterwegs zu sein. Im Zug fallen mir immer wieder die Augen zu. Ich fühle mich unglaublich energieleer und kraftlos. Mir ist kalt, mein Kopf schmerzt, mir ist übel. Ich will nur noch in mein Bett. 

Im Bett verkriechen scheint für heute eine gute Option zu sein und vermutlich auch die beste Lösung. Vielleicht mit Finalgon gegen den Drang mich zu verletzen. Ich finde es furchtbar, wenn ich nicht so funktioniere wie ich meiner Meinung nach soll, dann steigt der Selbstverletzungsdruck immer unglaublich an. Also tue ich eben die Dinge, die nötig und sinnvoll sind. Mir Ruhe gönnen, akzeptieren, dass es grade mies ist, auf meine eigenen Bedürfnisse achten und auch ihnen entsprechend handeln. 

Datenverlust 

Mein PC hat sich suizidiert und für einen Moment möchte ich es ihm gerne gleich tun. Meine Daten sind weg, alle Möglichkeiten des Reparierens oder Wiederherstellens habe ich erfolglos ausprobiert. 

Nun läuft ein recovery-Programm, vielleicht schaffe ich es ja wenigstens ein paar Daten noch zu retten, doch meine Hoffnung ist nicht allzu groß. Besonders die Bilder wiederherzustellen ist keine einfache Sache, ich befürchte sie sind weg. Und genau das schmerzt mich am meisten. Erst vor einer Weile habe ich die Bilder vom Handy auf den PC gepackt und mir dabei noch gedacht, dass ich bald mal eine Sicherung machen muss. Hmpf. 

Ein positives hat die ganze Sache aber. Ich habe mich aus extremer Anspannung und extremen Selbstverletzungsdruck raus geholt, auch wenn ich gedacht hätte, dass mich dieser Mist nun echt an die Grenzen meiner Möglichkeiten bringt. Es hat trotzdem funktioniert. So bescheuert es auch ist sich wegen verlorener Daten verletzen zu wollen, vor allem die Fotos sind mir einfach unglaublich wichtig und bedeuten mir viel. 

Gestern war ich um kurz vor Mitternacht endlich zuhause, hundemüde und erledigt. Ich habe meine Tierchen gefüttert und das Katerkind noch eine Weile gekrault und bin dann ins Bett gekippt. Und dort war ich plötzlich wach. Super, denn mein Hirn war trotzdem einfach nicht mehr funktionsfähig und auch mein Körper wollte nicht mehr wirklich. Also lag ich bis 4 Uhr noch wach, bevor ich endlich einschlief. 

Und wegen dem wenigen Schlaf der letzten Tage, meiner miesen Laune wegen meinem PC und einer Verabredung morgen früh hab ich mir nun meine Medis eingeworfen und mich ins Bett verkrochen. Außerdem friere ich, trotz genügend Essen heute. Also gibt es nun Kuscheldecke und Kuschelkater und Wärmflasche und Serie. 

Und morgen ist ein neuer Tag. 

Juckende Schlaflosigkeit 

Ich liege im Bett und werde fast wahnsinnig. Mein ganzer Körper juckt. Ich verfalle schon in völlige Flohpanik, doch eigentlich ist es ziemlich unwahrscheinlich, dass plötzlich 100 Flöhe mich an sämtlichen Körperstellen gebissen haben. Ich hab ein neues Waschmittel, das vielleicht? Doch dann wäre es schon früher aufgetreten, immerhin habe ich meine Decke damit gewaschen und in der auch die Nacht geschlafen. Ich überlege hin und her, überlege, ob ich sowas schon mal hatte… Und erinnere mich an eine Nacht, in der ich K. fast in den Wahnsinn trieb, weil mein ganzer Körper juckte. Mittlerweile weiß ich, dass ich gegen Kartoffelstärke allergisch bin. Und was habe ich heute gegessen? Nein, keine Kartoffeln, aber Pastinaken. Auch ein Knollengewurzelding, enthält viel Stärke. Also gut möglich, dass ich auch darauf allergisch reagiere. Prima. Aber das macht es nicht besser. Meine Flohpanik ist zwar damit erstmal beseitigt, aber mein Körper hört trotz dieser Erkenntnis nicht auf zu jucken. Ein Bad in Fenistil wäre jetzt eine schöne Option. 

Und während ich noch überlege, ob in die Apotheke einbrechen nicht doch eine gute Option ist und auch, ob die Polizei mich mit einem „ich wurde fast wahnsinnig“ wohl als unzurechnungsfähig in die Psychiatrie einweisen würde, fällt mir ein, dass ich vom letzten Stechmückenüberfall noch irgendwo ein Antihistaminikum rumliegen habe. Nach kurzem suchen habe ich es dann auch tatsächlich gefunden und knapp eine Stunde später ist es endlich erträglich. Und trotzdem liege ich wach im Bett. Drehe mich hin und her, Serie an, Serie aus, Hörbuch an, Hörbuch aus, Serie wieder an. Ich finde keinen Schlaf. Der Zitronenkater schlummert friedlich an meinen Füßen, zuckt ab und an mit den Pfötchen im Traum. 

