Wandel 

Der letzte Abend. Ich sitze zum letzten Mal abends unten und rauche. Gleich werde ich zum letzten Mal ins Bett gehen hier. Werde zum letzten Mal die Augen schließen und zum letzten Mal hier aufwachen. 

Es ist unwirklich. Und auf der anderen Seite doch so real. 14 Wochen lang habe ich hier geschlafen, gekämpft, geweint, gelacht, geatmet und manchmal versucht nicht mehr zu atmen. Ich gehe als anderer Mensch und bin doch dieselbe geblieben. 

Noch immer kann ich nicht fassen, dass sich in dieser Zeit so vieles verändert hat. Ich gehe hier raus, stärker, mutiger, ein bisschen kämpferischer, hoffnungsvoller. 

Und es ist gut zu gehen. So schwer es mir fällt Abschied zu nehmen, die Klinik, die Stadt und vor allem die Menschen zu verlassen, trotz allem ist es gut genau nun zu gehen. Ich habe getan was ich konnte, mitgenommen was ging, mein Bestes gegeben und nun wird es Zeit sich dem Leben und dem Alltag zu stellen, zu schauen was funktioniert und was nicht, auszuprobieren, die Welt und mich zu entdecken. 

Und es tut gut mit dem Wissen zu gehen, dass ich wiederkommen kann. Nach einem Jahr oder zwei, dass ich an den Dingen arbeiten kann, die noch nicht so klappen, wenn ich es will und es nötig ist. 

Und genauso gut tut es zu wissen, dass es Menschen in meinem Leben gibt, die an mich glauben, mit mir meinen Weg gehen und immer da sein werden, auch wenn uns die Distanz trennt. 

Ich bin froh um all diese Stunden und Tage und Wochen hier. Um die schlimmen und die guten Momente. Um all die Erfahrungen. Und die Menschen, die ich kennen lernen durfte. 

Ich bin immer noch ich. Und doch eine andere. 

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