Vorbei 

Es ist vorbei. Ich wage es kaum diese Worte zu tippen, aus Angst, dass es vielleicht doch nicht vorbei ist. 

Der unglaubliche Selbstverletzungsdruck ist verschwunden. Das merke ich auf dem Weg von der Klinik zum Bus, während die Sonne mir ins Gesicht scheint und meine Jacke an meinem Beutel baumelt. Und es ist so unglaublich erleichternd, dass ich am liebsten laut jubeln würde. 

Die Gedanken und das körperliche Gefühl des Drucks haben mich nun eine Woche begleitet und es fühlt sich merkwürdig an, wenn es weniger wird. Es ist immer noch Selbstverletzungsdruck da, aber zum ersten Mal seit einer Woche schreibe ich heute eine 3 auf die diary card und keine 4 oder 5. Es fällt so vieles plötzlich von mir ab. 

Und, verdammt, ich bin stolz. Ich bin stolz auf mich, dass ich nicht aufgegeben habe, obwohl ich mehr als einmal so kurz davor war. Ja, ich bin wirklich stolz. 

Ich hoffe nun einfach, dass es erstmal reicht, dass es erstmal genug war. Ich brauche eine Pause, muss durchatmen, Kraft tanken. 

Morgen werde ich statt zur Klinik zu meinem Drogendealer fahren. Ich brauche mal wieder Medis und einen neuen Krankenschein und auch ein wenig einfach ihn und die Gewissheit, dass er einfach da ist. 

Und am Mittwoch werde ich dann meine Schlüssel in der Klinik abgegeben, mich von meinen Mitpatienten verabschieden, ein letztes Mal die Massage genießen und dann mein letztes Einzel haben. Es schmerzt ein wenig, denn manche Menschen werden mir fehlen, die Traumagruppe wird mir fehlen (inklusive Therapeutin), die Massage, die Gespräche mit dem Therapeuten. Doch ich freue mich auch, denn es ist ein weiteres Stückchen Weg, das ich hinter mich gebracht habe, ein klein wenig weniger Anstrengung in der nächsten Zeit, ein wenig Durchatmen. Mal sehen was die Zeit so bringen wird.  

Kommentar verfassen