Heute morgen war ich schon früh wach. Gegen halb 7 fing der Zitronenkater an auf meiner Blase rumtrampeln. Da war kein Schlaf mehr möglich, ich musste aufs Klo. Irgendwann war ich kurz einkaufen. Beißende Kälte empfing mich draußen, vereiste Stellen auf dem Boden, Eiskristalle in den Bäumen. Die Wärme zuhause war danach um so schöner. Ansonsten habe ich mir heute einen Tag mit Rumhängen gegönnt. Außer einkaufen und kochen war nichts sonderlich produktives dabei, aber das war mal ganz gut so. Ohne schlechtes Gewissen, ohne das Gefühl nun etwas tun zu müssen. 

Und obwohl ich einfach nur noch müde bin, meine Augen brennen und ich seit fast 20 Stunden wach bin, kann ich einfach nicht einschlafen. Da ich es nun seit mehreren Stunden erfolglos versuche, werde ich gleich wohl vorerst aufgeben. Aufstehen, eine rauchen, vielleicht einen Tee trinken (natürlich achtsam!), vielleicht auch etwas essen. Mal sehen, manchmal hilft es mir. Einfach mal kurz weg vom ständigen kreisen der Gedanken ums einschlafen. 

Gestern bekam ich den Link zur ersten Nachbefragung der Oxytocin-Studie. Und beim durchlesen und anklicken wurde mir nochmal bewusst, wieviel sich geändert hat. Auch wenn ich es manchmal gar nicht so sehe, nicht sehen kann. Vor allem nicht in den Momenten, in denen es dunkel und chaotisch ist. Aber die Stunden, in denen ich um jede Minute ohne Selbstverletzung kämpfen muss, sind seltener geworden. Die endlosen Sekunden, die zu Minuten und Stunden wurden, in denen ich nur atmen konnte, einatmen und ausatmen, weil es die einzige Möglichkeit war am Leben zu bleiben, weil alles in mir nur noch weg sein wollte, sind seltener geworden. Und so viel ist einfach anders. 

Während der Studie gab es immer eine Reihe von Fragen, bei denen ich den Kopf schütteln musste über die fehlende Destruktivität in meinem Leben. Keine Selbstverletzung, kein Suizidversuch, kein Hochrisikoverhalten… Mit Herrn V. witzelte ich immer, dass ich die BPS-Diagnose nicht mehr bekommen würde, wenn man nur diese Momentaufnahme nehmen würde. Diesmal konnte ich dann doch etwas anderes als „nein“ ankreuzen, denn ich war tatsächlich einmal betrunken. Sowas aber auch. 😉 

Mord, Selbsthass und nasse Tiere 

Projekt Massenmord, Stufe 1.

Ich habe meine Meerchen in ein Körbchen gesetzt, das Streu in die Tonne geworfen, den Kater und die Meerchen ins Schlafzimmer gesteckt, das Meerizuhause nochmal extra mit Zeug eingesprüht, alles essbare im Kühlschrank in Sicherheit gebracht und die erste Flohbombe gezündet. Ich habe mich mit meinen Tieren (und vermutlich auch einer Horde Flöhe) im Schlafzimmer niedergelassen. Zwei Stunden soll man das Zeug einwirken lassen und dann gut lüften.

Stufe 2.

Sobald ich die Türe zum Wohnzimmer öffne büchst der Herr Kater aus. Also muss er als erstes der Tiere dran glauben. Ich schnappe ihn und trage ihn ins Bad, schließe die Türe und klemme ihn mir zwischen die Beine. Immer und immer wieder muss ich ihn einfangen, er ist verständlicherweise nicht begeistert über die Prozedur. Schließlich ist er komplett eingesprüht und nass und er darf in die Küche flüchten. Dann sind die Meeris dran. Flocke lässt es relativ gelassen über sich ergehen, Caro protestiert ziemlich und Caramell schreit, als ob ich sie bei lebendigem Leib braten würde. Doch auch das ist dann geschafft und die drei dürfen in ihr frisches Zuhause. 

Stufe 3. 

Es folgt das Schlafzimmer. Ich sprühe die Matratzen nochmal extra ein und zünde dann die zweite Flohbombe. Das Schlafzimmer nicht nutzen zu können ist nicht halb so dramatisch wie das Wohnzimmer, denn so kann ich immerhin aufs Klo und der Kater hat auch mehr Platz. Und der Kühlschrank ist auch erreichbar. 

Stufe 4. 

Nun folgt der übrige Kram. Die verbliebene Wäsche bei 60° waschen, die momentan noch in Tüten verpackt hier rum steht. Und sie aufhängen und irgendwie trocken kriegen. Und aufräumen und durchputzen. Ich hoffe, dass das ganze Geflöhe nun das Zeitliche gesegnet hat. Nochmal will ich dieses ganze Drama nicht mitmachen. 

Ansonsten ist es halbwegs okay. Ich war einkaufen und habe eine Portion Sushi gefuttert, heute morgen sogar gefrühstückt. Ich war halbwegs fleißig in meiner Wohnung, habe hoffentlich mein Flohproblem gelöst. 

