To be on the edge of breaking down 

Ich hatte gestern einen langen Beitrag geschrieben. Über die Frage der Schuld und das wirre Konstrukt meiner Realität in der Kindheit. Und dann war der Beitrag verschwunden und ich zu müde und sauer, um nochmals zu schreiben. 

Gestern hörte ich während dem Aufräumen das bekannte Geräusch der Landung des Katers auf dem Küchenboden. Er kam zurück von einer Tour draußen. Und dann fiepste es in meiner Küche. Ich entdeckte ein mausförmiges Etwas, dass durch meine Küche flitzte. Katerkind sprang hinterher und spuckte mir das piepsende Ding vor die Füße, während er mich mit großen erwartungsvollen Augen anschaute. Nachdem ich ihn gelobt und gekrault hatte, setze er dem wieder weggerannten Mäuschen nochmal nach um es wieder zu fangen, rannte damit durch die Wohnung und spuckte es mir wieder vor die Füße. Das Mäuschen war, sehr zu meiner Erleichterung, nicht mehr am Leben. Ich hätte es nicht über mich gebracht zuzusehen, wie er hinter dem panische Tierchen her jagt und mit ihm spielt. Dem stolze Kater waren die nicht mehr vorhandenen Vitalzeichen seiner Beute egal, er hüpfte und rannte begeistert durch die Wohnung, spielte mit seiner Beute und holte sich regelmäßig meine Bewunderungsbekundungen ab. 

Nachdem die Maus jedoch mehrere Male in meiner Bodenvase landete, an meinem Ohr vorüber flog und fast unter meinen Sofa verschwand war es mir dann doch zu blöd. In einem unbeobachteten Moment verschwand die Beute. Gefressen hätte er sie eh nicht, es war nämlich eine Spitzmaus. Den Rest des Tages verbrachte der Herr dann mit schlafen. Sein Ausflug und seine Jagd müssen wirklich anstrengend gewesen sein. 

Und ich? Tja. Es ist nicht schön in den letzten Tagen. Ich kann nicht wirklich sagen was eigentlich los ist. Vor allem ist da eben nichts. Und davon ganz viel. Eine allumfassende Leere, die mich taub werden lässt, wie erstarrt. Ich sehne mich so sehr nach Schnitten in meine Haut, nach Blut und Schmerz. Danach mich lebendig zu fühlen, mich zu spüren, wieder zu leben. Seit fast 21 Wochen habe ich mich nicht mehr verletzt. Und mit jeder Sekunde steigt das Verlangen, die Sehnsucht. 

Die Momente, die nicht von leerer Schwärze erfüllt sind, sind voller Hass und Wut und Traurigkeit und Schmerz. Hass und Wut gegen meinen Vater, aber auch gegen mich selbst. Ich stecke, wie so oft, in dem Dilemma ‚was er getan hat vs. er ist doch mein Vater‘. Und dann kommen Wut und Hass auf mich selbst, weil mein Kopf weiß, dass ich ihm nichts schuldig bin, aber die Gefühle so ganz anders sind. Weil ich das Gefühl habe, dass ich ihn im Sicht lasse. Dass ich ihn verrate, wenn ich ausspreche wie meine Kindheit war. Dass ich ihm Unrecht tue, wenn ich von den negativen Dingen berichte und die positiven für mich behalte. Mein Kopf weiß, dass mein Selbstschutz vorgeht. Dass es okay ist die Dinge zu benennen, die ich erlebt habe. Dass auch die positiven Momente nicht ändern können, dass es so viel mehr schlimme Erlebnisse gab. 

Oft sind das in meinen Kopf zwei völlig unterschiedliche Personen. Der Mensch, mit dem ich auf Konzerten war, auf Burgen und an Sehenswürdigkeiten, auf Festen und Veranstaltungen. Und der Mensch, der zuhause trank, mich schlug, kontrollierte, beschimpft. Es ist schwer diese zwei komplett unterschiedlichen Seiten in Einklang miteinander zu bringen. Und ich vermisse den Menschen, mit dem ich diese schönen Erlebnisse hatte. Ich vermisse ihn so sehr. Doch es gibt ihn nicht ohne die andere Seite. Nicht ohne meine Erinnerungen. Nicht ohne die Bilder, die direkt in meinem Kopf auftauchen. Nicht ohne die Angst und die Panik und die Tränen. Das zu akzeptieren fällt mir schwer, denn eigentlich wünsche ich mir nichts mehr als einen Vater, der da ist, mit dem ich reden kann und schöne Dinge erleben. 

Und so schwanke ich zwischen nichts fühlen und zu viel Gefühl, schwanke zwischen Rationalität und Herzschmerz, zwischen Hass und Liebe. Die schönen Momente der letzten Tage sind zwar da, aber sie schaffen es nicht mich für lange Zeit aus meinem Wirrwarr zu befreien. Ich versuche einfach weiter zu machen. Durchzuhalten. Einzuatmen und auszuatmen. Moment für Moment. Skill für Skill. Tag für Tag. Bis Freiburg. 

Do you ever feel like breaking down? 
Do you ever feel out of place? 
Like somehow you just don’t belong 
And no one understands you?

Do you ever want to run away? 
Do you lock yourself in your room? 
With the radio on turned up so loud 
That no one hears you screaming? 

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