We said someday we’d find out how it feels

In letzter Zeit muss ich oft an meine Schulzeit denken. Nicht, weil sie besonders schön war, sondern weil manche Erinnerungen einfach kommen. Vielleicht ist es dieses „die Seele ist bereit dafür“. Meine Schulzeit habe ich, genau wie so viele Dinge, vor 8 Jahren mit meinem abrupten und schnellen Wegzug aus BaWü einfach von mir weggeschoben.
Es gibt nicht viele schöne Erinnerungen an die Jahre auf dem Gymnasium. Es fing schon damit an, dass ich nur eine von drei Schülern aus der Grundschule war, die es aufs Gymnasium geschafft haben. Damit brachen meine damals bestehenden Grundschulfreundschaften (und das waren auch nur wenige) quasi auseinander. Mit den anderen zweien hatte ich mich noch nie allzu gut verstanden und sie bildeten ein Duo in das keine weitere Person passte. Dazu kam, dass ich eben nicht „cool“ war. Ich hatte keine Markenklamotten, kein Handy, war pummelig, kam schon immer besser mit Jungs aus als mit Mädels. Damit eckte ich eben an. Zu dem verkorksten Verhältnis zu Essen meines Vaters habe ich ja schon mal geschrieben, mein Verhältnis war und ist davon so sehr beeinflusst, dass es eben auch nicht gesund war und ist. Essen war eine Belohnung. War ich (in seinen Augen) lieb, dann bekam ich Essen, war ich es nicht, musste ich ohne Essen ins Bett. Habe ich nicht mindestens einmal Nachschlag verlangt, dann war ich undankbar. Und er beleidigt, weil er gekocht hatte und ich es nicht würdigte. Mein Vater hat immer viel Fleisch gekocht, viel fettig. Und auch generell viel Geld für Essen ausgegeben. Von den teuren Dingen durfte ich immer nur wenig essen und er die Hauptmenge. Selber kochen durfte ich nicht, mir nur Sachen warm machen. Und dann galt, dass ich es auch leer essen muss. Ist schwer, wenn man als Kind eine Dose Ravioli oder ähnliches vor die Nase gestellt bekommt und sie ganz leer essen soll, als eine Mahlzeit. Habe ich mal Pausenbrot wieder mit nach Hause gebracht gab es gewaltig Ärger. Und so verschwand einerseits alles Gefühl für richtige Mengen und Hunger, andererseits auch jedes Bewusstsein für gesunde Ernährung. Essen wurde zur Belohnung, wenn etwas nicht gut lief, zum Seelentröster, wenn es mir schlecht ging. Und irgendwann wurde essen und kotzen zum Ventil. Erst in den letzten Monaten kriege ich es hin langsam einen gesunden Umgang mit Essen zu finden. In den letzten Jahren gab es immer mal wieder gute Phasen, aber auch Phasen in denen es einfach gar nicht ging bis hin zum anderen Extrem: nichts mehr essen. Oftmals auch, weil alte Missbrauchserinnerungen triggerten und alles im Mund und Schlucken einfach gar nicht ging. Wenn ich extrem angespannt bin, dann geht essen immer noch nicht, aber damit kann ich ganz gut leben. Immer wieder habe ich versucht abzunehmen, weil ich mich einfach nicht wohlgefühlt habe, immer wieder ist es an meinem kaputten Verhältnis zum Essen gescheitert. Langsam bin ich auf einem guten Weg, versuche gesund und anständig zu essen und vor allem auch regelmäßig und fühle mich besser. Naja, soviel dazu.
Während meiner Zeit auf dem Gymnasium hatte ich eigentlich nur eine Freundin während der ersten Jahre. Ohne sie wäre vieles sicherlich noch viel schlimmer gewesen. Mobbing war an der Tagesordnung, ich habe mich nicht wohl gefühlt in meiner Klasse. Etwas besser wurde es, als ich damals mit meinem ersten Freund zusammen kam. Ich wurde in seinem Freundeskreis mehr oder weniger anerkannt und fühlte mich nicht mehr so sehr als Außenseiter. Nach der Trennung war es schwer, aber es ging. Als meine beste Freundin dann die Schule verließ habe ich mich wieder einsam gefühlt, auch wenn ich mittlerweile ein paar andere Mitschüler hatte, mit denen ich mich gut verstand. Dennoch war ich immer wieder die Außenseiterin, besonders als wir in das Alter kamen, in dem man mal wegging oder abends zusammen irgendwo rumhing. Ich war immer noch uncool, keine tollen Klamotten, kein Handy, und weggehen durfte ich auch nicht. Genauso wenig durfte ich Freunde mit zu mir bringen. Und dann sickerte irgendwann durch, dass ich die Verrückte bin, die sich selbst verletzt. Da war es dann ganz vorbei. Dann war ich das Mädchen, dass in einer Pflegefamilie wohnt, dass Mädchen, dass in der Psychiatrie war. Als ich dann aufgrund der gesundheitlichen Fehlzeiten die 12. Klasse wiederholen musste war es vorbei. Keine Freunde, Mobbing, Angst vor der Schule, mein Körper spielte verrückt und ich habe so oft gekotzt oder mit Migräne im Bett gelegen, weil die Psyche einfach meinen Körper so sehr beeinflusste.

