Where there’s nothing left to leave behind

Ich habe es tatsächlich geschafft wach zu werden, sogar bevor der letzte Wecker klingelte. Ich purzel aus dem Bett und gehe rauchen, frühstücken, mich anziehen und wieder rauchen. Dann tapse ich ein Stockwerk tiefer zum Frühsport. Auf Station puzzle ich ein wenig, eine Mitpatientin fragt ganz besorgt, ob ich dass denn noch fertig kriege bevor ich morgen gehe. Dann stopfe ich ein paar Klamotten, die ich heute und morgen nicht mehr brauchen werde, in die Tasche und rufe dem Pfleger ein „ich bin dann weg“ zu, tapse nach Hause und kraule dort erst mal das schreiende Katerkind. Er versucht in mich rein zu kriechen, reibt sich an mir, miaut ohne Ende und schnurrt sich zwischendrin halb tot. Er vermisst mich sichtlich, ich ihn auch. Ab morgen bin ich wieder bei ihm, ich freue mich darauf. Er hat ganz schön viel Chaos angerichtet, meine Blumen vom Regal gefegt, den gelben Sack zerlegt, meine Kleider vom Wäscheständer gezogen und ins Wohnzimmer geschleift… Langeweile werde ich morgen wohl erstmal keine bekommen.
Ich stecke mir noch meinen Krankengeldauszahlungsschein ein, denn wenn ich eh in der Hauptstadt bin, dann kann ich auch den Wisch ausfüllen lassen und mal nachfragen, wie das mit dem neuen System, das selbst die Krankenkasse nicht so ganz versteht, funktionieren soll. Als ich die Wohnungstür zuziehe kommt mir der Gedanke, dass ich irgend etwas vergessen habe. Oh, 2016. Ich muss also das neue Hologramm, dass mein ÖPNV-Dienstleister mir zugeschickt hat, auf meine Karte kleben. Also nochmal rein in die Wohnung, nochmal Kater wieder einsammeln, Klebeding suchen und drauf kleben, Kater daran hindern mit mir die Wohnung zu verlassen und los Richtung Bushaltestelle.
Nun sitze ich in der Hauptstadt und warte, dass ich dran komme. Es ist der erste Tag im neuen Jahr, an dem die Ärzte auf haben, dementsprechend ist ganz schön was los. Das Wartezimmer ist voll und es ist warm. Meine Wunden jucken, ich mag den Verband abwickeln, die Steristrips abziehen und kratzen. Am besten nochmal alle Wunden aufkratzen, dann habe ich die Selbstverletzung direkt mit erledigt.
Ablenken. Von den vielen Menschen, dem vollen Raum und dem Jucken. Ich hoffe, dass ich nicht mehr ewig warten muss.

I think about the ways, the means, the in betweens
I’ve really lost my head
I think about the exit plan, where does this end?
Better keep your head down
My life is a warzone

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