wo mal grau war sind Geschichten

In letzter Zeit gab es so viele erste Male. Die letzten Monate waren gefüllt damit. Das erste Mal aufwachen ohne dich. Das erste Mal Weihnachten ohne dich. Das erste Mal einschlafen ohne dich. Das erste Mal Geburtstag ohne dich. Das erste Mal Klinik seit langem. Das erste Mal Tatort schauen ohne dich. Das erste Mal… es waren so viele erste Male. Und nun kommen neue erste Male dazu. Das erste Mal in der neuen Wohnung einschlafen, aufwachen, kochen, tanzen, singen, auf dem Sofa sitzen, weinen… Und es tut nicht mehr nur weh. Es fühlt sich richtig an. Ich will nicht sagen gut, denn dazu ist es einfach vielleicht noch nicht die Zeit. Aber es ist okay und richtig. Und ich kann hier auf meinem Sofa sitzen, diese Zeilen schreiben und lächeln. Ich fange nicht an loszuheulen, durchzudrehen, zu schreien oder sonstwas.

Du warst ein wichtiger Teil meines Lebens, und du wirst auch immer ein Teil meines Lebens bleiben, wenn du das möchtest. Wir sind alt genug um uns nicht gegenseitig anzubrüllen und immer und immer wieder zu verletzen. Als Mensch will ich dich nicht in meinem Leben verlieren, zu lange warst du Bestandteil darin. Ich danke dir für all die Momente und für all die ersten Male, die wir gemeinsam erlebt haben. Und ich wünsche dir viele neue ersten Male.

Hab das Glas allein geleert,
bin allein ein Stück gegangen,
hab mich wirklich nie beschwert.
Und Zeit für zeit,
werd‘ ich versuchen an das was ich las zu denken.
Werd‘ verzeihen und doch an keinem wie an einer Heimat hängen!

„Es muss das Herz bei jedem Lebensrufe,
bereit zum Abschied sein, und Neubeginne.
Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern,
in and’re neue Bindungen zu geben.
Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,
der uns beschützt und der uns hilft zu Leben.

Mein Leben füllt sich langsam mit sowas wie Perspektiven und damit auch mit Sicherheit. Meine Wohnung füllt sich mit Möbeln und Dingen, die eben so in eine Wohnung gehören und damit auch mit Leben.

Es fühlt sich nicht mehr ganz so dunkel und furchtbar an wie noch vor 2 Monaten. Die Schnitte werden seltener, auch wenn sie immer noch viel zu oft vorkommen und mich gestern mal wieder in die Notaufnahme gebracht haben. Ich bin vor mir selbst erschrocken, weil es so schrecklich tief war und musste mich erstmal beruhigen bevor ich mich irgendwie auf den Weg dorthin machen konnte.

Und so versuche ich zu leben. Weiterzumachen, immer wieder aufzustehen.

In den nächsten Tagen kommt hoffentlich das Internet. Und mein twloha-Paket. Und meine Waschmaschine. Und und und. Noch mehr erste Male. Und ich wünsche mir noch viel viel mehr wundervolle erste Male hier, in meinem Reich, in meinem Leben.

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