This. Is. Worth. Fighting for.

Seit gestern nehme ich wieder meine „normale“ Dosis Medis. Und bisher ist es in Ordnung. Die Übelkeit ist nicht mehr oder weniger geworden, sie hält sich nun seit 1 ½ Wochen auf einem konstanten Level. Es strengt an, weil Übelkeit immer noch triggert, aber ich habe in den letzten Tagen gelernt halbwegs damit umzugehen, weil ich weiß, dass die Medis grade dieses Chaos veranstalten. Ich schlafe trotz allem gut, in der Nacht bei Muddi und in den Nächten bei A. und auch in den zwei Nächten bisher zuhause. Zwar viel, aber gut, daheim ab und an mal unterbrochen durch ein paar Sekunden aufwachen, weil das Katerkind über mich tapst oder mir laut ins Ohr schnurrt.

Und ich wache auch tatsächlich morgens auf wenn ich muss, zwar knatschig und zerknautscht und muffig, aber ich wache auf. So bin ich am Montag schon vor 8 Uhr unterwegs zur Klinik um mich von I. zu verabschieden, die nicht in Deutschland lebt und nur alle 3 Monate mal hier ist wegen Klinik. Gestern bin ich schon früh unterwegs, weil meine Gefühle mich an den Rand der Explosion bringen und ich gegensteuern muss, also ziehe ich über die Felder und bringe den Schweinchen Maisblätter mit.

Und heute purzel ich auch vor 8 aus dem Bett, weil ich zur arge muss. Ich hoffe, dass ich die unzähligen Unterlagen habe (bis auf die Vermieterbescheinigung, dafür brauche ich ein Formular, dass sie mir natürlich nicht mitgegeben haben…), ich hoffe, dass ich einen netten Menschen erwische, ich hoffe, dass ich nicht weiter geschickt werde, weil ich momentan keine Arbeit suche. Und ich hoffe, dass es nicht ewig dauert, denn ich muss weiter zur Therapie in die Hauptstadt.

Ich weiß gar nicht, auf welchem Stand meine Therapeutin ist. Sie war in Urlaub und wie immer, wenn zwischen den Stunden bei ihr eine längere Pause entsteht, passiert irgendwas. Meine Welt geht unter oder ich lande mal wieder in der Klapse oder oder oder. Irgendwas passiert immer und vielleicht sollte ich ihr einfach verbieten länger als 2 Wochen weg zu sein, weil die Termine mein Rahmen sind und ohne Rahmen alles aus dem Bild kippt.

Seit so vielen Jahren gehe ich nun zu ihr und sie kennt mich manchmal besser als ich mich selber. Ich weiß nicht, ob ich ansprechen soll, dass momentan so vieles in mir danach drängt nicht in der Realität zu sein. Aber nicht, weil ich vor der Realität fliehen möchte (doch, eigentlich schon, aber das ist wieder eine andere Baustelle), sondern dass ich diese Momente genieße in denen ich dann wieder in der Realität ankomme, diese Momente in denen ich sicher weiß, dass ich da bin und existiere und lebe. Das Gegenteil von weg eben, das Gegenteil von betrunken, einfach hier und lebendig. Es ist eine Flucht in Möglichkeiten mich lebendig zu fühlen ohne Selbstverletzung. Aber nicht besser oder schlechter, sondern genau so ein Problemverhalten wie mich zu verletzen.

Ich habe mit Schwester Sabine am Telefon gesprochen, weil ich weiß, dass sie es versteht. Sie oder Nathalie. Sie war da und ich war froh darüber. Skills sagt sie. Wie bei Anspannung, wie bei Selbstverletzung, wenn der Wunsch auftaucht nicht mehr in der Realität zu sein, um sie danach nur intensiver zu spüren.

Noch habe ich es unter Kontrolle. Noch. Ich bemühe mich nicht zu fliehen wenn es grade schwierig ist, sondern nur in den guten Momenten mal ein wenig Kontrollverlust zu genießen. Denn sonst wird es ganz schnell zum Ersatz der Selbstverletzung.

Das ganze zeigt mir, dass etwas fehlt. Dass ich Dinge brauche um mich lebendig zu fühlen, mich zu spüren. In der dbt-Stadt stand ich im Regen. Nass bis auf die Unterwäsche, die dicken Tropfen auf meiner Haut, die Kälte langsam in meinem Körper. Es gibt ein Bild davon und dieses Bild fängt genau das ein, was ich unter lebendig verstehe. Dieser Moment, in dem ich einfach nur da war, atmend, lebendig, da. Einfach da.

Nur kann ich eben nicht ständig im Regen stehen, erstens weil das Wetter mich da im Stich lässt, zweitens würde es irgendwann wohl die Wirkung verlieren, drittens brauche ich einfach etwas zuverlässiges, etwas, dass jederzeit verfügbar ist. Oder hat jemand eine Regenwolke zum mitnehmen im Angebot?

Also geht es in den nächsten Tagen wohl darum Dinge zu finden, die mich lebendig sein lassen. Raus aus dieser Watte, in der ich gefühlt seit Wochen klebe, die meine Realität unwirklich werden lässt. Spüren, mich und das Leben. Das wird das Ziel.

You’ve had enough… But just don’t give up… Stick to your guns, You. Are. Worth. Fighting for. You know we’ve all got battle scars. Keep marching on.

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