Why would you do that?

That’s every suicide. Every single one. An act of terror perpetrated against everyone who’s ever known you. Everyone who’s ever loved you. The people closest to you, the ones who cherish you are the ones who suffer the most pain, the most damage. Why would you do that? Why would you do that to people who love you?

– The Blacklist

Suizidalität ist ein großes Thema momentan. In mir ist unglaublich viel Schmerz und Traurigkeit.

Manchmal frage ich mich, wo diese Traurigkeit und der Schmerz in den ganzen letzten Jahren waren. Klar, immer mal wieder da und auch intensiv da, doch aktuell trifft es mich immer wieder mit einer solchen Wucht, dass kein Raum mehr für etwas anderes bleibt.

Ich möchte schneiden, weil ich diese Gefühlswucht nicht aushalte. Weil ich es gut dosiert in kleinen Häppchen zwar schaffe, aber nicht in dieser Intensität, nicht, wenn es mich mit solcher Wucht trifft. Es erinnert mich an die Abende in meinem Kinderzimmer, an die feinen roten Linien auf meinem Arm, an die Tränen, die sich in mir aufstauen und niemals alle geweint werden können.

Die Selbstverletzung fehlt. Sie fehlt mir so unglaublich und gerade in den Momenten, in denen ich mit der Panik kämpfe, mag ich sie nur aus mir raus schneiden. Alles andere wird so klein, wenn meine Welt auf mein hämmerndes Herz in meiner Brust zusammen schrumpft, wenn da nichts mehr ist als die Angst, der rasende Puls, die Kälte und das Zittern. Dann ist es plötzlich so egal, dass es bald zwei Jahre ohne Schneiden sind, dann ist egal, dass ich es eigentlich nicht mehr will, dann ist egal, dass es letztendlich nur eine kurze Erlösung bringt. Dann will ich einfach nur, dass es aufhört, und der Preis ist dabei egal.

Und dann kommen noch die anderen Dinge dazu. Mein Untermieter, der seit 10 Stunden eigentlich nicht mehr mein Untermieter ist. Der sich aber nicht dazu herablässt, seinen Kram hier abzuholen, der gestapelt in der Küche steht. Der mir also auch meinen Schlüssel noch nicht wieder gebracht hat. Zwischen dessen Sachen ich beim rausräumen noch mehr leere Blister Medikinet entdecke, eins mit dem Aufkleber aus der Klinikzeit. In der Klinik war ich zuletzt letzten Sommer, also muss er sich schon damals an meinen Medikamenten bedient haben. Wut, unglaubliche Wut und Enttäuschung und das Gefühl hintergangen worden zu sein. Gefühle, die sich potenzieren, aufschaukeln und schließlich in Selbsthass umschlagen, weil man doch nicht wütend sein darf, keine Gefühle haben, nicht existieren, nicht aufmucken. Glaubenssätze. Heimatfilm.

Schwester Nathalie rettet mir vorgestern mal wieder den Hintern, als ich nur noch eskalieren möchte, als alles in mir schreit und ich vor Anspannung nicht mehr denken kann. Ich bin unglaublich froh, dass sie Dienst hat und ich sie am Telefon habe. Sie sagt mir, dass es das richtige Gefühl ist. Dass ich wütend sein darf. Und enttäuscht und verletzt. Aber vor allem auch wütend. Dass es da hin gehört, absolut passt, absolut angemessen ist. Während dem Reden kommen die Tränen und die Anspannung weicht, wird erträglicher, aushaltbarer. Ich kotze mich aus, lasse meine Wut raus, meine Tränen, das ganze Chaos. „708 Tage Frau Zitrone!“ sagt sie immer wieder und ich muss lächeln.

Wir reden noch kurz übers Studium. Darüber, dass ich mir gerade mein Leben aufbaue, in dem solche Menschen einfach keinen Platz mehr haben. Und wir verabreden uns für Ende März, wenn sie aus dem Urlaub zurück ist, denn dann kann ich ihr den Lebensvertrag vorbei bringen und stolz sagen, dass es tatsächlich 2 Jahre ohne Selbstverletzung sind.

Viel Chaos momentan. Doch immer und immer wieder und weiter kämpfen und es schaffen. Mit jedem Moment, der eigentlich unaushaltbar schien, ein Stück mehr wachsen.

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