Weil man nur bleibt, wenn man auch glaubt

Draußen regnet und stürmt es und ich war gerade einkaufen. Das Duschen habe ich mir für heute also gespart. Ein Regenschirm hätte wenig gebracht, denn durch den Sturm regnet es aus allen Richtungen, nur nicht von oben. Und lange hätte ein Schirm das auch nicht überlebt. Nun bin ich wenigstens stolz, dass ich trotz dem Wetter draußen war und sitze eingekuschelt in meine Decke auf dem Sofa, meine Klamotten habe ich über die Heizung gehängt.
Ich habe in der Klinik angerufen und einen neuen Termin gemacht (am 16. geht es zu einem neuen Intervall) und überlege, ob ich morgen in die Hauptstadt fahre, um beim Psychiater Rezept und Einweisung abzuholen. Nachher will ich ein wenig Wii spielen, damit ich mich mal bewege (denn raus ist eben heute nicht drin), ich sollte mein Geschirr spülen und Wäsche waschen und ein wenig aufräumen.
Ansonsten plagt mich die berühmte Leere. Ich weiß nichts mit mir anzufangen, ich weiß nicht wie ich mich fühle. Vermutlich ist es ganz gut, dass ich nächste Woche wieder in die Klinik gehe.
Katerkind schleicht die ganze Zeit miauend unter der Lampe rum und springt immer wieder auf Tisch, Regale und die Meerivilla, er will unbedingt in meine neue Lampe krabbeln. Warum auch immer. Wenn man ihn hochhebt steckt er den Kopf rein und versucht mit den Pfoten irgendwo Halt zu finden. Sie scheint ihn auf jeden Fall zu interessieren.
Im Umkreis wurden alle Rosenmontagsumzüge abgesagt. Bei dem Wetter auch kein Wunder, die meisten Menschen wären vermutlich eh nicht aus der Haustüre raus.
Ich muss an die Fastnacht denken, die ich als Kind und Jugendliche erlebt habe. An die Fasent. Ich bin aufgewachsen in dem Landkreis, der als Hochburg der schwäbisch-alemannischen Fastnacht gilt. Und dort ist prinzipiell fast jeder in der Narrenzunft. Ich war von klein an in der Garde. Irgendwann fand ich es nur noch anstrengend und habe es nur weiter gemacht, weil mein Vater es wollte und eben alle mitmachten. Training ab dem Sommer für zwei verschiedene Tänze, die ersten Auftritte im Januar und dann natürlich noch die Umzüge. Oftmals stundenlang, erst ewiges warten, bis es endlich los ging und dann noch die Strecke laufen, danach Auftritte mit den Tänzen. Quasi jedes Wochenende von Januar bis Aschermittwoch war verplant. Schlimm war irgendwann auch, dass alle anderen ohne Eltern mitfuhren und bei mir immer der Vater mitging. Ob ich wollte oder nicht. Irgendwann habe ich es geschmissen, nach viel Geheule und Geschrei.
Heute bin ich froh, wenn ich nicht allzu viel von dem Rummel mitbekomme, auch wenn es hier völlig anders ist als damals. Hier wird sich einfach irgendwie verkleidet, in der schwäbisch-alemannischen Fasnet haben alle Verkleidungen (das Häs) eine lange Tradition und stellen verschiedene Figuren dar. Die Tradition und die Verkleidungen fand ich schon immer schön, nur jahrelang selber drin stecken war einfach anstrengend. Jede Zunft hat verschiedene Gestalten, davon hat jede einen eigenen Ruf, den man als Zuschauer vervollständigen muss, damit man etwas von ihnen bekommt. Die Hexen oder andere „böse“ Gestalten treiben Unfug ohne Ende, sie schnappen einen und tragen einen mit, werfen einen in einen Wagen mit Heu, binden einem die Schnürsenkel zusammen oder stecken einen in diese tollen Tannenbaumeinpackmaschinen, so dass man nachher eingeschnürrt wieder heraus kommt. Und es wird unglaublich viel getrunken. Die Fasnet wird eingeleitet, indem man die verschiedenen Figuren erweckt, genau so werden sie am Aschermittwoch wieder verbrannt bzw. dort hin geschickt, wo sie her kommen.
Hier beginnt der Spaß am Donnerstag und endet am Mittwoch. Absehbar und aushaltbar. Und man kann sich hier, im Gegensatz zu dort, gut davor verstecken und die Zeit verbringen, ohne allzu viel mitzubekommen.
Morgen will ich eventuell mit K. und S. zu einem Umzug, falls das Wetter morgen anders ist als heute. Ansonsten werde ich morgen nicht wirklich vor die Türe gehen. Außer eventuell zum Psychiater.
Eigentlich ist das Wetter perfekt, um in der Wohnung etwas zu tun. Wenn ich jetzt noch irgendwo ein Paket Motivation finden würde, dann wäre es perfekt.
Vielleicht fange ich mit ein paar weniger wichtigen Dingen an, die ich erledigen muss und finde so einen Anfang.
Ein wenig weiter häkeln will ich auch noch. Das wird aber vermutlich eher etwas für heute Abend vor dem TV. Also muss ich mich nun eben motivieren etwas zu tun, mich vom kuschlig warmen Sofa zu bewegen und Ordnung zu schaffen. Wenn ich mal dran bin ist es okay, nur bis ich anfange brauche ich eine Menge Zeit. Vielleicht sollte ich für ein paar Tage mal meine Medis erhöhen, dann würde ich vor lauter Unruhe wahrscheinlich wieder meine ganze Wohnung putzen. Aber man spielt ja nicht mit Medikamenten.
Also werde ich eben weiter mit mir kämpfen, damit ich das alles auf die Reihe kriege. Bäh.
Wenigstens brachte meine Waage mich heute morgen zum lächeln. Trotz dem Kuchengelage und dem Futteranfall nach den Dipis zeigte sie etwas wenig an.

Solang‘ das Eis uns noch trägt.
Solang‘ der Körper sich bewegt.
Solang‘ die müden Beine tragen und der Mut den Zweifel schlägt, werden wir tun, was wir können.

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