Vom Aufstehen und Fallen

Ich bin seit ziemlich früh wach und habe gar keine Ruhe. Ich fühle mich wie auf Drogen, so wie ich mich fühle wenn ich mehrere Tage meine Medis vergessen habe.
Wäsche waschen muss ich heute und packen. Mein Kram und das Zeug der Fellnasen.
Morgen geht es in die Klinik, meine Einweisung war ich gerade holen.

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Ich weiß noch was für ein Drama die Diagnose damals für mich war. Lange stand sie als Verdacht im Raum, wurde nicht gestellt weil ich noch zu jung war. Irgendwann hin ich extra in einer der größten Kliniken in der alten Heimat gewesen für die Diagnostik.
Obwohl es mehr oder weniger klar war, dass ich die Diagnosekriterien erfülle, war es etwas anderes das ganze schwarz auf weiß zu sehen.
Es hatte auch sowas von „also war es doch schlimm“. Davor konnte ich mich rausreden, mir selbst einreden, dass ich mit dem allem doch irgendwie klar komme. Aber dann eine Persönlichkeitsstörung? Zu sehen, dass das ganze mich im tiefsten Inneren erschüttert hat, an den Grundfesten meines Daseins, meiner Persönlichkeit gerüttelt hat…
Und auch all die schlechten Dinge, die mit der Krankheit in Verbindung gebracht werden. Beziehungsunfähig. Unzuverlässig. Gemein, böse, manipulativ.
Heute muss ich lächeln wenn ich daran denke. Ich weiß, dass ich nicht meine Diagnose bin und nicht zwingend alle Vorurteile erfülle. Mittlerweile ist es eine Erleichterung, dass das Kind einen Namen hat. Es ist etwas Greifbares in dem Chaos aus Gefühlen und Unbeständigkeit.
Heute morgen las ich in einer Facebook-Gruppe von jemandem, der sich „Borderliner“ auf den Arm tätowiert lassen will. An dem Punkt hört bei mir viel Verständnis auf. So sehr ich verstehen kann, dass es eben ein Teil von einem ist, es hat was von Stempel aufdrücken. Ich bin nicht nur Borderliner, ich bin ein verrückter Mensch mit so vielen Facetten, Borderline ist ein einziger Teil davon, der eben auch nur da ist weil mal jemand beschlossen hat bestimmte Kriterien unter einem Namen zusammenzufassen.
Deswegen muss ich doch nicht den Rest meines Lebens „Borderliner“ sein. Viel lieber bin ich Zitrönchen, Schwester, Tochter, Freundin, Gänseblümchen, einfach Ich.
Aber ab und an darf ich einfach auch Borderliner sein, in Momenten die einfach absolut klischeehaft sind. Da kann ich mich durchaus dann auch mal hinsetzen und lachen und sagen „ich hab Borderline, ich darf das“. Genauso mache ich unglaublich gerne Witze darüber. Denn ich hab Borderline, ich darf das. Selbstironie hat etwas wunderbares, in manchen Momenten hilft mir nur tiefschwarzer Humor über so manchen Mist hinweg.

Und Nicki von (ex)JJ macht wieder Musik. Das finde ich einfach wundertollig, ich bin gespannt auf seine Texte. Und ich liebe seine Stimme ❤

Und gleich will ich noch raus, V. kurz treffen, aber vorher die Wäsche anwerfen. Und später kommt die weltbeste Chrissie.

Erklärt den Irren unter uns, dass sie das schon ganz richtig machen
Das eine was uns jetzt noch hilft: die Augen und drüber lachen

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