Und was immer ich gerade such

Ich wache auf und blicke in blaue Augen, habe blonde Haare im Gesicht, die mich kitzeln. Meine Schwester flüstert mir ins Ohr, dass sie nun fährt. Ich bin einen kurzen Moment verwirrt, frage wohin, und wünsche ihr dann viel Spaß und drücke ihr einen Kuss auf die Wange. Ich drehe mich um, bis ich an der Bettkante ankomme und wanke in Richtung Bad, wanke kurz darauf mit immer noch halb geschlossenen Augen in die Küche und plumse neben meiner Mutter auf einen Stuhl. Nach einer Portion Tee bin ich halbwegs wach, blicke auf die Uhr und finde, dass es zu früh ist für einen Samstag an einem Osterwochenende. Und dass mir etwas flauschiges auf meinem Schoß fehlt.
Mama fährt weg und ich wandere mit Kindle aufs Sofa und lese. Als sie zurück kommt frühstücken wir ausgiebig und ich schlüpfe eine Stunde darauf in meine Kleider und Schuhe und gehe die zwei Etagen nach unten zur Bushaltestelle. In der Hauptstadt angekommen ist mir mehr danach durch die Fußgängerzone zum Bahnhof zu laufen als die Straßenbahn zu nehmen. Kurz darauf bereue ich diese Entscheidung, denn es scheint als ob sämtliche Einwohner der Hauptstadt und des angrenzenden Auslands auf den Beinen sind und durch die Geschäfte streifen. So suche ich mir also einen Weg zwischen Kinderwägen, Hunden, Familien und Jugendlichen, laufe Slalom durch die Straße und dann hoch zum Bahnhof. Es ist dieses Wetter, dass zu warm ist für Jacke und zu kalt ist ohne.
Am Bahnhof suche ich mir eine Bank und rauche, versuche erfolglos einen Bericht zu lesen, da das Handy die App ständig beendet und höre Musik. Ich vermisse mein Handy, das größtenteils einfach tut was ich möchte, nicht mit der Helligkeit der Sonne blinkt, wenn es mir etwas mitteilen will und meine Musik sowie andere Apps nicht einfach beendet. Ich hoffe, dass ich es übernächste Woche abholen kann und nicht noch eine Woche darauf warten muss. Und ich hoffe, dass ich mich auf die Datensicherung verlassen kann und wieder alles drauf ist was ich benötige. Vielleicht habe ich auch Glück und sie haben es nicht zurückgesetzt, vermutlich aber schon, da es an ohne Sim nach 5 Minuten ganz laut piepst und schreit, dass das Handy vermutlich gestohlen ist und sich nur durch Eingabe einer Pin zum verstummen bringen lässt. Beim Abholen muss ich mal nachfragen, wie sinnvoll eine Verlängerung der Versicherung ist, oder ob das Handy nach zwei Jahren im Reparaturfall eher nicht mehr repariert wird, sondern ich den Wert ausgezahlt bekomme. Aber auch das wäre ja etwas.
Ich freue mich aufs Heimkommen, auf meinen Zitronenkater, auf die Möhris und einfach meine Wohnung.
Vor einem Jahr habe ich begonnen umzuziehen. Nun wohne ich also fast ein Jahr schon dort. Und ich fühle mich unglaublich wohl dort in meinen vier Wänden.

Oh Heimat, schön wie du mich anlachst
Du bist immer da, wenn ich keinen zum Reden hab
Oh Heimat, wie du wieder aussiehst
Ich trag dich immer, immer bei mir
Wie’n Souvenir

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