Wake me up when september ends

Als mein Wecker klingelt bin ich kurz verwirrt. Und dann hellwach, weil ich das Handy unter dem Kopfkissen raus angle um den Wecker auszuschalten, damit meine Zimmernachbarin weiter schlafen kann. Es ist kurz nach 6. Es ist Samstag. Und in ca. 5 Stunden werde ich zuhause sein! 

Nachdem ich erst mal in Klamotten gehüpft und runter getapst bin um eine zu rauchen hole ich mir meine Medis ab bei der Nachtschwester, stopfe Tablet, Handy, Geldbeutel und Zigaretten in die Tasche (und vergesse meinen Haustürschlüssel, das fällt mir allerdings erst auf als ich schon im Bus sitze…) und ziehe los. Ich laufe durch die dunkle und verschlafene Stadt. Nur ein paar Autos sind unterwegs. Die Einkaufsstraße ist leer bis auf ein paar Reinigungsfahrzeuge. Am Bahnhof ist dann ein wenig mehr los und der Bus kommt gerade um die Ecke. 

Unterwegs fängt es irgendwann an zu regnen. Es fühlt sich ganz und gar nach Herbst an. Ich lächle, als wir auf die Route de l’Est fahren und lächle, als wir sie wieder verlassen um in Richtung des Ortes zu fahren, der kurz vor Deutschland liegt und den Grenzübergang beherbergt. Ich lächle, als das Schild verkündet, dass ich wieder im schönsten Bundesland der Welt angekommen bin, als die Straßenschilder anzeigen, dass es nur noch 12 Kilometer bis zur Hauptstadt sind. 

Wie oft bin ich diese Strecke gefahren mit meiner Lehrerin, die mich mitnahm hier her, weil es ihre und meine Heimat ist. So oft habe ich die Schilder betrachtet und mich gefreut. 

Nun fahre ich diese Strecke und bin frei. Ich weiß, dass ich nach Hause fahre, dass hier nun mein Zuhause ist, dass ich nicht nach ein paar Tagen wieder zurückkehren muss zu meinem Vater. Ich atme frei und ich lächle ohne die dunklen Schatten im Hintergrund, die diese Strecke so oft begleitet haben. Und ich werde immer nervöser und aufgeregter, als die Hauptstadt näher und näher rückt, ich will den Bus abschieben, den Busfahrer antreiben, denn es geht mir nicht schnell genug. Ich will ankommen und dann weiter fahren nach Hause. Nach Hause zu meinen Tieren, zu meinen kleinen Quietschnasen und zu meinem Katerkind. Ich habe sie so unglaublich vermisst, so sehr in den letzten 3 ½ Wochen. 

Zuhause wirft das Katerkind sich auf den Boden, schnurrt unglaublich laut, will gekrault werden, reibt sich an mir und weiß gar nicht wohin mit seiner Begeisterung. Und mein Herz schmerzt, denn ich muss daran denken, dass ich ihn bald wieder verlassen muss. 

Es wird ein schöner Tag. J. kommt vorbei und N. und meine Schwester mit ihrem Freund. Ich kuschel viel mit dem Katerkind, beobachte meine Schweinchen. Die zwei kleinen sind so unglaublich schnell gewachsen. Nur noch 3 Quietschnasen sind nun da, ich bin traurig, weil ich die anderen vermisse, weil ich nicht richtig Abschied nehmen konnte, weil sie mir so fehlen. 


Ich rufe in der Klinik an und habe Pfleger Kai am anderen Ende, ich erzähle ihm von der Therapie und wie es mir geht und er freut sich über meinen Anruf. „Melden Sie sich in ein paar Wochen mal wieder!“ sagt er zum Abschied. 

Abends wird es ein wenig schwer. Wie so oft. Wie so oft zuhause. Doch ich versuche damit umzugehen, lenke mich ab, mit Katerkind auf dem Schoß und Tatort und widerstehe dem Drang mich so lange selbst zu triggern, bis ich es nicht mehr aushalte, bis ich so angespannt bin, dass nur noch schneiden hilft. 

Heute morgen wecken mich dann kitzelnde Schnurrhaare in meinem Gesicht und ein lautes Schnurren, als der Herr Kater es sich auf meiner Brust bequem macht um noch ein paar Minuten mit mir im Bett zu kuscheln. 

Ich genieße den Morgen, werde langsam wach, komme an in der Welt. Ein paar Dinge stehen auf dem Plan, die Tiere sauber machen und hier ein wenig kehren und putzen, meine Sachen zusammen suchen, die ich mitnehmen will. Und dann geht es in 7 Stunden wieder in die Hauptstadt und dann zurück in die Klinik. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge. 

In zwei Wochen werde ich zurückkommen. Wieder ein Wochenende mit meinen Tierchen verbringen. Ich freue mich schon drauf. Und genauso freue ich mich auf die zwei Wochen, denn ich bin gespannt was kommt, was ich lerne, wie es weiter geht. 

Ring out the bells again
Like we did when spring began
Wake me up when September ends

Here comes the rain again
Falling from the stars
Drenched in my pain again
Becoming who we are

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