Wenn ich mit mir alleine bin, gibt es keine Chance zu flieh’n.

Irgendwo zwischen Montag und heute ist es gekippt. Irgendwo lag der point of no return ab dem ich nicht mehr handeln konnte. Teilweise, weil ich mir furchtbar selbst im Weg stehe. Teilweise, weil ich nicht weiß wie. Und teilweise, weil ich einfach so furchtbar kraftlos und motivationslos bin. Also sitze ich irgendwann mit Frau K., meiner Psychologie, Frau O., meiner Ärztin, Frau K. vom Frühdienst und Herrn N. vom Spätdienst im Pflegestützpunkt. Überfordert und hilflos. Mit einer 5 auf der diary card, mit Angst und Scham und Selbsthass und Traurigkeit. Steht der Therapievertrag? Kann ich auf einer offenen Station bleiben? Was tu ich nun? Auf die vielen Fragen eine Antwort zu finden fällt mir schwer. Mein Kopf ist so leer und gleichzeitig so voll und die Gedanken schreien so laut. Kann ich auf mich selbst aufpassen gerade? Kann ich wirklich dafür garantieren, dass der Therapievertrag steht? Was ist, wenn ich einfach „ja“ sage, aber trotzdem einfach etwas mache? Ich kämpfe mit mir. Gegen mich. Ringe um eine Antwort, um Ehrlichkeit. Letztendlich versichere ich, dass ich es schaffe, dass sie sich auf mich verlassen können. Ich kämpfe die Stimmen in meinem Kopf nieder, die Gedanken, die so laut wüten und um Aufmerksamkeit kämpfen. Mit dem „ja“ schiebe ich mir selbst einen Riegel vor, hindere mich selbst daran doch etwas zu tun. Besser macht es die Gedanken nicht. Ich hänge in einer Spirale aus Selbsthass, Scham, Wut, Selbstverletzungsdruck und Suizidalität fest und drehe mich immer weiter und weiter um die eigene Achse, von Gefühl zu Gefühl und Ende letztendlich immer wieder bei der Suizidalität. 

Später, als ich mit eingeschränktem Ausgang und einer VA am Tisch sitze und über die letzten Tage und die Situation nachdenke, fällt mir manches auf. Dass der Ärger über mich selbst, den Selbstverletzungsdruck und die Suizidgedanken mich nun schon seit ein paar Tagen begleitet. Dass ich die ganze Zeit gegen mich selbst kämpfe und mir selbst im Weg stehe, weil ich wütend bin, dass diese Gefühle da sind und nicht verschwinden. Ich invalidiere mich ständig selbst und mache es damit alles andere als besser. Ein kleiner Teil von mir schreit auch danach es immer weiter und weiter zu provozieren. Bis zur Eskalation. Als Beweis, dass ich es nicht wert bin. Dass ich es nicht schaffen kann. Dass ich schwach bin und unfähig. Und so drehe ich mich eigentlich schon seit Tagen im Kreis, immer weiter und weiter und schraube mich in der Spirale höher und höher. 

Morgen werde ich die VA mit meiner Psychologin besprechen. Ich weiß ein paar Dinge, die ich hätte anders tun können. Und ich glaube ich brauche einen Plan. Sowas wie hier anläuft, wenn eine 5 auf der diary card auftaucht. Ein „wenn das und das passiert, dann musst du das und das tun. Ohne wenn und aber“. Eine Möglichkeit mir selbst die Tür vor der Nase zuzuhauen. Quasi das, was hier von außen kommt. Vielleicht werde ich das ansprechen. Und vielleicht brauche ich sowas auch schon für einen früheren Punkt. Für Momente, in denen ich mir selbst so sehr im Weg stehe, mir so sehr wünsche, dass es schlimmer und schlimmer wird und alte Glaubenssätze bestätigt werden und doch gleichzeitig gegen mich kämpfe,weil ich genau das eigentlich nicht will. Ich werde morgen mal mit ihr überlegen. 

Ich hoffe einfach, dass es morgen besser ist. Dass die Gedanken sich weiter verziehen, dass ich besser handeln kann. Dass ich wieder in die Handlungsfähigkeit komme. Und meinen Ausgang wieder kriege, unbegrenzt und ohne Anmeldung und die ständige Panik, dass ich zu spät zurück komme und schon alles in Aufruhr ist. Und dass ich mit mir selbst einen Weg finde. Einen funktionalen, gesunden Weg. 


Das ist der Moment,
In dem ich weiß:
Ich selber bin
Mein größter Feind. 

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