Zum kotzen 

Mein Tag gestern verlief einfach furchtbar. Nach ein wenig Schlaf ging es mir eigentlich besser. Ich stand auf, voller Tatendrang, begann damit die Wohnung zu fegen… Migräne. Bäh. Also aufs Sofa, Medis nehmen. Eine Weile später bin ich mit der kleinen Hexe am Telefon zum Einkaufen, ein paar kleine Dinge, um mich über den Abend zu retten. Die Migräne wird schlimmer. Zuhause lege ich auf, nehme noch was, schlafe auf dem Sofa ein. Ich werde wach von Übelkeit. Später ziehe ich quasi auf meinem Badvorleger ein, Decke um die Schultern, kotzen, zittern, kotzen. Das Katerkind springt mir auf den Rücken, schaut beim kotzen über meine Schulter, miaut laut, reibt sich an mir. Er bleibt an meiner Seite, kuschelt sich in den kotzfreien Momenten auf meinen Schoß, miaut mich an, wenn ich der Kloschüssel mehr Beachtung schenken als ihn. Irgendwann wird es besser. Ich fühle mich leer und kraftlos. Ich friere und zittere völlig unkontrolliert. Irgendwann traue ich mich erst ein wenig Fruchtkompot, dann noch einen Pudding und eine Banane zu essen. Und werfe noch eine Tablette hinterher, denn die anderen habe ich während dem Drama der letzten Stunden immer wieder ausgekotzt. Ich ziehe wieder auf mein Sofa. Schnappe mir noch eine Decke. Das Katerkind wärmt zusätzlich. Ich döse vor mich hin. Zu müde und kraftlos für alles. 

Kurz vor zwölf ist es ein wenig besser. Ich topfe meine Meeris noch um, bombardiere sie mit Heu und Paprika und falle ins Bett. Einschlafen geht zum Glück schnell, nur um kurz vor 4 werde ich wach und nutze den Kugelgeist als Lichtquelle für den Weg aufs Klo. Als der Wecker klingelt bin ich einfach nicht in der Lage die Augen zu öffnen. Es dauert lange, bis ich tatsächlich aus dem Bett komme. Eigentlich wollte ich mich auf den Weg machen zu meiner Mutter. Doch ich bin noch nicht wirklich in der Welt angekommen und verschieben meine Abfahrt um eine Stunde, dann rufe ich Mama an, weil der Bus eine Stunde später einfach nicht kommt und sie holt mich ab. 

Die Zeit bis dahin nutze ich und mache Ordnung. Bringe das Streu raus, putze den Boden in Wohnzimmer und Küche. 

Bei Mama gibt es erstmal was vom Chinamann. Dann sitzen wir über ihrem neuen Handy. Ich erkläre ihr dies und das, installiere und deinstalliere und stecke die Speicherkarte ins neue Handy. Als ich einige Stunden später aus der Türe gehe um wieder nach Hause zu fahren,  verschwimmen die Treppenstufen vor meinen Augen. Hinter meinem linken Auge beginnt es zu pulsieren. Mir wird übel. 

Die Migräne, die den ganzen Morgen unterschwellig da war, schlägt wieder zu. Ich vergrabe mein Gesicht in meinem Schal, schließe die Augen und versuche nicht in den Bus zu kotzen. In der Hauptstadt gehe ich ins Einkaufszentrum und dort schnurstracks zur Apotheke. Ich frage was sie mir empfehlen bei Migräne und schmeiße mir direkt eine Tablette ein um es überhaupt irgendwie bis nach Hause zu schaffen. Es ist zu laut. Zu hell. Zu viel. Ich will nur noch die Decke über den Kopf ziehen. Stille. Dunkelheit. 

Die Musik aus meinen Kopfhörern rettet mich wenigstens vor dem Lärm der Menschen. Nur noch 35 Minuten durchhalten, dann bin ich zuhause. Weiter atmen, durchhalten, durchhalten… 

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