You’re killing me, killing me

Vor genau einem Jahr habe ich furchtbar im Liebeskummerwahnsinn gesteckt. Danke an Facebook, dass du mich mit „an diesem Tag“ daran erinnert hast. Und so läuft heute das gleiche Lied wie letztes Jahr an diesem Tag.

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Was tut man, wenn das komplette bisherige Leben zerbricht? Das habe ich mich letztes Jahr gefragt und ich frage es mich jetzt auch. Was hält einen in dieser Welt, wenn es ein ständiger Kampf ums Überleben ist? Was gibt einem die Kraft weiter zu machen? Mir fallen viele Dinge ein, die mir Halt geben. Kraft geben. Und genauso schnell wie mir nun Dinge einfallen, verschwinden sie auch wenn es wirklich schlimm ist. Dann hält mich nichts, dann gibt nichts Kraft.

Seit heute morgen hatte ich fruchtbare Anspannung. Ich bin aus Albträumen aufgewacht, brauchte lange um in der Realität anzukommen. Bin seit 7 Uhr am skillen. Skill, Anspannung runter, Anspannung hoch, Skill.
Extreme Anspannung spüre ich immer körperlich im Bauch. Es ist ähnlich dem Gefühl von Hunger. Ich hasse das Gefühl. Allein schon um es los zu werden würde ich dann gerne schneiden.

Schwester Nathalie hat für heute einen Orden verdient. Sie hat mir durch diesen Tag geholfen, durch die fruchtbare Anspannung und das ganze Drama. Heute Mittag waren wir eine Runde um den See und in den Supermarkt. Später hat sie mich bepflastert und die Pflaster wieder abgezogen. Dabei haben wir fiese Stellen entdeckt. Definitiv ein guter neuer Skill für Hochspannung. Irgendwann habe ich meine gebunkerten Klingen abgegeben. Ob es nun ein heller Moment oder geistige Umnachtung war sei mal dahin gestellt.
Später habe ich ein Glas im Bad zerbrochen, mich dabei natürlich aus Versehen verletzt (*jammer*) und dann doch irgendwie einen Anfall von Konstruktivität bekommen und den roten Knopf am der Wand gedrückt. Kai hat die Scherben in den Müll befördert, also keine Scherben mehr zum verletzen da. Irgendwann gab es zwischendurch Bedarf. Half leider nicht.
Und dann hat mich die Krise völlig gepackt, ich habe mit den Worten „ich geh raus“ die Station verlassen und bin schnurstracks nach Hause marschiert, Tabletten geschnappt, was zu trinken geschnappt und raus Richtung Wald mit dem Vorhaben einfach all diese schönen Tabletten zu schlucken. Und dann fing dieser kleine Teil in mir an zu meckern und rumzuschreien und ich habe hier angerufen. Zum Glück war Nathalie dran, sonst hätte ich vermutlich einfach wieder aufgelegt. Kurzes Gespräch, die Versicherung, dass ich zurück komme ohne etwas zu tun. Tabletten abgeben, nochmal Bedarf, Gespräch. Auch mit dem AvD (Arzt vom Dienst). Zum Glück war ein netter AvD da, sie ist eigentlich ganz knuffig und hat mich daran erinnert, dass außer dem momentanen Gefühlsdrama auch noch mein Kopf da ist. Und dass ich ja weiß, dass es vorbei geht. Weil es immer wieder vorbei ging und das auch immer wieder tun wird.
Außerdem meinte sie, dass ich schon weit gekommen sei und eine unglaublich Entwicklung durchgemacht habe. Sie kennt mich zwar nur von ihren Diensten zwischendurch, weil sie nicht auf der Station hier arbeitet, oder von kurz mal über den Weg laufen, aber sie meint auch als Außenstehende kann man meine Entwicklung sehen. Das tat gut zu hören.
Nathalie sagte mir das auch nochmal. Dass ich noch vor einem halben Jahr nicht die Kraft gehabt hätte mit einem kaputten Glas neben mir durchzuhalten oder mit Tabletten in der Hand. „Da hätte ich eine blutende Frau Zitrone hier sitzen gehabt, oder eher hätten Sie nun in der Ambulanz gesessen. Zum Glück stehen sie hier und liegen nicht auf irgend so einem doofen Friedhof.“ Sie war dann eine Weile einfach nur da und schrieb die Kurven, während ich einfach nur dastand. Das tat gut und half mir aus dem letzten Stück Hochspannung raus zu kommen.

Positiv:
Ich habe den Tag geschafft ohne mich zu verletzen. Trotz 13 Stunden enormer Anspannung.
Spazieren mit Nathalie.
Puzzle.
Ein bisschen Hin- und Hergeschreibsel. 🙂
Pflaster gemeinsam als Skill ausprobieren und für gut befinden.

I tried to be someone else
But nothing seemed to change
I know now, this is who I really am inside
Finally found myself
Fighting for a chance
I know now, this is who I really am

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