Who needs a heart when a heart can be broken?

Wie schon geschrieben, krank sein macht Anspannung. Vielleicht weil krank sein immer schlecht war, weil nicht erwünscht. Vielleicht, weil mein Körper damals nach der Inobhutnahme alles mitgenommen hat was ging, von Erkältungen über Magen-Darm-Infekte bis zur Virusgrippe. Vielleicht auch einfach, weil ich mich so matschig fühle.
Außerdem rückt Weihnachten unaufhaltsam näher und ich mag liebsten auswandern. Ich weiß nicht, wie viele Weihnachten ich in meiner Kindheit und Jugend bei meiner Mutter verbringen durfte, wirklich erinnern kann ich mich an 3. Dafür erinnere ich mich noch zu gut an das Gefühl eigentlich in der gleichen Stadt bei meiner Oma zu sein, aber nicht zu meiner Mutter zu dürfen. Die Ausrede meines Vaters war ja immer, dass die Fahrt so weit und teuer ist. In solchen Momenten war das dann nur noch irrsinnig, denn wir waren ja schon fast da. Aber nein. Genauso durfte meine Mutter mich nicht abholen, dann hätte sein Argument ja auch keinen Sinn mehr gemacht.
Und Weihnachten bei meinem Vater war auch immer so eine Sache. Meistens hatte er getrunken (wann hat er das auch mal nicht…) und war dadurch noch anstrengender als eh, dann natürlich über die Geschenke meiner Mutter gemeckert, mir oft noch nicht mal erlaubt anzurufen. Genau wie Silvester. Wenn ich auf alles geachtet habe, kein falsches Wort, kein falscher Blick, keine falsche Bewegung, dann war es durchaus schön. Aber die kleinste Kleinigkeit brachte es zum kippen. Und die Tatsache, dass meine Mutter und meine Schwester so viele Kilometer entfernt waren machte es auch nie besser.
Und selbst wenn ich dann zu meiner Mutter durfte („warum willst du zu Weihnachten/Silvester da hin, du warst erst zu Ostern dort!“) hatte ich ein unglaublich schlechtes Gewissen, weil mein Vater allein war. Er hat mir auch davor, währenddessen und danach immer wieder erzählt wie schlimm es sei Weihnachten/Silvester alleine zu verbringen. Wie ich mich dabei gefühlt habe war einfach egal, wie immer. Und jedes Jahr um diese Zeit muss ich an damals denken. Und ich muss mit mir selbst kämpfen, dass ich ihn nicht anrufe oder ihm schreibe, weil ich mir so Vorwürfe mache ihn mal wieder alleine zu lassen. Und dann denke ich mir, dass er absolut keine Rechte an mir hat, nur weil er an meiner Zeugung beteiligt war. In mir kämpfen dann Gefühle gegen Verstand, bisher habe ich es mehrere Jahre geschafft standhaft zu bleiben und ich will es auch weiterhin schaffen. Ich weiß, dass der Kontakt mit ihm schlimmer wäre für mich als das schlechte Gewissen. Und trotzdem schleicht es sich immer wieder in die Gefühle und Gedanken. Ich frage mich immer wieder, was all diese Dinge, die ich erlebt habe, erleben musste, mit der Liebe eines Vaters zu tun haben, die er doch immer predigte.
Und wenn ich an Weihnachten denke werde ich gleichzeitig auch wütend, weil ich es eigentlich mag wenn alles weihnachtlich geschmückt ist, wenn es nach Zimtwaffeln und Bratäpfeln riecht und das Jahr sich langsam dem Ende zuneigt. Aber all das Schöne geht unter, weil die Erinnerungen an ihn das ganze so unglaublich trüben. Vielleicht eine Aufgabe für dieses Jahr: mir immer wieder sagen, dass es vorbei ist, dass ich Weihnachten und Silvester mittlerweile so verbringen kann wie ich es möchte.

Ich habe es geschafft zu schlafen und zu essen. Das ist schon mal viel wert. In letzter Zeit habe ich immer mehr das Gefühl, dass mein Essverhalten langsam krankhaft wird. Manchmal ewig nichts essen, dann wieder zu viel, dann wieder nichts. Gekotzt habe ich, bis auf einmal in der Klinik nun (und das auch nicht unbedingt wegen Essen sondern wegen Druck), schon länger nicht mehr. Und es soll auch besser so bleiben. Ich will in der nächsten Zeit neue Rezepte ausprobieren, wieder viel schnibbeln und frisch kochen. Vielleicht wird es dann besser.

Ich war vorhin noch kurz bei meiner Nachbarin oben, jetzt hänge ich auf dem Sofa. Und damit meine ich wirklich hängen. Ich fühle mich ziemlich wie ein Zombie, der Blick in den Spiegel hat mir gesagt, dass ich auch so aussehe.
Haushalt und den Kram habe ich auf morgen verschoben. Falls es mir dann besser geht. In den letzten Jahren habe ich meinem Körper eigentlich nie die Möglichkeit gegeben sich anständig auszukurieren, sondern immer mit Medikamenten nachgeholfen oder eben trotzdem weiter gemacht wie im gesunden Zustand. Das will ich ändern. Selbstfürsorge, hab ich das heute nicht irgendwo schon mal erwähnt?
Und dazu gehört auch, dass ich gleich wohl wieder in mein Bett kippe. Ich hoffe ich kann schlafen und muss nicht ständig Nase putzen. Medis also mal ne Stunde früher nehmen, Kuscheldecke um mich wickeln und hoffentlich schlafen können. Doofes Kranksein.

I’ve been takin‘ on a new direction
But I have to say
I’ve been thinkin‘ about my own protection
It scares me to feel this way

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