Und als ich auf das Datum blicke fange ich an zu heulen. Ich weine und weine und kann nicht mehr aufhören. Heute Abend, heute Nacht vor einem Jahr… Am nächsten Tag habe ich den Hundemann zusammen mit Chrissie und D. beerdigt. Mein kleiner Sunnybär, mein süßer Hundemann, ein Jahr ist nun schon vergangen und ich vermisse ihn immer noch wie am ersten Tag. Seit diesem Tag ist Chrissie nicht mehr dieselbe. Bis heute hat sie nicht verkraftet, dass er nicht mehr da ist. Und auch für mich ist es schwer, denn einerseits vermisse ich ihn furchtbar, andererseits leide ich mit Chrissie mit, weil sie einfach nicht mehr aus dem Loch kommt seither. 

Jeden Abend denke ich, dass ich eigentlich mehr hätte tun müssen am Tag. Produktiver sein, mehr leisten, dieses und jenes noch tun. Dann beginnt automatisch der Selbsthass. Mittlerweile schaffe ich es den Kreislauf zu zerbrechen, zumindest meistens. Ich drehe mich nicht mehr stundenlang im Kreis, von Selbsthass zu Selbsthass zu Selbsthass zu Selbstverletzungsdruck zu Suizidgedanken zu noch mehr Selbsthass zu noch mehr Suizidgedanken. Es bleibt beim Selbsthass und den Gedanken und dem Druck. Manchmal verschwindet auch alles, wenn mir klar wird, dass es nur der Selbsthass ist. 

Vielleicht schaffe ich heute Abend wenigstens noch ein paar kleine Dinge. Ein wenig aufräumen, noch etwas essen, den Kater kraulen, denn der ist immer noch ein wenig beleidigt mit mir. 

Flohteppiche und Decken aus Einsamkeit. 

Darf ich vorstellen: der Herr Flohteppich. Dazu kommen noch 3 kleine Flohteppiche. 

Juhu. Das hat nun wirklich gefehlt um zu einer Besserung meiner verkorksten Psyche beizutragen. 

Also war ich heute mal den Tierladen plündern. Spray für auf die Flohteppiche und eins für alles, was ich nicht waschen kann. Alles waschbare landet momentan nach und nach in Säcke und von dort dann in die Waschmaschine. Und zusätzlich kriege ich morgen per Post noch Flohbomben, damit entflohe ich dann (hoffentlich) meine komplette Bude. 

Wo die Viecher her kommen weiß ich nicht. Der Zitronenkater war nicht draußen. Und die Schweine erst recht nicht. Ich vermute, dass meine Nachbarin während meiner Zeit in der Klinik mal beim Füttern ihre Flohschleuder dabei hatte. Das Hundetier hat ständig welche. Und wahrscheinlich haben sich dann ein paar hier niedergelassenen. Verdammte Scheiße. Ich hoffe so, dass ich die Bestien alle los werde. Vor allem auch für meine Tierchen, gemeine, beißende Bestien, die dann auch noch Jucken verursachen, sind einfach nicht schön. 

Tja. Ich muss also in meiner Bude rumwuseln, Sachen eintüten, aufräumen. Ob ich will oder nicht. Es fällt unglaublich schwer mich aufzuraffen, aber nach und nach und Stück für Stück kriege ich es dann doch irgendwie hin. Ich hoffe, dass ich heute noch den Rest bewältigt kriege, damit ich morgen mit der Flohtötung beginnen kann. 

Nächste Woche Montag habe ich einen Termin bei meinem Psychiater. Der erste nach Freiburg. Ich freue mich drauf, ich will ihm erzählen von den Fortschritten, aber auch, dass es mir derzeit (wieder) so schwer fällt zuhause etwas zu tun, mich aufzuraffen, meinen Tag zu strukturieren. Ende der Woche fahre ich in die DBT-Stadt. Meine verbliebenen Mitpatienten besuchen, vielleicht auch ein paar ehemalige Mitpatienten und natürlich Fylgja, bei ihr werde ich auch schlafen. Ich freue mich schon drauf, auch wenn es sich bestimmt merkwürdig anfühlen wird die Klinik und die Station zu betreten. 

Und draußen wird es wieder dunkel. Und ich fühle mich einsam. Ich weiß, dass es da Menschen gibt in meinem Leben, aber ich habe wie so oft das Gefühl, dass ich mich nicht melden darf, weil ich sie bestimmt störe. Dabei bräuchte ich gerade so sehr ein paar liebe Worte. Ein „ich denk an dich“. Die Einsamkeit in mir legt sich um mich wie eine schwere schwarze Decke und hüllt mich ein, nimmt mir die Luft zum Atmen und hinterlässt nichts als Traurigkeit und Dunkelheit. Ich möchte mich verletzen. Einfach nur um diese Dunkelheit zu vertreiben. Und in den Momenten, in denen ich am meisten jemanden brauche, schaffe ich es nicht das jemandem zu sagen.