Wenn der Sinn von allem sich nicht zeigt

Katerkind sitzt aufgeregt am Fenster und miaut. Ich kucke raus und verkrieche mich wieder in meinem Bett. Schnee. Überall Schnee. Ich drehe mich nochmal rum und schlafe weiter. Irgendwann werde ich wach, weil der Zitronenkater jämmerlich schreit. Er sitzt auf dem Kleiderschrank (wie auch immer er da hoch kam…) und traut sich nicht mehr runter zu springen. Irgendwann landet er dann mit einem *plums* doch mitten auf meinem Bauch. Morgen werde ich blaue Flecken haben…
Mama schafft es trotz Schnee einigermaßen pünktlich bei mir aufzutauchen. „Schatz, deine Haare!“ ist ihr erster Satz und die folgenden zehn Minuten fummelt sie in diesen rum und sagt immer wieder „ach, dein schönes blond“. Ich bin wieder erblondet, ein wenig dunkler als meine „Sommerhaarfarbe“ (wenn ich im Sommer am Meer bin werden meine Haare richtig hellblond) und keine Mama ist glücklich, dass ich wieder mit meiner Naturfarbe rumlaufe. Mir gefällt es auch, lange genug hatte ich nun von hellem bis zu dunklem Rot alles drin. Nur die Spitzen sollen wieder bunt werden.
Der Einkauf verlief einigermaßen problemlos und dauerte ausnahmsweise keine Ewigkeit. Katerkind hilft beim auspacken, indem er alles was gut riecht schon mal aus der Tüte zieht.
Mama erzählt mir noch 20 Mal, dass sie mich viel zu selten sieht, bevor sie sich nach Kaffee und Zigaretten wieder auf den Weg durch den Schnee nach Hause macht. Und ich packe mich mit Kuscheldecke und Katerheizung aufs Sofa und spiele Zelda. Später werde ich ein wenig aufräumen, die Wii samt Kabeln mal an ihren zukünftigen Platz stellen, vielleicht kriege ich es ja auch hin mal zu kochen. Außerdem muss ich mich bei einem großen Onlineversand mal beschweren, weil meine Pakete neuerdings kommen wann sie wollen.
Zitronenkater findet den Schnee zu kalt und zu nass. Er liegt lieber bei mir auf dem Sofa und döst vor sich hin. Recht hat er, ich mag auch nicht nach draußen.

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Das Gefühl einfach raus zu müssen ist immer noch da. Ich mag vor mir selbst weglaufen, mag einfach mal ohne das ganze Paket an Krankheit und kämpfen und allem sein. Nur funktioniert das ja leider nicht…
Also einfach weiter machen. Weiter atmen. Weiter skillen. Schritt für Schritt und Tag für Tag. Es wird auch wieder besser, die Dunkelheit im Inneren geht auch wieder vorbei. Es geht weiter. Es geht immer weiter. Aufgeben ist keine Option.
Obwohl ich in meiner Wohnung knapp über zwanzig Grad habe, friere ich die ganze Zeit. Vielleicht liegt es daran, dass ich so wenig und so unregelmäßig esse. Vielleicht ist es auch einfach meine derzeit mehr als üblich kaputte Psyche.
In der Nacht habe ich wieder mit den Dämonen gekämpft. Mittlerweile wundere ich mich nicht mehr, wenn mein Bett am Morgen völlig zerwühlt ist und ich völlig erledigt aufwache. Die Nächte bieten keinerlei Erholung mehr. Die Tage sind dementsprechend von Müdigkeit gekennzeichnet und voller Antriebslosigkeit. Ich hoffe, dass es sich bald wieder bessert, denn ich brauche endlich wieder erholsamen Schlaf. Vielleicht werfe ich mir heute Abend noch zusätzlich Dipi ein zu meinen Tabletten, mal sehen ob ich dann eventuell schlafen kann ohne mich dabei nur hin und her zu wälzen und wasweißich zu tun, anstatt tief und fest und erholsam zu schlummern. Es ist den Versuch auf jeden Fall wert, denn ich muss morgen nicht früh aufstehen und nichts dringendes erledigen. Schneiden fällt schließlich aus wegen is nich.
Schwester Nathalies Zettel kriegen nachher einen neuen Platz, seit ich in der Klinik war kleben sie in meinem Ordner und nach dem Umräumen kann ich sie nicht mehr dort an die Wand kleben, wo sie zuvor hingen. Und ich werde mir einfach immer und immer wieder sagen, dass es weiter geht. Dass es vorbei geht. Es geht weiter. Es geht vorbei.

Wenn die Angst dich in die Enge treibt
es fürs Gegenhalten nicht mehr reicht
du es einfach grad nicht besser weißt
dann bleib
es geht vorbei

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