Verhaltensanalysen und andere Katastrophen 

Beim Blick auf den Plan für heute stelle ich fest, dass ja schon Mittwoch ist. Also bin ich nun eine Woche hier. Es kommt mir gar nicht so vor. Einerseits habe ich das Gefühl, dass ich gerade erst gestern hier ankam und überfordert auf mein Bett sank, andererseits fühlt es sich so an, als ob ich schon mehrere Wochen hier bin. 

Unsere Borderline-Gruppe hat momentan eine super harmonische Zusammensetzung. Heute kam jemand neues, damit sind wir wieder zu fünft. Ich bin gespannt auf sie und ob die Gruppe so harmonisch bleibt. Auch mit den anderen Patienten auf der Station verstehe ich mich gut. Es gibt niemanden, bei dem ich sagen würde ich kann ihn überhaupt nicht ausstehen. Klar habe ich mit manchen mehr zu tun als mit anderen, aber im Großen und Ganzen fühle ich mich hier wirklich wohl. Das Personal ist einfach nett, mein erstes Pflege-Einzel gestern war total gut und produktiv. Die Therapien machen Spaß und haben auch einen Sinn für mich. Schon alleine aus der einen Stunde Körpertherapie gestern konnte ich vieles mitnehmen. 

Heute morgen habe ich meine „Hausaufgaben“ für das nächste Einzel erledigt. Eine Verhaltensanalyse schreiben vom letzten Suizidversuch. Es ist schon erstaunlich wie schnell man Gefühle und Gedanken, die schon 1 ½ Jahre zurück liegen, plötzlich wieder so intensiv spüren kann. Ich sitze auf dem Bett und schreibe und fühle die Verzweiflung, die Angst, den Schmerz. Ich bin froh, dass ich das erledigt habe. Nun fehlt nur noch die Verhaltensanalyse von der letzten Selbstverletzung. Und an dieser Stelle will ich stolz verkünden, dass ich bereits seit 25 Wochen nicht mehr geschnitten habe! Es fühlt sich so unwirklich an, so unvorstellbar weit weg. Und gleichzeitig denke ich auch daran, dass es sich irgendwie anfühlt, als ob es erst wenige Tage her wäre. Genauso verkorkst wie das Zeitverhältnis im Bezug auf meine Aufenthaltsdauer hier. 

Am Samstag will meine Mama kommen. Einerseits freue ich mich total darauf, andererseits habe ich auch ein wenig Angst. Ich mag mit ihr nicht über die Themen reden, die mich hier her geführt haben. Nicht über Selbstverletzung und meinen Vater und sonstigen Kram. Ich will keine Diskussion führen, dass ich eigentlich gar keine Therapie brauche, dass ich keine großen Probleme habe. Ich hoffe einfach, dass es ein schöner Tag wird, dass wir viel draußen und unterwegs sein können. 

Morgen und übermorgen steht nicht allzu viel auf meinem Plan. Ich hoffe auf ein paar ruhige Stunden, in denen ich vielleicht die Möglichkeit finde zu lesen und mir selbst Gutes zu tun. 

3 Comments

  • Freut mich, dass es so gut läuft in der Klinik 🙂

    Bezüglich dem Treffen mit deiner Mutter… Vielleicht kannst du mal mit deiner Therapeutin oder Pflegerin sprechen, wie du dich in dieser Situation verhalten könntest, damit es für dich gut läuft.

    Liebe Grüße

    Alice

  • Freut mich zu lesen das es dir dort gut geht. Interessieren würde mich ja schon wer vom Team von 2012 noch da ist 😉

    Ich war gestern zum Vorgespräch in Bad Bramstedt und hoffe das es für mich auch bald los geht. Lg desweges

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