Immer noch bin ich der Meinung, dass es die richtige Entscheidung war damals alles dort abzubrechen und hinter mir zu lassen und zurück in meine Heimat zu gehen. Alles andere hätte mich über kurz oder lang kaputt gemacht, noch kaputter als sowieso. Und es war auch gut in Bezug auf meinen Vater, denn erst seitdem schaffe ich es wirklich Distanz zwischen uns zu bringen und mich auch sicherer zu fühlen.
Doch manchmal, so wie eben in den letzten Tagen, ist die räumliche und zeitliche Distanz zu damals einfach weg und ich fühle mich wieder wie mit 11, 14 oder 16, fühle den Schmerz von damals und die Angst. Es gibt eine Hand voll Menschen aus der Schulzeit, die mir fehlen und an die ich ab und an mal denken muss. Mit dem Rest will ich nichts mehr zu tun haben, will nicht daran denken und nicht daran erinnert werden. Ich bin froh, dass ich ihnen hier nicht einfach mal so über den Weg laufen werde, bin froh, dass ich sie hinter mir gelassen habe. Und irgendwann wird auch das leichter werden.
Und es ist fast egal um welche Dinge aus meiner Vergangenheit es geht, es beginnt und endet bei meinem Vater. So viele Dinge, die ich in den Jahren bei ihm erlebt habe, beeinflussen mich bis heute. Auch wenn ich an vielem arbeite und manches auch recht erfolgreich „bekämpft“ habe, so würde ich ihm immer noch so gerne für diesen ganzen Kram einfach mit irgendwas richtig gewaltig eine überziehen. Aber auch das würde nichts ändern, nur mein Bedürfnis danach befriedigen.

Mein Tag heute war schön. Ich freue mich immer V zu treffen und mein Katerkind mochte ihn auch. Nachdem ich ihn bis zum nächsten Bahnhof begleitet hatte bin ich noch in den Supermarkt gefallen, damit ich für ein paar Tage versorgt bin. Für Montag ist hier ein halber Weltuntergang angekündigt mit Sturm von 110 km/h. Die Rosenmontagsumzüge werden eventuell abgesagt. Finde ich persönlich nicht schlimm, ich hatte eh nicht vor mich in die Nähe eines solchen zu begeben.

Every memory of looking out the back door
I had the photo album spread out on my bedroom floor
It’s hard to say it
Time to say it
Goodbye, goodbye
Every memory of walking out the front door
I found the photo of the friend that I was looking for
It’s hard to say it
It’s time to say it
Goodbye, goodbye

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