You’re a fighter, so fight, wake up and live

Morgen ist also Heilig Abend. Und es fühlt sich absolut gar nicht danach an. Abgesehen davon, dass bei 10° schwer Winter- oder Weihnachtsstimmung aufkommt, bin ich auch irgendwie noch gar nicht im Dezember angekommen. Irgendwie verging dieses Jahr so schnell, es ist so vieles geschehen. Morgen Weihnachten zu feiern fühlt sich seltsam an. Vielleicht kommt die Stimmung morgen ja noch auf. Aber sonst hatte ich jedes Jahr, spätestens am Tag vor Heilig Abend, dann doch Weihnachtsstimmung.
Ich mache mir Gedanken, dass mein Vater auftauchen könnte. Jedes Mal, wenn es an der Türe klingelt zucke ich zusammen. Jedes Mal wenn das Telefon klingelt atme ich erleichtert auf, wenn nicht seine  Nummer auf dem Display erscheint.
In den letzten 4 Nächten habe ich von ihm geträumt. Oftmals schaffe ich es mittlerweile dann aufzuwachen. In der letzten Nacht habe ich davon geträumt, dass ich erzähle was er alles getan hat und ich verstanden und beschützt werde. Also genau die Dinge, die ich damals nicht hatte.
Morgen früh werde ich also zu Mama und Schwesterherz fahren. Wie in so einigen Jahren mittlerweile. Nächstes Jahr werden es zehn Jahre, die ich nicht mehr bei ihm bin. Und auch nach diesen zehn Jahren sitzen manche Dinge noch ziemlich tief.
Was in letzter Zeit erstaunlich gut funktioniert ist das Essen. Ich kriege es doch relativ regelmäßig hin morgens zu frühstücken, mittags zu kochen und abends noch etwas kleines zu essen.
Ich versuche mir immer wieder vor Augen zu halten, dass mein verkorkstes Essverhalten Folge der wirren Welt meines Vaters ist, so schaffe ich es dann auch oft das in normale Bahnen zu lenken.

Ich weiß nicht, wie ich diesen Abend noch überstehen soll. In den nächsten 3 Tagen habe ich Mama und Schwesterherz, die mich hoffentlich genug ablenken, habe hoffentlich die Kraft mal einfach nur zu genießen, weil ich weiß, dass er kein Teil meines Weihnachten sein wird. Ich werde zwar Klingen mitnehmen, aber mehr aus der Sicherheit heraus, dass dann welche da sind, nicht weil ich den festen Plan habe zu schneiden. Ich werde mir nur die Medis mitnehmen, die ich auch wirklich brauche und nur so viel Bedarf, dass ich damit keinen Mist machen kann und der Missbrauch davon auch ziemlich sinnfrei wäre. Ich werde meinen Laptop mitnehmen und ein Buch und ein paar Skills. Ich werde mir den Zettel von Nathalie in den Geldbeutel stecken und immer wieder lesen, wenn es notwendig ist. Ich werde einfach weiter atmen, wenn es zu schwer wird um eigentlich weiter machen zu können.

Jetzt richte ich meine Medis für die nächsten Tage, packe dann endlich mal die Geschenke ein, suche mir eine Transportmöglichkeit für die Dinge, die ich mitnehmen werde und schaue dann, wie wach ich bin. Vielleicht kippe ich danach einfach in mein Bett, vielleicht schaue ich noch ein wenig walking dead. Weiter machen, weiter atmen, ablenken. Vielleicht lege ich mich morgen bei Mama als erstes Mal schön in die Wanne und entspanne mich noch ein wenig vor dem ganzen Wahnsinn.

Everything’s gonna be alright
Everything’s gonna be okay
Everything’s gonna be alright

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