Wofür es sich zu leben lohnt

Ich sitze auf der Bank vor der Klinik, atme ein und aus und blicke auf den großen Baum vor meiner Nase. So oft saß ich an dieser Stelle während der dbt, in sämtlichen Gefühlslagen und Anspannungszustände. 

So sitze ich da, mit Zigarette und Energy, atme ein und aus und denke an den Moment, als ich zum ersten Mal dort saß, vor dem Vorgespräch, angespannt, panisch, kurz davor die Flucht zu ergreifen. 

Nun bin ich fast genauso lange wieder zuhause wie ich in der Klinik war. Fast 14 Wochen sind seit meiner Entlassung vergangen und es fühlt sich nach so viel mehr an. 7 Monate sind vergangen seit dem Beginn der dbt, 7 Monate, in denen so vieles passiert ist, sich so viel bewegt hat. Und auch in der Zeit danach hat sich so viel getan. Es ist teilweise für mich immer noch nicht nachvollziehen, dass sich in so kurzer Zeit soviel ändern kann und ich frage mich oft, ob da nicht doch irgendwann wieder der große Knall kommt und mich zurück wirft. Ich wage es kaum dem Frieden zu trauen, weil es so ungewohnt ist so zu leben. Ohne die 24/7 an Anspannung, ohne ständigen Selbstverletzungsdruck, ohne ständige Suizidgedanken. 

Ich sitze auf der Bank, lächle und bin tatsächlich einfach nur stolz. Ohne das Gefühl direkt wieder wegschieben zu wollen, ohne direkt Gründe zu suchen, die mir zeigen, dass ich noch so viel an mir arbeiten muss. Ich sitze einfach nur da und bin stolz auf mich, auf die vergangenen Wochen zuhause, auf die Traumatherapie, auf die dbt, auf die ganzen Jahre, die ich nun schon kämpfe und nicht aufgebe. Einfach stolz auf mich. 

Es fühlt sich merkwürdig an auf die Station zu gehen, die 14 Wochen meine Heimat war. Es fühlt sich merkwürdig an dort zu sein, auf den so bekannten Knopf im Aufzug zu drücken, die so bekannte Tür zu öffnen. Fremd und doch gleichzeitig so vertraut. 

Seit ich am Samstag hier ankam genieße ich jede Sekunde. Ich genieße die Zeit mit A., ich genieße die Momente alleine, die Zeit mit der lieben Mira, die Zeit mit Puffi und die Zeit, die C., A., Puffi und ich auf der Geschlossenen und dort im Garten verbringen. Ich genieße jeden Augenblick mit den tollen Menschen um mich rum und in dieser Stadt, die für mich ein Stück Freiheit bedeutet, weil hier der Weg in ein neues Leben seinen Anfang fand. 

Ich genieße es einfach zu lachen und verrückt zu sein und zu atmen und zu leben. Und es ist so unglaublich schön, dass ich das kann, dass ich weiter gekämpft habe für solche Momente. Denn genau diese Momente sind es, für die ich leben möchte. 

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