Weiter machen

Meine Wohnung sieht aus wie ein Schlachtfeld par excellence. Meine Kraft in den letzten Tagen ging völlig drauf für atmen und durchhalten. Doch das will ich heute ändern, denn ich fühle mich nicht mehr wohl. Und ich brauche vielleicht ein wenig äußere Ordnung gegen das innere Chaos. Und außerdem will ich meinen Kopf beschäftigen, damit ich nicht an Selbstverletzung denken muss. 

Also werde ich gleich erstmal meine Tasche schnappen und zum Supermarkt ziehen. Seit nun 6 Wochen habe ich kein Geld mehr bekommen, die Rentenversicherung lässt sich Zeit. Also kratze ich die letzten Reste zusammen, denn ich sollte was essen und die Meeris und der Herr Kater sowieso. Bevor meine Tierchen hungern ernähre ich mich lieber nur von Nudeln ohne Soße. 

Und dann ist die Frage aller Fragen: wo fange ich an? Vermutlich ist das Wohnzimmer am sinnvollsten, der Mittelpunkt meines Lebens hier. Und von dort ausgehend dann in beide Richtungen. Mit Hörbuch oder Serie. Ich muss es endlich in Angriff nehmen. 

Draußen beginnt der Frühling. Wie sehr habe ich die Sonne vermisst, wie sehr hat mir die Wärme gefehlt. Von mir aus kann es direkt so in den Sommer übergehen. 

Und nun lege ich los, starte in den Tag, beschäftige mich, atme weiter, halte weiter aus. Bis ich wieder lebe und nicht mehr nur überlebe, bis es endlich wieder einfacher wird. Bis ich nicht mehr nur das Gefühl habe aus Traumafolgen zu bestehen, sondern wieder ein freier und atmender Mensch bin. Der andere Weg wäre wieder zu schweigen, wieder zu verdrängen. Doch das möchte ich nicht. Ich will nicht mehr schweigen. Ich will leben, damit leben. Laut und nicht lautlos. 

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